Tragödie Wladimir Majakowski. Wölkchen in Hosen - Majakowskij, Wladimir W.
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In den vier Teilen des Gedichtes "Wölkchen in Hosen" geht es um die Umgestaltung der "alten Welt" in all ihren Bestandteilen. Der Impuls zur Umgestaltung entspringt der im Poem geschilderten katastrophischen Erfahrung, daher die vier Aufschreie:"Fort mit eurer Liebe, fort mit eurer Kunst, fort mit eurer Gesellschaftsordnung, fort mit eurer Religion." Eine triviale Liebesgeschichte mit unglücklichem Ausgang wird vom Dichter zum kompletten Scheitern des Individuums, zu einer totalen Ich-Verbrennung hyperbolisiert ...…mehr

Produktbeschreibung
In den vier Teilen des Gedichtes "Wölkchen in Hosen" geht es um die Umgestaltung der "alten Welt" in all ihren Bestandteilen. Der Impuls zur Umgestaltung entspringt der im Poem geschilderten katastrophischen Erfahrung, daher die vier Aufschreie:"Fort mit eurer Liebe, fort mit eurer Kunst, fort mit eurer Gesellschaftsordnung, fort mit eurer Religion." Eine triviale Liebesgeschichte mit unglücklichem Ausgang wird vom Dichter zum kompletten Scheitern des Individuums, zu einer totalen Ich-Verbrennung hyperbolisiert ...
  • Produktdetails
  • Verlag: Engeler
  • Seitenzahl: 112
  • Erscheinungstermin: September 2002
  • Deutsch, Russisch
  • Abmessung: 180mm x 118mm x 17mm
  • Gewicht: 190g
  • ISBN-13: 9783905591507
  • ISBN-10: 3905591502
  • Artikelnr.: 10896828
Autorenporträt
Wladimir Majakowski, geb. 1893 im georgischen Dorf Bagdady, verfasste seit 1912 zahlreiche Gedichte, Poeme, Theaterstücke und Essays. Wurde zu einem der bedeutendsten Dichter des russischen Futurismus, nach 1917 zum 'Sänger der Revolution'. Schrieb an vielen Auftragswerken, darunter auch Plakat- und Werbetexten. Ob es sich bei seinem Tod 1930 um einen Selbstmord oder einen politschen Mord handelt, ist bis heute nicht hinreichend geklärt.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 11.11.2002

Apostel der Revolution
Wölkchen in Hosen: Wladimir Majakowski in neuer Übersetzung

Ursprünglich habe er nichts als Ich sagen können, lautet die Charakterisierung des russischen Avantgarde-Dichters Majakowski durch seine Kollegin Marina Zwetajewa. Das schien zunächst nicht eben viel. Doch mit dem Anwachsen seiner lyrischen Gestalt schien es beinahe alles zu beinhalten. Majakowski fand und erfand sich als Gegenentwurf zu der schönheitstrunkenen Dekadenzkultur vor dem Ersten Weltkrieg, der Spätblüte des "Silbernen Zeitalters". Der Dichter fühlte sich von einer Kraft besessen, die den stummen, nichtigen, schmutzigen Dingen Stimme und Bedeutung verlieh. So wurde die bolschewistische Revolution geradezu zwangsläufig zur persönlichen Sache des Dichters, an deren Verbürgerlichung und Bürokratisierung auch er selbst zugrunde ging. Doch während Majakowskis klassische Propagandapoesie der Sowjetzeit zum Goldschatz des russischen Literaturkanons gehört, schätzt man im Westen vor allem das Frühwerk, wo der Kampf um neue Worte und Formen noch nicht entschieden, sondern als schöpferisches Drama mitzuverfolgen ist. Den bisherigen Übertragungen von Majakowskis erstem Poem, der "Wolke in Hosen", und der Tragödie "Wladimir Majakowski" hat nun Alexander Nitzberg eine neue hinzugefügt, in welcher er auf Bedeutungsgenauigkeit, vor allem aber auf eine deutsche Nachahmung von Majakowskis Reimtechnik, besonderen Wert legt.

Das Stück "Wladimir Majakowski", das ursprünglich den Titel "Aufstand der Dinge" tragen sollte, schildert in freien, durch unregelmäßige Reime gebündelten Versen, wie die Erzeugnisse der technisierten Welt sich aus ihrer Zweckordnung losreißen und und die Menschen zu verstörten Strichmännchen machen. Pulsierende Satzfetzen künden von Hexentänzen technischer Geräte, Revolutionsängsten und Aufbruchspathos. Majakowskis Dichter-Ich, eine Mischung aus Narr, Sündenbock und Prophet, macht sich zu deren Sammelbecken. Zum Lohn sieht er sich beladen mit den grotesk verdinglichten Tränen und Küssen der vielen Erniedrigten und Beleidigten, die er einem gottfreien Glauben darbringen will.

Das im Kriegsjahr 1915 entstandene Poem "Wolke in Hosen", dessen eigentlicher Titel "Der dreizehnte Apostel" von der zaristischen Zensur verboten wurde, formuliert in seinen vier lyrischen Exkursen über Liebe, Revolution, Poesie und Religion ein neues Evangelium. Mit kräftiger Umgangssprache im hohen Odenton verwandelt der Dichter seine Liebesklage in die Klage aller Leidenden, preist das Leben über alle Buchweisheit, rebelliert gegen Gottes menschenfeindliche Ordnung und sagt nebenbei die russische Revolution voraus. Majakowskis Markenzeichen, die vielfältigen Stamm-, Binnen-, Stabreime, welche die vom rhetorischen Impuls getragenen Verse zusammenhalten, verleihen dem Werk eine zwingende Wucht, die in einer Übersetzung nachzuahmen ebenso wichtig wie problematisch ist. Dies hat mit seiner Neuübertragung nun Alexander Nitzberg unternommen, der beansprucht, Majakowski endlich als Sprachneuerer zur Geltung kommen zu lassen, im Gegensatz zu dem bieder-kommunistischen Hugo Huppert oder dem verhaltenen Karl Dedecius. Der sprachliche Einfallsreichtum Nitzbergs, der "Überschwang erschafft" auf "Schwangerschaft" reimt, vermittelt tatsächlich etwas von der expressiven Magie des Originals. Freilich, jede Sprache ist eine eigene Welt. Sprachschöpfungen, die im Russischen folkloristische Wärme haben, etwa die Wendung "Morsch werden im Mund der Worte krepierte Krüppel", klingen auf deutsch expliziter, beinahe überanstrengt. Und wenn Nitzberg den Titel des Poems, ein Bild für den vergeistigten Mann, mit "Wölkchen" statt "Wolke" übersetzt, weil das russische Wort "oblako" nur die Schäfchen-, niemals die Gewitterwolke meint, so hat er philologisch nicht unrecht, verleiht dem Werk aber einen Namen, der biedermeierlich und satirisch klingt, aber nicht wie Majakowski.

KERSTIN HOLM

Wladimir Majakowski: "Wölkchen in Hosen/Tragödie Wladimir Majakowski". Poem. Deutsch - Russisch. Aus dem Russischen übersetzt von Alexander Nitzberg. Verlag Urs Engeler, Basel 2002. 144 S., br., 14,50 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Es herrsche anscheinend "Überbietungszwang" unter den Übersetzern aus dem Russischen, bemerkt der Rezensent Michael Braun. Und Alexander Nitzberg, der nun den frühen Majakowski übersetzt habe, sei da einer der "streitlustigsten", der die "kanonischen Übersetzungen" schlichtweg des "Frevels" bezichtigt. Wie der Rezensent aus einem bisher unveröffentlichten Essay Nitzbergs entnimmt, richtet sich sein Anspruch auf "kongeniale Mimesis" mit dem Majakowskischen Vers. Wie auch immer, Majakowskis Bild, das vor allem vom österreichischen Essayisten Hugo Huppert bestimmt wurde und den Lebensweg des Dichters "als glücklichen Reifungsprozess vom verworrenen futuristischen Feuerkopf zum klassischen Revolutionär idyllisierte", könne eine Neuübersetzung gut gebrauchen. Und der Rezensent findet es geradezu "erstaunlich", wie sehr Majakowskis Dichtung eines "liebesnärrischen und rauschbereiten Ichs" auch nach hundert Jahren, ihre "poetische Frische bewahrt hat". Dies sei eindeutig Nitzbergs Übersetzung zu verdanken, die den "Sprachartisten" Majakowski vor der "ideologischen Vereinnahmung" rette, dessen Reimtechnik "präzis" analysiere und dafür "sehr dynamische und bildkräftige Entsprechungen" finde. So dass der "Schreihals-Zarathustra" Majakowski, im "Gestus des Bildersturms", mit allen traditionellen Normen so richtig "aufräume" und am Ende sogar Gott angreife. Doch, bemerkt der Rezensent nicht ohne Schadenfreude angesichts der Nitzbergschen Pose, gerate die Übersetzung dieses "ketzerischen Evangeliums" zuweilen zu einem "verschwitzten" Manierismus.

© Perlentaucher Medien GmbH
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