Victoria Ocampo - Mein Leben ist mein Werk - Ocampo, Victoria

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Die ungewöhnlichste Frau Lateinamerikas
Victoria Ocampo war eine Frau vom Format Simone de Beauvoirs, eine der bedeutendsten intellektuellen Anstifterinnen des 20. Jahrhunderts, dazu viel besungene Muse und Vorkämpferin für die Emanzipation.
Als Victoria Ocampo 1979 im Alter von 89 Jahren starb, hinterließ sie ein Lebenswerk, das die Welt der Literatur und der Künste verändert hat. Sie gründete mit SUR eine fast fünfzig Jahre tonangebende Literaturzeitschrift, wurde selbst zur bedeutenden Essayistin, war Muse oder Freundin von Autoren wie Malraux und Thomas Mann, Tagore, Camus, Virginia…mehr

Produktbeschreibung
Die ungewöhnlichste Frau Lateinamerikas

Victoria Ocampo war eine Frau vom Format Simone de Beauvoirs, eine der bedeutendsten intellektuellen Anstifterinnen des 20. Jahrhunderts, dazu viel besungene Muse und Vorkämpferin für die Emanzipation.

Als Victoria Ocampo 1979 im Alter von 89 Jahren starb, hinterließ sie ein Lebenswerk, das die Welt der Literatur und der Künste verändert hat. Sie gründete mit SUR eine fast fünfzig Jahre tonangebende Literaturzeitschrift, wurde selbst zur bedeutenden Essayistin, war Muse oder Freundin von Autoren wie Malraux und Thomas Mann, Tagore, Camus, Virginia Woolf, Stefan Zweig, von Gabriela Mistral oder Graf Keyserling. Und sie kämpfte mutig gegen den Peronismus, den Faschismus und für die Emanzipation. Höchste Zeit, dieser einzigartigen Frau in eigenen und biographischen Texten nachzuspüren, die ihre Faszination begreiflich machen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • Seitenzahl: 339
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 339 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 136mm x 32mm
  • Gewicht: 504g
  • ISBN-13: 9783351027247
  • ISBN-10: 3351027249
  • Artikelnr.: 29730227
Autorenporträt
Victoria Ocampo Aguirre, geb. am 7. April 1890 in Buenos Aires, gest. am 27. Januar 1979 in Buenos Aires, war eine argentinische Schriftstellerin, Übersetzerin und Kulturmanagerin.
Sie entstammte einer privilegierten Familie der Oberschicht und erhielt eine statusgemäße Privatausbildung in Frankreich, wohin die Familie 1896 für ein Jahr gezogen war, und später in England. 1931 gründete sie die Zeitschrift Sur (mit 346 Nummern bis 1980 eine der langlebigsten Kulturzeitschriften der Welt) und den gleichnamigen Verlag, deren Leitung sie bis ins hohe Alter (1970) innehatte.
1977 wurde sie als erste Frau Mitglied der Academia Argentina de las Letras.
Rezensionen
Besprechung von 05.10.2010
Wenn ein Balkon seine
Villa verlässt und in See sticht
Die Frau vom anderen Meeresufer: Die Biographie der argentinischen Autorin und
Mäzenin Victoria Ocampo als Collage von Selbstzeugnissen Von Volker Breidecker
Welche Freude, Stadt, oh welche Freude, sich vorzustellen, dass deine Balkons eines Tages in See stechen können.“ Der spanische Schriftsteller Rafael Alberti besang die Stadt am anderen Ufer des großen Meeres, die ihm Ort eines langen Exils war. Die poetische Vorstellung war nicht so weit hergeholt: Flussaufwärts von Buenos Aires, im Vorort San Isidro, steht in einem üppigen Park eine stattliche Villa, erbaut im französischen Stil, mit einer ausladenden Terrasse, von der aus man den Rio de la Plata in seiner ganzen Weite überschaute.
Der Bewohnerin dieser im Jahr 1891 errichteten Villa dünkte die von Säulen überragte Veranda „wie das Deck eines Schiffes, das durch alles Grün dieser Erde zieht“ – die aus allen Weltgegenden hier angepflanzten Gewächse: „Ich wanderte auf diesem Deck auf und ab“, schreibt Victoria Ocampo im Mai 1960 im Gedenken an den wenige Monate zuvor tödlich verunglückten Albert Camus, „und diktierte . . . “ – die Übersetzung von Camus’ Drama „Caligula“ ihrem Sekretär in die Schreibmaschine.
Auf dem „Deck“ dieser von Säulen wie ein Segler von seinen Masten überragten Terrasse hatte sich im langen und erfüllten Leben der Victoria Ocampo (1890-1979) die Welt des Geistes, der Literatur und der Künste eingefunden. Deren illustre Vertreter lagen der schönen, steinreichen, klugen und unabhängigen Essayistin und Übersetzerin, Verlegerin und Mäzenin als Freunde oder als Verehrer, als Besucher oder als Bewunderer buchstäblich zu Füßen: Die Gästeliste ist lang, um nur die prominentesten Besucher aus fünf Jahrzehnten zu nennen oder diejenigen, die am längsten hier blieben: Rabindranath Tagore, José Ortega y Gasset, Hermann Graf Keyserling, Ernest Ansermet, Gabriela Mistral, Igor Strawinsky, Le Corbusier, Pablo Picasso, Fernand Léger, Waldo Frank, Pierre Drieu de la Rochelle, Gisèle Freund, Albert Camus, André Malraux, Roger Caillois, Susan Sontag und viele andere mehr.
Das Schiff Victoria hielt es jedoch nicht in seinem Heimathafen, sondern es stach häufig in See, um den Atlantik zu überqueren, nach Frankreich und England, Italien und Spanien. Bei seiner ersten, mehr als einjährigen Europareise ist das von französischen und englischen Gouvernanten aufgezogene Mädchen sechs Jahre, bei der zweiten achtzehn Jahre alt. Auf die zuletzt fast dreijährige Reise soll die Familie von Grundbesitzern und Oligarchen zwei lebende Kühe und mehrere Hühner mitgenommen haben.
Victoria, die Erstgeborene von sechs Schwestern – Silvina, die es als Schriftstellerin später ebenfalls zu Ruhm brachte, war die jüngste –, wird von ihrem Clan streng behütet und bewacht. Aber sie ist ein aufsässiges, rebellisches und neugieriges Kind. Sie hört am Collège de France, und sie liebt die verbotene Literatur. Unter ihrem Kopfkissen entdeckt die entsetzte Mutter einmal Oscar Wildes berühmte Apologie „De profundis“.
Zurück in Buenos Aires, wird für Victoria eine maßgeschneiderte Ehe arrangiert, aus der sie aber schon bald ausbricht, um sich noch vor der Scheidung gemeinsam mit dem Mann, der ihre große Liebe bleiben sollte, eine Zweitwohnung zu nehmen. Und zum Entsetzen der patriarchalisch-steifen Gesellschaft ihrer Heimat steuert sie ein offenes Cabriolet und raucht Kette.
Victorias stolzestes Schiff aber trägt den Namen „SUR“. Das ist die von ihr gegründete und mitsamt einer gleichnamigen Buchedition geleitete Literaturzeitschrift, die wichtigste Lateinamerikas und eine der bedeutendsten und langlebigsten der Welt. Auf den Blättern von „SUR“ wurde die Dichtung und Literatur wenigstens dreier Kontinente verhandelt und ausgetauscht und der europäische Geist in klugen Essays gepflegt.
Victoria Ocampo und ihre Mitstreiter – Nora und Jorge Luis Borges, Adolfo Bioy Casares und Silvina Ocampo waren mit dabei – legten bei einer grundsätzlich antitotalitären Haltung Wert auf ihre apolitische Neutralität und ein breites Spektrum von Autoren – von Theodor W. Adorno über Lewis Mumford bis zu Stefan Zweig –, in dem Marxisten ebenso wie deren Gegner zu Wort kamen. 346 Hefte erschienen zwischen 1931 und 1980, unter der Militärdiktatur wurde es eng für die Zeitschrift, und nach einigen wenigen Nachzüglern stellte sie 1992 ihr Erscheinen ein.
„SUR“ war das Blatt, von dem wir noch heute träumen. Victoria Ocampo selbst aber hat ein riesiges schriftstellerisches, vorwiegend essayistisches Werk hinterlassen. Verwegen war schon ihre erste Veröffentlichung im Jahr 1923, ein höchst origineller Dante-Kommentar unter dem Titel „Da Francesca a Beatrice“ – ein Sakrileg schon deshalb, weil erstmals in der Geschichte der Dante-Philologie eine Frau diesen Kommentar verfasst hatte –, der auch einiges von der leidenschaftlichen Sensibilität der Verfasserin preisgibt, die von sich sagte: „Ich lebte Dante, ich las ihn nicht.“
Ihre Thesen waren ihr so wichtig, dass, als Mussolini, der ihr ansonsten ein Horreur war – wie später Peron, der sie für einige Wochen ins Gefängnis werfen ließ –, sie einmal im Palazzo Venezia empfing, die beiden darüber stritten, ob Dante seine „Göttliche Komödie“, wie Mussolini behauptete, aus „Hass auf Florenz“ oder aber, wofür Victoria einstand, „aus Liebe zu Beatrice“ geschrieben habe.
Aus Ocampos zehnbändigen, über die Jahrzehnte hinweg erschienenen „Testimonios“ („Zeugnissen“), die aufgrund ihres persönlichen Tons und der Vielfalt ihrer Themen und Zugänge von Hispanisten mit Montaignes „Essais“ verglichen werden, und aus sechs weiteren Bänden ihrer Autobiographie hat die Romanistin Renate Kroll ausgewählte Abschnitte zu einer – wie sie es nennt – „Auto-Biographie“ collagiert und die Bruchlinien mit eigenen Kommentaren und Überleitungen gefüllt. Das ist nicht immer gelungen, im Ganzen aber verdienstvoll, denn seit Doris Meyers längst vergriffener Biographie – mit der Zugabe einiger Essays – gab es auf deutsch nichts mehr von oder über Victoria Ocampo zu lesen.
Die bewegenden Höhepunkte der vorliegenden Auswahl sind die Erlebnisse und Empfindungen Victoria Ocampos während eines London-Aufenthalts am Vorabend des Münchner Abkommens und acht Jahre später der fulminante Bericht von ihrer Reise nach Nürnberg zu den Verhandlungen des Kriegsverbrechertribunals. Dieses Buch lässt Hunger und Durst nach mehr aufkommen. Übersetzer, Verleger, Mäzene gesucht!
Victoria Ocampo
Mein Leben ist mein Werk
Eine Biographie in Selbstzeugnissen. Herausgegeben, kommentiert und übersetzt von Renate Kroll. Aufbau Verlag, Berlin 2010. 339 Seiten, 22,95 Euro.
Hat Dante seine „Göttliche
Komödie“ aus Hass auf Florenz
oder Liebe zu Beatrice verfasst?
Die Männer lagen Victoria Ocampo (1890-1979) zu Füßen. Unser Bild zeigt die schöne, steinreiche und kluge Essayistin und Übersetzerin, Verlegerin und Mäzenin 1946 vor dem Hôtel de Crillon in Paris. Foto: Roger Viollet/Ullstein Bild
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Volker Breidecker wäre, so klingt es in seiner Rezension, ohne weiteres vor der schönen, klugen und reichen Verlegerin, Essayistin und Übersetzerin Victoria Ocampo niedergekniet. Die argentinische Autorin, die, wie der Rezensent betont, nach einem "langen und erfüllten Leben" 1979 starb, hat neben zehn Bänden mit "Testimonios" auch eine sechsbändige Autobiografie geschrieben, woraus die Herausgeberin und Übersetzerin Renate Kroll nun den vorliegenden Band, mit Kommentaren versehen, zusammengestellt hat. Wenn auch nicht alles genau nach den Wünschen Breideckers ausgefallen ist - was genau er sich anders vorgestellt hat, behält er für sich -, so lobt er es doch als großes Verdienst, dieser wichtigen Autorin endlich nach der "längst vergriffenen" Biografie von Doris Meyer wieder eine Publikation zu widmen, und sie macht ihm, nein, nicht Appetit, sie macht ihm "Hunger und Durst nach mehr"!

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