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Almost forty and with nothing to show for it, Hannah Luckraft is starting to notice that her lifestyle is not entirely sustainable: her subconscious is turning against her, her soul is a little unwell. Her family is wounded, her friends are odd, her body is not as reliable as it once was and her drinking is frankly out of hand. Robert, a dissolute dentist, appears to offer a love she can understand, but he may only be one more symptom of the problem she must cure. From the north-east of Scotland to Dublin, from London to Montreal, to Budapest and onwards, Hannah travels in search of the…mehr

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Produktbeschreibung
Almost forty and with nothing to show for it, Hannah Luckraft is starting to notice that her lifestyle is not entirely sustainable: her subconscious is turning against her, her soul is a little unwell. Her family is wounded, her friends are odd, her body is not as reliable as it once was and her drinking is frankly out of hand. Robert, a dissolute dentist, appears to offer a love she can understand, but he may only be one more symptom of the problem she must cure. From the north-east of Scotland to Dublin, from London to Montreal, to Budapest and onwards, Hannah travels in search of the ultimate altered state: the one where she can be happy - her paradise.

Paradise is a compelling examination of failure that is also a comic triumph, a novel of dark extremes that is full of the most ravishing lyrical beauty.


Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Random House UK Ltd
  • Seitenzahl: 352
  • Erscheinungstermin: 31. Oktober 2010
  • Englisch
  • ISBN-13: 9781409058182
  • Artikelnr.: 39216878
Autorenporträt
A. L. Kennedy, geb. am 22. Oktober 1965 im schottischen Dundee, gehört seit ihrer ersten Aufnahme in die legendäre Granta-Anthologie Best of Young British Writers (1993) zu den meistbeachteten Autorinnen Großbritanniens und gewann zahlreiche Preise. A. L. Kennedy wurde u.a. mit dem Somerset Maugham Award ausgezeichnet. Die Autorin, Dramatikerin und Filmemacherin lebt in Glasgow und meldet sich mit Beiträgen im Guardian auch politisch zu Wort, u.a. als engagierte Gegnerin des Irak-Krieges. Sie erhielt 2008 den Internationale Eifel-Literatur-Preis.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.10.1999

Flugverbot im Garten Eden
Aristokratie der schwärzesten Haut: Toni Morrisons neuer Roman erzählt vom Rassismus innerhalb einer schwarzen Gemeinschaft / Von Hubert Spiegel

Dieses Buch endet mit einem großen P und einem kleinen Fehler. Auf der letzten Seite ihres neuen Romans, nachdem die Romanhandlung Jahrzehnte durchmessen hat und Dutzende von Figuren auf- und wieder abgetreten sind, ist der Nobelpreisträgerin Toni Morrison ein Malheur passiert: ein Fehler im allerletzten Wort. Ein winziges Detail, das kaum ein deutscher Leser bemerken wird, denn es ist nur in der im vorigen Jahr in Amerika erschienenen Originalausgabe enthalten: Toni Morrison, 1931 in Ohio als zweites von vier Kindern eines schwarzen Arbeiterehepaares geboren, Historikerin, Lektorin, Schriftstellerin, Lehrstuhlinhaberin in Princeton, Pulitzerpreisträgerin und Nobelpreisträgerin von 1993, hat das Wort "Paradise" mit einem großen P geschrieben und nicht, wie sie es sich vorgenommen hatte, mit einem kleinen. Eine Kleinigkeit? Gewiss, aber eine, in der die einzige gravierende Schwäche dieses beeindruckenden Romans eingeschlossen ist wie die Mücke im Bernstein. "Paradies" ist ein Buch ohne Kleinschreibung, ein Triumph der Großbuchstaben und ein Roman, in dem überall dort, wo Auslassungspunkte stehen sollten, der senkrechte Balken des Ausrufezeichens in den Himmel wächst.

Im Englischen ist der Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen Anfang bei einem Wort wie "paradise" nicht unbedeutend. Der ganze Respekt vor der Verheißung des Wortes, die Hoffnung auf Erlösung und die Achtung vor der Heiligen Schrift finden Ausdruck im großen P. Es ist der Aussichtsturm, den man erklimmen muss, will man auf die fromme Erwartung ungezählter Generationen zurückschauen. Das kleine p hingegen ist das Loch im Zaun, ein Gartentörchen, durch das jeder unbemerkt schlüpfen kann: ein Hindernis, das keines ist.

Nach dem Erscheinen des Buches hat Toni Morrison erklärt, sie habe mit ihrem Roman das Paradies aus den Wolken holen wollen. Es solle zu einem Ort werden, der für jeden zugänglich ist, "für die Passagiere und für die Besatzung". Ein merkwürdiger Satz. Toni Morrison spricht vom Garten Eden, als handle es sich um einen Jumbojet mit Flugverbot. Tatsächlich gibt es in diesem Roman leitendes Personal, zahlende Gäste und blinde Passagiere, die für ihr Fernweh mit dem Leben bezahlen.

Das Massaker findet im Morgengrauen statt. Neun Männer haben sich auf den Weg gemacht, ein altes Herrenhaus, das so genannte Kloster, zu überfallen, in dem eine Gemeinschaft blinder Passagiere lebt, vier Außenseiterinnen, Ausgestoßene, gestrandet auf der Flucht vor sich selbst und den maroden Verhältnissen, aus denen sie kommen. Die Männer sind auf der Jagd, einer Hexenjagd, wie sie glauben, und am Ende des Romans kennen wir nicht nur die Gründe für die blutige Kleinbürgerrevolte im Paradies, sondern auch die Geschichten aller Beteiligten, der Opfer wie der Täter. Wie die früheren Romane "Jazz" (dt. 1993) oder "Menschenkind" (dt. 1989) besteht auch "Paradies" zu einem gut Teil aus der Beschreibung von Schicksalen und Lebensläufen. Ihre Summe fügt sich nicht nur zu den Porträts zweier Gemeinschaften, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, sondern erklärt auch, warum ein Paradies das andere mit Hass und Gewalt überzieht.

Das Herrenhaus der unheimlichen Frauen, die Drogen nehmen und seltsame Exerzitien der Selbsterfahrung in dessen Kellergewölben praktizieren, und Ruby, die benachbarte Kleinstadt mit ausschließlich schwarzer Bevölkerung, die von Spießbürgern bewohnt und von bornierten Patriarchen regiert wird, sind Refugien, Flucht- und Trutzburgen schwarzer Gemeinschaften, die auf verschiedenen Wegen dasselbe Ziel verfolgen: Sie bilden Schutzräume schwarzer Identität.

Die Vorgeschichte Rubys beginnt in den Jahren der "Reconstruction", jener Ära der amerikanischen Geschichte, als nach dem Ende des Bürgerkriegs die Sklaverei abgeschafft wurde und der Wiederaufbau eines verwüsteten Landes begann. Damals, im Jahr 1889, machten sich neun schwarze Familien auf den Weg, das Gelobte Land zu finden, ein Land, in dem Schwarze in Frieden und Freiheit unter ihresgleichen leben konnten. Aber auf ihrer Reise, die sie aus dem Süden nach Oklahoma führte, waren die 158 ehemaligen Sklaven "auf keinem Fußbreit Boden zwischen Yazoo und Fort Smith willkommen". Der Zug durch die amerikanische Wüste, der mit der Gründung von Haven, der Vorläufersiedlung von Ruby endet, wird als klassischer amerikanischer Gründungsmythos geschildert, als Aufbruch eines neuen erwählten Volkes ins Unbekannte, als Aufstieg einer Gemeinschaft, die sich selbst neu erfinden kann und erfinden muss, weil sie keine gemeinsamen Erinnerungen hat. Was die ehemaligen Sklaven verbindet, ist nicht Erinnerung, sondern Verdrängung. Die Überwindung der Scham vor der eigenen Geschichte, das zentrale Motiv im Werk der ersten schwarzen Preisträgerin in der Geschichte des Nobelpreises, ist auch in ihrem jüngsten Roman ein wichtiges Thema.

Erst im weiteren Verlauf des Buches wird erkennbar, dass der Gründungsmythos auch ein Gründungstrauma war: "Wohlhabende Indianer und verarmte Weiße wiesen sie ab, Hofhunde verjagten sie, Huren und Hurenbälger in Arbeitercamps riefen ihnen Schmähungen nach, aber nichts von alldem konnte sie auf die aggressive Ablehnung vorbereiten, mit der sie sich in den Negersiedlungen konfrontiert sahen, die bereits im Aufbau waren." Der Grund für diese letzte, unerwartete Ablehnung lag nicht in ihrer Hautfarbe, sondern in deren Tönung: Rubys Gründerväter waren tiefschwarz, schwärzer als andere Schwarze, von denen sie fortgejagt wurden. Diese frühe Verletzung, deren wahre Ursache in Ruby beharrlich verschwiegen wird, aber noch den Nachkommen im Kopf steckt "wie eine Gewehrkugel", führt zu einer klandestinen Aristokratie der schwärzesten Haut, zur Vorherrschaft der ältesten Familien und sogar zu Inzucht, um sie zu wahren.

Das Urtrauma definiert Grenzen und Gesetze der Gemeinde: "Weil ihnen die Welt auf ihrem Zug nach Oklahoma 1890 alles verweigert hatte, verweigerten die Bürger von Haven einander nichts, wachsam achteten sie auf jedes Zeichen von Mangel und Not." So wird Ruby zu einer verschworenen Gemeinschaft, eine schwarze Mittelstandsidylle mit einer ausgeprägten Law-and-order-Mentalität, die jederzeit umschlagen kann in die Xenophobie des Hinterwäldlers: Wer als Fremder nach Ruby kommt, kommt als Feind, ob er es will oder nicht.

Es sind die jungen Leute von Ruby, die in den sechziger Jahren gegen dieses Erbe aufbegehren. Unterstützt von Reverend Missner, einem der Geistlichen von Ruby, dem Einzigen, der nicht aus einer der alten Familien stammt, stellen sie Traditionen in Frage und beschwören schließlich fast einen Krieg der Alten gegen die Jungen herauf. Der Konflikt entzündet sich an der nur noch zum Teil leserlichen Inschrift auf dem Gemeinschaftsofen des Ortes, einer Art Bundeslade von Ruby.

Die Schilderung dieser Auseinandersetzung zählt zu den beeindruckendsten Passagen des Buches. Was vordergründig wie ein Gefecht um die Deutungshoheit über den Sinnspruch der Gründungsväter aussieht, ist in Wirklichkeit ein Ausläufer jenes Konflikts, der ganz Amerika erschütterte. In Ruby, wo es keine Weißen gibt, stellt sich die Rassenfrage in anderer Form: Darf die Gemeinde, wenn die Schwarzen des ganzen Landes um ihre Rechte kämpfen, in der selbst gewählten Isolation verharren?

Der Kampf um den Spruch auf dem Ofen zeigt die Fragen, die Toni Morrison erzählerisches Werk bewegen, wie in einer Nussschale: Wie wird Geschichte rekonstruiert, wer besitzt die Definitionshoheit über die Überlieferung, wer lenkt die Metamorphosen der Tradition, welche Verpflichtungen erwachsen aus einer Hautfarbe, die ihren Trägern immer auch eine Bürde ist? Der Roman "Menschenkind" schilderte den Kampf der entflohenen Sklavin Sethe um die Wiedergewinnung ihrer verdrängten Erinnerungen, in "Paradies" ist die Möglichkeit unmittelbarer Rekonstruktion nicht mehr gegeben: Die Inschrift auf dem Ofen ist unwiederbringlich zerstört, das Band der Geschichte zerrissen. Auch aus diesem Grund ist das Massaker an den Frauen im Kloster unausweichlich. Hier schlagen die Väter von Ruby jene Schlacht gegen das verhasste Fremde und Neue, die sie im Ort selbst nur um den Preis ihrer Söhne und Töchter schlagen könnten.

Paradies" ist Toni Morrisons siebenter Roman und ihre erste Veröffentlichung nach dem Nobelpreis von 1993. Nach seinem Erscheinen im vorigen Jahr ist der Roman von der amerikanischen Kritik als ihr bislang bestes Buch gefeiert worden, aber auch auf heftige Ablehnung gestoßen. Moniert wurden die Darstellung schwarzer männlicher Sexualität, das Fehlen zentraler Figuren und ungebrochen sympathischer Charaktere, die Vielzahl der Personen, der komplizierte Aufbau von Handlung, Genealogie und Erzählperspektive. Der Rezensent der "Financial Times" fühlte sich bei der Lektüre an ein Telefonbuch erinnert, bescheinigte der Autorin "erzählerische Inkompetenz" und bezeichnete ihre Erzähltechnik als "Form der Folter". Solche Urteile sind grotesk, zumal Morrisons seit je gerühmte Erzähltechnik, die zahlreiche Stimmen und Zeitebenen mit größter Geschmeidigkeit zusammenführt, in "Paradies" einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Allerdings ist das Buch tatsächlich nicht leicht zu lesen. Zwar beruhen die Konflikte auf simplen Gegensätzen zwischen Männern und Frauen, Jungen und Alten, Traditionalisten und Anhängern des Fortschritts. Aber wer den Überblick behalten will, ist versucht, auf eigene Faust Zeittafel und Personenverzeichnis anzulegen. Für die moralischen Postulate der Autorin empfiehlt sich eine eigene Liste.

Nie zuvor, so ist gesagt worden, habe Toni Morrison in einem ihrer Bücher eine feministischere Position bezogen. Darüber zu streiten wäre müßig, aber gewiss ist, dass unter all den seltsamen weiblichen Heiligen im Werk der Autorin diese vier einen Platz unmittelbar am Altar beanspruchen dürfen: Mavis, eine Mutter, die ihre beiden Säuglinge in der Sonnenglut im Auto hat ersticken lassen, während sie im klimatisierten Supermarkt Würstchen einkaufte, Gigi, die außer Sex nicht viel im Kopf hat, Seneca, die mit Sicherheitsnadeln Straßenpläne in ihre Haut einritzt, seitdem sie als Kind missbraucht wurde, Connie, eine blinde Seherin und katholische Voodoo-Priesterin und zuletzt die neue "Ehrwürdige Mutter" der verlorenen schwarzen Frauen. Toni Morrison beschreibt Verzweiflung, Depression und Leid ihrer Heldinnen, ihre Dummheit und Einfalt, ihre Weisheit und ihre Zauberkräfte. Diese Porträts sind mal liebevoll, mal spöttisch, aber zuletzt lässt die Nobelpreisträgerin alle Zurückhaltung fahren und steuert ungebremst auf eine Apotheose mit schwarzem Puderzucker zu. Wenn von der "Verzückung heiliger Frauen bei ihrem Tanz im warmen, süßen Regen" die Rede ist, prangt der Kitsch in Großbuchstaben.

Die Romane dieser großen Epikerin sind Versuche, die Dämonen des schwarzen Amerika zu bannen: die Vergangenheit in der Sklaverei, Hass und Gewalt zwischen den Rassen und den Geschlechtern. Der deutsche Leser sollte nicht vergessen, dass sie nicht für ein internationales Publikum, sondern für eine genau definierte, exklusive Leserschaft geschrieben sind. Der moralisch-didaktische Tonfall, Elemente, die Gospelmusik und die Rhetorik schwarzer Predigten ebenso zitieren wie die Schauergeschichten des "American Gothic", die "slave narrative" des neunzehnten Jahrhunderts oder die zynischen Abrechnungen mit dem schwarzen Binnenrassismus der "Harlem Renaissance" Ende der zwanziger Jahre - all dies ist für den deutschen Leser nicht auf Anhieb nachvollziehbar. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, begegnet in "Paradies" nicht nur der wichtigsten Stimme schwarzer Literatur Amerikas, sondern einer der großen Stimmen der Weltliteratur.

Toni Morrison: "Paradies". Roman. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Thomas Piltz. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1999. 495 S., geb., 45,- DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"A brave and uncompromising book that lingers in the mind, Paradise is A.L. Kennedy on top form" Independent

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 29.09.2005

Flieg auf, mein Kopfschmerz, mein Samthut!
Katzentrunken, fesseltrunken, geistertrunken: A.L. Kennedys hochprozentiger Roman „Paradies”
Laster sind unterhaltsam nur für den, der sie hat. Und von allen Lastern das ödeste ist der Alkoholismus. Das weiß der Verlag, der es vorzieht, das zentrale Thema des Buchs im Klappentext unerwähnt zu lassen und stattdessen von einer „Reise an die Grenzlinien des Ich” zu fabeln; das weiß auch die Autorin selbst, A. L. Kennedy (die ihren Vornamen mit krankenschwesternhafter Strenge unter dürren Initialen bedeckt hält), wenn sie ihre Protagonistin Hannah, 36, das erste Mal auftreten lässt. Diese kommt im Hotelfoyer einer Stadt zu sich, an die sie sich nicht erinnern kann, und man denkt erst an ein neurologisches Leiden oder etwas noch Geheimnisvolleres. Nur langsam schält sich die Wahrheit heraus - Filmriss nach Vollrausch.
Hannah schenkt sich ein Glas Fruchtsaft ein: „Es ist eine Flüssigkeit. Ich liebe Flüssigkeiten. Sie steigt im Becher dem Krug entgegen, im ständig sich erneuernden, malzigen Strudel: Sie fällt vom Krug in den Becher, wie ein Muskel, der sich ständig spannt und wieder spannt, wie das honigfarbene Herz eines endgültig spezialisierten Tieres. Sie glitzert und ergießt sich natürlich - ein Getränk gießt sich ein, eilt ins Glas, um einen Durst zu lindern, so wie es soll. Ich stelle den Krug ab und hebe das Glas, so wie ich soll.”
Reingewaschen bis zum Nichts
Das ist wundervoll ausgeheckt und gesagt, wie dieses sozusagen trockene Getränk doch in diesem Ich den Abglanz des Gefühls zum echten Nass weckt, dem Hannah sich naht wie einem lebenden Körper, mindestens dem eines Tiers. Kennedy gibt dem Leser eine echte Chance, ihre Heldin kennen- und ihre Sprache schätzen zu lernen, bevor sie mit dem kahlen Faktum herausrückt - ein Trick, den man alsbald begreift und verzeiht. Wie hätte man sich sonst in diesen stagnierenden Kosmos, in diese Biografie, die am Anfang kaputt ist und am Ende noch kaputter sein wird, hineinziehen lassen? Hannah genehmigt sich den ersten richtigen Drink des Tages, gewinnt allmählich Klarheit („Mein Kopfschmerz hebt sich hinweg wie ein Samthut”), und es dämmert ihr, dass sie mit dem traurig widerwärtigen Mann, der sie so vertraulich beim Frühstück begrüßt hat, letzte Nacht im Bett war.
Trotz aller solcher Schmach und aller Enttäuschungen, die sie erlebt und mehr noch den Anderen zufügt, führt das Buch den Titel „Paradies”. Das ist nicht ironisch gemeint. Ein normales Leben (ein normaler Roman auch) ist immer irgendwie als Projekt angelegt, als etwas wenigstens, das eine gewisse Gleichmäßigkeit seines erinnerten Zusammenhangs bewahrt. Identität gilt als hohe Errungenschaft des Individuums, und dient doch vor allem dazu, den Ämtern die Arbeit zu erleichtern. Im Paradies jedenfalls gibt es keinen Platz dafür. Hannah wäre sehr erstaunt, wenn sie eines Morgens gegen elf von der Polizei aus dem Bett geholt würde. Ich? würde sie sagen. „Die meisten Menschen existieren durch das, was sie tun, sie haben die Klarheit verloren, die ihnen einst gestattete zu sein. Ich? - ich bin total vereinfacht, ich bin destilliert. Bis zum Nichts reingewaschen, bleibe ich immer ganz, wer ich bin, egal wo oder wann. Ich begreife meine fundamentalen Ursprünge, meine Herkunft.”
Ein solches Leben muss doch, so scheint es von außen, würdelos und einsam sein. Doch das ist nicht der Fall. Die Trinkerin empfindet die innige Wärme, die ihr die Nähe von Flaschen und Gläsern schenkt, als wären es Menschenfreunde, und wählt für sie Namen großer Zärtlichkeit. Ein Schnapsflacon heißt ihr der „Porzellankobold”, und eine Flasche der Marke „Paddy” stellt sich ihr so vor: „Es ist der liebenswert hässliche Waisenknabe unter den irischen Whiskeys, der Junge mit den großen Ohren, der in der Pause am Zaun mit den Füßen im Dreck scharrt. Aber er hat 40 Prozent: Wer braucht da Vater und Mutter?”
Das Trinken erweist sich als das besondere Sternbild, unter dem sich verwandte Geister finden. Gemeinsam trinken und betrunken sein, das ist für sie nicht nur ein Accessoire der Geselligkeit wie für die „Amateurtrinker”, die dazu Oliven und Biernüsse brauchen - „Was sind überhaupt ,Biernüsse‘?” fragt Hannah verächtlich -, sondern das Sakrament der Liebe. Gemeinsam aus der Kneipe fliegen, und dann weitertrinken aus Zahnputzbechern: So gelangt Hannah zu tiefer sinnlicher und seelischer Erfüllung mit Robert, dem Lumpenhund von Zahnarzt, der Frau und Kind verlassen hat.
Die beiden missverstehen einander nicht, wenn sie gemeinsam die verschiedenen Arten der Trunkenheit klassifizieren: „Süßtrunken sein ist herrlich, vielleicht der beste der normalen Zustände. Es ist genau, wie es sich anhört - warm und nachgiebig und freundlich und fast ohne Zugabe von Alkohol. An manchen Abenden bin ich direkt am geselligen Punkt vorbei- und in heftigen Ärger hineingerauscht, bloß weil ich auf mehr Süße gehofft habe. Süßtrunken zu sein heißt, wieder sechs zu sein und Eiscreme zu essen, aber wenn man weiter trinkt, geht es fast immer wieder weg. Robert ist davon erfüllt, er leuchtet fast. ,Das ist was Feines, süßtrunken. Steht dir gut.‘ ,Ja, nicht wahr. Obwohl ich gerade vorhatte, demnächst schokoladentrunken zu werden‘.”
Dann existieren auch noch katzentrunken, geistertrunken, sandtrunken, fesseltrunken, auferstehungstrunken, taubtrunken und, am besten, segenstrunken, „wo uns nichts etwas anhaben kann, wo es keinen Schmerz gibt, wo wir so machtlos und verloren sind, dass wir heilig werden, dass unser Schöpfer sich unser annehmen muss.” Kennedy weiß viel über diese Zustände, geradezu erschreckend viel - und auch über den Zug ins Theologische, den ernsthafte Trinker offenbar immer an sich haben. Wilde Christen sind sie, die auf ihre domestizierten Artgenossen in Kirchen und Institutionen spöttisch heruntersehen.
Zu diesen samaritischen Einrichtungen zählt auch die Entzugsklinik, die Hannah aufsucht. Dort allerdings ist anstelle der Predigt die Therapie und Psychologie getreten. „,Warum, Hannah?. . .‘ Jetzt ist Pfleger Forbes wieder dran. ,Und warum trägst du dein Namensschild verkehrt herum? Sollen wir nicht wissen, wer du bist? Oder meinst du, dass wir Witzfiguren sind?‘” Wozu Hannah sich denkt: „Scheiß auf dich. Ich weiß genau, worauf du hinaus willst. Meinst du, ich könnte deinen Job nicht übernehmen? Das könnte ich im Schlaf, verdammte Scheiße.”
Vor der hohen, schmalen Tür
Hannah hat sich (die Freiheit besaß sie) bewusst für eine männliche Art des Trinkens entschieden, in männlicher Gesellschaft, um der verstohlenen weiblichen Likörsüffelei zu entgehen und damit der Verlassenheit in Sünde und Reue; und genauso weist sie die Zumutung von sich, sie hätte eine Krankheit zu kurieren. Stattdessen besorgt sie sich, durch einen besonders gemeinen Betrug, eine größere Summe und haut ab. Sie will, was sie tut, und sie ruht in der Gewissheit, dass sie es mehr will, als irgendwelche Angehörigen und Therapeuten jemals das Gegenteil werden wollen können. Darüber, wie es mit ihr weitergehen wird, geben sich Autorin und Protagonistin keinen Illusionen hin. Hannahs Bruder, ein Arzt, sagt ihr mit aller wünschenswerten Deutlichkeit: „,Du weißt doch, dass Frauen schneller sterben, oder? Immer. Die Säufer auf den Parkbänken - guck dir mal an, wie viele davon Männer sind. Die Frauen sterben einfach.‘”
Anders als dieser Bruder hält Kennedy ihrer Heldin die Treue bis ganz zum Schluss, bis zu den letzten Sätzen des Romans: „Ich greife in meine Reisetasche und finde die volle Flasche Bushmill’s unversehrt: das wunderbare Etikett: die hohe, schmale Tür, die anderswohin führt. Wenn Robert fertig ist, wenn er hereinkommt, noch rosa vom Abschrubben, warm in ein Handtuch gehüllt, dann werden wir zusammen auf dem Bett liegen und reden, wir werden einander alles erzählen. Ich werde ihn bitten, die Gläser mitzubringen, und dann werden wir anfangen.” BURKHARD MÜLLER
A.L. KENNEDY: Paradies. Roman. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2005. 362 Seiten, 22,50 Euro.
Die Trinkerin empfindet die innige Wärme der Flaschen und Gläser als wären es Menschenfreunde.
Foto: ddp
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