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Das Leben meint es nicht gut mit Moses Elkanah Herzog. Schon die zweite Ehefrau lässt ihn sitzen, zu allem Übel auch noch zugunsten seines besten Freundes, die Universitätskarriere stagniert und auch die selbstverordnete Europareise bringt keine Erleichterung. Herzog steckt fest. In seiner Verzweiflung schreibt er Briefe an Philosophen – lebende wie tote –, an Freunde, an Gott. Saul Bellow ist mit seinem Roman "Herzog" ein vielgestaltiges Meisterwerk der Erzählkunst gelungen. Für seine Arbeit wurde der Autor mehrfach ausgezeichnet, 1976 schließlich auch mit dem Literaturnobelpreis.…mehr

Produktbeschreibung
Das Leben meint es nicht gut mit Moses Elkanah Herzog. Schon die zweite Ehefrau lässt ihn sitzen, zu allem Übel auch noch zugunsten seines besten Freundes, die Universitätskarriere stagniert und auch die selbstverordnete Europareise bringt keine Erleichterung. Herzog steckt fest. In seiner Verzweiflung schreibt er Briefe an Philosophen – lebende wie tote –, an Freunde, an Gott. Saul Bellow ist mit seinem Roman "Herzog" ein vielgestaltiges Meisterwerk der Erzählkunst gelungen. Für seine Arbeit wurde der Autor mehrfach ausgezeichnet, 1976 schließlich auch mit dem Literaturnobelpreis.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Der Audio Verlag
  • Gesamtlaufzeit: 567 Min.
  • Erscheinungstermin: 31.08.2018
  • ISBN-13: 9783742408105
  • Artikelnr.: 53789409
Autorenporträt
Der Schriftsteller und Soziologe Saul Bellow (* Montreal 1915, † Brookline 2005), Sohn einer russisch-jüdischen Immigrantenfamilie, arbeitete nach seinem Studium als Journalist, später als Literaturprofessor in Chicago. Er gilt als genauer Beobachter und Darsteller intellektueller Figuren, vorzugsweise amerikanisch-jüdisch geprägt, und sensibler Kulturkritiker des "American way of life". Bellows bekannteste Werke sind u. a. die Romane "Die Abenteuer des Augie March" (1953), "Herzog" (1964) und "Humboldts Vermächtnis" (1975). Bellow, fünfmal verheiratet, erhielt neben dem Pulitzerpreis im Jahr 1976 den Nobelpreis für Literatur.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 21.03.2009

Entweder man brennt, oder man verfault

"Die Abenteuer des Augie March", "Humboldts Vermächtnis" und "Herzog": In Neuübersetzungen dieser drei großen Romane ist Saul Bellow jetzt als einer der größten amerikanischen Autoren wiederzuentdecken.

Von Thomas David

Dort sitzt er, der Adler, und raschelt mit dem Gefieder. Seine Augen gleichen harten Edelsteinen, sie sind von kalter Grausamkeit, sein Zischen klingt wie rutschender Schnee. In den Menschen, denen Augie und Thea während ihrer Fahrt durch Mexiko begegnen, erweckt der Anblick des Vogels religiöse Ehrfurcht, einen stillen, würdevollen Ernst. Sein Kot ist von beißendem Gestank. Er hat rostrote, feurige Federn, er ist jung und hat noch keinen weißen Kopf: Er erhebt sich stolz aus dem Reich der Mythen und Legenden, und als Augie den Adler zum ersten Mal sieht, trübt sich sein Blick, und Augie fühlt sich benommen und schwach. Dieser Adler, so Augie, "wirkte wie ein naher Verwandter des Vogels, der sich einmal am Tag auf Prometheus niedergelassen hatte". Dieser Adler, so Saul Bellow in "Die Abenteuer des Augie March", "lebte nur für seine Bedürfnisse, deren fleischgewordenes Manifest" er war. Er schlägt mit den Schwingen, er blitzt mit den Augen und wendet den Blick, dessen Botschaft Augie zu entziffern versucht, niemals von diesem ab. I had his eye on me and his comment to try to read and will to feel: "Immer", so Augie, "spürte ich seinen Willen." Er ist der einsame Adler, König der Tiere: Wenn er sich aufschwingt und hoch oben kreist "wie über dem Feuer der Atmosphäre", so Bellow in seinem mächtigen und wilden Roman, hat es den Anschein, als regierte er von dort aus die Welt.

"Die Abenteuer des Augie March", Bellows Epos von 1953, das der Verlag Kiepenheuer & Witsch mehr als fünfzig Jahre nach Erscheinen der ersten deutschen Ausgabe nun zusammen mit "Herzog" und "Humboldts Vermächtnis", zwei weiteren Hauptwerken des 2005 verstorbenen Autors, in einer grandiosen Neuedition vorlegt, ist einer der bedeutendsten Romane der amerikanischen Nachkriegsliteratur. Philip Roth, der in Bellow und William Faulkner das "Rückgrat der amerikanischen Literatur im zwanzigsten Jahrhundert" sieht, bezeichnet ihn als "unseren ,Ulysses'". Für Martin Amis, der Bellows väterlichem Einfluss ebenso wenig zu entkommen vermag wie Ian McEwan in dem von einer großen Bewunderung für "Herzog" überschatteten Roman "Saturday", ist "Die Abenteuer des Augie March" schlichtweg the great American novel, diese "mythische Bestie, dieser Heilige Gral, dieses irdische Eden", auf das amerikanische Schriftsteller seit Generationen so selbstbewusst Anspruch erheben wie ein New Yorker Tellerwäscher auf den sprichwörtlichen Traum vom Glück. Bellows Roman ist ein Bruder von Melvilles "Moby-Dick", von Fitzgeralds "Großem Gatsby": Er ist vollkommen und schön, der poetische Höhenflug seines bei Veröffentlichung des Romans achtunddreißigjährigen Autors, und zugleich doch so gewaltig, so unförmig und maßlos wie die Geschichte von Ahabs Jagd auf den weißen Wal, aus deren Kielwasser uns Augies eigenwillige, die kollektive Obsession des materialistischen Existenzkampfes beharrlich unterlaufende Version des American Dream entgegenzuspülen scheint.

"Ich bin Amerikaner, geboren in Chicago - dem düsteren Chicago -, habe mir selbst beigebracht, wie man die Dinge in die Hand nimmt, nämlich unkonventionell" - freestyle, wie Bellows temperamentvoller Ich-Erzähler im Original seines berühmten ersten Satzes sagt -, "und werde auch auf meine Art Erfolg haben." Der Weg aus dem jüdischen Viertel von Chicago, dem der 1915 im kanadischen Lachine zur Welt gekommene und ab 1924 in Chicago aufgewachsene Bellow mit der genialischen, vom starken Licht seiner Erinnerungskraft ausgeleuchteten Imagination ein lebendes Denkmal setzt, führt Augie durch die ärmlichen Hinterhöfe der "Großen Depression", die Hinterzimmer kleiner Ganoven: von der Highschool ins Haus des Grundstücksmaklers William Einhorn, für den Augie eine Zeitlang als Sekretär und Begleiter arbeitet, von der Universität in die ebenfalls nur vorübergehende Anstellung als Gewerkschafter der CIO und in einer von Bellow mit der energischen Kraft eines Fernschnellzuges rasant vorangetriebenen Szenenfolge schließlich von Chicago nach Mexiko, wo sich Augie und die von ihm leidenschaftlich geliebte Thea Fenchel mit einem abgerichteten Weißkopfseeadler auf die Jagd nach Leguanen begeben.

Die lange Mexiko-Episode des Romans, in der Bellow das darwinistische, bislang in der industriellen Glut der Großstadt ausgetragene survival of the fittest unter gleißender Sonne fortsetzt, ist der spektakuläre Höhepunkt des Romans: eine erzählerische "tour de force", in deren Verlauf sich der junge Adler, den Thea bei dem brutalen Versuch, ihn ihrem zielstrebigen Willen zu unterwerfen, beinahe zugrunde richtet, allmählich als Schlüsselfigur des Romans zu erkennen gibt, deren von einer mythischen Aura umgebene Urgestalt tief in Bellows Denken verwurzelt ist. Caligula, wie Augie den Vogel schließlich nennt, ist Bellows kühner Gegenentwurf zu jenen "Nebenstraßen- und Nachbarschafts-Machiavellis", die Augie auf der Odyssee durch die zahlreichen Etappen seiner Lebensgeschichte als Rekrut ihrer Überzeugungen einzuspannen und zu beherrschen trachten: Er ist der in seiner wilden Kreatürlichkeit von keiner Machtgier korrumpierte Antipode der bei den Marchs zur Untermiete wohnenden Oma Lausch, die als "busshardhafte Bolschewikin" in liebevoller Tyrannei ihr Regiment über den kleinen Augie und seinen älteren Bruder Simon führt; der in seinem natürlichen Stolz von keinerlei menschlicher Verblendung fehlgeleitete Antagonist des gerissenen Entrepreneurs Einhorn, der Augie auf ähnliche Weise eine Rolle im Geschäft seines Lebens zuzuweisen sucht wie die wohlhabende, von Augies Adoption in ein privilegiertes Dasein träumende Mrs. Renling und die diversen anderen der von Bellow mit sprachgewaltiger Fabulierkunst lebensgroß gezeichneten Figuren, deren Einfluss sich der scheinbar willensschwach dahintreibende Augie letztlich immer wieder entzieht.

"Wann hat ein Blick je so viel Schaden angerichtet", sinniert Augie, als er noch geblendet ist von Thea Fenchels fehlgeleitetem Traum, den Adler zu domestizieren, um mit dem Verkauf gefangener Riesenleguane Geld zu verdienen, "wann haben Augen je einen so schrecklichen Despotismus ausgestrahlt?" Doch Caligulas vermeintlicher Despotismus entspringt in Wahrheit derselben "übermäßig großen Kraft, die man in die alten Vulkankrater zurückgedrängt hatte", und Bellow zelebriert den Adler schließlich als die Inkarnation jener Utopie des unschuldigen, von purer Lebensgier erfüllten Individuums, die auch der widerständige Ich-Erzähler des Romans instinktiv gegen die falschen Weltbilder, die man ihm aufzuzwingen droht, verteidigt. "Weil das Leben ringsumher so mächtig ist, weil seine Instrumente so groß und schrecklich, die Leistungen so gewaltig und die Gedanken so edel und bedrohlich sind, muss man ein Selbst erschaffen, das alldem gewachsen ist", so Augie, der Caligula rückblickend zum heimlichen Helden seiner Erzählung macht, da ihn der Vogel an den Triumph jener gelegentlichen Momente zu erinnern scheint, in denen es ihm gelang, die Welt gleichfalls "wie ein wildes Geschöpf" wahrzunehmen - frei von den Fesseln und der Last der menschlichen Existenz und den Ideologien, mit denen Oma Lausch oder William Einhorn und schließlich auch Thea Fenchel im Begriff waren, Oberhand über Augie zu gewinnen: "Das Bestreben des Menschen besteht immer nur darin, andere zur eigenen Version dessen zu bekehren, was die Wirklichkeit ist. Dann werden sogar die Blumen und das Moos auf den Steinen zu dem Moos und den Blumen einer bestimmten Version dieser Welt. Ja, und ich schien tatsächlich der ideale Rekrut zu sein", so Augie, der in seiner intuitiven Selbstbehauptung keinen Machtanspruch über andere erhebt und sich mit einem ähnlichen Freiheitsdrang zu den Abenteuern seines Lebens aufschwingt wie Caligula, der hoch am Himmel Saltos schlägt. "Aber die erfundenen Dinge", so Augie, "wurden niemals Wirklichkeit für mich."

Bellows Roman erzählt nicht nur von Augies Mühen, sich im Babel jener amerikanischen Wirklichkeit durchzuschlagen, die Charlie Citrine, der Erzähler von "Humboldts Vermächtnis", zwei Jahrzehnte später als "schwachsinniges Inferno" bezeichnet. "Die Abenteuer des Augie March" ist auch der Entwicklungsroman seines Autors, der in seinem dritten Buch alle Ketten sprengt, die ihn bei der Arbeit an seinem Debüt "Mann in der Schwebe" (1944) und dem drei Jahre später veröffentlichten Roman "Das Opfer" noch zurückgehalten hatten. In "Die Abenteuer des Augie March" bezwingt Saul Bellow den starken Formwillen, der diese beiden an Vorbildern wie Flaubert und Dostojewski scheiternden Romane heute eher konventionell erscheinen lässt, und erlöst den Antihelden des von Bellow schließlich als "Opfer-Literatur" bezeichneten zeitgenössischen jüdisch-amerikanischen Romans in die robuste, vom Heroismus seines unbezwingbaren Optimismus geleitete Figur des Augie March, dessen Stimme laut Philip Roth im weltlichen und demokratischen Amerika auf keinen Widerstand mehr stoße: "Dieses entschlossene Behaupten der ununterdrückbaren Mitbürgerschaft im Freistil-Amerika", so Roth über den selbstbewussten Duktus der pulsierenden, von Henning Ahrens virtuos ins Deutsche übertragenen Prosa, mit der Bellow der amerikanischen Literatur einen neuen Kontinent erschloss, "war ebenjener kühne Ton, der nötig gewesen war, um sämtliche Zweifel an den amerikanischen Schriftsteller-Referenzen eines Einwanderersohnes wie Saul Bellow auszuräumen." Als "eine Art Kolumbus des Naheliegenden", als der Augie sich am Ende des Romans beschreibt, ist er der Entdecker jener verwirrenden Terra incognita der amerikanischen Gegenwart, in der sich die Protagonisten der Romane "Herzog" und "Humboldts Vermächtnis" zu verlieren drohen.

"Sie haben eine Seele, nicht wahr, Moses?" In "Herzog", seiner 1964 veröffentlichten Meditation über den vom "faustischen Geist der Unzufriedenheit" heimgesuchten Gelehrten Moses Herzog, der ähnlich wie in "Humboldts Vermächtnis" der Schriftsteller Charlie Citrine aus der Unordnung seines Lebens zum Kern einer existentiellen Krise vordringt, zeichnet Bellow ein ironisches Porträt des unter der "knochenbrechenden Bürde von Selbstsein und Selbstentwicklung" strauchelnden modernen Menschen. Herzog hat seine akademische Stellung aufgegeben, auch die Ehe mit seiner zweiten Frau ist gescheitert. Er ist unfähig zur Arbeit, sein großes Werk über die sozialen Ideen der Romantik ist unvollendet, und schreibt stattdessen wie besessen Briefe an Zeitungen, an Personen des öffentlichen Lebens wie Präsident Eisenhower und Martin Heidegger, an Freunde und Verwandte - die lebenden wie die toten. Herzog ist "durch eine Gefühlsverwirrung behindert", er glaubt sich auf dem besten Weg, den Verstand zu verlieren und ist doch längst "auf der Spur von Dingen, die er erst jetzt und nur undeutlich zu begreifen" beginnt. "Schlimmes Handicap, eine Seele", so der geschäftstüchtige Mann einer ehemaligen Geliebten, die Herzog bei einem der Ausflüge besucht, die er in der realen Unterströmung des weitläufig delirierenden Gedankenflusses, der Bellows mitreißenden Roman ausmacht, zu diversen Nebenfiguren seines Lebens unternimmt.

Wie Charlie Citrine, der in "Humboldts Vermächtnis" der irren Intensität der amerikanischen Realität zu entkommen versucht und sich mit Unterstützung seines toten Freundes Von Humboldt Fleisher im expandierenden, lediglich auf äußere Wunder spezialisierten Wirtschaftsunternehmen Vereinigte Staaten auf die Suche nach einem "inneren Wunder" begibt, durchdringt auch Herzog auf seinem mäandernden Erkenntnisweg die von fremden Welt- und falschen Selbstbildern belebte Sphäre seines Lebens und kommt im stillen Triumph eines endlich sprachund gedankenlosen Augenblicks schließlich zu sich selbst.

Herzog probiere in dem Roman nach und nach noch einmal alle Rollen aus, die ihm bisher Halt gegeben hätten, so Bellow über seinen Helden, der Augie Marchs Abenteuer der Selbstbefreiung, den Widerstand gegen die "Realitätslehrer", wie es in "Herzog" heißt, in der schwindelerregenden Höhe abstrakter Gedanken mit einem waghalsigen intellektuellen Drahtseilakt nachzuahmen scheint: "den Vater, den Liebhaber, den Ehemann, den Gelehrten, den Rächer. Er schlüpft hinein und streift sie sich ab wie Kleidung. Keine dieser Rollen passt ihm wirklich. Alle haben ihn in die Irre geführt", so Bellow, der Herzog und Citrine und Augie March am Ende ihrer Romane zumindest das Wissen um die Möglichkeit eines anderen, von der Last und der Verwirrung ihrer Zeit befreiten Lebens schenkt. You got a soul - haven't you, Moses. "Ja, ich glaube", so Bellow, "am Ende geht aus all diesem Unsinn eine Person hervor, wenn Herzog begreift, dass sein Leben eine viel größere, von ihm bisher ignorierte Bedeutung hat - eine transzendente Bedeutung." Can't dump the sonofabitch, can we? Terrible handicap, a soul. In Saul Bellows olympischem, 1976 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Werk vereint sich ein kritischer, vom reinen höheren Licht des akademischen Geisteslebens durchfluteter Rationalismus mit dem Mysterium einer ganz ursprünglichen Spiritualität. Saul Bellow war der vielleicht letzte bedeutende Metaphysiker der amerikanischen Literatur. "Wir betreten die Welt ohne vorherige Ankündigung, wir sind erschienen, bevor uns das Erscheinen bewusst sein kann", wie er in "Vettern und Kusinen" schreibt - an zentraler Stelle nicht nur dieser 1984 veröffentlichten Erzählung: "Ein ursprüngliches Ich existiert oder, wenn man das vorzieht, eine ursprüngliche Seele."

Und in gewisser Hinsicht sind natürlich auch Bellows Romane ihr eigenes, gleichsam ursprüngliches Ich, dessen sprachliche Urgestalt sich selbst in der gelungensten Übersetzung nicht wirklich zeigt. Dave Eggers attestiert Bellow "die schönsten, die musikalischsten Sätze", die er je gelesen habe. Jeffrey Eugenides spricht in seiner Einleitung zur amerikanischen Neuausgabe von "Humboldt's Gift" von einer Prosa, "die, in jedem Satz, von Erleuchtung berührt" sei. "Jeder Satz", so Eugenides, "leuchtet mit seiner eigenen Aura." Bellow ist der Autor eines unverwechselbaren, eines unverwechselbar amerikanischen Stils, dessen spektrale sprachliche Farbigkeit in den bisher lieferbaren, längst in die Jahre gekommenen Übersetzungen von "Die Abenteuer des Augie March", von "Herzog" und "Humboldts Vermächtnis" kaum noch zum Vorschein kam.

Es ist Bellows deutschem Verlag Kiepenheuer & Witsch daher hoch anzurechnen, diese drei schillernden Meisterwerke vom Staub der Zeit befreit zu haben und ihren bei uns ein wenig in Vergessenheit geratenen Autor als einen der großen Schriftsteller Amerikas in Erinnerung zu rufen. Henning Ahrens erlöst Augie March nun endlich von jenem historischen, im Eis der fünfziger Jahre gefrorenen Jargon, aus dem sich Bellows glühendes Original immer wieder ganz von selbst in eine neue Zeit befreit, und auch Bärbel Flads Überarbeitung der Mitte der sechziger Jahre von Walter Hasenclever besorgten Übersetzung rettet "Herzog" in die Gegenwart, die Bellows im kristallinen Bewusstsein seines verirrten Helden dahinschwebende Erzählung im Englischen nie verlassen hat.

Es ist jedoch Eike Schönfelds fulminante, wie eine strahlend phosphoreszierende Membran aufgespannte Übersetzung, durch die man am tiefsten in Bellows Werk zu blicken meint. "Humboldts Vermächtnis" ist Bellows wilder Totentanz, ein vom grellen Schein der Vergänglichkeit illuminiertes Schauspiel, "so überdreht und karnevalesk" - Roth - "wie kein anderes" von Bellows Büchern, und Schönfeld legt in seine Übersetzung so viel Mut, so viel Freiheit und deshalb letztlich so viel Leben, wie man es vielleicht nur im Angesicht des Todes wagen kann.

"Wenn das Leben nicht berauschend ist, ist es gar nichts", so Von Humboldt Fleisher, dessen Vermächtnis schließlich nicht nur Bellows todesfürchtigen Ich-Erzähler Charlie Citrine in die Schwerelosigkeit eines höheren Bewusstsens enthebt. "Entweder man brennt, oder man verfault." Here it's burn or rot. Aber in "Humboldts Vermächtnis", in "Herzog" und "Die Abenteuer des Augie March" schenkt Saul Bellow seinen Lesern einen berauschenden Anblick ihrer Seele, und sie fliegt hoch wie der Adler über den täglichen Schicksalen der Menschen.

Saul Bellow: "Die Abenteuer des Augie March". Roman. Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens. 859 S., geb., 29,95 [Euro].

Ders.: "Herzog". Roman. Aus dem Amerikanischen von Walter Hasenclever. Überarbeitet von Bärbel Flad. 490 S., geb., 24,95 [Euro].

Ders.: "Humboldts Vermächtnis". Roman. Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld. 652 S., geb., 29,95 [Euro].

Alle erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009. 3 Bände im Schuber, geb., 68,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Bellows Werk ist unglaublich phantasievoll und sprachmächtig." Salman Rushdie The Sunday Times