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Sie lernen sich in Mexiko am Strand kennen und treffen sich nachher in San Francisco: Alice, eine junge deutsche Studentin, und die dreißig Jahre ältere Amerikanerin, die Alice insgeheim "die Meisterin" nennt. Denn sie ist alles, was Alice gerne wäre. Elegant. Selbstbewusst. Souverän mit Männern. Und vor allem: eine Schriftstellerin. Ein berührender Roman über die Vorbilder, die wir wählen - und was das Leben aus ihnen und uns macht.…mehr

Produktbeschreibung
Sie lernen sich in Mexiko am Strand kennen und treffen sich nachher in San Francisco: Alice, eine junge deutsche Studentin, und die dreißig Jahre ältere Amerikanerin, die Alice insgeheim "die Meisterin" nennt. Denn sie ist alles, was Alice gerne wäre. Elegant. Selbstbewusst. Souverän mit Männern. Und vor allem: eine Schriftstellerin. Ein berührender Roman über die Vorbilder, die wir wählen - und was das Leben aus ihnen und uns macht.
  • Produktdetails
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 224
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 224 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 121mm x 12mm
  • Gewicht: 258g
  • ISBN-13: 9783257069181
  • ISBN-10: 3257069189
  • Artikelnr.: 41758298
Autorenporträt
Doris Dörrie, geb. 1955 in Hannover, war nach dem Abitur längere Zeit in den USA, studierte Theaterwissenschaften und Schauspiel in Kalifornien und New York, entschloss sich dann aber nicht vor, sondern hinter der Kamera zu stehen. Ihre Abschlussarbeit an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen 'Der erste Walzer' wurde auf Festivals und im Fernsehen gezeigt, 'Männer', ihr dritter Kinofilm, in der ganzen Welt. Parallel zu ihrer Kinoarbeit veröffentlicht sie Kurzgeschichten, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Ihr erster Roman 'Was machen wir jetzt?' war monatelang auf den Bestsellerlisten. Doris Dörrie lebt in München.
Rezensionen
Besprechung von 30.06.2015
Blockaden und Kritikerhohn
Doris Dörrie rechnet mit dem Literaturbetrieb ab

Schriftsteller sind Diebe und Vampire, sie klauen fremde Schicksale und saugen das Herzblut der anderen aus. Dazu braucht es Sitzfleisch, Mut und Opferbereitschaft. Schriftsteller sind Helden. "Schreiben ist natürlich Folter. Man geht Tag für Tag in den Dschungel und hofft, dass man nicht gefressen wird. Man kämpft Tag für Tag mit der Ananas."

Das sind einige der Lektionen, die eine berühmte Schriftstellerin (mit Zügen von Alice Munro) ihrer deutschen Bewunderin Alice mit auf den Weg gibt. Damals, im Mexiko-Urlaub mit ihrem Sugardaddy, einem Schönheitschirurgen, war Alice noch ein flippiges Dummchen, das unbedingt Schriftstellerin werden wollte. Die "Meisterin" war ihr Vorbild im Schreiben wie im Leben: souverän, elegant, diszipliniert, alterslos. Umso größer Alices Enttäuschung, als die Meisterin, gebeutelt von Schreibblockaden und verletzt von Kritikerhohn ("schreibende Hausfrau"), ihr die Geschichte von Fernando, dem armen Jungen im Männerknast, stiehlt.

Dreißig Jahre und mehrere Männer später, vom Leben und der Kritik ziemlich mitgenommen, hat Alice es geschafft: Sie ist eine berühmte Schriftstellerin, die von ihren Leserinnen angehimmelt wird und arroganten Jungdramatikern und abgetakelten Fräuleinwundern Ratschläge erteilen darf. Allerdings hat sie nicht mit ihren Romanen Erfolg, sondern mit Metaliteratur. Ihr Bestseller heißt "Sei ein Held! Schreib!".

Die Filmregisseurin Doris Dörrie schreibt seit vielen Jahren Romane, Erzählungen und Kinderbücher, zuletzt erschienen Romane wie "Alles inklusive" oder "Und was wird aus mir?". Ihr neuester Roman "Diebe und Vampire" ist eine mal launige, mal larmoyante Abrechnung mit Ehrgeiz, Eitelkeit und Eifersucht im Literaturbetrieb. Schreiben ist für die alte Alice, was Sex für die junge war: Medizin gegen Schmerz und Angst, Einsamkeit und Trauer.

Was als unterhaltsame, sommerlich unbeschwerte Literatursatire beginnt, verdüstert und verzettelt sich so mehr und mehr zu einer melancholischen Meditation über Künstlertum und Ruhm, Älterwerden und Scheitern. Die Meisterin und schwule Zen-Mönche verkünden Mantras wie "Unsere Muse ist das Scheitern" oder "Als Schriftstellerin braucht man einen jungen Mann, der sich um einen kümmert wie um ein Haustier", und so ist Alice am Ende keine unsichere Anfängerin mehr, sondern selbst so etwas wie Heldin und schreibende Hausfrau. Das ist nicht Vampirismus, sondern Eigenblut-Doping.

MARTIN HALTER.

Doris Dörrie: "Diebe und Vampire". Roman.

Diogenes Verlag, Zürich 2015. 216 S., geb., 21,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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