Deutscher Meister, 6 Audio-CDs - Bart, Stephanie
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Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter, unkonventionell kämpfender Boxer und charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Seinem Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA steht am Ring. Funktionäre und Presse tun alles, um seine Karriere zu zerstören und ihn endgültig auf die Bretter zu schicken.
Stephanie Barts Roman "Deutscher Meister" führt ins Innerste der nationalsozialistischen Machtentfaltung und an ihre Grenzen.
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Produktbeschreibung
Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter, unkonventionell kämpfender Boxer und
charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Seinem Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA steht am Ring. Funktionäre und Presse tun alles, um seine Karriere zu zerstören und ihn endgültig auf die Bretter zu schicken.

Stephanie Barts Roman "Deutscher Meister" führt ins Innerste der nationalsozialistischen Machtentfaltung und an ihre Grenzen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • Anzahl: 6 Audio CDs
  • Gesamtlaufzeit: 452 Min.
  • Erscheinungstermin: 01.04.2016
  • ISBN-13: 9783455310146
  • Artikelnr.: 40893409
Autorenporträt
Bart, Stephanie
Stephanie Bart, geboren 1965 in Esslingen am Neckar, studierte Ethnologie und Politische Wissenschaften an der Universität Hamburg. Seit 2001 lebt sie in Berlin. Für die Arbeit an Deutscher Meister erhielt sie das Stipendium des Deutschen Literaturfonds 2011 und 2012, für den Roman wurde sie mit dem Rheingau Literatur Preis 2014 ausgezeichnet.

Philipp, Sven
Sven Philipp wurde 1971 in Berlin geboren. Nach Festengagements in diversen deutschen Theatern ist er seit 2000 freischaffend tätig, u. a. als Hörbuchsprecher und -produzent sowie als Theater- und Filmschauspieler. 2013 wirkte er bei König Lear im Burgtheater Wien mit.
Trackliste
CD 1
1Deutscher Meister00:00:10
2Deutscher Meister00:04:48
3Deutscher Meister00:07:39
4Deutscher Meister00:03:18
5Deutscher Meister00:04:06
6Deutscher Meister00:03:04
7Deutscher Meister00:04:00
8Deutscher Meister00:03:24
9Deutscher Meister00:03:51
10Deutscher Meister00:06:27
11Deutscher Meister00:03:33
12Deutscher Meister00:03:22
13Deutscher Meister00:03:07
14Deutscher Meister00:03:48
15Deutscher Meister00:02:54
16Deutscher Meister00:03:43
17Deutscher Meister00:03:09
18Deutscher Meister00:03:05
19Deutscher Meister00:03:05
20Deutscher Meister00:04:00
CD 2
1Deutscher Meister00:05:30
2Deutscher Meister00:04:33
3Deutscher Meister00:03:45
4Deutscher Meister00:04:03
5Deutscher Meister00:04:05
6Deutscher Meister00:04:34
7Deutscher Meister00:04:18
8Deutscher Meister00:04:57
9Deutscher Meister00:03:25
10Deutscher Meister00:03:05
11Deutscher Meister00:03:42
12Deutscher Meister00:03:41
13Deutscher Meister00:03:11
14Deutscher Meister00:03:34
15Deutscher Meister00:03:53
16Deutscher Meister00:03:55
17Deutscher Meister00:03:36
18Deutscher Meister00:03:23
19Deutscher Meister00:03:27
20Deutscher Meister00:04:44
CD 3
1Deutscher Meister00:04:01
2Deutscher Meister00:04:00
3Deutscher Meister00:04:22
4Deutscher Meister00:03:40
5Deutscher Meister00:04:18
6Deutscher Meister00:03:38
7Deutscher Meister00:03:48
8Deutscher Meister00:03:29
9Deutscher Meister00:04:31
10Deutscher Meister00:05:06
11Deutscher Meister00:04:12
12Deutscher Meister00:03:43
13Deutscher Meister00:03:49
14Deutscher Meister00:03:10
15Deutscher Meister00:05:23
16Deutscher Meister00:03:10
17Deutscher Meister00:03:21
18Deutscher Meister00:04:07
19Deutscher Meister00:03:24
20Deutscher Meister00:02:54
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 04.10.2014

Ein Roman wie ein Faustschlag

Unglaublich, aber wahr: Stephanie Bart erzählt in "Deutscher Meister" auf großartige Weise die Geschichte des Boxers Johann Rukelie Trollmann, der 1933 im nationalsozialistischen Deutschland um den Titel betrogen wurde.

Von Andreas Platthaus

Stephanie Bart hat sich aufrecht gehalten, seit sie vor vier Jahren wie vom Schlag getroffen wurde. Damals saß die Schriftstellerin im Internetcafé und stieß auf die Nachricht, dass in Berlin ein temporäres Denkmal für Johann Rukelie Trollmann errichtet worden war. Sie wusste nicht, wer das war, aber sie las von zwei Boxkämpfen, die Trollmann im Jahr 1933 absolviert hatte. Einen davon hatte er gewonnen, einen verloren. Das klingt banal, doch das, was Trollmann dabei widerfuhr, war außergewöhnlich: Die Früchte des Siegs wurden ihm gestohlen, und die Niederlage erlitt er unter Kampfbedingungen, die nur geschaffen worden waren, um ihn zu benachteiligen. Denn Johann Rukelie Trollmann war Sinto, und als "Zigeuner" sollte er im nationalsozialistischen Reich nicht Deutscher Meister werden. Stephanie Bart wusste sofort: Das würde der Stoff für ihren nächsten Roman sein. Und er würde "Deutscher Meister" heißen.

So geschah es, aber das Geld für die Arbeit daran musste sich die 1965 geborene Autorin mit Rikschafahren in ihrer Wahlheimatstadt Berlin verdienen, bis sie ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds zugesprochen bekam. Wobei das Rikschafahren auch einen werkimmanenten Effekt hatte. Die Romanhandlung spielt sich an Orten ab, die sie mit ihrem Gefährt passiert haben könnte: in der Hasenheide und Kreuzberg, am Schiffbauerdamm, rund um die Gedächtniskirche, quer durch die ganze Hauptstadt.

"Deutscher Meister" umfasst die Zeit vom 27. März bis zum 21. Juli 1933, und was währenddessen politisch geschieht - Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April, Bücherverbrennung am 10. Mai, Verbot aller Parteien außer der NSDAP am 1. Juli -, steht hier nur am Rande; das Buch wird zeitlich strukturiert durch vier Boxkämpfe. Doch die Perfidie im Boxsport jener Tage war nicht geringer als die der Politik. Davon erzählt Stephanie Bart.

2009 war ihr erster Roman, "Goodbye Bismarck", erschienen, die - gleichfalls wahre - Geschichte der Verhüllung des gigantischen Hamburger Bismarckdenkmals mit einer Helmut-Kohl-Maske anlässlich der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Gegenüber "Deutscher Meister" war das ein Halbschwergewicht der deutschen Literatur, doch lässt einiges in diesem Debüt schon das kommende Buch vorausahnen: die Einarbeitung zeitgeschichtlicher Ereignisse, die lebendigen Dialoge, ein poetisches Pathos und vor allem die Fixierung auf ein für die Handlung zentrales Datum, das dann im Boxerroman der 9. Juni 1933 sein wird, der Tag des Titelkampfs von Trollmann. Die Schilderung dieser zwölf Runden in der Kreuzberger Bockbierbrauerei umfasst bei Bart hundert Seiten, mehr als ein Viertel des ganzen Buchs.

Wir bekommen diese reichliche Dreiviertelstunde, in der Trollmann sich zum Deutschen Meister macht, ohne es zu werden, wie in Zeitlupe vorgeführt. Aber keineswegs gemächlich, sondern mit Schilderungen wie der folgenden: "Seine Beine waren wie Sprungfedern aus Stahl, er hielt die Kraft zurück für die Schläge, zackzack, angestoßen vom Boden, eine pfeilgerade Linke in die Mitte der Stirn, das Schmatzen des Leders auf Vaseline, die Hi-Hat des Faustkampfs, Witts Linke nach oben, eine gerade Rechte auf den freiwerdenden Unterkiefer, die kleine Trommel über dem Bass, der Bass, das Treten der Füße auf die Bretter, die Schritte auf Holz, gedämpft durch den Ringbelag, der Resonanzraum unter dem Ring, darüber die Schläge, die schnellen Hände, links-rechts, zwei Schläge wie einer, zackzack, Schwung mit dem Oberkörper, Schritt zur Seite, Witts Konter in die Luft, raus aus der Reichweite, auf der Stelle von einem Bein ins andere, wippend, pendelnd, Bishop: ,Ah, jetzt holt er seine Rechte raus!', sich aufrichtend, fußwechselnd, Plaschnikow: ,Och je, der arme Witt!'" Hier ist der Satz zu Ende, die Kampfschilderung aus der dritten Runde ist es noch lange nicht.

Nur ein Detail neben all den anderen: Wie Stephanie Bart in diesem Satz mit Hi-Hat, kleiner Trommel und Bass ein Metaphernfeld aufbaut, das ein Instrument in unserem Kopf entstehen lässt, aber nie explizit genannt wird: Schlagzeug. Doch die Semantik dieses Begriffs bestimmt unterschwellig die Lektüre.

Neben der Erzählstimme sind in der zitierten Passage auch zwei Zuschauer des Trollmann-Witt-Kampfs zu hören: der halbenglische Großbürger Johnny Bishop und die kleine Bäckereiverkäuferin Maria Plaschnikow, schwul der eine, lesbisch die andere, beide Fans von Trollmann. Um ihre Hauptfigur hat Stephanie Bart ein riesiges Panoptikum arrangiert, ein Abbild der Berliner Gesellschaft jener Zeit, von ganz unten bis ganz oben. Jede dieser zahllos, aber keinesfalls wahllos vertretenen Nebenfiguren versieht im Gefüge des Romans eine emblematisch wichtige Funktion. Und in manchen Momenten, namentlich während des Championatskampfs, evoziert Stephanie Bart mittels ihres Ensembles das vielfältige Stimmengeflecht von "Berlin Alexanderplatz".

Die Handlung des ganzen Buchs läuft selbst ab wie ein idealer Boxkampf: ein stetes Hin und Her, lauter Finten, Vorstöße, Rückzüge und bisweilen Aufwärtshaken und Tiefschläge. Bart benutzt aber auch die Prinzipien des Theaters; mehrfach heißt es lapidar einfach "ab", wenn eine Figur die Szene verlässt, manche Dialoge sind wie für die Bühne notiert, mit den Namen der Sprechenden vor ihren Sätzen. Überhaupt ist das Gespräch ein wichtiges Kompositum des Romans, und meist wird es dann witzig-aberwitzig. Etwa wenn ein NS-Sympathisant einen anderen fragt: "Sehen wir uns morgen Abend auf der Bücherverbrennung?", und die gelangweilte Antwort bekommt: "Ach so, ja, natürlich. Aber nur zum Verbrennungsakt, für den Fackelzug hab ich keine Zeit." In solchen Momenten gehen Humor und Horror bei Stephanie Bart ein Bündnis ein.

"Deutscher Meister" entlarvt am historischen Exempel die verquaste Ideologie des Nationalsozialismus - so wie es Johann Rukelie Trollmann tat, als er am 21. Juli 1933, dem Schlusspunkt des Romans, seinen zweiten Kampf mit blondgefärbten Haaren und hellgepuderter Haut bestritt, nachdem der gegenüber dem Regime willfährige Verband die Regeln derart manipuliert hatte, dass dem unkonventionellen Stil des Boxers keine Möglichkeit zur Entfaltung mehr blieb. So wie Bart diesen Kampfstil beschreibt und ihn die historischen Quellen schildern, nahm Trollmann die Revolution vorweg, die Muhammad Ali in den Boxsport brachte. Float like a butterfly, sting like a bee - das hatte Ali zu seiner Maxime erhoben. Er war so wenig ein K.-o.-Spezialist wie vierzig Jahre früher Trollmann, aber beider Beweglichkeit und Präzision machte sie den reinen Kampfmaschinen im Ring überlegen, zumal Ali wie Trollmann sich auf die lässige Provokation des Gegners und des Publikums verstanden.

Diese Überlegenheitsdemonstration durch Angehörige einer jeweils verachteten Minderheit stieß den Nationalsozialisten im Falle von Trollmann ebenso übel auf wie den amerikanischen Rassisten der sechziger Jahre, die einem schwarzen Seriensieger zusehen mussten, der es dann noch wagte, den Wehrdienst zu verweigern. Ali kam dafür ins Gefängnis und verlor den Weltmeistertitel, ein Willkürakt wie Trollmanns gestohlene Deutsche Meisterschaft. Nur dass es für den Sinto keinen Rückkampf gab. Für ihn galt auf furchtbare Weise jene alte Boxerregel, die Ali außer Kraft setzen sollte: They never come back. Johann Rukelie Trollmann wurde 1935 zwangssterilisiert und 1944 im Konzentrationslager ermordet. Dank Stephanie Barts Roman bekommt er nun ein Nachleben geschenkt. In einem angemessen meisterhaften Roman.

Stephanie Bart: "Deutscher Meister". Roman.

Hoffmann und Campe, Hamburg 2014.

383 S., geb., 22,- [Euro].

Foto Photoselection

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.10.2014

Großes Schlagrepertoire
Stephanie Barts Roman über den Boxer Trollmann und den Sport im NS-Staat: „Deutscher Meister“
Als die Schriftstellerin Stephanie Bart, die bereits einen Roman veröffentlicht hatte, auf die Geschichte des Boxers Johann Rukelie Trollmann stieß, muss ihr sofort klar gewesen sein: Das ist ein Thema! Ein Sinto, ein „Zigeuner“, mit dem verächtlichen Beinamen „Gipsy“ – und der kämpft noch am 9. Juni 1933, mehrere Monate nach der Machtergreifung durch die Nazis, um die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht. Obwohl er mehrmals benachteiligt worden war, obwohl er gerade jetzt noch mehr auf Ablehnung beim Boxverband stieß, war dieser Kampf von den Funktionären nicht mehr zu vermeiden gewesen.
  Als Trollmann haushoch nach Punkten gewonnen hatte, wurde ihm bald nach dem Kampf der Titel eines Deutschen Meisters wieder aberkannt – wegen „armseligen Verhaltens“. Etwas Gewitzteres war als Begründung wohl nicht zu erfinden gewesen. Trollmann stieß bei den Nazichargen neben seiner „Rassenzugehörigkeit“ auch wegen seines Boxstils auf Ablehnung: Er tänzelte seine Gegner aus, ungefähr so wie Jahrzehnte später Cassius Clay alias Mohammed Ali, er agierte spielerisch und provozierte die deutschen Vorstellungen von Kampf und Mannestum.
  Die Szene ist spektakulär. Hier kann man die Ideologie, die Niedertracht, das wildgewordene Kleinbürgertum in den ersten Jahren des Nationalsozialismus an einem symbolischen Moment aufzeigen. Man hat in den letzten Jahren die Geschichte Trollmanns wiederentdeckt, der 1939 zur Wehrmacht eingezogen, 1942 entlassen, ins Konzentrationslager Neuengamme deportiert und 1944 im Konzentrationslager Wittenberge ermordet wurde. 2012 kam ein Dokudrama über ihn heraus, unter anderem mit Hannelore Elsner, und jetzt gibt es über ihn eine Art Dokuroman.
  Im Zentrum stehen ausführliche Schilderungen zentraler Boxkämpfe, die eine beträchtliche Imaginationskraft, ein erstaunliches Schlagrepertoire und eine hohe Trefferquote aufweisen. Sie erweitern die historisch verbürgten Quellen in assoziativen Schwüngen und fügen sie zu einem suggestiven Gesamtbild. Die Autorin geht von den konkreten Vorgängen aus und fügt ihnen nichts Wesentliches hinzu, geht aber erfinderisch ins Detail, leuchtet einzelne Dialoge, Personen und Geschehnisse im Nachhinein neu aus.
  Dabei geht es keineswegs um Psychologie, um Einfühlung. Man erfährt kaum Näheres über die Figur des Johann Trollmann, ihre Empfindungen, ihre Entwicklung. Wir sehen sie von außen, mit einem Kamerablick, fast wie in einer Reportage. Einzelne Handlungsblöcke werden montagehaft nebeneinandergestellt, einzelne Figurengruppen, die wie in Comics eine Atmosphäre bebildern: die Bonzen, die Trainer, die Bäckereiverkäuferinnen, die schwulen großbürgerlichen Engländer, die SA-Schläger und -Säufer. Der Stil hat etwas Atemloses, Großstädtisches: unwillkürlich erinnert dieser Roman an die Prosa der Zwanzigerjahre, an den sich ständig neu erfindenden Schwarz-Weiß-Moloch Berlin, wo man die noch junge Erzählweise des Films in die Literatur zu überführen versuchte. Verglichen mit Stephanie Barts Schwenk- und Abblendtechniken wirken die damaligen Romanversuche etwa Siegfried Kracauers aber ästhetisch immer noch sehr gewagt. Da kommt einem dieser „Deutscher Meister“ eher wie eine Übungseinheit vor.
  Für eine Neugestaltung, wie sie damals „Berlin Alexanderplatz“ versuchte, fehlen Raum und Perspektive, aber die Autorin hat akribisch recherchiert, penibel an ihrem Stil gefeilt, die Effekte genau berechnet – auch wenn an einzelnen Stellen die Scharniere etwas knirschen und sogar die Kolportage durchlugt. Dieser Roman verwendet die Techniken einer opulent aufgemachten Magazingeschichte, in der alles im Bann des Themas steht, des verrückten und überwältigenden Geschehens, mit einem auffälligen Talent zu Einpassung und Mimikry. Die Sprache ist zweckgebunden, sie bekommt kein Eigenleben. Das Buch hat neben dem faszinierenden Stoff keine zweite, also genuin literarische Dimension. Dennoch liest man es durchaus gespannt bis zum Ende. Es ist wie eine Zeitmaschine, in die man kurzzeitig hineingeraten ist, plötzlich wieder in der Gegenwart landet, sich kurz schüttelt und mit etwas anderem weitermacht.
HELMUT BÖTTIGER
          
Stephanie Bart: Deutscher Meister. Roman. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2014. 381 Seiten, 22 Euro.
Trollmann tänzelte seine
Gegner aus, ungefähr so, wie
Jahrzehnte später Cassius Clay
Johann „Rukeli“ Trollmann im Jahr 1931.

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" Deutscher Meister ist ein spannender, berührender Roman, der eine große, grausame Geschichte erzählt." Hannoversche Allgemeine Zeitung, 12.08.2014

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Auch Helmut Böttiger ist von der Geschichte des Boxers Johann Rukelie Trollmann fasziniert, der noch im Juni 1933 die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gewann, sie aber kurz darauf wieder aberkannt bekam. Angeblich wegen "armseligen Verhaltens", wohl eher aber weil er Sinto und damit den Nazis nicht genehm war. Dass Stefanie Bart diese Geschichte der Niedertracht in einem Roman festhalten wollte, kann der Rezensent gut verstehen, er fragt sich aber, ob die Autorin mit einer Reportage nicht besser gefahren wäre. Ausführliche Schilderungen der Boxkämpfe und Einfallsreichtum im Detail täuschen ihn nicht darüber hinweg, dass die Geschehnisse stets von außen erzählt werden und an keiner Stelle ein literarisches Eigenleben entwickeln.

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