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Eine Sammlung von Texten aus Susan Sontags letzten Jahren, die ihren Rang als engagierte Essayistin nachdrücklich bestätigt. Sontag, die so viele bedeutende europäische Autoren für Amerika entdeckt hat, beschäftigt sich hier mit Dostojewski, Pasternak und Rilke, aber sie engagiert sich auch für weniger bekannte Schriftsteller wie Anna Banti, Victor Serge oder Halldór Laxness. Ihrem Text zum 11. September, der in den USA einen Skandal auslöste, folgen zwei weitere Aufsätze zum selben Thema, die staunen machen ob der politischen Weitsicht, die Sontag bewies. Schließlich folgen Ansprachen zu…mehr

Produktbeschreibung
Eine Sammlung von Texten aus Susan Sontags letzten Jahren, die ihren Rang als engagierte Essayistin nachdrücklich bestätigt. Sontag, die so viele bedeutende europäische Autoren für Amerika entdeckt hat, beschäftigt sich hier mit Dostojewski, Pasternak und Rilke, aber sie engagiert sich auch für weniger bekannte Schriftsteller wie Anna Banti, Victor Serge oder Halldór Laxness. Ihrem Text zum 11. September, der in den USA einen Skandal auslöste, folgen zwei weitere Aufsätze zum selben Thema, die staunen machen ob der politischen Weitsicht, die Sontag bewies. Schließlich folgen Ansprachen zu Themen wie Literatur und Freiheit, Mut und Widerstand, gehalten anlässlich der Verleihung wichtiger Preise.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser, Carl / Hanser, Carl GmbH + Co.
  • Artikelnr. des Verlages: 505/23004
  • Seitenzahl: 296
  • Erscheinungstermin: März 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 30mm
  • Gewicht: 426g
  • ISBN-13: 9783446230040
  • ISBN-10: 3446230041
  • Artikelnr.: 23321046
Autorenporträt
Susan Sontag, 1933 in New York geboren, war Schriftstellerin, Kritikerin und Regisseurin. Sie erhielt u.a. den Jerusalem Book Prize 2001, den National Book Award und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bei Hanser erschienen zuletzt Das Leiden anderer betrachten (2003), Worauf es ankommt (2005), Zur gleichen Zeit (Aufsätze und Reden, 2008), Wiedergeboren. Tagebücher 1947-1963 (2010) und Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke. Tagebücher 1964-1980 (2013). Susan Sontag starb 2004 in New York. Über ihr letztes Lebensjahr berichtet ihr Sohn David Rieff in Tod einer Untröstlichen (Hanser, 2009).
Rezensionen
Besprechung von 03.04.2008
Neugier, Klarheit, Intelligenz
In beschädigter Prosa: Susan Sontags späte Essays
Wenn nach dem Tod eines Autors Nachlassverwalter all das zu sammeln und herauszugeben beginnen, was sich irgend noch auf den Markt des Gedruckten werfen lässt, dann grenzt ihr Tun zuweilen an üble Nachrede. Gelegenheitsarbeiten und nicht bis zum letzten Schliff Geführtes leiten das Lebenswerk des Autors in ein mattes Decrescendo. Ist dies nun auch der 2004 verstorbenen Susan Sontag passiert? Der 2007 von Paolo Dilonardo und Anne Jump herausgegebene Band „At the Same Time”, der Essays und Reden Susan Sontags aus den Jahren 2001 bis 2004 versammelt, ist über diesen Verdacht erhaben. Jeder der Texte des Buches hätte vor dem unbestechlichen Urteil der Autorin bestanden. Sie legen eben die Qualitäten an den Tag, um derentwillen Sontag berühmt wurde: Neugier, Klarheit, Intelligenz.
Neugier: Man muss sich Susan Sontag vor der Wühlkiste eines New Yorker Antiquariats vorstellen, grabend. Sie war bis zuletzt eine Entdeckerin. Dem, was nie recht nach oben kam oder alsbald wieder nach unten gedrückt wurde, weil das Geschäft namens Kultur immer Neues verlangt, blieb sie zeitlebens zugetan. Auch geographisch gelangte Sontag dabei in Gegenden, die amerikanischem Geschmack eher fernlagen. Ihre Essays über Leonid Zypkin, Anna Banti und Victor Serge sind schöne Zeugnisse von Sontags Neugier.
Klarheit: Kein Ereignis des 21. Jahrhunderts bot und bietet sich so sehr der Mystifikation an wie der 11. September 2001 und das, was ihm folgte, der „War on Terror”. Das Geschehene und Geschehende auf tiefere Motive hin zu deuten hat wohl noch jeden Intellektuellen, der sich daran versuchte, für den publizistischen Betrieb interessant gemacht. Aber behielt im Gemenge irgendjemand klareren Kopf als die New Yorkerin Susan Sontag? Ihr Einwand schon vom September 2001, das Tugendvokabular von Mut und Feigheit treffe die Sache nicht, war und bleibt ein Muster kritischen Denkens. Und Gleiches gilt für Sontags politische Sprachanalyse, ein Krieg ohne Ende sei kein Krieg, sondern eine Selbstermächtigung zu beliebigen Maßnahmen. Komplizierteres mag zu den Konflikten gesagt worden sein, in welche die USA sich in diesem Jahrzehnt teils verwickelten und teils stürzten, moralisch Wohlgefälligeres und Geistreicheres; niemand aber erreichte Sontags Klarheit.
Intelligenz: Einer Versuchung hat die Intelligenz der Intellektuellen stets am schwersten widerstanden – der Versuchung, zu reduzieren. Der Aufweis, eine Sache, von der man bisher glaubte, sie manifestiere Höheres, sei in Wahrheit nichts anderes als etwas ziemlich Niedriges, war seit dem 18. und 19. Jahrhundert die intellektuelle Attraktion schlechthin. Sontag aber, in ihrem Essay „An Argument about Beauty”, lässt sich nicht verlocken. Sie zeigt, wie Schönheit tief fragwürdig wird und doch alles übersteht, was an ihre Stelle gesetzt wird. Reduzieren fordert gewiss Intelligenz; doch nicht auf Ideologie zu reduzieren ist der Triumph der Intelligenz über die Intelligenz.
Sontags posthumem Buch, auf der Höhe ihrer besten Prosa, ist es nicht vergönnt gewesen, unbeschädigt ins Deutsche zu gelangen. Die Autorin, gleich zum Thema: „Like classical ballet, literary translation is an activity with unrealistic standards, that is, standards so exacting that they are bound to generate dissatisfaction, a sense of being rarely up to the mark, among ambitious practitioners”. Reinhard Kaiser macht daraus: „Wie das klassische Ballett ist auch das literarische Übersetzen eine Betätigung, die an unrealistischen Maßstäben gemessen wird, das heißt, an Maßstäben, die so anspruchsvoll sind, dass sie bei denen, die danach praktizieren, fast mit Notwendigkeit Unzufriedenheit hervorrufen, das Gefühl, dem, was gefordert wird, kaum jemals zu genügen”. Aber selbst an realistischen Maßstäben gemessen ist „nach etwas praktizieren” im Deutschen indiskutabel. „Misrule” ist ein gängiges englisches Wort; an seinem Präfix zu kleben und es mit „Missherrschaft” zu übersetzen ist ein Krampf.
Schlechter Scherz
„The noble cause of literature” stellt im Englischen eine noble Wendung dar; „das ehrenwerte Anliegen der Literatur” ist ein schlechter Scherz. Dankbar erwähnt Sontag „those with whom I studied at the University of Chicago and at Harvard, Christian Mackauer and Leo Strauss and Paul Tillich and Peter Heinrich von Blanckenhagen”; Kaiser übersetzt: „diejenigen, mit denen ich an der University of Chicago und in Harvard studierte, Christian Mackauer, Paul Tillich und Peter Heinrich von Blanckenhagen”, als seien diese Sontags Kommilitonen gewesen. Aber „to study with” bedeutet nicht: mit jemandem studieren, sondern: bei jemandem studieren, ihn zum Lehrer haben. Wenn Kaiser schon nicht die englische Wendung geläufig war, hätte ihn wohl der Altersabstand der erwähnten Herren zu Sontag stutzig machen sollen. Den Namen Leo Strauss’ eliminierte Kaiser – weshalb? So wird hier schließlich doch noch ein Ruf angetastet. ANDREAS DORSCHEL
SUSAN SONTAG: Zur gleichen Zeit. Aufsätze und Reden. Hrsg. von Paolo Dilonardo und Anne Jump. Aus dem Englischen von Reinhard Kaiser. Hanser Verlag, München 2008. 296 S., 21,50 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Recht heterogen sind die Themen, die Susan Sontag in den Aufsätzen dieses Bandes behandelt, den Paolo Dilonardo und Anne Jump posthum herausgegeben haben. Politische Texte wie Sontags Aufsätze zum 11. September oder zu Abu Ghraib stehen dort neben Dankesreden, einem Essay "Über Schönheit" oder Bekenntnissen zu Autoren der europäischen Literaturgeschichte. Die einzige Klammer der Texte scheint der Rezensentin die Autorin selbst zu sein, mag dies auch durch die eigenwillige Persönlichkeit gerechtfertigt sein. Als "intellektuelle Ikone" wusste Susan Sontag um ihre Stärke als Essayistin, überlegt Köhler, die ein wenig bedauert, dass Quantität, andererseits aber auch ihrer brillianten Reflexion geschuldet ist, die ihr literarisches Ouevre stets überstrahlte. Gegen den Eindruck, mit diesen letzten Schriften halte man eine Art Bilanz in Händen verwahrt sich die Rezensentin allerdings, die schließlich ein wenig bedauert, dass die Fülle von Sontags Essays ihre literarischen Leistungen als Schriftstellerin so sehr überstrahlte.

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