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Mit einem aktuellen Vorwort zur Neuausgabe! Auf John Locke geht die Vorstellung zurück, der Mensch sei ein leeres Blatt, auf dem im Verlauf des Lebens die persönlichen Erfahrungen eingetragen werden. In seinem mittlerweile klassischen Buch "Das unbeschriebene Blatt. Die moderne Leugnung der menschlichen Natur" bezieht Bestseller-Autor Steven Pinker ganz die Gegenposition: Mit Witz, Brillanz und Gelehrsamkeit analysiert er die Geschichte dieser Idee und zeigt, wie falsch sie ist - mit allen kruden Auswirkungen auf Vorstellungen von Sexualität, Rasse, Kindererziehung, Intelligenz usw. Die Rolle…mehr

Produktbeschreibung
Mit einem aktuellen Vorwort zur Neuausgabe!
Auf John Locke geht die Vorstellung zurück, der Mensch sei ein leeres Blatt, auf dem im Verlauf des Lebens die persönlichen Erfahrungen eingetragen werden. In seinem mittlerweile klassischen Buch "Das unbeschriebene Blatt. Die moderne Leugnung der menschlichen Natur" bezieht Bestseller-Autor Steven Pinker ganz die Gegenposition: Mit Witz, Brillanz und Gelehrsamkeit analysiert er die Geschichte dieser Idee und zeigt, wie falsch sie ist - mit allen kruden Auswirkungen auf Vorstellungen von Sexualität, Rasse, Kindererziehung, Intelligenz usw. Die Rolle der Gene wird systematisch unterschätzt; aber das bedeutet nicht, dass wir ihnen völlig ausgeliefert sind. Pinker zeigt nämlich auch, wie befreiend diese Sichtweise sein kann. Ein unterhaltsames und anschauliches Buch zur Natur des Menschen, ein echter Lesegenuss.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.29831
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Artikelnr. des Verlages: 1021805, 24324
  • 2., überarb. Aufl.
  • Seitenzahl: 762
  • Erscheinungstermin: 23. November 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 141mm x 43mm
  • Gewicht: 619g
  • ISBN-13: 9783596298310
  • ISBN-10: 3596298318
  • Artikelnr.: 48105417
Autorenporträt
Pinker, Steven
Steven Pinker, geboren 1954, studierte Psychologie in Montreal und an der Harvard University. 20 Jahre lang lehrte er am Department of Brain and Cognitive Science am MIT in Boston und ist seit 2003 Professor für Psychologie an der Harvard University. Seine Forschungen beschäftigen sich mit Sprache und Denken, daneben schreibt er regelmäßig u.a. für die »New York Times« und den »Guardian«. Er war »Humanist of the Year 2006«, das Magazin »Prospect« zählte ihn zu den »Top 100 öffentlichen Intellektuellen«, das Magazin »Foreign Policy's zu den »100 globalen Intellektuellen« und das »Time Magazine« zu den »100 einflussreichsten Menschen in der heutigen Welt«. Im S. Fischer Verlag ist die viel diskutierte Studie »Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit« (2011) erschienen, außerdem »Wie das Denken im Kopf entsteht« (2011), »Der Stoff, aus dem das Denken ist« (2014) sowie »Das unbeschriebenen Blatt. Die moderne Leugnung der menschlichen Natur« (2017). Sein Werk ist mitzahlreichen Preisen ausgezeichnet worden.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 04.11.2003

Hinter jedem klugen Kopf steckt bloß ein Gehirn
Steven Pinker weiß, wie man von sich reden macht: Provokant zwischen Gen und Umwelt lavieren / Von Joachim Müller-Jung

Warum müht sich einer wie Steven Pinker, der die wissenschaftliche Popkultur wie kaum ein zweiter personifiziert und weiß Gott nicht als rückwärtsgewandter Geist bekannt ist, siebenhundert Seiten lang auf einem so ausgefahrenen, abgetretenen Terrain ab wie dem alten Gene-Umwelt-Konflikt der Anthropologen? Im ersten Teil des Buches meint man eine klare Antwort zu bekommen. Engagiert, ja offenbar aufgewühlt von dem Widerstand einiger Kontrahenten aus der amerikanischen geistes- und sozialwissenschaftlichen Szene, ruft er zum Sturz einer widerspenstigen Doktrin: der Idee des "unbeschriebenen Blattes" oder der "Tabula rasa", wie John Locke die Vorstellung des menschlichen Intellekts als einem anfänglich von allen biologischen Determinanten freien, ausschließlich von Erfahrung und Erziehung zu formenden Geist bezeichnete.

Aber schon da stellen sich die ersten Zweifel ein. Ist die geisteswissenschaftliche Welt wirklich so borniert, wie Pinker tut, das biologische Erbe und damit den Einfluß von Genen auf das menschliche Verhalten derart konsequent abzulehnen? Vielleicht sind es ja einige amerikanische Sektierer, aber im Ernst kann man schon lange nicht mehr von dem Titanenkampf zweier anthropologischer Schulen sprechen, den Pinker konstruiert. Ebensowenig wie man heute auf der evolutionär, soziobiologisch geprägten Seite den Einfluß nichtvererbbarer Faktoren bei der Ausbildung von Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen zu übersehen wagt, ist man auf seiten der Geisteswissenschaftler blind für biologische Tatsachen. Wird hier also ein Popanz aufgebaut von einem Wichtigtuer, der mit seinem "Standardwerk", wie es der Verlag selbstbewußt ankündigte, von der Debattenkultur längst überholt ist?

So einfach liegen die Dinge bei Pinker dann doch nicht. Gewiß, schon viele andere vor ihm - und leider lernt man in dem Buch nur die amerikanische Szene kennen - haben die Arena betreten. Unter Pinkers Gleichgesinnten war es zuletzt der Harvard-Biologe Edward O. Wilson, der mit einem ähnlichen Ansinnen die philosophisch gebildete Gelehrtenwelt in Aufruhr versetzte. Während aber Wilson in einer gewagten Auslegung seiner soziobiologischen Erkentnisse für die Anthropologie nichts weniger als die Erweiterung der evolutionspsychologischen Thesen und Methoden auf sämtliche Geisteswissenschaften forderte, äußert sich Pinker im ganzen konzilianter. Offenkundig erkennt er selbst, daß die Metapher des unbeschriebenen Blattes eine zwar plakative, aber allzu leichtfertige und unzeitgemäße Vereinfachung der anderen Position darstellt. Und Pinker ist clever genug, eine "Kompromißlinie", auch wenn er die in seiner anfänglichen Angriffslust von sich weist, einzuschlagen.

Pinker ist Kognitionsforscher am Massachusetts Institute of Technology, ein Schüler des berühmten Linguisten Noam Chomsky. Wie dieser beschäftigt er sich die meiste Zeit mit Fragen, wie der Mensch die Sprache erwirbt, welche Hirnregionen etwa bei kleinen, heranwachsenden Kindern durch den Umgang mit regelmäßigen und unregelmäßigen Verben aktiviert werden. Einer, der so intensiv mit der experimentellen Wissenschaft vertraut ist und die meiste Zeit im Labor arbeitet, kann in philosophischen Fragen kaum mehr als ein Autodidakt bleiben. Doch Pinker nimmt diese zweite, große Aufgabe der Weltendeutung sehr ernst. Damit nimmt er bewußt in Kauf, dieselbe scharfe Kritik der Gelehrten auf sich zu ziehen, der seine Freunde - und wie er Bestsellerautoren - Edward O. Wilson oder Richard Dawkins seit Jahrzehnten ausgesetzt sind.

Pinker tut das nicht ohne Hintergedanken: Die Avantgarde der angelsächsischen Dritten Kultur, zu der sich der literarisch ohne Zweifel begabte Pinker seit langem zählt, beherzigt die Aufregermentalität der Medien und weiß, wie man von sich reden macht. Tatsächlich hat er mit diesem Buch, noch bevor das erste Exemplar im vorigen Jahr in den Vereinigten Staaten ausgeliefert war, einen riesigen kommerziellen Erfolg gelandet. Sein Vorschuß in Höhe einer sechsstelligen Dollarsumme war der bis dahin höchste Vorschuß, den ein Sachbuchautor mit einem einzelnen Werk je erzielt hatte.

Unterstellt man indes, daß es nicht das Honorar und nicht die ewige Spaltung der Intellektuellenwelt in die Genfraktion und die Umweltfraktion ist - was ist dann der Grund des Buches? Pinker hat erkannt, daß in diesem Stadium der neuro- und evolutionsbiologischen Forschung viele Konflikte, die in den vergangenen Jahrzehnten heraufbeschworen wurden, noch gar nicht abschließend zu lösen sind. Welche biologischen Wurzeln und sozialpsychologischen Ursachen Vergewaltigung, Homosexualität, Abenteuerlust, asoziales Verhalten, moralisches Handeln oder Kunstvorlieben haben, die in den menschlichen Kulturen verbreitet sind, ist eben mit Erblichkeitsquotienten noch längst nicht zweifelsfrei und pauschal zu beantworten - möglicherweise sogar niemals mit der von Pinker erwarteten Eindeutigkeit. Weil es aber nun einmal für einen entschlossenen Autor wie ihn schwer ist, die Dinge in der Schwebe zu lassen, evoziert Pinker eine ziemlich realitätsferne Gegenweltendebatte.

Sollte freilich der amerikanische Primatenforscher Marc Hauser mit seiner These recht behalten, der Pinker nach den ersten harschen Kritiken in amerikanischen Wissenschaftsjournalen zur Seite sprang, dann muß man vor Steven Pinker womöglich doch den Hut ziehen. Hauser glaubt nämlich, daß es in dem Buch vor allem darum geht, den Menschen die Angst vor der Biologie zu nehmen - die Angst, fremdbestimmt und genetisch determiniert durchs Leben zu gehen. Tatsächlich strotzt das Buch vor einer Vielzahl an praktischen und konstruierten Beispielen aus der Kognitions- und Evolutionsforschung, die - ohne das biologische Erbe zu verniedlichen - den auch heute noch allzuoft bemühten kruden Gendeterminismus in Frage stellen. Pinker zeigt, daß unsere Gene mächtig, aber eben nicht allmächtig sind, wie hauptsächlich biologisch unbedarfte "Experten" immer noch glauben unterstellen zu müssen. So geht von diesem anregenden Buch doch eine zeitgemäße und wichtige Botschaft aus.

Steven Pinker: "Das unbeschriebene Blatt". Die moderne Leugnung der menschlichen Natur. Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober. Berlin Verlag, Berlin 2003. 713 S., Abb., geb., 29,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 06.10.2003

Was du ererbt von deinen Vätern
Blonde Gene bevorzugt: Steven Pinker treibt es mit der Biologismus
Irgendwo in der Mitte seines Buchs, in einem Absatz, den er selbst eingeklammert hat, schreibt Steven Pinker: „Ich bin übrigens der Meinung, dass wir im Falle des meistdiskutierten rassischen Unterschieds – dem schwarz-weißen IQ-Gefälle in den Vereinigten Statten – für die vorliegenden Daten keine genetische Erklärung bemühen müssen.” Anschließend führt Pinker aus, was wohl jeder vernünftige Mensch so sagen wird: Wenn Schwarze in den Vereinigten Staaten im statistischen Durchschnitt bei Intelligenztests signifikant schlechter abschneiden als Weiße, dann liegt es wohl daran, dass Schwarze auch signifikant weniger Anteil am Wohlstand und an den Bildungseinrichtungen der Vereinigten Staaten haben. Und nicht daran, dass Schwarze von Natur aus dümmer sind. Plausibel ist das insbesondere, weil überall auf der Erde Mitglieder von Minderheitengruppen im Durchschnitt bei Intelligenztests schlechter abschneiden als Vertreter der vorherrschenden Kultur, unabhängig von ihrer Hautfarbe.
Die Kontroverse um die Studie von Richard Herrnstein und Charles Murray aus dem Jahr 1994 über das IQ-Gefälle zwischen Schwarzen und Weißen hat Pinker als Eröffnungspaukenschlag seines neuen Buchs verwendet. Herrnstein und Murray waren der Meinung, der IQ-Unterschied habe „sowohl genetische wie umweltbedingte Ursachen”. Dafür wurden sie als Rassisten beschimpft. Pinkers Absicht ist, die Debatte über Natur oder Kultur – ist unsere Charaktere, Begabungen und Vorlieben angeboren oder erst durch Erziehung und Umwelteinflüsse geprägt worden? – zu versachlichen. Und eine Antwort zu geben.
Sein Buch, das im vergangen Herbst von der amerikanischen Presse als Monument der „Dritten Kultur” gefeiert und verdammt wurde, erreicht nun – in einer passablen Übersetzung – den deutschen Markt. Es ist ein sehr amerikanisches Buch, geschrieben für eine Diskussionskultur, die abgeklärten Europäern vielleicht nur ein müdes Lächeln entlockt.
Der Mensch, hat Pinker herausgefunden, ist bei seiner Geburt kein „unbeschriebenes Blatt”. Jeder hat seine eigene Natur, ist nicht beliebig durch Erziehung formbar, und glücklich kann er nicht werden, wenn er sich unter dem Zwang weltfremder Gesellschaftsutopien verbiegen muss. Als „Dritte Kultur” gelten diese Erkenntnisse, weil sie gegen die empirische Leere der Geisteswissenschaften und die soziale Blindheit der Naturwissenschaften die Weisheit der Gemeinplätze pflegen.
Dass das Buch trotzdem durchgehend unterhaltsam zu lesen ist, verdankt sich Pinkers Auswahl seiner Gegner. Der Autor hat sie in großer Zahl gefunden, die jugendlich ungestümen Linken, Feministinnen und Sozialpädagogen mit ihren plakativen Parolen, die er genüsslich mit sehr vernünftigem und ausgewogenem Common sense zu Boden ringt, bis sie wohl als widerlegt gelten dürfen.
Doch Pinker möchte auch provozieren. Immer wieder eingestreut finden sich Sätze wie dieser: „Wie wir sehen werden, entsprechen die neuen Wissenschaften von der menschlichen Natur historisch tatsächlich eher rechten als linken Auffassungen.” Tatsächlich nimmt er die Provokationen später meist wieder zurück oder verwässert sie ins Bedeutungslose. (Pinker liefert auch ausreichend viele Beispiele von „eher rechten Auffassungen”, die der „menschlichen Natur” zuwiderlaufen.) Aber bei einigen Lesern könnte das unbehagliche Gefühl entstehen, Pinker verteidige womöglich die Soziobiologie und propagiere ein inhumanes Menschenbild: Meint Pinker etwa, unsere politischen, religiösen, ästhetischen Überzeugungen müssten dem Wechselspiel von guten Gründen und Argumenten entzogen werden und ließen sich mit molekularbiologischen Methoden auf objektive Wahrheit oder Falschheit überprüfen?
Die naturwissenschaftliche Frage, welchen Einfluss die Gene auf den Charakter haben könnten, ist für die Argumentation des Buchs nebensächlich und auch von Biologie handelt es, entgegen dem Eindruck, den Pinkers Koketterie mit dem Biologismus beim Leser hinterlässt, nur sehr am Rande. Die Frage, ob man durch eine Änderung in der Basensequenz des Genoms aus einem linksliberalen Demokraten einen strammen Konservativen machen könnte – und wenn ja, auf welchem Chromosom –, kann Pinker so wenig beantworten, wie es die gegenwärtige Biologie vermag. Die Biologie ist heutzutage noch zu sehr damit beschäftigt, die ersten Mechanismen zu entschlüsseln, wie die Gene nicht nur einzelne Proteine, sondern organische Strukturen erzeugen. Die anschließende Frage, wie diese organischen Strukturen mit den mentalen Qualitäten eines Lebewesens in Beziehung stehen, liegt noch weitgehend unbedroht durch Naturwissenschaft im Bereich der philosophischen Meinungsfreiheit.
Den entscheidenden Hinweis darauf, dass es tatsächlich eine Beziehung zwischen den Genen und dem Charakter gibt, liefern seit langem bekannte Untersuchungen von eineiigen Zwillingen, insbesondere solchen, die gleich nach der Geburt getrennt und in sehr verschiedenen Pflegefamilien erzogen wurden. Diese ähneln sich trotzdem auch in mentaler Hinsicht sehr, von ihren politischen Überzeugungen bis hin zur Präferenz des gleichen Haarwassers. Solange aber der kausale Mechanismus zwischen Genen und Haarwasser weiterhin im Unbekannten liegt, lassen sich aus diesem Befund schwerlich „neue Wissenschaften von der menschlichen Natur” begründen.
Sein Wissen über die menschliche Natur bezieht deshalb auch Pinker aus anderen Quellen, aus der empirischen Sozialforschung, der traditionellen Psychologie, nicht aus dem, was er hier und dort über neue Erkenntnisse der Molekularbiologie und Hirnforschung einstreut. Der gesunde Menschenverstand sagt, dass es ganz wesentlich ökonomische Umstände sind, die unser Handeln bestimmen. Jede noch so schöne Theorie vom Menschen wird scheitern, wenn sie von der Voraussetzung abhängt, dass Menschen wider besseres Wissen ihren eigenen Vorteil nicht nutzen.
Dies, im wesentlichen, sagt auch Pinker. Nur meint er, die Überzeugungskraft der ökonomischen Vernunft noch weiter zu fördern, indem er sie mit einer evolutionsbiologischen Entstehungsgeschichte anreichert und mit einer biochemischen Ursache fundiert. Es ist die bekannte Geschichte. Sie handelt vom Überlebenskampf in einer feindlichen Umwelt, von Selektion, von der Vererbung besonders gut angepasster Gene. Unsere humanistischen Grundfesten und moralischen Traditionen jedenfalls werden durch diese Art von „Soziobiologie” nicht erschüttert.
ULRICH KÜHNE
STEVEN PINKER: Das unbeschriebene Blatt. Die moderne Leugnung der menschlichen Natur. Deutsch von Hainer Kober. Berlin Verlag, Berlin 2003. 713 Seiten, 29,80 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Durchaus zwiespältig ist der Eindruck, den das neue Buch des Star-Sachbuchautors Steven Pinker beim Rezensenten Joachim Müller-Jung hinterlässt. Zunächst nämlich mache es sich Pinker einfach zu leicht in seiner Diskussion der uralten Frage nach dem Verhältnis von Gen- und Umwelteinflüssen. Aufgebaut wird der "Popanz" einer biologiefeindlichen Position, die so kaum noch existieren dürfte - meint Müller-Jung. Der Angriff in diese Richtung, mit dem das Buch beginne, verpuffe recht schnell. Zum Glück besinne Pinker sich danach auf besonneneres Vorgehen und stelle eine "Kompromisslinie" vor, die immerhin erlaube zuzugestehen, dass abschließend in der schwierigen Frage noch gar nicht entschieden werden kann. Und eines kann das Buch, ob es will oder nicht, auf jeden Fall leisten, so Müller-Jung, nämlich die Leser in Sachen Biologie zu beruhigen. Die Macht der Gene, das zeigten viele der von Pinker angeführten Beispiele, sei in jedem Fall begrenzt, von Determinismus könne in aller Regel nicht die Rede sein.

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