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Innerhalb der intellektuellen Entwicklung Steiners nehmen 'Die Mystik' (1901/1924) und 'Das Christentum' (1902/1910/1925) eine zentrale Stellung ein. Sie dokumentieren den Übergang des Philosophen Steiner zum Mystiker und Esoteriker und stehen somit im Brennpunkt aktueller Forschungskontroversen, etwa um die Kontinuität von Steiners intellektueller Entwicklung, um die "Christlichkeit" der Anthroposophie oder um die Abhängigkeit Steiners von der anglo-indischen Theosophie. Der fünfte Band der Edition erschließt diese für das Verständnis und die Bewertung der Anthroposophie unentbehrlichen Schriften zum ersten Mal in kritischer Edition.…mehr

Produktbeschreibung
Innerhalb der intellektuellen Entwicklung Steiners nehmen 'Die Mystik' (1901/1924) und 'Das Christentum' (1902/1910/1925) eine zentrale Stellung ein. Sie dokumentieren den Übergang des Philosophen Steiner zum Mystiker und Esoteriker und stehen somit im Brennpunkt aktueller Forschungskontroversen, etwa um die Kontinuität von Steiners intellektueller Entwicklung, um die "Christlichkeit" der Anthroposophie oder um die Abhängigkeit Steiners von der anglo-indischen Theosophie. Der fünfte Band der Edition erschließt diese für das Verständnis und die Bewertung der Anthroposophie unentbehrlichen Schriften zum ersten Mal in kritischer Edition.
  • Produktdetails
  • Verlag: Frommann-Holzboog Verlag E.K.
  • Erscheinungstermin: September 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 251mm x 169mm x 38mm
  • Gewicht: 968g
  • ISBN-13: 9783772826351
  • ISBN-10: 3772826350
  • Artikelnr.: 35035315
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die Basis ist gelegt für eine Untersuchung der anthroposophischen Praxis auf ihre Geltung hin, freut sich Philip Kovce, mit diesem ersten Band der von Christian Clement herausgegebenen Kritischen Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners nämlich. Der die Entstehung der Anthroposophie beleuchtende Band selbst beglückt den Rezensenten durch eine ungewohnt sachliche, die hermeneutische Kultur befördernde Einleitung und den Akzent auf Schwerpunktverscheibungen zwischen den Ausgaben erster und letzter Hand, dokumentiert im kritischen Apparat und einem Literaturverzeichnis, in dem der Rezensent die Grundlage für künftige Arbeiten erkennt. Für Kovce ist das gesamte Unternehmen ein Signal dafür, dass Dornach endlich an die Welt andockt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 10.01.2014
Wie fotografiert man den Allgeist?
Für die meisten ist die Anthroposophie nur ein Gerücht – die kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners kann das ändern
Es ist etwas Seltsames mit der Anthroposophie: Während sie, in Gestalt von Waldorfschulen und der dazugehörigen Pädagogik, unübersehbar öffentlich agiert, bildet sie doch selbst, sogar für Schüler und deren Eltern, eine allenfalls abstrakt vorausgesetzte Lehre – eine Theorie also, die man kaum kennen muss, um am praktischen Treiben einer solchen Lehranstalt teilzuhaben. In der Öffentlichkeit ist sie weitgehend unbekannt. Und doch wird jeder, der in einem großen öffentlichen Medium über Anthroposophisches publiziert, von Leserbriefschreibern schnell darüber aufgeklärt, dass es in allen Teilen der Republik und weit darüber hinaus sehr viele Menschen gibt, die sich dieser Lehre zugehörig wissen. Es gibt die Anthroposophie, mitten in der Gesellschaft, und zugleich ist sie etwas Verborgenes.
  Das Missverhältnis zwischen Wirkung und Geltung fällt noch deutlicher aus, geht man in die Geschichte zurück. Denn zusammen mit der Theosophie (aus der die Anthroposophie durch Spaltung hervorging) und den vielen Varianten des Spiritismus (gegen den sich die Anthroposophie scharf abgrenzte), war die Anthroposophie einer der wirkungsvollsten intellektuellen Bewegungen in Europa zwischen den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts und dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft. Das gilt zumal für bürgerliche Verhältnisse und noch mehr für künstlerische Kreise, also für Bildende Künstler, Musiker, Schriftsteller und ihre Umgebung – für den Surrealismus, den Konstruktivismus, den Suprematismus, den Futurismus, die Zwölftontechnik, die frühe abstrakte Kunst, kurz: für alle ästhetischen Bewegungen jener Zeit, die das Verhältnis von Kunst und Leben auf eine völlig neue Grundlage stellen wollten.
  Und doch stellen die esoterischen Bewegungen dieser Jahre, mochten sie auf Kultur und Gesellschaft jener Jahre auch mindestens so großen Einfluss gehabt haben wie etwa die Durchsetzung der Fotografie im Privatleben oder die zunehmende Verbreitung der Kurzschrift im Büro, für die historische Forschung noch unserer Zeit ein eher abgelegenes Forschungsgebiet dar. In seiner großen Monographie „Das Zeitalter der Avantgarden“ (2005) nennt sie der Politologe Klaus von Beyme schlicht einen „Schwulst“ für „spintisierende Männer“ nennt. So leicht und so leichtfertig ist noch selten eine große intellektuelle Bewegung, und mag sie noch so falsch und versponnen sein, abgefertigt worden.
  Das aber liegt auch daran, dass die Quellen nicht auf dem Stand sind, den Historiker zumal der Neuzeit heute gewöhnlich vorfinden: In der Regel stammen sie entweder von den Mystikern und ihren Glaubensgegnern, also von in hohem Maße befangenen Autoren, oder sie bestehen, von Wassily Kandinsky bis zu Franz Kafka, von Thomas Mann bis zu Arnold Schönberg, in Bemerkungen von Zeugen, die man nicht einmal als Gelegenheits-Esoteriker wahrnehmen kann oder will.
  Insofern stellt es einen erheblichen Fortschritt im Umgang mit diesen Bewegungen, wenn nun der erste Band – in der Chronologie der Edition gerechnet: der fünfte von insgesamt acht Bänden – einer historisch-kritischen Edition der Werke Rudolf Steiners erschienen ist, und zwar im Verlag Frommann-Holzboog, wo – zum Beispiel – die Gesamtausgabe der Werke Johann Gottlieb Fichtes und die historisch-kritische Schelling-Ausgabe publiziert wird. Der Herausgeber ist im hiesigen akademischen Betrieb indessen so gut wie unbekannt. Er heißt Christian Clement, war einmal Lehrer an einer Waldorfschule in Würzburg und arbeitet heute als Assistenzprofessor für Germanistik an der Brigham Young University in Utah, einer konfessionellen Einrichtung, die der Kirche der Mormonen gehört. Ein Außenseiter also hat die Aufgabe übernommen, die Schriften einer der bekanntesten Figuren der deutschsprachigen Kultur im frühen zwanzigsten Jahrhundert zu edieren. Das spricht nicht gegen ihn, sondern gegen eine Wissenschaft, die meint, sich ihre Gegenstände weniger nach Sachlage denn nach Interesse oder Sympathie aussuchen zu dürfen.
  Der nun zuerst erschienene Band enthält zwei Grundschriften Rudolf Steiners: „Die Mystik im Aufgang des neuzeitlichen Geisteswesens“ von 1901 und „Das Christentum als mystische Tatsache“ von 1902, dem Jahr, in dem er sich der deutschen Theosophischen Gesellschaft anschloss, um ihr Generalsekretär zu werden. Beide Texten stammen also aus einer Zeit, in der Rudolf Steiner noch nicht weiß, ob er noch ein wenig Philosoph oder schon ganz Mystiker ist, und beide sind bekannt – und zwar nicht aus der „Gesamtausgabe“, die ohnehin eher eine Leseausgabe ist, sondern als unabhängige Publikation eines anthroposophischen Kleinverlags.
  Hier nun erscheinen die Texte in ihrer letzten vom Autor veranstalteten Fassung, mit den Wandlungen, die sie vom Vortragsmanuskript zur Buchfassung und dann von Ausgabe zu Ausgabe durchliefen. Es sind programmatische Schriften einer esoterischen Weltanschauung, die alles andere sein will als eine Abkehr von der modernen Welt im Allgemeinen und von den Naturwissenschaften im Besonderen, die antike Mysterienreligionen, den Mystizismus des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit ebenso wie den philosophischen Idealismus – vor allem Fichte und Hegel – beerben will, um am Ende mit imperialer Geste festzustellen, dass ein „Allgeist“ im Individuum waltet und alles, was war und ist, sich als Figuration von „Ideen“ erweist.
  Selbstverständlich muss man fragen, warum es denn solche radikale Hinwendungen zur Mystik gibt, gerade zu dieser Zeit. Darauf gibt es ein paar großformatige, im Kern soziologische Antworten: das Verlangen nach einer neuen Kirche, die es mit der industriellen Welt und den Fortschritten des Kapitals aufnehmen kann, das Bedürfnis nach einer religiöse Erregung, dem das Christentum nicht mehr genügt, das Heranwachsen fundamentalistischer Sumpfblüten am Stamm eines allmählich erlöschenden Glaubens – und das ganze Unternehmen in Gestalt einer neuen Mysterienlehre organisiert, ohne offiziellen Rückhalt, im halb Verborgenen, in Gemeinden, in denen sich der Glaube als persönliche Leistung behaupten muss.
  Einem Wissen aber, ob diese Antworten richtig sind, müsste die Arbeit an den Texten vorausgehen. Und wenn diese nicht geleistet ist, kann das, je mehr diese Ausgabe voranschreitet, nicht mehr an der Verlässlichkeit der Edition dieser Texte liegen. Und auch wissensgeschichtlich wäre an diesen Schriften einiges zu erklären: Wie zum Beispiel hängt die Entschlossenheit Rudolf Steiners, im Menschen vor allem ein Medium erkennen, ein Wesen auf der Grenze zwischen Physik und Metaphysik, die Vermittlungsinstanz zwischen der physischen Welt und den höheren Sphären des Geistigen, mit den Fortschritten der Physik jener Zeit zusammen?
  Wie mit den Hypothesen zur vierten Dimension, wie mit den Lehren vom Äther, wie mit Fotografie, Röntgentechnik und dem sich rasch erweiternden Wissen über elektromagnetische Wellen? Und was hat es zu bedeuten, wenn die „Mystik“ mit einer Verbeugung vor dem Biologen Ernst Haeckel beginnt – dem damals prominentesten Sachwalter des Darwinismus in den deutschsprachigen Ländern – , um dann bei Meister Eckhart fortzufahren?
  Unmittelbar nach Erscheinen dieses Auftakts der historisch-kritischen Ausgabe brach unter den Gelehrten, die selbstverständlich auch die Anthroposophie hervorbringt, ein heftiger Streit darüber aus, wie denn die nun offensichtlichen Unterschiede zwischen den Überarbeitungsstufen zu bewerten seien: Der Religionshistoriker Helmut Zander warf dem Herausgeber vor, im Interesse einer anthroposophischen Deutung zu verbergen, wie „elastisch“ Rudolf Steiner mit eigenen, früheren Überzeugung umgeht. Helmut Zanders bekannteste Widersacher, der anthroposophische Publizist Lorenzo Ravagli, lobt hingegen Rudolf Steiners Fähigkeit, sich selbst in seine Gegenstände zu „projizieren“, und offenbar gibt es darüber hinaus nicht wenige Anhänger einer reinen Lehre, die das ganze Unternehmen für eine Anmaßung halten.
  Es zeugt von den editorischen Ansprüchen der Ausgabe, dass Christian Clement offenkundig versucht, sich aus solchen Streitigkeiten herauszuhalten: Denn diese gelten ja weniger den Schriften als historischen Gegenständen, als vielmehr ihren Qualitäten als Zeugnissen mystischer Erkenntnis. Dass solche Konflikte nicht zu vermeiden sind, liegt in der skeptischen Natur philologischer Arbeit. Dass sie stattfinden, und mit solcher Heftigkeit, bezeugt andererseits, dass man es hier immer noch, im religiösen Sinne, mit Glaubenstexten zu tun hat.
THOMAS STEINFELD
Rudolf Steiner: Schriften über Mystik, Mysterienwesen und Religionsgeschichte. Schriften - Kritische Ausgabe, Band 5. Herausgegeben und kommentiert von Christian Clement. Frommann-Holzboog Verlag, Stuttgart 2013. 380 Seiten, 88 Euro.
Wie hängt das Interesse Rudolf
Steiners an der Mystik mit der
Technik seiner Zeit zusammen?
Rudolf Steiner , geboren 1861 in Kraljevec in Kroatien, als es noch zu Österreich gehörte, gestorben 1925 in Dornach in der Schweiz. Seine Lehre, die Anthroposophie, wird jetzt kritisch ediert.
  
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