Post aus Alpe d’Huez - Winnen, Peter

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In "Post aus Alpe d'Huez" erfahren Radsportfans dank Peter Winnens großem Erzähltalent und beispielloser Offenheit aus erster Hand, was sie schon immer über die Welt der Profis wissen wollten. Wer dieses Buch gelesen hat, wird den Radsport mit völlig anderen Augen sehen. Mit mehr Verständnis und noch mehr Leidenschaft ...…mehr

Produktbeschreibung
In "Post aus Alpe d'Huez" erfahren Radsportfans dank Peter Winnens großem Erzähltalent und beispielloser Offenheit aus erster Hand, was sie schon immer über die Welt der Profis wissen wollten. Wer dieses Buch gelesen hat, wird den Radsport mit völlig anderen Augen sehen. Mit mehr Verständnis und noch mehr Leidenschaft ...
  • Produktdetails
  • Verlag: Covadonga
  • Seitenzahl: 303
  • Erscheinungstermin: April 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 149mm x 28mm
  • Gewicht: 445g
  • ISBN-13: 9783936973143
  • ISBN-10: 3936973148
  • Artikelnr.: 13357777
Autorenporträt
Peter Winnen fuhr von 1980 bis 1991 als Berufsrennfahrer für Teams wie 'Capri-Sonne' und 'TI-Raleigh/Panasonic' - zunächst unter Walter Godefroot als Sportlichem Leiter und ständig verwechselt mit Rudy Pevenage. Drei Mal entschied der starke Kletterer die Königsetappe der Tour de France für sich: in Alpe d'Huez 1981 und '83 sowie in Morzine 1982. Peter Winnen ist heute Sportkolumnist beim 'NRC Handelsblad' und hat nach seinem Romandebüt in seiner Heimat mittlerweile zwei weitere Bücher veröffentlicht: 'Valse start' und 'Stoempwerk'.
Rezensionen
Besprechung von 14.07.2005
Im Spermapulk auf dem Weg nach Alpe d’Huez
Der holländische Bergfahrer Peter Winnen erinnert sich an die Tour de France in den achtziger Jahren
Mit 18 Jahren gewann Peter Winnen auf dem jährlichen Festabend seines Radsportvereins bei einer Tombola eine automatische Schuhputzmaschine. Zu jener Zeit trainierte der niederländische Nachwuchssportler regelmäßig mit zwei Jungen aus einer dreizehnköpfigen Familie. Eines Tages schlug die Mutter der beiden Jungen Winnen einen Tausch vor: seine Schuhputzmaschine für ihre riesige Familie gegen ein Mikroskop, das sie beim allwöchentlichen Bingoabend im Dorf gewonnen hatte.
Winnen schlug ein und nahm fortan das ganze Leben unter die Lupe, Blutkörperchen, Haare, Staubkörnchen. „Eines Tages landete ein Tropfen Sperma unter der Linse. Und verflixt, da sah ich sie umherpurzeln und durcheinander kribbeln: unzählige lustige Kaulquappen. Genug, um ganz Mexico City damit zu befruchten. Gerührt betrachtete ich die Armee unter dem Deckglas. Was für eine Potenz! Was für ein Glück! Dann schlug im Bruchteil einer Sekunde die Rührung in Entsetzen um. Ich sah die Welt, wie sie in Wirklichkeit war. Keiner dieser kleinen schwimmenden Kameraden würde jemals seine Bestimmung erfüllen.” Winnen starrt zunächst die Wand seines Zimmers an, zieht sich dann um und geht Radfahren: „Ich gab mich einem langen spartanischen Training hin - aus Protest. Es half nichts, zu schonungslos war die Erkenntnis zu mir durchgedrungen. Es wuchs das Bewusstsein, dass ich nicht mehr war als eine Raupe, die dabei ist, eine Autobahn zu überqueren.”
Das ist nicht unbedingt die Art von Anekdote, die man in der Autobiographie eines Sportlers erwartet. Aber Peter Winnen war immer etwas anders. Als Soldat wurde er entlassen, weil er fortwährend behauptete, verrückt zu sein; bei der Tour de France hatte er Dostojewski im Gepäck. Und nebenher schrieb er im Hotel Gedichte. Kein Wunder, dass Peter Winnen unter seinen Kollegen grenzwertig als Kauz galt (Lehrer war er auch noch). Andererseits aber sind heute zwei der 21 Spitzkehren im Anstieg nach Alpe d’Huez nach ihm benannt.
1981 fuhr Winnen als bester Debütant der Tour de France ins weiße Trikot. Dreimal war der begnadete Bergfahrer unter den besten Fünf, unter anderem unter Walter Godefroot und einem deutschen Sponsor: „Capri Sonne verkauft ein Fruchtsaftgetränk in Aluminiumtütchen - mit einem angeklebten Strohhalm, der sich nur mit Mühe durch die Verpackung stechen lässt. Bei Siegen sollen wir uns vor den Kameras an Capri-Sonne laben. Das beim Leertrinken langsam verschrumpelnde Alutütchen sah trotz des farbenfrohen Aufdrucks aus wie der Blasebalg eines Beatmungsgeräts. Und wer möchte sich nach einem Sieg schon wie ein Todkranker oder wie ein hilfsbedürftiges Vögelchen präsentieren? Eigentlich ist es ein unwichtiges Detail.” Eigentlich. Aber genau das macht Winnens „Post aus Alpe d’Huez” so herausragend: Er entwirft den Radzirkus aus kleinen Details, die er in Großaufnahme zeigt.
Seine Autobiographie, die er in Form von Briefen an einen befreundeten Lehrer erzählt, folgt so gar nicht dem konventionellen Aufbau einer Sportlerbiographie. Normalerweise wird den großen Ereignissen auch der meiste Platz eingeräumt. Liest man Lance Armstrongs Biographie, dröhnen einem inwendig die Ohren von dessen unbedingten, letztgültigen, stahlsehnigen Bezwingermonologen. Winnensprintet die quasi lebensentscheidende Etappe, in der er aus dem absurd wuselnden Kaulquappenpulk der Tour in die Geschichtsbücher davonfuhr, auf drei Seiten ab. An jenem 14. Juli 1981 wurde er zum Nationalhelden, es muss damals in Holland ähnlich ekstatisch zugegangen sein wie hierzulande 1997: Willem gewann an diesem Tag zum ersten Mal die Etappe nach Alpe d’Huez.
Winnens Erinnerung daran ist ein Kondensat aus hellsichtigem Schmerz und innerer Leere. Selten wurde von einem Sportler selbst so eindrücklich der körperliche Extremismus beschrieben wie in diesen tagebuchähnlichen Skizzen über die Bergetappen: „Schließlich begannen die Muskeln, sich wie verhedderte Schnüre anzufühlen.” Zwischen den glatten Außenaufnahmen der Sportberichte, die er abends im Hotel sieht, und seinem stroboskopartigen Erleben der Etappe klafft ein Abgrund, tiefer als jedes Pyrenäental. Die jähen Momente geradezu epiphanischen Erlebens gehen in seinen Beschreibungen mit irritierenden Absenzen und lebenszehrender Ödnis einher. So als nähme er extrem scharfe Bilder auf, die er dann mit grauem Filter überblendet. Einer Künstlerin, die in einem schwülen Brief von seiner „äußersten Konsequenz und befreiten Urkraft” schwärmte, antwortete er grimmig: „Von dem, was Sie befreite Urkraft nennen, habe ich mich wochen-, vielleicht sogar monatelang nicht richtig erholt.”
Apropos grau, apropos erholt: Als Winnen, der heute als Kommentator und Kolumnist arbeitet, vor drei Jahren „Post aus Alpe d’Huez” in Holland veröffentlichte, überschlugen sich die Zeitungen auch deshalb, weil da endlich einer über den „Graubereich” redete, in dem der Radsport oftmals operiert. Graubereich oder Grauzone trifft es insofern nicht, als diese Metaphern suggerieren, es gebe im schillernden Farbspektrum des Tourzirkus eben auch ein graues Segment. Die Tour, so Winnen, ist grau in grau in dunkelgrau. Von den gefährlichen Amphetamin-Mixturen bis hin zum Beginn der EPO-Experimente hat er selbst alles miterlebt. Angeblich hat er selbst stets versucht, sauber zu bleiben. Andererseits wird von den Masseuren und Ärzten an den Abenden auch an seinem halbtoten Körper herumlaboriert: „In diesen Tagen wusste ich noch nicht einmal selbst, ob ich nun schuldig oder unschuldig war. Ich machte mir darüber keine Sorgen. Die Sorgen überließ ich der Firma, die ihre Sorgen ihrerseits unserem Arzt Ruudi überließ.”
ALEX RÜHLE
PETER WINNEN: Post aus Alpe d’Huez. Eine Radsportkarriere in Briefen. Aus dem Niederländischen von Christoph Bönig. Covadonga, Bielefeld 2005. 303 Seiten, 14,80 Euro.
Als die „Gold-Edition” zur 100. Tour de France der Agentur Starshot kürzlich bei uns in der Redaktion auftauchte, konnten wir es kaum fassen: Wie jetzt, Jan Ullrich hängt da mit den Models ab? Winokourow Hand in Hand mit einer Blondine? Und wer sind nur diese Frauen, die da dauernd bei den Bergankünften stehen, neben Armstrong? Der Fotograf Kai Stuht hat 2003 mit vier betörend schönen Models und einer Menge modischer Accessoires die Tour begleitet. Das Magazin, das dabei entstand, ist von beeindruckender Chuzpe: Die ganze Tour als Staffage für ein Modemagazin. Starshot bringt übrigens auch das Magazin „Useless” heraus, das ebenfalls Sport und Mode kombiniert. Im nächsten Heft kann man Prince Charles beim Polo in Ascot beobachten.
Foto: Starshot/ Kai Stuht
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Alex Rühle zeigt sich von der Autobiografie des holländischen Radsportlers Peter Winnen überrascht und begeistert. Der Autor, der 1981 auf der Tour de France die Etappe nach Alpe d'Huez gewann, galt unter Kollegen bereits "grenzwertig als Kauz", der auf der Tour Dostojewski las und Gedichte schrieb. Und auch seine Lebensbeschreibung, die er als Abfolge von Briefen an einen befreundeten Lehrer verfasst hat, ist mit der üblichen Sportlerbiografie nicht zu vergleichen, konstatiert der Rezensent beeindruckt. Das liegt vor allem an Winnens Sinn für scheinbar unwichtige Details, womit er den "Radzirkus" in "Großaufnahme" zu zeigen vermag, lobt Rühle. Nicht nur deshalb, sondern auch, weil der Sportler die "Grauzonen" dieses sportlichen Großereignisses aufzeigt, indem er die mörderischen Strapazen und die Dopingproblematik ohne Beschönigung schildert, machen für den Rezensenten diese Autobiografie zu einer "herausragenden" Lektüre.

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