Broken - Sechs Geschichten - Winslow, Don
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Sechs packende Geschichten voller Verbrechen und Korruption, Schuld und Gerechtigkeit, Verlust und Verrat, Rache und Vergebung von Bestsellerautor Don Winslow. In Broken schickt er einige seiner beliebtesten Charaktere wie Ben, Chon und O aus "Zeit des Zorns" in eine Welt voller Schwerverbrecher und Kleinkrimineller, besessener Polizisten, denen Job und Leben zusetzen, Privatdetektive, Kopfgeldjäger und Flüchtiger. Doch auch das aktuelle politische Klima in den USA findet sich thematisch wieder, als ein texanischer Grenzschützer sein Handeln aufgrund der unhaltbaren Zustände in den…mehr

Produktbeschreibung
Sechs packende Geschichten voller Verbrechen und Korruption, Schuld und Gerechtigkeit, Verlust und Verrat, Rache und Vergebung von Bestsellerautor Don Winslow. In Broken schickt er einige seiner beliebtesten Charaktere wie Ben, Chon und O aus "Zeit des Zorns" in eine Welt voller Schwerverbrecher und Kleinkrimineller, besessener Polizisten, denen Job und Leben zusetzen, Privatdetektive, Kopfgeldjäger und Flüchtiger. Doch auch das aktuelle politische Klima in den USA findet sich thematisch wieder, als ein texanischer Grenzschützer sein Handeln aufgrund der unhaltbaren Zustände in den Sammellagern hinterfragen muss.

So schafft Don Winslow mit Menschenkenntnis, Action und Humor eine Sammlung von Geschichten, die zu den Klassikern der Kriminalliteratur zählen wird.

"Ein Meister der Spannung zeigt sein Können." The New York Times
  • Produktdetails
  • Verlag: Harpercollins Hamburg
  • Originaltitel: Broken
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: 24. März 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 152mm x 45mm
  • Gewicht: 690g
  • ISBN-13: 9783959674898
  • ISBN-10: 3959674899
  • Artikelnr.: 57954610
Autorenporträt

Don Winslow wurde 1953 in der Nacht zu Halloween in New York geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in South Kingstown, Rhode Island, einer Kleinstadt am Atlantik. Sein Vater, der ihm Geschichten von seiner Zeit bei der Marine erzählte, beflügelte seine Fantasie und erweckte in ihm den Wunsch, eines Tages Schriftsteller zu werden.



Schon früh kam Winslow mit den Themen und Figuren in Berührung, die später eine so prominente Rolle in seinen Büchern spielen sollten. Einige Mafiagrößen des Patriarca-Syndikats lebten in seiner Nachbarschaft, und seine eigene Großmutter arbeitete Ende der 60er für den berüchtigten Mafiaboss Carlos Marcello, den mutmaßlichen Drahtzieher des Kennedy-Attentats, der den späteren Autor mehrere Male zu sich einlud.



Nach seinem Schulabschluss kehrte Don Winslow in seine Geburtsstadt New York zurück. Bevor er mit dem Schreiben begann, verdiente er sein Geld unter anderem als Kinobetreiber, als Fremdenführer auf afrikanischen Safaris und chinesischen Teerouten, als Unternehmensberater und immer wieder als Privatdetektiv.



Auch als Schriftsteller ist Don Winslow unermüdlich. Jeden Morgen um fünf setzt er sich an den Schreibtisch. Mittags läuft er sieben Meilen, in Gedanken immer noch bei seinen Figuren, um dann am Nachmittag weiterzuarbeiten. Dabei schreibt er mindestens an zwei Büchern gleichzeitig. Schreibblockaden kennt er nicht, im Gegenteil: Winslow sagt von sich, dass er bislang nur fünf Tage durchgehalten habe, ohne zu schreiben. Es ist eine Sucht, die bis heute ein Werk hervorgebracht hat, dessen Qualität, Vielseitigkeit und Spannung Don Winslow zu einem der ganz Großen des zeitgenössischen Krimis machen.



Don Winslow wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Krimi Preis (International) 2011 für Tage der Toten. Für die New York Times zählt Don Winslow zu einem der ganz Großen amerikanischen Krimi-Autoren.

Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.06.2020

Surf Noir
Nichts mehr zu beweisen: In dem Kurzgeschichtenband „Broken“ schreibt Don Winslow seine eigene Fan Fiction
Don Winslow hat eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht, die sich wie alle seine Bücher in Höchstgeschwindigkeit weglesen lässt. Mit „Broken“ macht er aber vor allem deutlich, dass er sich als Erbe einer Zeit versteht, als die angelsächsische Literatur noch ein breitbeiniges Männergeschäft war, in dem jede Geschichte eines Fischers, Preisboxers oder Wanderarbeiters große Wahrheit transportierte und Adjektive was für Luschen waren.
Don Winslow war selbst so eine Figur: Geboren als Sohn eines Marineoffiziers in New York, arbeitete er nach seinem Studium als Privatdetektiv im Times Square-Viertel, das damals noch ein Sündenpfuhl aus Dive Bars, Peep Shows und Pornokinos war, als Safari-Führer in Kenia und als Wanderführer in Sichuan, bevor er 1991 mit „Ein kalter Hauch im Untergrund“ seinen ersten Roman veröffentlichte. Wenige Jahre später zog er nach Kalifornien. Dort schreibt er seither Bestseller, die als Filmstoff in Hollywood für siebenstellige Summen gehandelt werden. „Zeit des Zorns“ wurde von Oliver Stone verfilmt. „Corruption“ will James Mangold machen. Die Serienrechte an der „Kartell“-Trilogie hat Ridley Scott gekauft.
„Broken“ bricht mit seinem Hang zum Epos im Blockbuster-Format. Das Buch wirkt wie ein Affenzahnsolo, mit dem Rockgitarristen ihre musikalische Virilität beweisen, wenn alle anderen schon aufgehört haben zu spielen. So schief ist der Vergleich gar nicht. Don Winslow versteht sich auf die Mechanismen der Popkultur, die seit ein, zwei Jahrzehnten ein Wohlfühlgeflecht aus Anspielungen, Zitaten und Referenzen ist. Das Buch ist mit seinen sechs Kurzgeschichten sogar so ähnlich aufgebaut, wie die Cover-Alben, die Superstars am Höhepunkt ihrer Karriere veröffentlichen, wenn sie nichts mehr zu beweisen haben, außer, dass sie die Klassiker noch besser spielen können, als deren Urheber. David Bowie machte das so mit „Pin-Ups“, John Lennon mit „Rock & Roll“, Guns N’Roses mit „The Spaghetti Incident?“. Winslow hat das vor ein paar Jahren auch schon mal gemacht, als er „Satori“ schrieb, ein Prequel zu Trevanians legendärem Asienthriller „Shibumi“ von 1979. Mit den sechs Short Stories treibt Winslow seine Muskelprotzerei mit dem Schreibhandwerk noch weiter. Drei Storys widmet er Vorbildern. Und er covert sich selbst. Die erste Story, die dem Buch auch den Titel gab, ist zum Beispiel klassischer Winslow. Die Polizistenbrüder Jimmy und Danny McNabb könnten auch in seinem letzten Roman „Corruption“ auftauchen. „Broken“ ist eine Rachegeschichte mit schlichter Männermoral. In der Schlusssequenz zeigt Winslow aber schon mal mit Schnitten und Dialogen, dass er Action und Drama als Crescendo versteht und so eine Beschleunigung des Erzähltempos beherrscht wie nur wenige.
Etwas vielschichtiger wird es in „Crime 101“, der Geschichte des Juwelenräubers Davis. Der arbeitet in Südkalifornien entlang des Highways 101, steht auf Muscle Cars und will sich mit einem letzten Millionenraub zur Ruhe setzen. Das will Polizeileutnant Lou Lubesnick verhindern, der mit Übergewicht und dem Ende seiner Ehe zu kämpfen hat. Winslow widmete das Kapitel Steve McQueen, deswegen die Eiseskälte des Juwelenräubers und seine Liebe zu Muscle Cars, die McQueen in „Bullitt“ beschwören. Der eigentliche Reiz der Geschichte liegt jedoch darin, dass Winslow zwei Klischeefiguren zu Archetypen macht, die in einer kalifornischen Strandwelt agieren, die nicht vom Surf-Glamour bestimmt wird, sondern von der Einsamkeit seelenloser Appartementgebäude, Strip Malls und Kaffeehausketten.
Lubesnick taucht gleich in der nächsten Geschichte „The San Diego Zoo“ in einer kurzen Gastrolle auf. Elmore Leonard ist das Kapitel gewidmet. Winslow schafft es sogar, nicht nur den Erzählrhythmus, sondern auch den untergründigen Humor seines Vorbildes in eine Gegenwart zu transportieren, in der sich nicht einmal die Welt der Cops und Dealer der Tragikomik der sozialen Medien entziehen kann.
Die vierte Story „Sunset“ ist eine Hommage an Raymond Chandler, eine fast schon arrogante Geste, weil er damit seine Surferdetektive von der „Dawn Patrol“, auf eine Stufe mit dem Krimifigurgiganten Philip Marlowe stellt. Der Aufbau ist Chandler, das Ambiente Surf-Pop. Im Auftrag des Bail Bondsman Duke Kasmajian jagt die Dawn Patrol den kautionsflüchtigen Terry Maddox, einen ehemaligen Surfchampion, den die Heroinsucht auf die schiefe Bahn brachte.
So richtig eitel wird Winslow in „Paradise“: Da bringt er die surfenden Marihuana-Großhändler Ben, Chon und O aus „Zeit des Zorns“ und „Kings of Cool“ auf einer hawaiianischen Insel nicht nur mit der Hauptfigur aus „Die Auferstehung des Bobby Z“ zusammen, sondern auch mit Frankie Machine aus dem gleichnamigen Buch. So vereint er Drogenthriller, Mafiakrimi und vor allem „Surf Noir“, die drei Genres, die ihn berühmt gemacht haben. Eigentlich schreibt sich Don Winslow da selbst ein Stück Fan Fiction.
Die stärkste Geschichte ist die letzte. In „The Last Ride“ verbindet Winslow die New-Journalism-Akribie der Recherche mit seiner politischen Moral und seinem Gespür für tragische Figuren in Kontexten, denen sie nicht gewachsen sind. Cal Strickland, Grenzbeamter, Trumpwähler und Sohn eines Ranchers in Texas und das Flüchtlingsmädchen Luz könnten auch Figuren in Winslows „Kartell“-Trilogie sein. Die Schärfe, mit der er da zum Schluss noch einen Kommentar zur Flüchtlingspolitik seines Heimatlandes platziert, zeigt, dass er mit dem Schreiben politischen Zorn sublimieren kann, was ihn letztendlich näher an Oliver Stone und Norman Mailer, als an Elmore Leonard und Raymond Chandler rückt. Die Eitelkeit werden sowieso nur seine Stammleser bemerken. Alle anderen wird sein Erzähltempo auch in den kurzen Formen wieder mitreißen wie (um bei Winslow zu bleiben) eine Fass-Welle vor dem Strand von La Jolla.
ANDRIAN KREYE
Don Winslow: Broken – sechs Geschichten. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann, Joannis Stefanidis, Peter Friedrich und Kerstin Fricke. Harper Collins, München 2020. 512 Seiten, 22 Euro.
Das Buch ist aufgebaut wie
die Cover-Alben von Musikern,
die schon alles erreicht haben
Die letzte Geschichte zeigt, dass
Winslow mit dem Schreiben
politischen Zorn sublimieren kann
Philip Marlowe auf Surf Patrol: „Sunset“, die vierte Geschichte des Bandes, ist eine Hommage an Raymond Chandler.
Foto: imago images/AAP
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