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20 Kundenbewertungen

"Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird." Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte.…mehr

Produktbeschreibung
"Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird."
Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.
Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte.
  • Produktdetails
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 368
  • 2016
  • Ausstattung/Bilder: 2016. 368 S. 184 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 126mm x 24mm
  • Gewicht: 351g
  • ISBN-13: 9783257069587
  • ISBN-10: 3257069588
  • Best.Nr.: 44091007
Autorenporträt
Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Mit sechs Jahren begann seine Reise durch drei bayrische Internate. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin. Dort entschied er sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Jobs.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Jan Wiele seufzt: Unter all der Traurigkeit und Schönheit in Benedict Wells' "Vom Ende der Einsamkeit" ächzt die Konstruktion des Romans doch gewaltig. Allein die Vielzahl von Songs­, etwa von Paolo Conte, Nick Drave, den Beatles und nicht zuletzt Audrey Hepburns "Moonriver", welche die drei früh verwaisten Geschwister auf ihren unterschiedlichen Wegen zum Glück begleiten, erscheinen dem Kritiker doch etwas zu bedeutungsschwer. Und auch sprachlich hat Wiele an diesem an Schicksalsschlägen nicht sparenden Roman einiges auszusetzen: Zu altbacken wirkt manche Formulierung, zu viele Sinnsprüche bringt Wells unter und bei all den vom Autor direkt mitgelieferten Erklärungen bleibt auch nicht mehr viel Deutungsspielraum, klagt der Rezensent, der auch mit der Psychologie der Figuren nicht sehr zufrieden ist.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 18.06.2016
Tausche Buch gegen Frau
Lichtblaue Augen auch für Hunde: Benedict Wells sucht das Ende der Einsamkeit

Sehr gesuchte, kokette Figurennamen sind oft schon ein starkes Indiz dafür, dass auch die ganze Erzählung, in der sie vorkommen, etwas gesucht und konstruiert ist. Man wird - Judith Hermann lässt grüßen - gleich misstrauisch, wenn die jungen Liebenden in einem Gegenwartsroman Jules und Alva heißen.

Die Geschichte, die der 1984 geborene Benedict Wells ihnen andichtet, ist allerdings traurigschön, fast märchenhaft. Ihr Thema lautet "Zwei kriegen sich sehr lange nicht", obwohl sie sich schon beim Kennenlernen im Internat hätten haben können. Doch so einfach ist das natürlich nicht, also muss man am Bahnhof Abschied nehmen und durch ein trübes Zugfenster den anderen sich entfernen sehen, macht sich Geschenke, die erst nach Jahren geöffnet werden, verliert sich aus den Augen. Und dann muss Alva auch noch einen alten Knacker heiraten, der zufällig ein bekannter russischer Schriftsteller ist und Brieffreundschaft mit Vladimir Nabokov pflegte.

Auch der Soundtrack zu der Geschichte ist melancholisch: Wells hat das Buch durch und durch mit Songs gespickt, Nick Drake läuft im Hintergrund, Paolo Conte gewinnt sogar eine dramaturgische Funktion, als Jules mit "Via con me" Alva verführen will, diese aber zunächst abblockt. Leider mögen ja nicht alle Frauen Paolo Conte, Rätsel des Lebens! Mit dem gleich zu Beginn erwähnten Lied "Paperback Writer" von den Beatles winkt der Autor leitmotivisch mit dem Zaunpfahl: Es ist das Lieblingslied von Jules' Mutter, die wenig später mit dem Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, und der ganze Roman ist eine Bewältigung dieses für die drei Kinder traumatischen Erlebnisses, die Jules tatsächlich zum Schriftsteller werden lässt. Schließlich spielt auch noch "Moon River", Audrey Hepburns auf der New Yorker Feuerleiter geträllerter Einsamkeits-Themensong aus dem Film "Breakfast at Tiffany's", eine Rolle in diesem Roman, der den Titel "Vom Ende der Einsamkeit" trägt.

Mit solcher zu kämpfen haben auch Jules' Geschwister Marty und Liz (warum auch immer diese so heißen müssen). Ohne zu viel zu verraten, kann man sagen, dass Wells sich für alle Figuren ziemlich verbaute Wege zum Glück ausgedacht hat. An Schicksalsschlägen und dramaturgischen Kniffs mangelt es dem Roman wahrlich nicht. Dass die ganze Geschichte aus der Rückschau eines erwachsenen Mannes erzählt wird, mag man manchmal nicht recht glauben; dafür ist ihr auf naive, gelegentlich rührende Weise die Überzeugung eingeschrieben, dass man die Vergangenheit ändern kann, so schlimm sie auch ist.

Die Sprache, die der erst jüngst mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnete Benedict Wells für diese Geschichte gewählt hat, ist allerdings oft zu schön, um wahr zu sein. Da sind Hundewelpen "majestätische Tiere" mit lichtblauen Augen, da "schimmert" ein Morgen "in trostlosem Grau", da sagt jemand, ohne rot zu werden: "Erst später wurde mir klar, dass ich dich immer geliebt habe." Dafür, dass der Text auch stark mit Elementen der Jugendkultur durchsetzt ist, klingt der Tonfall des Erzählers manchmal erstaunlich opahaft ("Und wie fern scheinen auf einmal die Zeiten, in denen ich mich als Kind nachts in ihr Zimmer geschlichen habe").

Zudem ist es eine Erzählung, die ihren eigenen Formulierungen nicht traut. Wenn es etwa über ein Mädchen heißt: "Sie lackierte sich neuerdings die Fingernägel" - womit eigentlich alles gesagt ist über einen gewissen Schritt der Pubertät -, dann muss hier noch dazugesagt werden: "ein Signal des Aufbruchs und der Veränderung". Dieses sind Stellen, an denen man sich als Leser entweder für dumm verkauft fühlt oder eben annehmen muss, dass das Buch für Kinder geschrieben ist. Literatur, die ihre Deutung gleich mitliefert: Das wäre dann aber selbst als Schullektüre ein bisschen zu einfach.

Im Mittelteil des Romans, beim Zusammenleben Alvas mit dem alten Schriftsteller Romanow, der neben einer schweren Krankheit auch noch eine Schreibkrise hat, spielt Wells dann etwas freier auf. Aber dass die schwierige Begegnung zwischen Jules und Romanow schließlich damit endet, dass der Alte dem Jungen die von beiden geliebte Alva nur abtreten will, wenn er ihm dafür zwei Geschichten stehlen darf ("Deshalb möchte ich Ihnen einen Tausch anbieten. Buch gegen Frau. Das sind Sie mir schuldig"), wirkt in dieser sonst so dramatischen Liebesgeschichte etwas klamaukig. Was Psychologisierung betrifft, geht der Roman weit hinter die Errungenschaften modernen Erzählens zurück. Und die gelegentlichen Exkurse über das Wesen der Zeit haben hier nicht Thomas Mannsches Format, sondern eher das eines Paulo Coelho. Überhaupt neigt Wells dazu, unnötig viele Sinnsprüche einzustreuen - und leider wird auch die Sache mit der Einsamkeit in einen solchen gegossen: "Die Einsamkeit in uns können wir nur gemeinsam überwinden." Auch das ist ein bisschen zu schön, um wahr zu sein.

JAN WIELE

Benedict Wells: "Vom Ende der Einsamkeit". Roman.

Diogenes Verlag, Zürich 2016. 358 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 09.04.2016
Spätes Erwachen
Benedict Wells erzählt von einer Ich-Suche
Was wäre die Literaturgeschichte ohne Waisenkinder, ohne die Verlorenen und Verlassenen? Die Liste der Waisen, die sich in feindlicher Umgebung behaupten müssen und dabei oft aus der Not eine Tugend machen, ist lang, sie reicht von Tom Sawyer und Oliver Twist über Heidi und Jane Eyre bis hin zu Harry Potter. Sieht man sich ein wenig in der Populärkultur um, findet man ebenfalls lauter Helden, die den frühen Verlust ihrer Eltern verarbeiten müssen und ihre Traumata oft mit exzessivem Tatendrang überspielen. Tarzan, James Bond, Superman und Batman – sie alle haben diesen Fleck in ihrer Biografie, der mal heller und mal dunkler aufscheint, es treibt sie die Frage an: Wer bin ich eigentlich?
  Nun hat auch der Münchner Benedict Wells, der gerade die Bestsellerlisten stürmt und Ende Mai mit dem European Union Prize for Literature ausgezeichnet wird, einen Selbstfindungsroman geschrieben. „Vom Ende der Einsamkeit“ heißt das Buch, das anders als die spektakulären Neuerscheinungen in diesem Frühjahr weder als Großerzählung daherkommt noch als faustdickes Bekenntnis. Nichts liegt ihm ferner als Aufmerksamkeit heischender Ego-Pomp. Wells liebt die Ordnung, die Knappheit, die erzählerische Sorgfalt. Es beginnt mit einem langsamen Erwachen, einer Bewusstwerdung, die dann in eine fast schon klassische, chronologische Erzählung mündet. Jules, der Ich-Erzähler, öffnet nach einem zweitägigen Koma die Augen. Nach einem Motorradunfall liegt er im Krankenhaus mit einem „leisen Dröhnen“ in seinem Kopf. Beinahe wäre die Sache tödlich ausgegangen, doch der sportliche Jules hat überlebt, in der Klinik erinnert er sich an das, was ihm widerfahren ist: „Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich“ – das ist schon mal ein ziemlich großer Einstiegssatz.
  Vor vielen Jahren sind Jules Eltern bei einem Autounfall in Frankreich ums Leben gekommen, Jules war damals zehn. Eine Familienkatastrophe, die den Erzähler und seine älteren Geschwister Marty und Liz aus der Bahn geworfen hat. Aus dem draufgängerischen Jules wird ein schüchterner, in sich gekehrter Internatsschüler und später ein mäßig erfolgreicher Mitarbeiter einer Musikfirma, der unter seiner „Talentlosigkeit“ leidet und den letzten gemeinsamen Momenten mit seinem Vater nachtrauert, von dem er fast schon pflichtgemäß die Liebe zur Fotografie übernommen hat.
  Marty, der ältere Bruder, gefällt sich als genialischer Einzelgänger und Nerd, wird dann relativ rasch vernünftig und bringt es mit einer Computerfirma zu Wohlstand, ohne jemals den seltsamen Tick ablegen zu können, Türklinken heimlich nach einem bizarren Zahlensystem herunterzudrücken. Liz, die attraktive ältere Schwester, balanciert mit ihrem erhöhten Männer- und Drogenkonsum immer am Abgrund: Um nicht selbst noch einmal verlassen zu werden, verlässt sie die anderen. „Sie redete, wie ein Verdurstender trinken würde: gierig nach jedem einzelnen Wort“, so schildert der Erzähler seine Schwester, die Unerreichbare.
  „Vom Ende der Einsamkeit“ ist ein Roman über drei Geschwister, die sich immer wieder aufrappeln, einander schicksalhaft zugetan sind und dennoch ganz allein. Jules lebt in seiner eigenen Erinnerungswelt, in der die geliebten Eltern noch leben und vor allem die Mutter eine idealisierte Fantasiefigur ist – zu schön, um wahr zu sein. „Zurückkehren, dachte ich. Wieder der werden, der ich war.“ In seinen wachen Momenten sieht er die verpassten Chancen. Und erkennt allmählich, wen er all die Jahre eigentlich vermisst hat: seine Jugendfreundin Alva. Sie lebt abgeschieden in den Schweizer Bergen mit einem alternden Schriftsteller, einem einstigen literarischen Wunderkind, der nun mit einer Schreibblockade zu kämpfen hat, was zu den tragikomischen Passagen im Buch gehört.
  Im zweiten Teil rekonstruiert Wells aus Erinnerungen und Fragmenten die Liebesgeschichte zwischen Jules und Alva, zwei Menschen, die beide nie über den großen Verlust ihrer Kindheit hinwegkommen, aber dann, nach vielen Hindernissen, selbst eine Familie gründen, um die Einsamkeit zu besiegen. Es ist für beide ein spätes Erwachen, und für den Leser ist genau das so bewegend: Mitzuverfolgen, wie dem Erzähler, der noch gar nicht alt ist, die Jahre entgleiten, wie er dann für eine kurze Zeit das Glück festhält und sich in seinen beiden Kindern wiedererkennt. Das mutige und das verängstigte Kind – das ist beides er.
  Für sein erstes, 2008 erschienenes Buch  „Becks letzter Sommer“ erhielt Benedict Wells viel Lob von Kritikern, der Roman über einen Musiklehrer wurde ein gefeierter, von einigen allerdings auch mit leichtem Argwohn betrachteter Überraschungserfolg. Die Leser staunten über einen 23-jährigen Autor, der so viel von den Sehnsüchten der Menschen versteht. Er wolle kein Pop-Literat sein, sagte er damals und entzog sich der medialen Aufregung, Wells ist ohnehin kein Typ für die Rampe. Kann man in diesem Alter wirklich so gelassen sein, so lebenserfahren?
  In seinem neuen Roman verweist der Ich-Erzähler, der am Ende selbst zum Schriftsteller wird, immer wieder auf seine literarischen Helden: Carson McCullers, Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, Vladimir Nabokov. Auch sie sind seine Familie, vielleicht sogar mehr als seine Geschwister. Wie seine Mutter hört Jules am liebsten die Beatles, Paolo Conte, John Coltrane und seinen über alles geliebten Melancholiker Nick Drake, der 1974 im Alter von 26 starb. Er geht in alte Filme von Billy Wilder und bewundert Rilke für seine todessehnsüchtige Lyrik. Das zeugt von Geschmack, aber auch von einer tiefen Sehnsucht nach Beständigkeit. Indem man das Vergehen der Zeit selbst zum Thema macht, entsteht so etwas wie Patina.
  Wells interessiert sich leidenschaftlich für das Innenleben seiner Figuren, die eher zufällig in München oder Berlin leben, und herzlich wenig für die Gesellschaft der Gegenwart: Nicht nur in diesem Punkt sind Parallelen zu Michael Kumpfmüllers neuem Roman „Die Erziehung des Mannes“ zu erkennen. Manchmal neigt Wells ein wenig zu sehr zur Gentrifizierung seiner Erzählung, da wäre etwas deutsche Wirklichkeit erfrischender als noch ein Zitat von Jack Kerouac. Aber das ist verzeihlich, wenn einer seine Figuren mit so viel Liebe behandelt. Und eine Geschichte zu erzählen hat, die einfach berührt.
CHRISTIAN MAYER
Bei seinem Debüt staunte
man über die Reife des damals
erst 23-jährigen Autors
Benedict Wells in München. Foto: Sven Hoppe / dpa
     
  
Benedict Wells:
Vom Ende der
Einsamkeit. Roman.
Diogenes Verlag,
Zürich 2016.
368 Seiten, 22 Euro.
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