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Mit feiner britischer Ironie fängt Tim Blanning das Genie des berühmtesten preußischen Königs, seine Vitalität und komplexe Persönlichkeit ebenso ein wie das Ungeheuer Friedrich mit seinen fatalen Engstirnigkeiten und Borniertheiten. Die Homosexualität des Herrschers wird hier erstmals in einer großen Biographie ohne Verdruckstheiten angesprochen. Gleichermaßen vertraut mit Friedrichs Schlachten wie mit dem ästhetischen Programm von Schloss Sanssouci, schöpft Blannings Biographie aus einer lebenslangen Beschäftigung mit dem 18. Jahrhundert und dem Ancien Régime, das schon wenige Jahre nach…mehr

Produktbeschreibung
Mit feiner britischer Ironie fängt Tim Blanning das Genie des berühmtesten preußischen Königs, seine Vitalität und komplexe Persönlichkeit ebenso ein wie das Ungeheuer Friedrich mit seinen fatalen Engstirnigkeiten und Borniertheiten. Die Homosexualität des Herrschers wird hier erstmals in einer großen Biographie ohne Verdruckstheiten angesprochen. Gleichermaßen vertraut mit Friedrichs Schlachten wie mit dem ästhetischen Programm von Schloss Sanssouci, schöpft Blannings Biographie aus einer lebenslangen Beschäftigung mit dem 18. Jahrhundert und dem Ancien Régime, das schon wenige Jahre nach Friedrichs Tod mit der Französischen Revolution an sein Ende kommen wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 718
  • Erscheinungstermin: 14. Februar 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 146mm x 50mm
  • Gewicht: 981g
  • ISBN-13: 9783406718328
  • ISBN-10: 3406718329
  • Artikelnr.: 54488063
Autorenporträt
Tim Blanning war bis 2009 Professor für Neuere europäische Geschichte an der Universität Cambridge. Zu seinen zahlreichen Werken gehören "The Culture of Power and the Power of Culture" sowie "The Pursuit of Glory: Europa 1648 - 1815".
Rezensionen
Besprechung von 19.03.2019
Der
Fritz
Tim Blanning wagt sich an eine
neue Biografie
des großen Preußenkönigs.
VON STEPHAN SPEICHER
Friedrich der Große ist der einzige Politiker der deutschen Geschichte, der auch international zu einem Helden wurde. Als Frankreich im Siebenjährigen Krieg an der Seite Österreichs gegen Preußen stand, war das höchst unpopulär. In England war man von Friedrich begeistert, hunderte Pubs trugen den Namen „King of Prussia“, in allen schottischen Kirchen wurde für den „Verteidiger des protestantischen Glaubens“ gebetet. Und der Seefahrer Joachim Nettelbeck entdeckte in einem Wachsfigurenkabinett in Lissabon eine Figur Friedrichs mit Schwert und Waage: In einer Waagschale die Bildsäule der Gerechtigkeit, die einen Haufen Akten in der andere Schale emporhob. Akten sind die Waffe der Vornehmen, doch Friedrich verschaffte den geringen Leuten ihr Recht. So erklärte eine Tafel die „Gerechtigkeitspflege des preußischen Königs“.
Die europäische Begeisterung für Friedrich ist umso merkwürdiger, als dieser doch ein großer Unruhestifter war. Mit seinen Kriegstaten hatte er sich, wie es in der neuen Biografie des Cambridger Historikers Tim Blanning so lässig wie treffend heißt, „zum europäischen Haupttisch durchgerempelt, konnte dort aber nie entspannt sitzen, da die anwesenden Gäste immerzu nach Wegen suchten, ihn wieder wegzuschubsen“. Wieso erregte ein solcher Vordrängler nicht bloß Abscheu? Hier liegt ein großes Rätsel, und deswegen gibt es auch immer wieder neue Biografien im In- und Ausland. Was hat der einstweilen jüngste Versuch Neues beizutragen?
Blanning widmet sich stark den persönlichen Dingen, vor allem der Homosexualität Friedrichs. Noch Johannes Kunisch, dem wir das letzte große (und durch Blanning keineswegs überholte) Friedrich-Buch verdanken, stützte sich auf einen zeitgenössischen Bericht, der von einer frühen Geschlechtskrankheit und deren unglücklicher Behandlung berichtete; darin habe der Grund für Friedrichs spätere Enthaltsamkeit gelegen. Dieses Zeugnis räumt Blanning mit guten Gründen beiseite. Er nennt Friedrichs Welt „homosozial“ und macht plausibel, dass Friedrich seine homosexuellen Neigungen auslebte, auch wenn der unumstößliche Beweis fehlen muss. Das ist eine Frage, die das Publikum sehr beschäftigt, und sie ist, von aller privatistischen Neugier abgesehen, historisch von Belang, denn in einer dynastischen Welt, in der Ehe und Nachkommenschaft politische Tatsachen ersten Ranges sind, kann Homosexualität nicht irrelevant sein. Doch Blanning schenkt ihr vielleicht zuviel Aufmerksamkeit. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen und widerspricht sich damit selbst, wenn er feststellt, dass Friedrich seinen Favoriten, wenn es sie denn gab, keinerlei Einfluss auf die Staatsgeschäfte zugestand.
Noch jede Friedrich-Biografie hat die fürchterlichen Erfahrungen des Prinzen mit seinem Vater, dem Soldatenkönig, herausgestellt. Hier zeigt sich Blannings Buch von der stärksten Seite. Ohne nun alles aus den Traumata der Kindheit und Jugend erklären zu wollen, beschreibt er das Misstrauen, die Unfähigkeit zu festem Wohlwollen als Folgen der frühen Jahre. Die beeinflussten allerdings seine Politik. Die Boshaftigkeiten, die Friedrich über die Größen der Nachbarstaaten verspritzte, vor allem wenn sie weiblich waren, aber auch schlichte, völlig leere Respektlosigkeiten führten zu Verstimmungen, die die Außenpolitik Preußens behinderten. Und die Unfähigkeit, auf den Rat Dritter zu hören, Aufgaben zu übertragen und Vertrauen zu schenken, schadete dem Land im Inneren.
Dass Friedrichs künstlerische Vorlieben konservativ waren, ist oft festgestellt worden, Blanning fügt dem bekannten Bild einige reizvolle Beobachtungen hinzu. Vor allem betont er, dass dem Konservatismus ein tiefer Pessimismus entsprach, gerade mit Blick auf Frankreich, das er im Abstieg glaubte. So fühlte er sich, so sehr er die französische Sprache liebte, doch als Deutscher, wie er Voltaire gegenüber bekannte. Von der deutschen Literatur seiner Zeit hielt er bekanntlich nichts, die Shakespeare-Begeisterung schien ihm völlig fehlgeleitet, aber er vertraute auf eine kommende Blütezeit. Eine originelle Idee Blannings: Friedrich sei ein erster Vertreter der Sakralisierung der Kunst gewesen, des Glaubens an Selbstbildung durch Kunsterleben, und darin jedenfalls ein typischer Deutscher.
Die Frage, die Zeitgenossen und Nachwelt so beschäftigt hat, die nach der „Kriegsschuld“ 1740 und 1756, Friedrichs Recht zum Krieg, nimmt Blanning entspannt. Er erinnert daran, dass die Diplomatie 1740, als Friedrich auszog, Schlesien zu erobern, an Ludwig XIV. dachte, an eine Machtpolitik, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte, die aber auch noch nicht aus der Welt war. Die militärischen Qualitäten Friedrichs hält Blanning für gemischt: „ein mittelmäßiger General, aber ein glänzender Kriegsherr“. Das erste, weil er neben glänzenden Schlachten auch schlecht geplante lieferte, das zweite, weil es ihm immer wieder gelang, die Armee auch nach fürchterlichen Niederlagen zu sammeln und moralisch aufzurichten.
Und damit ist man wieder bei der offenbar zwingenden Wirkung seiner Persönlichkeit, „die auf alle Gemüter wirkte“, wie Goethe schrieb, die Rousseau zu dem Ausruf hinriss: „Er ist ein ganz besonderer König, ein Sonderfall. Diese Kraft!“
Blanning ist ein schwungvoller Autor, man liest sein Buch mit wirklichem Vergnügen, wofür dem Übersetzer Andreas Nohl, einem der besten seines Metiers, besonderer Dank gebührt. Aber mit seinem Schwung rutscht er auch gelegentlich über Probleme hinweg. Genauer: Wohl stellt er widersprechende Momente nebeneinander, aber dabei belässt er es dann auch. Das Friedrich-Problem schlechthin – Was war es denn nun, was ihn zu einem Großen machte? – bleibt unbeantwortet. Oder war es mit der Größe doch nicht so weit her? Der Fürst, den, so Adolph Menzel, „die Fürsten hassten und die Völker verehrten“, der „Alte Fritz, wie er im Volke lebt“, – ein zäher, aber leerer Mythos?
Es macht Blanning nichts aus, sich zu widersprechen. Er lobt Friedrich, gelernt zu haben, die österreichische Armee nicht zu unterschätzen, und gleich danach spricht er von dem alten Fehler, die Österreicher nicht ernst zu nehmen. Er rechnet Friedrich große Schwächen in der operativen Führung der Armee vor und zitiert dann zustimmend Clausewitz, der von der „Weisheit“ des Königs spricht und der „verhaltenen Kraft“, dem „Gleichgewicht“, mit dem die Mittel ihren veränderlichen Zwecken gerecht werden.
Konsistenz ist nicht die Passion des Autors. Und so greift er auch die letzte Frage nicht gerade herzhaft an: War Friedrich eine Episode, die mit den Niederlage von 1806 ihre Begrenztheit offenbarte? So sah es Jacob Burckhardt: „Seine damalige Monarchie mit ihrer dünnen Basis taugte nur für einen Genius.“ Oder gab er ein Beispiel, das seine belebende Wirkung ganz erst in der Reformzeit nach 1806 entfaltete? So hat es Friedrich Meinecke beurteilt, und Blanning scheint dieser Sicht zuletzt zuzuneigen. Dazu, von der Anziehungskraft, die Preußen auf die jungen Männer von Anspruch im ganzen Reich entfaltete, von der Modernität Friedrichs über sein Bewusstsein hinaus, von dem Werk, das klüger war als sein Autor, hätte man gern mehr erfahren.
Tim Blanning: Friedrich der Große, König von Preußen. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Andreas Nohl. C.H. Beck Verlag, München 2019. 718 Seiten, 34 Euro.
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"Aus vielerlei Gründen lesens- und staunenswert." Goslarsche Zeitung "Gründlich recherchiertes, quellennahes und äußerst informatives Buch." spektrum.de, Theodor Kissel "Blanning ist ein schwungvoller Autor, man liest seine Bücher mit wirklichem Vergnügen, wofür Übersetzer Andreas Nohl, einem der besten seines Metiers, besonderer Dank gebührt." Süddeutsche Zeitung, Stephan Speicher "Blanning (erweist sich) als erstaunlich bewandert, was die politische, militärische, aber eben vor allem auch kulturelle und mentale Geschichte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation des 18. Jahrhunderts angeht." Literarische Welt, Tilman Krause "Bravourstück (...) ein grandioses Bild des 18. Jahrhundert." Fudear Zeitung, Manfred Schermer "Gerade weil (Blannings Biographie) einen Blick von innen und ins Innere riskiert, hilft sie uns, nicht nur Friedrich, sondern auch seine Epoche in ihrer longue durée besser zu verstehen." Tagesspiegel, Konstantin Sakkas "Blanning beschreibt (...) aus souveräner Distanz, mitunter erfrischend respektlos und mit feiner Ironie (...) auf der Höhe der neueren Forschung." Die ZEIT, Barbara Stollberg-Rilinger "Eine meisterhafte Biographie." The Telegraph "Lehrreich, unterhaltsam, überraschend." The Spectator "In Tim Blanning hat Friedrich seinen idealen Biographen gefunden. Er zeigt uns den 'alten Fritz' in seiner ganzen kaltblütigen Brillanz." The Sunday Times "Tim Blannings Biographie Friedrichs des Großen ist brillant geschrieben, vielschichtig und bietet überzeugende neue Interpretationen... Blanning lässt die versunkene Welt des Rokoko wiederauferstehen, schön und grausam, in Schlössern, Konzerten, Gemälden und Literatur, in Krieg, Elend, Hunger und Tod." Wolfgang Burgdorf, H-Soz-Kult…mehr