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Seit zwei Jahrhunderten operiert die westliche Philosophie im Schatten von Hegel. Es ist ein sehr langer Schatten, und jede neue Philosophengeneration ersinnt seither neue Wege, um aus ihm herauszutreten. Während die einen dies mittels neuer theoretischer Konzepte versuchen, überziehen die anderen sein Denken schlicht mit Hohn und Spott. "Absurd" nennt nicht nur Bertrand Russell Hegels absoluten Idealismus und sein "System". Slavoj Zizek unternimmt in seinem monumentalen, vor Ideen nur so sprühenden Buch erst gar nicht den Versuch, aus diesem Schatten herauszutreten, macht es sich aber auch…mehr

Produktbeschreibung
Seit zwei Jahrhunderten operiert die westliche Philosophie im Schatten von Hegel. Es ist ein sehr langer Schatten, und jede neue Philosophengeneration ersinnt seither neue Wege, um aus ihm herauszutreten. Während die einen dies mittels neuer theoretischer Konzepte versuchen, überziehen die anderen sein Denken schlicht mit Hohn und Spott. "Absurd" nennt nicht nur Bertrand Russell Hegels absoluten Idealismus und sein "System". Slavoj Zizek unternimmt in seinem monumentalen, vor Ideen nur so sprühenden Buch erst gar nicht den Versuch, aus diesem Schatten herauszutreten, macht es sich aber auch keineswegs darin bequem. Seine Devise lautet nicht: Zurück zu Hegel! Sondern: Wir müssen hegelianischer sein als der Meister selbst, um wie er, allerdings unter völlig veränderten historischen Bedingungen, die Brüche und Verwerfungen in der Realität verstehen und kritisieren zu können.

In dieser hyperhegelianischen Manier und mit gewohnt pointierten Abschweifungen in (fast) alle Bereiche von Philosophie, Kunst und Leben liest er nicht nur Hegel selbst, sondern auch dessen Vorgänger (Platon, Christentum, Fichte), Nachfolger (Marx, Badiou, Quantenphysik) und natürlich dessen großen Wiedergänger Jacques Lacan. Das Ziel ist es, Hegels radikal emanzipatorisches Projekt für unsere Zeit zu retten. Denn eines steht für Zizek fest: Die Moderne begann mit Hegel. Und sie wird mit Hegel enden.
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • Originaltitel: Less Than Nothing. Hegel and the Shadow of Dialectical Materialism
  • Seitenzahl: 1408
  • Erscheinungstermin: 5. Dezember 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 200mm x 135mm x 60mm
  • Gewicht: 1162g
  • ISBN-13: 9783518585993
  • ISBN-10: 3518585991
  • Artikelnr.: 38201836
Autorenporträt
Zizek, Slavoj
Slavoj Zizek wurde am 21. März 1949 in Ljubljana, Slowenien geboren und wuchs auch dort auf. Er studierte Philosophie und Soziologie an der Universität in Ljubljana und Psychoanalyse an der Universität Paris VIII. Seit den achtziger Jahren hat Zizek zahlreiche Gastprofessuren im Ausland inne, unter anderem an der Tulane University, New Orleans (1993), der Cardozo Law School, New York (1994), der Columbia University, New York (1995), in Princeton (1996) und an der New School for Social Research, New York (1997). Von 2000 bis 2002 leitete er eine Forschungsgruppe am kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Er war jahrelanger Herausgeber der Zeitschrift der slowenischen Lacan-Schule Wo Es war und setzte sich unter anderem mit der Philosophie des Deutschen Idealismus, mit Hegel und mit Karl Marx auseinander, sowie mit zeitgenössischen Denkansätzen aus dem Bereich des Poststrukturalismus, der Medientheorie, des Feminismus und der Cultural Studies. Heute lehrt an der European Graduate School, am Birkbeck College der University of London und am Institut für Soziologie der Universität von Ljubljana. Seine erste englischsprachige Buchveröffentlichung The Sublime Object of Ideology erschien 1989. Seitdem veröffentlichte Zizek über 20 Monographien, in denen er sich zunächst um eine lacanianische Lesart der Philosophie, der Populärkultur und in den letzten Jahren zunehmend der Politischen Theorie bemühte.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 18.05.2015

Die bösen Geister des Himmels
In seinem neuen Buch „Weniger als nichts“ erkundet Slavoj Žižek die unerträgliche Dichte des Denkens von Hegel und Co.
Dies ist ein praktisches Buch, trotz seiner gewaltigen Länge. 1400 Seiten voller nützlicher Definitionen, Korrekturen, Kontextualisierungen, Rezepturen. „Vielleicht bräuchten die Kritiker der Hegelschen Gefräßigkeit ja ein gutes Abführmittel“, heißt es mittendrin, „Hegel ist nicht der unersättliche Subjektivist, als der er dargestellt wird . . .“. Das Buch entschlackt, ein für allemal, es reißt das Gestrüpp um Hegels Dialektik auf und die Deutungen, die es erfahren hat. Dabei ist Hegel nur Frontmann einer Phase der Philosophie, die Slavoj Žižek noch einmal mit aller Begeisterung ins Bewusstsein zurückbringen will, den deutschen Idealismus. „Die Grundkoordinaten jener Zeit, der unerträglichen Dichte des Denkens liefert die Mutter aller Viererbanden: Kant, Fichte, Schelling, Hegel.“
  Kein „Complete Idiot’s Guide to Hegel“ also, stellt Žižek zu Beginn klar, in Bezug auf seine Filme „The Pervert’s Guide to Cinema“ und „The Pervert’s Guide to ideology“. Perversion und Imbezillität sind wesentliche Begriffe im Selbstverständnis von Žižek, sie halten sein Denken, seine Argumentation offen. Auch seine Bücher sind Performances, zusammen ergeben sie eine einzige große Performance. Es steckt viel in dem Hegel-Buch, was man aus früheren Žižeks kennt, er scheut sich nicht, den Blick zurückzuwenden, Rekurrenz ist sein Prinzip (und ist auch Hegels Prinzip gewesen).
  „Weniger als nichts“ ist ein Buch der Strömungen und Gegenströmungen, der Flüsse, Nebenflüsse, Rinnsale. Am schönsten ist es, wenn plötzlich kleine Wirbel entstehen und die Bewegung ins Trudeln und Kreiseln bringen, irritierend, schwindelerregend, atemlos. Geschichte ist keine eindeutige, lineare Bewegung, ist nicht progressiv, auch die Denkgeschichte nicht. Jacques Lacan hat im 20. Jahrhundert Hegel „wiederholt“, deshalb ist ihm ein wesentlicher Teil dieses Buchs gewidmet. Žižek steht schwer in beider Schuld, danach kommen gleich Chesterton, Hitchcock und Heidegger, der, gegen den Strich gelesen, ein dem Kommunismus nahes Potenzial enthält. Und zum Schluss startet Žižek einen ersten Versuch, die Teilchenphysik mit Philosophie und Psychoanalyse zusammenzubringen. „Die seltsame Logik dessen, was Freud den Trieb nannte, kommt perfekt in der Hypothese des ,Higgs‘-Feldes zum Ausdruck.“
  Das Buch ist ein unermüdlicher, in seiner Unermüdlichkeit auch tautologischer, manchmal verzweifelter Versuch, Hegel vor der Simplifizierung durch die Exegeten zu retten, die Dialektik von Geist und Materie, Idealismus und Materialismus, Subjekt und Substanz produktiv zu halten, das Subjekt vor dem Solipsismus zu bewahren: „Das Subjekt muss in seiner Entfremdung von der Substanz die Entfremdung der Substanz von sich selbst erkennen.“
  Lacan hat in seiner kühnen Konzeption des psychischen Apparats und seiner gesellschaftlichen Bedingtheit das Wirkliche und Materielle neu definiert, und Žižek tut alles, damit die Diskussion nicht wieder dahinter zurückfällt. Wahrheit und Fiktion, Virtualität und (Selbst-)Täuschung stehen in der modernen Gesellschaft in komplexer Interaktion, die nicht eindeutig moralisch zu werten wäre. „Im Grunde ist das Reale die Nichtidentität selbst . . . Das Reale ist kein Hindernis oder Eindringling von außen, das oder der verhindert, dass X mit sich selbst identisch werden kann, sondern die absolut immanente Unmöglichkeit dieser Identität.“
  In Žižeks letzten Büchern ist die Politik stärker in den Vordergrund gerutscht, zuletzt in „Die bösen Geister des himmlischen Bereichs“, über den „linken Kampf um das 21. Jahrhundert“. Auch „Weniger als nichts“ liefert den Hintergrund, auf dem Žižeks Interventionen zu aktuellen Entwicklungen – Islamismus, Occupy, Varoufakis – mehr sind als Provokation und Klamauk. Heute ist evident, weshalb Hegel die Logik des Kapitalismus nicht klären konnte: „Was Hegel nicht erkennen konnte, war nicht irgendeine nachhegelianische Wirklichkeit, sondern vielmehr der eigentlich hegelianische Aspekt der kapitalistischen Wirtschaft. In diesem Punkt war Hegel paradoxerweise nicht idealistisch genug, denn was er nicht sah, war der durchweg spekulative Inhalt der kapitalistischen Wirtschaft, die Wirkungsweise des Finanzkapitals, als eine rein virtuelle Idee, die ,reale‘ Menschen beeinflusst.“ Und plötzlich ist Hegel ganz modern, ganz aktuell: „ Strukturell befindet sich der Kapitalismus immer in der Krise – weswegen er unaufhörlich expandiert.“
FRITZ GÖTTLER
Slavoj Žižek: Weniger als nichts. Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus. Aus dem Englischen von Frank Born. Suhrkamp Verlag, Berlin 2014. 1408S., 49,95 Euro. E-Book 43,99 Euro.
Hegel sah nicht den spekulativen
Aspekt des Kapitalismus
Meister der philosophischen Performance: Slavoj Žižek und die Vögel in „A Pervert’s Guide to Cinema“.
Foto: Verleih
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur WELT-Rezension

Als großen Porno über das Denken, als actionmäßige Verfolgungsjagd nach Hegel und seiner Philosophie und Buch über alles bezeichnet Andreas Rosenfelder vielsagend nichtssagend Slavoj Žižeks neues, imerhin 1408 Seiten dickes Werk. Das Buch ist der Hammer, meint Rosenfelder, und illustriert die Philosophie des deutschen Idealismus schon durch seine schiere Größe. Innen drin aber geht's wirklich ums Ganze, Hegel, Heidegger, Kleist, die Liebe, den Papst etc. Vor allem aber begegnet sich das Denken selbst beim Lesen, wie Rosenfelder versichert, auch wenn er selbstredend nicht alle Seiten durchgelesen hat (was für eine irre Idee!). Dass der Autor hier als triebgesteuerter Hegelianer auftritt, lässt den Rezensenten Žižeks Sprunghaftigkeit übrigens endlich besser begreifen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.02.2015

Ganz ohne ein System wird Denken unbequem

Schwerer Hegelverstoß: Slavoj Zizek will den Weg nachzeichnen, mit dem man von der Philosophie des deutschen Idealismus in die Gegenwart und die Kritik an ihr kommt - auf Schlangenlinien.

Das Internet hat keine Chance gegen Slavoj Zizek. Es wird vor diesem Mann kapitulieren müssen, denn in seinen Schriften steht mehr Falsches, Richtiges, Verrücktes und Zerdrücktes, als in alle verteilten und verknüpften Datenbanken des Planeten passt. Was der Mann zur Sache sagen will und was seine Sache überhaupt ist, bleibt vielfach dunkel. Inhaltliche Zustimmung oder Ablehnung, zu denen man sich außerstande sieht, enthält man ihm daher vor und reagiert stattdessen mit Sympathie oder Abneigung auf die Person Zizek. Das ist dem Kerl gerade recht; er macht es sich sofort zu eigen und eröffnet etwa seinen neuen Tausendseiter mit einer gerafften Selbstdarstellung. Von einem besonderen Typus der Dummheit ist da die Rede, bei dem ein "(gelegentlich) hyperintelligentes Subjekt" irgendetwas plötzlich nicht rafft, konkretes Beispiel: "Als ich beispielsweise zum erstenmal in New York war ..." und so weiter.

Was für ein Lauser; er stellt sich doch tatsächlich als "(gelegentlich) hyperintelligentes Subjekt" vor - und das nach einer kecken Widmung für zwei alte Weggefährten, die er beiläufig wissen lässt: "denn die Partei hat immer recht". Die Partei, so lautet die Pointe des gewaltigen Textbrockens "Weniger als nichts. Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus", ist der Ort, auf den sich das philosophische Erbe von Marx und Engels hat zurückziehen müssen, als die theoretische Luft im Abstrakten zu dünn geworden war. Der Junghegelianismus, die leichte Kräuselbewegung auf der Hirnweltkarte, aus der Marx stammt, hatte die begrifflich dichte und dicke Atmosphäre des deutschen Idealismus mit zu vielen Welt-Teilchen beschossen - gegen das Nichts, auf dem Hegel gebaut hatte, setzte sie ein Etwas, zum Beispiel die Kritik am Bestehenden. Marx und Engels dagegen reagierten auf das Nichts in Hegels Fundament laut Zizek mit noch mehr Nichts, das heißt mit neuen, im emphatischen Sinn grundlosen und ebendeshalb wirkungsvollen Begriffsverschiebungen. Deren historische Entäußerung war dann die Arbeiterbewegung, "die Partei". Zwischenfrage: Wie bitte? Marx soll den Vorteil gegen Hegel gehabt haben, dass er noch tiefer in den Abgrund gesehen hat? Sehen wir zu, wie Zizek das herleitet. Auf Seite 349 erfahren wir: "Dass Marx Hegel braucht, um die Logik des Kapitals zu formulieren (der entscheidende Durchbruch in Marx' Werk erfolgte Mitte der 1850er Jahre, als er nach der gescheiterten Revolution von 1848 die Lektüre von Hegels ,Logik' wiederaufnahm), bedeutet ja: Was Hegel nicht erkennen konnte, war nicht irgendeine nachhegelianische Wirklichkeit, sondern vielmehr der eigentlich hegelianische Aspekt der kapitalistischen Wirtschaft. In diesem Punkt war Hegel paradoxerweise nicht idealistisch genug, denn was er nicht sah, war der durchweg spekulative Inhalt der kapitalistischen Wirtschaft, die Wirkungsweise des Finanzkapitals als eine rein virtuelle Idee, die ,reale Menschen' beeinflusst."

Auf Deutsch: Marx hat Hegel in der Ideenfrage nicht widersprochen, sondern ihn radikalisiert - Hegel glaubte, Ideen regierten die Welt, und Marx hat nach Zizek eben nicht dagegengehalten mit der Ansicht, es sei vielmehr die Welt der Praxis, welche die Ideen regiere, sondern Marx soll, enttäuscht vom Versuch, die Welt per Revolution zum Vernünftigen zu zwingen, herausgefunden haben, dass Ideen zwar tatsächlich die Welt regieren, nämlich die Finanzwelt, aber: falsche Ideen. Die Welt ist also tatsächlich eine gedachte, aber dieses Denken ist verrückt - darauf will Zizek aus zwei Gründen hinaus: erstens, weil damit sein Kerngeschäft als Psychoanalytiker der Lacan-Schule ins Blickfeld kommt, zweitens aber, weil er gegen die von ihm diagnostizierte Verrücktheit der Welt das probate Gegenmittel bereithält: Er ist einfach noch verrückter als sie.

An den besten, zugleich erhabensten wie lächerlichsten Stellen dieses zwischen Arbeit am Begriff und begriffslos freier Assoziation schlingernden Buches ist der Autor, oh Wunder der Dialektik, sogar verrückter als er selbst - etwa im Vollzug des genialen Einfalls, ab Seite 845, man könne die antipsychoanalytischen Thesen von Gilles Deleuze und Félix Guattari auch psychoanalytisch deuten, man müsse dazu nur jedes Mal, wenn sie von "Wunschmaschinen" redeten, das Wort "Trieb" einsetzen.

Der Witz der "Wunschmaschinen"-Begrifflichkeit war ja gerade der, dass die psychoanalytische Überzeugung, unsere biologisch verankerten Triebe würden sich in Symptomen, Träumen, Kunstwerken und sonstigen menschlichen Leistungen eine Bühne suchen, mit dem "anti-ödipalen" Wunschmaschinentopos von Deleuze und Guattari streng verneint werden sollte: Das Unbewusste ist ihnen eben keine Sprache, der Trieb will für sie nicht Symbole jonglieren, sondern er ist ein Fabrikmotor - er produziert, statt zu quasseln. Diese These nun einfach durch eine Wortersetzung umzukehren ist so erleuchtet, wie es eine katholische "Neudeutung" des Darwinismus wäre, die darin bestünde, immer dann, wenn Darwin von "natürlicher Auslese" spricht, das Wort "Schöpfung" einzusetzen. Klar kann man machen - aber was hat man dann vollbracht, abgesehen von der Zerstörung einer Idee qua "Deutung"?

Zizek äußert sich gern, am liebsten zu allem. Aber "alles" passt eben nicht zusammen, weil - darin zumindest waren sich Hegel, Marx, Engels und Lenin einig - sich die Welt in Widersprüchen abspielt, nicht nach dem Ergänzungsreihenprinzip "einen hab ich noch", nach dem man eben schreiben muss, wenn man kein System hat. Was soll man machen? Wir haben alle kein System. Der Letzte, der eins hatte, war wirklich Hegel, denn bei ihm halten die Vergleiche (und Assoziationen) noch den Unterscheidungen stand, die er anbietet. Er bezog die Legitimation, sich zu allem und jedem zu äußern, aus diesem Systemcharakter seines Denkens.

Als dieses System an der weiteren Entwicklung der Realiengeschichte (Preußen als Zu-sich-selbst-Kommen der Geschichte? Im Ernst?) wie der Geistesgeschichte zerbrach, war es aber nicht so, wie Zizek unterstellt, wenn er behauptet, Marx habe die Not des nicht mehr systemfähigen Idealismus durch dessen Erweiterung zur Analyse der spekulativen Beschaffenheit des Kapitalismus behoben. Es war ganz anders, nämlich so, wie der späte Engels selbstkritisch im Rückblick sagt: "Die Zensur nötigte von vornherein allen mehr oder minder missliebigen Elementen die möglichst abstrakte Ausdrucksweise auf; die deutsche philosophische Tradition, die gerade bei der vollständigen Auflösung der Hegel'schen Schule angekommen war, lieferte diesen Ausdruck."

Wo Zizek heute seine Sachen veröffentlicht, in den Luxuszonen der neuen Weltordnung, gibt es kaum Zensur. Nicht mal eine Selbstzensur. Er schreibt alles hin, wie's ihm einfällt. Man sieht, dass ihn das unruhig macht und nie befriedigt. Das ehrt ihn. Mehr nicht.

DIETMAR DATH

Slavoj Zizek: "Weniger als nichts". Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus.

Aus dem Englischen von Frank Born. Suhrkamp Verlag, Berlin 2014. 1408 S., geb., 49,95 [Euro].

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"Eine luzide Darlegung dessen, was die moderne Gesellschaft Hegel schuldet."
Publishers Weekly