Gute Jungs,Böse Mädchen - Dittrich,Betty
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Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.04.2013

AUCH DAS NOCH

Von Jan Wiele

Immer wieder gibt es Lieder, die der Popmusik den Spiegel vorhalten und dann etwa "Shoop-a-Doop" heißen, im Extremfall sogar nur "La La La". Mit einem solchen Stück versuchte jüngst die Sängerin Betty Dittrich beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest zu punkten, wo so ein Titel eigentlich gut hinpasst - vielleicht war das aber zu viel Selbstironie für diese Veranstaltung. Auf ihrem Album "Gute Jungs, böse Mädchen" (EMI) macht die Halbschwedin im Sixties-Look nun aus einem Zitat-Potpourri neue Schlager: "Komm nach Paris", "Vielleicht ja, vielleicht nein", "Hin und her". Doch der Schein trügt - die Texte laufen der fröhlichen Retromanie zuwider: "Überall Omabrillen und Partypillen und Hipsterscheiß / In Schwarzweiß" - ja, genau! Ein Langweiler wird da aufgefordert, endlich mal ein böser Junge zu sein, aber: "Du hast keinen Alkohol da, du machst mir Tee mit Honig". Was ist da los? Dann doch lieber ab ins Gummiboot ("Fritz, der Kapitän") oder gleich einen Schutzmann angraben ("Herr Polizist"). Dies nun erinnert an einen Titel von Heidi Franke aus dem Jahr 1968, "Die Blumen sind für Sie, Herr Polizist", in dem es hieß: "Wer steht stramm vor Prominenten, wer spritzt Wasser auf Studenten, wer macht den heißen Sommer in Berlin?" Im Vergleich dazu klingt Betty Dittrich dann doch wieder arg zahm: "Schuldig oder nicht: / Ich will nur Sie, Herr Polizist".

Etwas gewollt frech wirkt dagegen manchmal das Quartett Laing um die Sängerin Nicola Rost, die zwischen Kaffee und Zucker plötzlich nonchalant das F-Wort fallenlässt. Die bösen Mädchen aus Berlin machen aber keinen Gangsterrap, sondern Discopop der neuesten deutschen Welle mit ausgefuchsten Gesangsharmonien und ziemlich lässigen Beats, die sie auch choreographisch sehr intelligent zu inszenieren wissen. Neben dem Ohrwurm "Ich bin morgens immer müde" enthält ihr Album "Paradies naiv" (Island/Universal) den wunderbaren Song "Maschinell", der als die perfekte Weiterentwicklung des Achtziger-Hits "Computerliebe" gelten darf. Und wenn bei Laing die Module verrücktspielen, dann kommen so schöne Titel wie "Du & Du & Ich" heraus, mit dem das in der Popmusik doch noch ziemlich dominante Thema der Zweierbeziehung bedeutend erweitert und so manche Redewendung umgekrempelt wird: "Sechs Augen sehen mehr als vier / Gehen wir zu dir oder zu dir oder zu mir?"

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