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Ob Proteste gegen die Notstandsgesetze, Gewerkschaften, Antiatomkraft- oder Frauenbewegung: Deutsche Geschichte ist auch eine Geschichte sozialer Bewegungen und lässt sich nur in Auseinandersetzung mit ihnen erfassen und verstehen.

Produktbeschreibung
Ob Proteste gegen die Notstandsgesetze, Gewerkschaften, Antiatomkraft- oder Frauenbewegung: Deutsche Geschichte ist auch eine Geschichte sozialer Bewegungen und lässt sich nur in Auseinandersetzung mit ihnen erfassen und verstehen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Campus Verlag
  • Seitenzahl: 770
  • Erscheinungstermin: 13. Mai 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 244mm x 174mm x 54mm
  • Gewicht: 1390g
  • ISBN-13: 9783593383729
  • ISBN-10: 3593383721
  • Artikelnr.: 20938505
Autorenporträt
Roland Roth ist Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Magdeburg- Stendal. Dieter Rucht ist Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin und Leiter einer Arbeitsgruppe am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
Inhaltsangabe
Vorwort der Herausgeber

Kapitel 1 Einleitung - (Roland Roth und Dieter Rucht)

Historisch-Politischer Kontext

Kapitel 2 Die unmittelbaren Nachkriegsjahre (1945-1949) (Arno Klönne)
Kapitel 3 Der CDU-Staat (1949-66) (Wolf-Dieter Narr)
Kapitel 4 Große und Sozialliberale Koalition (1966-1974) (Sven Reichardt)
Kapitel 5 Das Modell Deutschland und seine Krise (1974-1989) (Wolfgang Fach)
Kapitel 6 DDR - regimekritische und politisch-alternative Akteure (1949-1990) (Jan Wielgohs)
Kapitel 7 Das wiedervereinigte Deutschland - soziale Bewegungen "im Systemwandel" (Michael Minkenberg)

Bewegungen, Proteste und Themenfelder

Kapitel 8 Arbeiterbewegung (Eberhard Schmidt)
Kapitel 9 Frauenbewegung (Ute Gerhard)
Kapitel 10 Umweltbewegung (Karl-Werner Brand)
Kapitel 11 Anti-Atomkraftbewegung (Dieter Rucht)
Kapitel 12 Friedensbewegung (Andreas Buro)
Kapitel 13 Städtische soziale Bewegungen (Margit Mayer)
Kapitel 14 Dritte-Welt-Bewegung (Claudia Olejniczak)
Kapitel 15 Bürger- und menschenrechtliches Engagement in der Bundesrepublik (Wolf-Dieter Narr)
Kapitel 16 Dissidente Gruppen in der DDR (1949-1989) (Marc-Dietrich Ohse und Detlef Pollack)
Kapitel 17 Bürgerbewegungen in der DDR - Demokratische Sammlungsbewegungen am Ende des Sozialismus (Dieter Rink)
Kapitel 18 Studentische Bewegungen und Protestkampagnen (Kristina Schulz)
Kapitel 19 Antiimperialismus und Autonomie - Linksradikalismus seit der Studentenbewegung (Sebastian Haunss)
Kapitel 20 Die rechtsextremistische Bewegung (Th omas Grumke)
Kapitel 21 Globalisierungskritische Netzwerke, Kampagnen und Bewegungen (Dieter Rucht und Roland Roth)
Kapitel 22 Selbstverwaltete Betriebe in Deutschland (Frank Heider)Kapitel 23 Kommunebewegung (Karl-Ludwig Schibel)
Kapitel 24 Schwulenbewegung (Jens Dobler und Harald Rimmele)
Kapitel 25 Jugendproteste und Jugendkonfl ikte (Werner Lindner)
Kapitel 26 Mobilisierung von und für Migranten (Dieter Rucht und Wilhelm Heitmeyer)
Kapitel 27 Proteste von Arbeitslosen (Harald Rein)
Kapitel 28 Kampagnen gegen Bio- und Gentechnik (Bernhard Gill)

Schluss

Kapitel 29 Soziale Bewegungen und Protest - eine theoretische und empirische Bilanz (Dieter Rucht und Roland Roth)

Chronologie von Ereignissen
Abkürzungen
Abbildungsnachweis
Autorinnen und Autoren
Literatur
Register
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.01.2009

Böse Bundesrepublik
Überblick über soziale Bewegungen in Deutschland seit 1945

Unter "sozialen Bewegungen" versteht die Forschung Netzwerke von Gruppen und Organisationen, die - gestützt auf kollektive Identitäten - den Anspruch auf aktive Veränderung einer Gesellschaft erheben. Sie sind, wie die Herausgeber Roth und Rucht in der Einleitung des Handbuchs sicher zu Recht feststellen, "wichtige Akteure moderner Gesellschaften", ja geradezu ein "Kennzeichen der ,Moderne', weil sie die Fähigkeit einer Gesellschaft ins Zentrum rücken, sich selbst zu produzieren und sozialen Wandel aktiv zu gestalten". Die Publikation soll Übersicht und Orientierung ermöglichen und dem bislang angeblich ungenutzten demokratischen Potential der sozialen Bewegungen mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Ein Handbuch verspricht einen systematischen Überblick über das gesamte Spektrum von ganz links bis ganz rechts. Und tatsächlich scheuen die Herausgeber sich erfreulicherweise nicht, auch linksradikale, rechtsextreme und rechtspopulistische Gruppierungen in den Überblick einzubeziehen. Dieser umfasst 21 nach einem einheitlichen Schema aufgebaute Beiträge zu sehr unterschiedlichen Bewegungen, Protest- und Themenfeldern. Dass dabei manchmal kaum vergleichbare Bewegungen nebeneinanderstehen, stört nicht, da der Wille zur Gestaltung des sozialen Wandels schließlich auf ganz unterschiedlichen Ebenen wirksam wurde und die verschiedenen Bewegungen sich zum Teil auch mehrfach überschnitten und überlagerten. Die Arbeiterbewegung steht hier neben der Frauenbewegung, die städtische soziale Bewegung neben der Dritte-Welt-Bewegung, die Globalisierungskritiker neben den selbstverwalteten Betrieben, die Schwulenbewegung neben den Protesten von Arbeitslosen und den Kampagnen gegen Bio- und Gentechnik. Zwei Artikel über dissidente Gruppen und Bürgerbewegungen in der DDR sorgen für die gesamtdeutsche Vollständigkeit. Den Einzelartikeln vorangestellt ist in sechs Abschnitten eine Darstellung des historisch-politischen Kontextes. Den Band beschließt eine theoretische und empirische Bilanz der beiden Herausgeber. Als Autorinnen und Autoren konnten gute Kenner der jeweiligen Materien gewonnen werden; manche von ihnen bringen - selbst in verschiedenen Bereichen engagiert - gewissermaßen Insiderwissen mit ein. Im Ergebnis konnte eine facetten- und materialreiche Gesamtschau vorgelegt werden.

Von einem Handbuch erwartet wird neben systematischer Gründlichkeit auch eine gewisse aufgeklärte Distanz zum Gegenstand. Hier liegt eindeutig die methodische Schwäche des vorliegenden Handbuchs. Sine ira et studio ist vielfach nicht die erkenntnisleitende Grundhaltung. Vielmehr machen weder die Herausgeber noch die meisten Autoren einen Hehl daraus, dass sie - ausgenommen freilich die Artikel über die links- und rechtsextremistischen Gruppen - mit den von ihnen präsentierten Bewegungen in mal mehr, mal weniger starkem Maße sympathisieren. Da die verschiedenen sozialen Bewegungen notwendigerweise oppositionelle Positionen einnehmen, ist also nachvollziehbar, dass der "Staat" und das Regierungshandeln in der Regel kritisch bis negativ bewertet werden.

Persönliche Betroffenheit führt aber bisweilen zu merkwürdigen Bewertungen. Wolf-Dieter Narr verleiht der Frühphase der Bundesrepublik die "Signatur" des "CDU-Staats" und nimmt die Assoziation zu "NS-Staat" beziehungsweise zu "SS-Staat" zumindest billigend, wenn nicht sogar mit Absicht in Kauf. Seine Bilanz dieser "demo-autokratischen" Frühphase der bundesdeutschen Geschichte wie der sich anschließenden Perioden fällt entsprechend aus: "Die strukturellen und habituellen Erfolge, vor allem aber die Versäumnisse des Anfangs, haben aus der Bonner Republik, auch seitdem sie zur Berliner Republik geworden ist, ein Land werden lassen, das seine demokratisch menschenrechtliche Lektion 1945 und danach nicht gelernt hat."

Ohne die Probleme und Fehlentwicklungen der Nachkriegszeit bagatellisieren zu wollen - aber derartige Verdikte gehen an der historischen Realität genauso weit vorbei wie die verklärenden Rückblicke auf das gemütliche "Wirtschaftswunderland" der fünfziger und sechziger Jahre. Verschärft wird das negative Bild der Bundesrepublik als Staat durch die eher zurückhaltende Bewertung der DDR. "Regime" und "bürokratisch-autoritäre Herrschaftspraxis der SED-Führung" sind schon die schärfsten Formulierungen, Begriffe wie "SED-Diktatur" oder nur "SED-Staat" sucht man vergeblich. Bemerkenswert auch, dass in den Überblickskapiteln die Stasi als Terrorinstrument - hier sei es nun deutlich gesagt - der SED-Diktatur nicht erwähnt wird, obwohl ihr "Wirken" doch von größter Bedeutung für das Entstehen und die Entwicklung sozialer Bewegungen in der DDR war und mit Sicherheit zu den dominanten "Parametern des internen Kontextes" zu zählen war.

Bei allem Informationsreichtum wird der Anspruch eines Handbuchs nicht durchgehend eingelöst. Dennoch erweitert der Sammelband die bisherigen, stärker an der staatlichen Politik orientierten Gesamtdarstellungen der Nachkriegsgeschichte um wichtige Aspekte und um eine bislang in der historischen Forschung weniger präsente Perspektive. Wenn der Band auch als Handbuch wahrscheinlich keinen Bestand haben wird - eine anregende, bisweilen sogar provozierende Zwischenbilanz ist er in jedem Fall.

MICHAEL HOLLMANN

Roland Roth/Dieter Rucht (Herausgeber): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2008. 770 S., 49,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.08.2008

Wirtschaftsbuch
Demokratie ist mehr als Wählen
Heutzutage werden der Nutzen und die Notwendigkeit bürgerschaftlichen Engagements allgemein anerkannt. Als Foren dieses Engagements dienen seit einigen Jahrzehnten nicht allein Parteien oder Vereine, sondern vermehrt jene Gruppen, die mit dem Sammelbegriff „soziale Bewegungen” gefasst werden. Die Herausgeber dieses gewichtigen und höchst informativen Handbuchs – ein Politikwissenschaftler und ein Soziologe – verstehen darunter Organisationen, die sich auf eine kollektive Identität stützen, „Anspruch auf Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels” erheben und dem Protestgeschehen eine gewisse Kontinuität verleihen. Konkret werden Strömungen wie die Anti-Atomkraft-, die Friedens- oder die Umweltbewegung, aber auch rechtsextremistische Gruppierungen und Tendenzen behandelt.
Das Buch ist in zwei große Teile gegliedert. Zunächst werden in sieben Kapiteln die historisch-politischen, ökonomischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen entfaltet, beginnend mit der unmittelbaren Nachkriegszeit und endend mit dem vereinigten Deutschland. Die Entwicklung in der DDR erhielt ein eigenes Kapitel, obwohl die Möglichkeiten zum Protest und zur zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation deutlich eingeschränkt waren. So entsteht ein vielschichtiges Bild der spezifischen, sich wandelnden „Bewegungslandschaften”.
Den Hauptteil des Bandes bilden 21 Beiträge zu einzelnen Bewegungen und Protestnetzwerken: von der Arbeiter- bis zur Schwulenbewegung, von der Dritte-Welt- bis zur Frauenbewegung, von globalisierungskritischen Netzwerken bis zu studentischen Protestkampagnen, um die Bandbreite nur anzudeuten. All diese Beiträge sind zwischen 20 und 30 Seiten lang und, um Vergleiche zu erleichtern, einheitlich untergliedert: Abgrenzung der jeweiligen Bewegung, Erläuterungen zu Geschichte, Zielen, sozialen Trägern, Strategien und Aktionen, Auswirkungen und Perspektiven, abschließend Hinweise zur weiterführenden Lektüre.
Als das „große gemeinsame Thema” der sozialen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg machen Roth und Rucht Demokratie und Bürgerrechte aus. Ganz gleich, ob sich die Gruppierungen als „demokratisches Korrektiv” verstanden, als Keimzelle einer „demokratischen Bürgerkultur” oder als Impulsgeber zur „Demokratisierung aller Lebensbereiche”: Sie avancierten zu „wichtigen politischen Lernorten” und „Experimentierbaustellen” in Sachen Teilnahme an demokratischen Prozessen. Die mitunter starken Emotionen und die Neigung zur Dramatisierung, die dabei ins Spiel kamen, sollten nicht als Vorwand missbraucht werden, „soziale Bewegungen pauschal unter Irrationalitätsverdacht zu stellen” und sie abzuwerten gegenüber einer vermeintlich rationalen Regierungs- und Expertenpolitik.
Eine „theoretische und empirische Bilanz” der Erfolge und Misserfolge zu ziehen, wie es die Herausgeber versuchen, fällt schwer. Dass heute eine Mehrheit der Bundesbürger beispielsweise Globalisierung und „neoliberale” Politik als negativ oder zumindest „hochgradig ambivalent” wahrnimmt, kann sich zu einem beträchtlichen Teil die globalisierungskritische Bewegung als Verdienst anrechnen. Andererseits bleibt ihr Einfluss auf der institutionellen Ebene nationaler und internationaler Politik nach wie vor recht bescheiden.
Abgerundet wird das Buch durch eine sehr hilfreiche Chronik, in der politisch bedeutsame Ereignisse und Protestaktivitäten einander gegenübergestellt werden, sowie ein fast 60-seitiges Literaturverzeichnis. Wer zuverlässige, kompakte und verständliche Informationen über Formen, Ziele und Bedeutung sozialer Bewegungen sucht, sollte zu diesem Standardwerk greifen. Werner Bührer
Roland Roth, Dieter Rucht (Hgg.): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch. Campus Verlag, Frankfurt 2008, 770 Seiten, 49,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Rezensent Christian Rath begrüßt dieses Handbuch als breit angelegtes Nachschlagewerk zu den deutschen sozialen Bewegungen der Nachkriegszeit samt ihrer politisch-ökonomischen Bedingungen und auch, dass die Autoren ihnen fast durchweg mit Sympathie begegnen. Auch findet Rath die Differenzierung des Autorenduos zwischen sozialer Bewegung und Revolution wichtig und richtig. Zwar hat die grundsätzliche Sympathie für diesen ?Ausdruck lebendiger Demokratie?, kann man zwischen den Zeilen lesen, in seltenen Fällen leichte Mängel in Sachen analytischer Distanz zu einzelnen Bewegungen zur Folge. Dennoch handelt es sich aus Sicht des Rezensenten insgesamt um einen komplexen Überblick, der bis in die Gegenwart zu den globalisierungskritischen Bewegungen reiche.

© Perlentaucher Medien GmbH
Demokratie ist mehr als Wählen "Wer zuverlässige, kompakte und verständliche Informationen über Formen, Ziele und Bedeutung sozialer Bewegungen sucht, sollte zu diesem Standardwerk greifen." (Süddeutsche Zeitung, 02.08.2008) Hier wurde ein nicht nur insgesamt gut ausgeführtes, sondern auch notwendiges Buch vorgelegt, das für wichtige Orientierungen sorgen wird. (Mitteilungsbl. d. Instituts f. soz. Bew., 21.07.2010)