Was ist Information? - Janich, Peter
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Information ist ein allgegenwärtiger Begriff im Alltag, in den Wissenschaften und in der Philosophie. Heute wird er immer mehr von den Naturwissenschaften als ureigenster Gegenstand reklamiert: Er wird "naturalisiert". Das Buch zeichnet den Weg nach, wie aus Physik und Mathematik Auffassungen entstehen, die über die Wissenschaftstheorie und die Sprachphilosophie zur Grundlage der Nachrichtentechnik und der Kybernetik werden, um schließlich bei der "Erbinformation" und anderen Naturgegenständen zu landen. So entsteht eine mißverstandene Form des Körper-Geist- Problems: Wie kommen technische…mehr

Produktbeschreibung
Information ist ein allgegenwärtiger Begriff im Alltag, in den Wissenschaften und in der Philosophie. Heute wird er immer mehr von den Naturwissenschaften als ureigenster Gegenstand reklamiert: Er wird "naturalisiert". Das Buch zeichnet den Weg nach, wie aus Physik und Mathematik Auffassungen entstehen, die über die Wissenschaftstheorie und die Sprachphilosophie zur Grundlage der Nachrichtentechnik und der Kybernetik werden, um schließlich bei der "Erbinformation" und anderen Naturgegenständen zu landen. So entsteht eine mißverstandene Form des Körper-Geist- Problems: Wie kommen technische Objekte, aber auch Moleküle im menschlichen Genom zu Eigenschaften, die ursprünglich der menschlichen Sprache vorbehalten waren?

Dieses Buch korrigiert Mißverständnisse, weist heute übliche Ausdrucksweisen als (teilweise irrtümliche) Metaphern aus und rekonstruiert das menschliche Handeln und Sprechen als Grundlage von technischen und natürlichen Formen der Informationsverarbeitung.
  • Produktdetails
  • Graue Reihe
  • Verlag: Suhrkamp
  • Artikelnr. des Verlages: 58470
  • Seitenzahl: 180
  • Erscheinungstermin: 18. September 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 124mm x 17mm
  • Gewicht: 244g
  • ISBN-13: 9783518584705
  • ISBN-10: 3518584707
  • Artikelnr.: 20840385
Autorenporträt
Janich, Peter
Peter Janich (1942-2016) war Professor emeritus für Philosophie an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt erschien Kein neues Menschenbild. Zur Sprache der Hirnforschung (eu 21).
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.11.2006

Die können sich noch nicht einmal selbst einholen
Lasst die Vernunft nicht nur bei den Naturwissenschaften wohnen, sagt Peter Janich in seinem leserfreundlichen Buch „Was ist Information?”
„Where is the knowledge we have lost in information?”, seufzt T. S. Eliot in dem Versdrama „The Rock”. Als es geschrieben wurde, 1934, redete noch keiner von Informationsgesellschaft; man hatte andere Sorgen. Die Indizien dafür, Information und Unwissenheit seien vereinbar, ja jene könne zu dieser beitragen, haben sich seither nur vermehrt. Wie der Zusammenhang genau beschaffen ist, wäre aller Neugier wert, philosophischerwie empirischer.
Es ist freilich nicht die Frage Peter Janichs, des Lehrstuhlinhabers fürSystematische Philosophie an der Universität Marburg, in einem Buch, das er„Was ist Information?” betitelt hat. Denn auf Wissen, diesem nach Eliots Vermutung von Information aufschlussreich zu Unterscheidenden, kommt Janich so gut wie gar nicht zu sprechen. „Was ist Information?”: dasist die klassische Definitionsfrage. Und damit führt der Titel ein wenig indie Irre. Begriffsbestimmung nämlich beschäftigt Janich auch kaum. Jedenfalls gehört eine Definition von Information nicht zum Fazit seines Buches.
Für Janich ist Information eher ein Fall unter mehreren in einer Gigantomachie, in der, wie er bereits vor einem Jahrzehnt formulierte, „Naturalismus” und „Kulturalismus” einander gegenüberstehen. Naturalisten behaupten, die Zeichen, aus denen Informationbesteht, ließen sich auf Naturgegenstände reduzieren. Nach Janich begehen sie damit einen „performativen Widerspruch”. Dies ist ein Widerspruch zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er tut, indem er es sagt.Denn die naturalistische These will ja selbst als Behauptung verstanden und nicht ihrerseits naturwissenschaftlich erklärt, also auf ihre Ursachen etwaim Hirn des Naturalisten zurückgeführt werden.
Der Naturalist, sagt Janich, „kann sich nicht einmal selbst einholen”. Er gerate auch in „ein schizophrenes Verhältnis zu Moral und Recht”. Diese Aporien, resümiert der Autor, legen nahe, sich die „konstruktive Alternative” einer „methodisch kulturalistischenTheorie der Kommunikation und Information” zu eigen zu machen. Es werde doch nicht so sein, betont Janichs Schlusssatz, dass „die Vernunft ihre Heimat nur bei den alles naturalisierenden Naturwissenschaften haben könne”.
Peter Janich hat mit „Was ist Information?” eine klare, leserfreundliche, stellenweise sogar ganz unterhaltsame Schrift vorgelegt. Das meiste haben andere schon substantieller erörtert, das Konzept genetischer Information etwa Lily E. Kay in dem vor einem Jahr vom selben Verlag publizierten „Buch des Lebens”, das Janich nicht zu kennen scheint. Und da Janich nachdrücklich größere sprachliche Sorgfalt anmahnt, wünschte man, er hätte solche selber walten lassen. So gibt er die zweite Seite des von Wilhelm Windelband in die Wissenschaftstheorie eingeführten Gegensatzes „nomothetisch” (etwa: Gesetze aufstellend) und „idiographisch” (etwa: das Eigene, Individuelle beschreibend) wiederholt mit „ideographisch” wieder. Das aber bedeutet ziemlich genau das Gegenteil: die Idee, das Allgemeine, beschreibend.
ANDREAS DORSCHEL
PETER JANICH: Was ist Information? Kritik einer Legende. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006. 181 Seiten, 14,80 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Zurückhaltend äußert sich Bernhard Dotzler über Peter Janichs Einspruch gegen den inflationären Gebrauch des Informationsbegriffs. Ausführlich referiert der Rezensent die Argumentation des Philosophen, die sich gegen die Reklamierung des Begriffs durch die Naturwissenschaften wendet. Diese hätten den Begriff aus ihren Kontext der menschlichen Sprache gelöst, und auf andere Bereiche wie Mathematik, Physik, Nachrichtentechnik, Molekularbiologie, Hirnforschung und Werbesprache übertragen. Dotzler versteht Janichs Ausführungen mithin als Kritik am Reduktionismus einer Denk- und Redekultur, die naturwissenschaftlich-technisch orientiert und dominiert ist. Damit kann man den Rezensenten allerdings nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Immerhin hat das Werk für Dotzler ein Gutes, erinnert es doch an wichtige Texte zur Zeichen- und Informationstheorie von Morris, Shannon, Weaver, Wiener und Turing.

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