Das Schöne und die Politik - Stahl, Michael
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Die Frage nach den politischen Dimensionen des Ästhetischen macht Signaturen der gegenwärtigen Moderne sichtbar, die deren einstiges Versprechen eines besseren, weil schöneren Lebens dementieren. Insbesondere die Unterwerfung tendenziell aller Lebensbereiche unter das Diktat von Ökonomie und Konsum vernichtet das Schöne in unserer Lebenswelt. Zunehmende Häßlichkeit ist das Gesicht einer Moderne, in der Freiheit und Verantwortung des einzelnen, seine Bildung und seine Religion, trotz gegenteiliger Bekundungen, nicht mehr zählen - Hybris der Moderne.
Aus Quellen des europäischen Geistes seit
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Produktbeschreibung
Die Frage nach den politischen Dimensionen des Ästhetischen macht Signaturen der gegenwärtigen Moderne sichtbar, die deren einstiges Versprechen eines besseren, weil schöneren Lebens dementieren. Insbesondere die Unterwerfung tendenziell aller Lebensbereiche unter das Diktat von Ökonomie und Konsum vernichtet das Schöne in unserer Lebenswelt. Zunehmende Häßlichkeit ist das Gesicht einer Moderne, in der Freiheit und Verantwortung des einzelnen, seine Bildung und seine Religion, trotz gegenteiliger Bekundungen, nicht mehr zählen - Hybris der Moderne.

Aus Quellen des europäischen Geistes seit 2500 Jahren gespeist, steht ihr entgegen der Entwurf einer anderen Moderne. Der Weg zu dorthin führt über individuelle Bildung als umfassender Formungsprozeß, der zentral auf dem Feld der Ästhetik stattfindet. Das "Ereignis des Schönen" verändert unser Bewußtsein und unsere Haltung in eine erneuerte Lebensform.

Das Buch nimmt in seinen historischen Fallstudien die Kritik an der Entwicklung der Moderne seit ihren Anfängen auf und entwirft Brückenschläge zur Vormoderne. Auf diese Weise werden die Antike, insbesondere der griechische Bürgerstaat und die römische Monarchie, und ebenso die deutsche Klassik und Romantik um 1800 zur Quelle zukunftsöffnender Perspektiven auf eine andere Moderne.
  • Produktdetails
  • Verlag: Text & Dialog
  • Seitenzahl: 286
  • Erscheinungstermin: April 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 156mm x 27mm
  • Gewicht: 650g
  • ISBN-13: 9783943897401
  • ISBN-10: 3943897400
  • Artikelnr.: 51705998
Autorenporträt
Stahl, Michael
Michael Stahl, emeritierter Professor für Alte Geschichte an der TU Darmstadt, forschte zur griechischen Demokratie, zum augusteischen Prinzipat, zum Verhältnis von Kultur und Politik und zur Rezeption der Antike in der Moderne.
Inhaltsangabe
Prolog 1. "weil es die Schönheit ist, durch welche man zu der Freiheit wandert" Friedrich von Schillers und Wilhelm von Humboldts Programm der Erneuerung durch ästhetische Bildung "Ästhetische Erziehung" als Reaktion auf das Scheitern der Revolution 24 Bildung durch das Spiel im Schönen 26 Die politische Bedeutung von Humboldts Bildungsreform 28 Humboldts Bildungsbegriff: Vielseitigkeit, Allgemeinheit, Differenzierung 29 Prekäre Nachgeschichte und bleibende Relevanz von Humboldts Bildungsideal 32 2. "Amor schüret die Lamp' indes ..." Das Schöne als Brücke zur Vergangenheit: Beobachtungen an Goethes Fünfter Römischer Elegie Goethes römisches Erlebnis: Innere Verwandlung durch Geschichte 36 Die Verschmelzung der Gegensätze als produktiver Prozeß 38 Die Einheit von Sinn und Sinnlichkeit 41 Vergangenheit wird zu Geschichte 44 3. "statt einer Rede ... einen Kosmos von Versen". Der Zirkel der Poesie: Dichtung und Literatur als politisches Handeln in der Antike Der "engagierte" Schriftsteller und die Autonomieästhetik 47 Antike Dichtung als Akt der Kommunikation 49 Die Dichtung Solons im Zentrum der Polis 51 Sapphos Lieder im Dienst an der Polis 53 Poesie und Bürgergemeinschaft 55 Literarische Zirkel in der augusteischen Epoche 56 Literarischer Betrieb in der römischen Kaiserzeit: Das Streben nach Schönheit und Form 58 4. "fug des Volkes". Vom Umschmelzen der Macht in Herrschaft. Ein historischer Brückenschlag Der "Schwur" im Juli 1944 61 Aktualisieren versus Rezipieren: Der geschichtliche Brückenbau 63 Der Eintritt Octavians in den Kampf um die Macht 64 Von der Macht zur Herrschaft 66 Die Not des Staates 69 Die Überwindung der Anarchie 71 Ein neues Akzeptanzsystem 74 auctoritas 76 Schöpferische Rezeption: Augustus, der pater patriae 78 Herrschaft und Geist 81 Vom Beruf der Herrschaft: Das schöne Leben 84 5. "Wir werden nur bestehen, sofern wir uns eine neue Antike schaffen" Über die Bedeutung der Antike für eine andere Moderne "Gips-Klassizismus" 89 Nietzsche, George, Jaeger: Die Frage nach dem "wahren" Humanismus 91 Der Schliff der Brille: neue Antiken 98 Brückenschläge in die Antike 99 Tertium comparationis I: Der Kosmos des Lebens 101 Tertium comparationis II: Konflikt und Gemeinschaft 105 Tertium comparationis III: Freiheit und Verantwortung 107 Tertium comparationis IV: Ästhetik und Form 110 Tertium comparationis V: Bildung und Ethos 113 6. "Die Nationen fallen, aber sie erheben sich an den Denkmälern der Kunst und Wissenschaft wieder". Karl Friedrich Schinkel und die preußisch-deutsche Bewegung um 1813 Das Grundproblem des Politischen und die Moderne 118 Ästhetische Erziehung 122 Poesie und Geschichte 128 Der "enthusiastische Weltverschönerer" 134 "Die Ahnung von und zu etwas Schönem" 146 7. "Staat in uns". Romano Guardini und das politische Ethos des Bürgers Monarchie und Demokratie als Hinterlassenschaften der Antike 149 Guardinis "Briefe über Selbstbildung" 153 Guardinis "Staat in uns" 154 Funktion und Bedeutung des Staates 157 Politische Zugehörigkeit 159 Politiker sein 161 Der Sinn des Staates 165 Die Brücke zur Geschichte 169 8. Die andere Moderne. Krise und schöpferische Erneuerung Der Ausgangspunkt: Revolution, Reform, Ideal, Geschichte 173 Jenseits von Links und Rechts: Eine andere Moderne 178 Schöpferische Erneuerung 183 Visionärer Realitätssinn 185 Konflikt und Konsens 187 Ökonomisierung und Konsumismus 191 Der notwendige Bewußtseinswandel 203 Freiheit und Verantwortung im Gemeinwesen 214 Haltung durch Bildung 231 Des Ganzen Grund: Der christliche Gottesglaube 238 Gottesglaube und wissenschaftliche Vernunft 241 Geisteswissenschaft: Die Frage nach Bedeutung, Ziel und Sinn 243 Gott und Staat 247 Epilog: Das Schöne und die Politik Literatur Drucknachweise Abbildungen
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.05.2018

Mehr innere Haltung, bitte!
Der Althistoriker Michael Stahl denkt auf anregend provokative Weise über eine andere Moderne nach

Wie könnte sie denn nun aussehen, eine konservative Revolution? Das Wort ist vor kurzem wieder öffentlich geworden. Vermutlich hat Alexander Dobrindt damit aber eher unabsichtlich eine parteipolitische Provokation mit einem geschichtsträchtigen Gewicht beschwert. Was er meinte, nahm jedenfalls keine Verbindung auf zu dem 1927 im Audimax der Münchner Universität von Hugo von Hofmannsthal gehaltenen Vortrag "Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation", in dessen Zentrum der Begriff konservative Revolution stand. Von diesem Text aus nahm seine Wirkungsgeschichte ihren Lauf, einschließlich der Banalisierungen und politischen Verfälschungen, die ihn zum Feldzeichen schließlich auch der finstersten Fronten machten. Es ist also eher zweifelhaft, dass er sich als Bezugspunkt für konservatives Denken in unserer Zeit eignet.

Der Althistoriker Michael Stahl hat jetzt trotzdem diesen Versuch gemacht. Die Quellen, die er für seinen Entwurf einer "anderen Moderne" heranzieht, sind vielgestaltig. Von den klassischen Griechen, mit deren Mentalität und geschichtlicher Wirkung er sich in seinem akademischen Leben immer wieder beschäftigt hat, bezieht er eine politisch definierte Bürgeridentität, also die enge Verbindung zwischen politischem Engagement und sozialem Status. Mit Schiller und dem deutschen Idealismus um 1800 knüpft er an die Vorstellung einer "ästhetischen Erziehung des Menschen" zur Freiheit an. Das Diktum, nach dem innere Haltung nur durch die Auseinandersetzung mit dem Schönen zu gewinnen sei, wird bei ihm ergänzt um die romantische Idealvorstellung einer - nach Rudolf Borchardts Wort - schöpferischen Restauration von Vergangenheit.

Das Feindbild in Stahls Entwurf ist der Ökonomismus mit seiner "schrankenlosen Profitmaximierung" und seinem "unersättlichen Konsum". Aber Stahl geht über dieses übliche Motiv hinaus, wenn er Bildung als einzig wirksames Heilmittel ansieht, um Staat und Gesellschaft zu erneuern, was bei ihm vor allem heißt, beide Sphären wieder einander durchdringen zu lassen, auf dass sie - gut aristotelisch - zusammen wieder ein Gemeinwesen bilden. Mittels eines etwas abenteuerlichen historischen Vergleichs zwischen den Widerstandskämpfern des 20. Juli und dem Kreis um den jungen Octavian, die beide eine "Erneuerung durch historische Rezeption" im Sinn gehabt hätten, will Stahl den quasi katalytischen Sinn der Gemeinschaftsbildung vorführen.

Sieht man von den Anflügen von Sonntagspredigt und wohlfeiler Griesgrämigkeit ab, lässt sich aus dem Buch einiger Gewinn an anregender Provokation ziehen. Die "andere Moderne", über die Stahl nachdenkt, markiert für ihn eine geistesgeschichtliche, keine politische Wende. Was ihm vorschwebt, ist eine "metánoia des Geistes", eine kognitive Kehrtwende also, und keine "Umkehr der Verhältnisse". Daher auch seine sentimentalische Hoffnung, dass links und rechts in einem neu gewonnenen Sinn für das Schöne zusammenfinden könnten.

Dass Stahl beim Schönen ausschließlich an die Vormoderne denkt, spricht schon aus kulturgeschichtlichen Gründen gegen ihn. Der ästhetische Zeitstrahl endet nicht 1789. Und auch die Vorstellung, dass Schönheit nicht beobachterabhängig, sondern eine unerklärliche Wahrheit sei, die eine Letztbegründung nur in Gott finden kann, ist erkenntnistheoretisch zweifelhaft. Aber um Erkenntnis geht es diesem Buch ja auch nicht, sondern um (Selbst-)Behauptung. "Etiam si omnes, ego non" (Wenn auch alle dafür sind, ich nicht), diesen Bannerspruch des Außenseitertums, mit dem auch die rechtskonservative Zeitschrift "Sezession" wirbt, lässt der Autor über seinem Buch wehen. Aber statt "national" sagt er mit Hölderlin "nationell", statt von "deutscher Leitkultur" schwärmt er vom "unerschöpflichen Vorrat der europäischen Tradition", und statt von "patriotischer Pflicht" spricht er mit Guardini vom "Staat in uns". Nur mit solch vorsichtigen Worten lässt sich vom Bruch zwischen Vormoderne und Moderne sprechen. Denn er ist heute in erster und letzter Linie nur kulturell und nicht mehr politisch zu fassen.

SIMON STRAUSS

Michael Stahl:

"Das Schöne und die

Politik". Für eine andere

Moderne.

Verlag Text & Dialog, Dresden 2018.

288 S., geb., 29,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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