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Tristram Hunt is director of the Victoria & Albert Museum and one of Britain's best-known historians. He served as MP for Stoke-on-Trent Central from 2010 to 2017, and between October 2013 and September 2015 as Shadow Secretary of State for Education. He is a senior lecturer in British history at Queen Mary, University of London, and has written numerous series for radio and television. His previous books include The English Civil War: At First Hand, The Frock-Coated Communist: The Revolutionary Life of Friedrich Engels and Ten Cities that Made an Empire, between them published in more than a dozen languages.…mehr

Produktbeschreibung
Tristram Hunt is director of the Victoria & Albert Museum and one of Britain's best-known historians. He served as MP for Stoke-on-Trent Central from 2010 to 2017, and between October 2013 and September 2015 as Shadow Secretary of State for Education. He is a senior lecturer in British history at Queen Mary, University of London, and has written numerous series for radio and television. His previous books include The English Civil War: At First Hand, The Frock-Coated Communist: The Revolutionary Life of Friedrich Engels and Ten Cities that Made an Empire, between them published in more than a dozen languages.
  • Produktdetails
  • Verlag: Penguin Uk
  • Seitenzahl: 572
  • Erscheinungstermin: 5. September 2019
  • Englisch
  • Abmessung: 198mm x 128mm x 43mm
  • Gewicht: 444g
  • ISBN-13: 9780141990125
  • ISBN-10: 0141990120
  • Artikelnr.: 55916739
Autorenporträt
Hunt, Tristram
Tristram Hunt is director of the Victoria & Albert Museum and one of Britain's best-known historians. He served as MP for Stoke-on-Trent Central from 2010 to 2017, and between October 2013 and September 2015 as Shadow Secretary of State for Education. He is a senior lecturer in British history at Queen Mary, University of London, and has written numerous series for radio and television. His previous books include The English Civil War: At First Hand, The Frock-Coated Communist: The Revolutionary Life of Friedrich Engels and Ten Cities that Made an Empire, between them published in more than a dozen languages.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 16.10.2006

Ganz England ist zum Vorort geworden
Diabolisches Elend – und jeder Kneipe ihre pseudovenezianischen Kapitelle: Tristram Hunts eindrucksvolle Geschichte der viktorianischen Stadt
Wer heute die durchsanierten Innenstädte der ehemaligen Industriemetropolen Nordenglands besucht, sieht kaum noch eine Spur der unsäglichen Verhältnisse, die Friedrich Engels vorfand, als er 1842 nach Manchester reiste. In den Arbeitersiedlungen am Fluss Irk, schrieb er in seinem Traktat „Die Lage der arbeitenden Klasse in England”, gerate man „in einen Schmutz und eine ekelhafte Unsauberkeit, die ihres Gleichen nicht hat – namentlich in den Höfen die nach dem Irk hinführen, und die unbedingt die scheußlichsten Wohnungen enthalten, welche mir bis jetzt vorgekommen sind.” Die unmenschlichen Lebensbedingungen der Arbeiter, die vornehmlich in den riesigen Baumwollspinnereien beschäftigt waren, resultierten aus der ungezügelten Landflucht und Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nicht umsonst ist das Wort „Manchesterkapitalismus” heute Inbegriff hemmungsloser Ausbeutung.
„Der Zuzug von Migranten,” fasst der Historiker Tristram Hunt zusammen, „führte in Verbindung mit dem außergewöhnlichen Wachstum industrieller Produktion zu einer völlig neuen urbanen Landschaft.” Es sei schwer, die passenden Worte zu finden, so Hunt, wenn man „das diabolische Elend der frühviktorianischen Stadt” darstellen wolle. Hunt widmet der Analyse dieses Elends das erste Viertel von „Building Jerusalem”, seiner Betrachtung des „Aufstiegs und Niedergangs der viktorianischen Stadt”. Der junge britische Historiker beschreibt Manchester, Liverpool, Birmingham und Middlesborough als Schlachtfelder. Die Kämpfe, die dort ausgetragen wurden, seien jedoch nicht jene gewesen, die Engels prophezeit habe, die Kämpfe zwischen Arbeitern und Ausbeutern. Laut Hunt stritten vielmehr Ideen und Visionen miteinander, die eine Deutungs- und Gestaltungshoheit über die wuchernden urbanen Zentren für sich beanspruchten: hier ein von seinen Gegnern als unmenschlich angesehener Utilitarismus Bentham’scher Prägung, dort jener „caring conservatism”, wie er von Dickens und Carlyle vertreten wurde.
Stadtplanerisch brach sich dieser Streit in den architektonischen Urtypen des verteufelten „Panopticons” und des „Gothic Revival” Bahn. Wer dabei siegreich blieb, ist heute unschwer zu sehen. Während Benthams Vision eines streng dem Nützlichkeitsprinzip folgenden, von allen Seiten überwachbaren, von oben beleuchteten Rundbaues kaum je in Reinform umgesetzt wurde (das County-Gefängnis von Chester war eins der wenigen Beispiele), feierte die Wiederbelebung quasi-mittelalterlicher Ästhetik Triumphe. Angestachelt von John Ruskins „The Stones of Venice” und Mittelalter-Fanatikern wie Augustus Pugin entwickelten Englands Städte eine fieberhafte gotische Bautätigkeit. Das führte nicht nur zu grandiosen neogotischen Strukturen wie den Londoner Parlamentsgebäuden und dem Midland Grand Hotel an St Pancras Station; der gotische Geist erfasste alle Häuslebauer, die es sich leisten konnten. „Ich habe,” schrieb Ruskin 1872, „indirekten Einfluss auf fast jeden billigen Villen-Bauherrn zwischen hier und Bromley gehabt, und es gibt kaum noch einen Pub, der nicht seine Biere unter pseudo-venezianischen Kapitellen verkauft.”
Tristram Hunt erkennt in den gotischen Gebäuden, speziell denen des Nordens, jedoch nicht nur retro-romantischen Gestaltungswillen, sondern auch eine architektonische Manifestation des immer stärker werdenden Selbstbewusstseins der industriellen Mittelklasse. Von Frühsozialisten als Ausbeuterzentren, von intellektuellen Ästheten als Auswüchse eines geschmacklosen Materialismus geschmäht, errichteten die Industriestädte sich selbst neu als Monumente des Bürgerstolzes. Die grandiose Manchester Free Trade Hall beispielsweise sollte nicht nur ein Nachweis der eigenen Geschmackssicherheit sein, sie war auch steingewordenes Sinnbild der liberalen Gesinnung der Städte, der Befreiung von mittelalterlichen Traditionen wie dem Gildenwesen und feudalen Zwängen. Dass sie im Kleid der Hochgotik daherkam, empfanden die Bauherren dabei offenbar nicht als widersprüchlich.
Hunt bewältigt die selbstgesetzte Aufgabe eines umfassenden Überblicks der viktorianischen Stadtentwicklung großteils mit Bravour: Große Ingenieursleistungen wie das – bis heute in Betrieb befindliche – Abwassernetz Londons werden ebenso gewürdigt wie die Bemühungen um Volksbildung der arbeitenden Massen durch die ersten großen Kunstausstellungen in Manchester. Besonders gut gelingt es Hunt darzustellen, dass die spirituellen Strömungen der Zeit, wie das Unitariertum des legendären Birminghamer Bürgermeisters Joseph Chamberlain und das „Municipal Gospel” des Predigers George Dawson, Ausdruck fanden im hochgemuten, burgeoisen Regionalismus der Industriestädte.
Der Aufstieg der Vorstädte, er nennt ihn einen „suburbanen Tsunami”, bedeutet für Hunt denn auch den Niedergang der Großstädte des 19. Jahrhunderts: „Ganz England ist zur Vorstadt Londons geworden,” zitiert er Henry James. Gegen Ende des Buches gibt der Autor teilweise zu sehr der Versuchung nach, die Fehler heutiger Stadtplanung gegen die Leistungen der Viktorianer auszuspielen, und räumt dabei den veränderten Voraussetzungen einer globalisierten Weltwirtschaft zu wenig Platz ein. Doch das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch: Tristram Hunt hat mit „Building Jerusalem” eine beeindruckende, gut lesbare urban history des Prototyps der modernen Großstadt vorgelegt.
ALEXANDER MENDEN
TRISTRAM HUNT: Building Jerusalem. The Rise and Fall of the Victorian City. Phoenix Press, London 2005. 496 Seiten, 16,95 Euro.
Fieberhaftes gotisches Bauen: Das Midland Grand Hotel am Bahnhof St Pancras in London
Foto: Getty Images
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