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Warum fühlen wir uns so selten glücklich, wo es doch an klugen Rezepten zum Glücklichsein nicht mangelt? Der Philosoph Michael Hampe fordert in diesem Meisterstück erzählender Philosophie zu einem Gedankenexperiment auf. In vier von verschiedenen Traditionen inspirierten Essays entwickelt er Vorschläge, wie das Ziel des vollkommenen Lebens erreicht werden könnte: allein durch Verstand oder durch Spiritualität, durch skeptische Distanz zur Welt oder durch die Harmonie zwischen Menschen und Dingen. Vollkommenes Glück, vermutet Hampe, kann letztlich nur in einem Leben liegen, das sich von…mehr

Produktbeschreibung
Warum fühlen wir uns so selten glücklich, wo es doch an klugen Rezepten zum Glücklichsein nicht mangelt? Der Philosoph Michael Hampe fordert in diesem Meisterstück erzählender Philosophie zu einem Gedankenexperiment auf. In vier von verschiedenen Traditionen inspirierten Essays entwickelt er Vorschläge, wie das Ziel des vollkommenen Lebens erreicht werden könnte: allein durch Verstand oder durch Spiritualität, durch skeptische Distanz zur Welt oder durch die Harmonie zwischen Menschen und Dingen. Vollkommenes Glück, vermutet Hampe, kann letztlich nur in einem Leben liegen, das sich von Doktrinen befreit hat und deshalb der Betrachtung der Welt überlässt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Best.Nr. des Verlages: 505/23428
  • Nachdr.
  • Seitenzahl: 302
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: Nachdr. 2010. 302 S. m. Fotos.
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 135mm x 30mm
  • Gewicht: 458g
  • ISBN-13: 9783446234284
  • ISBN-10: 3446234284
  • Best.Nr.: 26366130
Autorenporträt
Michael Hampe, 1961 in Hannover geboren, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Psychologie und Biologie in Heidelberg und Cambridge. Nach Professuren in Dublin, Kassel und Bamberg ist er seit 2003 Professor für Philosophie an der ETH Zürich
Rezensionen
Besprechung von 09.11.2009
Wider die Glücksinflation
Der Philosoph Michael Hampe sucht, findet und verfehlt das vollkommene Leben
Auf dem Index der durch übermäßigen Gebrauch entleerten Wörter stünden sie weit oben: das Glück und die Meditation. Im Jahre 2009 kann es geschehen, dass zwei Fernsehköche über die richtige Zubereitung von Kastanienravioli meditieren oder dass Lebensmitteldiscounter Meditationskissen feilbieten. Man hat sich daran gewöhnt, in Buchhandlungen von hohen Türmen der Glücksratgeber drohend begrüßt und in den Zeitungen, Zeitschriften, Radiosendungen von Glücksexperten erst geweckt und dann in den Schlaf geplappert zu werden. Glück, so scheint es, ist der einzige Rohstoff, der nie versiegt. Was geschieht da? Lässt sich eine traurige Menge erklären, wie das war, damals, als das Wünschen nicht zu helfen brauchte, weil man wunschlos glücklich war?
Insofern sind die Startbedingungen für ein Buch, das „Vier Meditationen über das Glück” verspricht, eher gut und doch sehr schlecht. Das Thema ist bestens eingeführt, Interesse also vorhanden. Es wurde aber auch einigermaßen zu Tode verhandelt. Michael Hampe, Philosophieprofessor in Zürich, muss demnach auf einen besonderen Zugang verfallen, um sich sein Publikum zu bilden.
Ein deutlich akademischer Ansatz wäre keine Überraschung. Der Klappentext will diese Erwartung annonciert ein „Meisterstück erzählender Prosa, mitreißend geschrieben und von großer gedanklicher Klarheit.” Die ersten 40 Seiten verblüffen denn auch, da sie ein gelungenes stilistisches Kleinexperiment sind. Hampe imaginiert im Stile Thomas Bernhards die Selbstauskunft eines Sonderlings, dessen Glücksträume an der Universität zerschellten. Stanley Low heißt der arme Tropf, der keine Höhen kennt. Doktor der Philosophie ist er nach seinem Wechsel von der Tiermedizin geworden. Die Habilitationsschrift aber, 972 Seiten über den „semantischen Holismus von Spinoza bis Brandom”, wurde in Zürich abgelehnt. Low ist verbittert: Er sieht sich von seinem Lehrer Hartmann „zu lebenslanger Dankbarkeit und Subalternität präpariert, indem er mich mit seinem ablehnenden Gutachten zuerst akademisch ruinierte und dann mit der Pattensener Stelle in der Geste der Dankbarkeit ausstopfte. Mit Dankbarkeitsverpflichtungen gegenüber einem Vorgesetzten ausgestopft zu werden ist, was das eigene Unglück betrifft, schlimmer als umzukommen.”
Pattensen bezeichnet den Ort einer Akademie, die zu Lows Trostpreis werden sollte. Dort sinniert der gescheiterte Habilitand als Sekretär missmutig vor sich hin – bis die Akademie geschlossen wird, um „die Finanzierung des Hannoverschen Aggressionshemmungsforschungs-Exzellenxclusters” zu ermöglichen. Hampe, gebürtiger Hannoveraner, mag ähnlichen Absurditäten begegnet sein; am Wahnsinn und nicht stets an der Methode erkennt man schließlich die bildungspolitische Mittelverwendung. Letztes Lebenszeichen der Akademie war ein Wettbewerb zur Frage „Kann das menschliche Leben vervollkommnet werden und wenn ja, auf welchem Weg können die Menschen das Glück finden?”
Schon die Frage sei falsch gestellt, könnte die Erwiderung im Politikerslang lauten. Wieso soll das optimierte das glückliche Leben sein? Ist Glück im philosophischen Sinne nicht Kompetenz im Umgang mit Unvollkommenheiten? Dennoch bewarben sich laut dem fiktiven Szenario genügend kluge Köpfe, sodass Stanley Low jene Beiträge auswählen konnte, die den Korpus des Buches bilden, die „Meditationen”. Michael Hampe schlüpft in vier weitere Alias-Figuren, um verschiedene Modi des Nachdenkens über Glück durchzuspielen. Ein Physiker, eine Philosophin, ein Psychoanalytiker, ein Soziologe vertreten ihren Standpunkt „auf eine bestimmte Weise, die mich von diesem Standpunkt als dem richtigen zumindest eine Zeitlang überzeugte”, so Low.
Das Ich knechtet die Seele
Die Zeit der postmodernen Rollenspiele, wie sie Foucault forcierte, ist vorbei. Im Nachwort sagt Hampe zu Recht, die Methode der „entdeckenden und zeigenden Beschreibung verschiedener philosophischer Standpunkte” sei „nicht mehr verbreitet.” Sie ergebe sich jedoch unmittelbar aus der von Stanley Cavell übernommenen Einsicht, „dass die Anerkennung von Differenzen die Grundvoraussetzung des Glücks ist und die Unfähigkeit, Differenzen zu akzeptieren, der erste Schritt ins Unglück.” Insofern will auch dieses Buch glücklich machen. Es soll durch seine Form die Vielstimmigkeit lieben lehren und so Glück hervorrufen.
Schon der erste Beitrag stellt sich zwischen Vorsatz und Durchführung. Den Physiker aus Cambridge lässt Hampe Glück als Selbstkontrolle definieren, wofür wiederum einzig Technik und Naturwissenschaft zuständig seien. Gewiss, im Dunstkreis der Neo- und Transhumanisten las man schon, dass der Mensch ein Fahrzeug sei, in dessen Blutbahn Nanodetektoren eingeschleust werden sollten, um mentale Erregungszustände messen und manipulieren zu können, oder dass Blinde sehen, Taube hören, Lahme gehen werden, „weil Menschen in Tausenden von Laboratorien rastlos nach Erkenntnis streben und Techniker diese Erkenntnis zum Nutzen aller umsetzen.” Alles in allem aber sind diese Ausführungen zu naiv und zu etatistisch, als dass sie das Siegel des Stanley Low verdienten.
Der zweite Text, einer indischen Philosophin zugeschrieben, ist als Konterpart gedacht. Dem Lobpreis der Materie folgt die Besinnung auf den Geist. Glück als Sorgenfreiheit lasse sich nur realisieren, wenn man die lebendige Gegenwart ungeteilt wahrnehme und das Ichbewusstsein schwäche. Es sind demnach die endlosen Verweisungszusammenhänge, die dem Glück im Wege stehen, es ist das Ich, das die Seele knechtet. Auch folgten die kapitalistischen Gesellschaften mit ihrem „Reichtums-, Macht- und Lustirrtum” drei falschen Götzen. Ein wenig klingt diese Philosophie nach Glückskeks statt Glück, nach Ashram statt Analyse. Im Gegensatz zum hochtourigen Physiker aber entwickelt die Philosophin einen Gedanken aus dem vorhergehenden und ist stets um Vertiefung des Gesagten bemüht. Zuvor waren mechanisch Technologien aufeinander getürmt worden, den Bestsellerbergen in den Buchhandlungen gleich.
Postmoderne Hoffnung
Drittens und viertens imaginiert Hampe einen nihilistischen Psychoanalytiker aus Chile und einen empiristischen Soziologen aus Cambridge. Der Chilene hat Hobbes, Freud und Kertesz gelesen, weshalb er sich wahres Glück nicht vorstellen kann. Es könne nur im Abschied von allem Glücksverlangen liegen. „Suchen wir die Wahrheit und ihre Schönheit statt das Glück!”, lautet der Appell – dem ein Gedicht von Ernst Jandl nachgestellt ist.
Der Soziologe beschließt den Reigen der Aufsätze, die tief eintauchen in den jeweiligen Denkstil, aber auf erzählende Elemente verzichten und keineswegs mitreißend geschrieben sind. Im soziologischen Ansatz lässt sich Glück, verstanden als „intensive und kontrastreiche, aber nicht bedrohliche und weitgehend konfliktfreie Erfahrung”, nicht herstellen. Wohl aber könne man die Geneigtheit erhöhen. Hierzu gelte es die unentwirrbare Verwobenheit von Natürlichem, Menschlichem, Technischen anzuerkennen. Glück muss demnach ein Beziehungsphänomen sein ohne Einseitigkeit.
Low stirbt einen dramatischen Tod. Er stürzt in den Schweizer Alpen in die Tiefe, freiwillig oder nicht. Einen befreundeten Gärtner lässt Hampe den Nachruf schreiben, der zur Hymne auf Vielstimmigkeit anschwillt, dem Credo auch des Autors: „Wäre es möglich, durch ein Beschreiben von Differenzen dem Unglück der Vereinheitlichung und des Vergleichs Einhalt zu gebieten?” Dann, so die finale, fast wieder postmoderne Hoffnung in diesem Buch, dann brächen auch an den Universitäten glückliche Tage an: Tod der Benchmark, Friede der Vielfalt! ALEXANDER KISSLER
MICHAEL HAMPE: Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück. Carl Hanser Verlag, München 2009. 304 Seiten, 21,50 Euro.
Liegt das Wohlbefinden vielleicht allein im Nachsinnen über das Glück? Foto: T. Hirsch / OKAPIA / SZ Photo
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 02.12.2009
Lob der standpunktlosen Weltteilhabe
Viel Kluges über die Grenzen des Glücks: Michael Hampes Meditationen umkreisen das vollkommene Leben

Hier haben wir es mit einem Exemplar der Massenware "Glücksbuch" zu tun, das die Aufmerksamkeit verdient. Seine Protagonisten, der Philosoph Stanley Low und der Gärtner Gabriel Kolk, sind ebenso wie die von Low versammelten vier Meditationen über das Glück Geschöpfe des Zürcher Philosophen Michael Hampe. In seinem Nachwort bekennt sich Hampe zu einer "deskriptiven Philosophie der Verschiedenheiten", die sich auf ein "anerkennendes Zeigen von Unterschieden" beschränkt und sich von den Verlockungen einer "vereindeutigenden Philosophie, die immer, auch zwischen grundlegenden Standpunkten oder verschiedenen Registern des Lebens, zu entscheiden versucht", fernhält.

Nur solange man glaube, eine bestimmte theoretische Erkenntnis erreichen zu müssen, um glücklich zu werden oder einen Lebenssinn zu finden, könne man auch meinen, man könne mit Behauptungen darüber Auskunft geben, worin das Glück oder der Sinn bestehe. Aber nicht irgendwelche Überzeugungen machten glücklich, "sondern nur die Fähigkeit, in der Welt neben den anderen, fremden Wesen vorzukommen, so dass man die Welt nicht lediglich von außen betrachtet oder das Fremde in ihr wegerklärt und wegbewertet, indem man sich mit einer Beurteilungsskala von ihr distanziert und zum Richter ihrer Individuen aufspielt".

Wer empfindet nicht eine spontane Sympathie für so viel Takt und Bescheidenheit? Dennoch steht Hampes neoromantische Feier der standpunktlosen Weltteilhabe philosophisch auf einigermaßen schwachen Füßen. Wir Menschen kommen nicht einfach in der Welt vor, sondern wir sehen uns in ihr vorkommen, an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, mit einem begrenzten Sehfeld. Deshalb sind wir, Segen und Fluch des Bewusstseins, zur Einsicht in die Unhintergehbarkeit des Perspektivismus verurteilt. Mögen wir glücklich oder unglücklich sein, wir sind es stets als Wesen, die einerseits nicht nur standpunktgebunden sind, sondern prinzipiell auch um ihre Standpunktgebundenheit wissen, denen es aber andererseits verwehrt ist, den von ihnen eingenommenen Standpunkt lediglich als Ausdruck einer ästhetisch interessanten Möglichkeit zu behandeln.

Dem steht schon die Endlichkeit des Lebens entgegen. Sie gibt allem, was wir tun, einen Ernst, der sich zwar zeitweilig verdrängen, aber nicht dauerhaft abschütteln lässt. Gegen die gläubige Inhalation irgendwelcher Ratgeberformeln ist leicht polemisieren, desgleichen gegen die selbstgefällige Überhöhung des eigenen Lebensentwurfs zum Inbegriff der Weltvernunft.

Bei der Bewältigung der Aufgabe, die genealogische Kontingenz unserer Standpunkte mit deren Anspruch auf existentielle Verbindlichkeit zu versöhnen, hilft uns Hampes Rat, das blasse Theoretisieren über das Glück gegen ein theorieloses Vorkommen in der Welt einzutauschen, nicht weiter. Dass Hampe, nachdem er das Personal seines philosophischen Romans zuvor viel Kluges über Voraussetzungen und Grenzen menschlichen Glücks hat sagen lassen, am Ende sein Heil in einem begrifflich unterkomplexen Eskapismus sucht, ist ebenso überraschend wie enttäuschend. Aber vielleicht wäre ein perfektes Buch über das Glück ja auch einfach zu viel des Glücks.

MICHAEL PAWLIK.

Michael Hampe: "Das vollkommene Leben". Vier Meditationen über das Glück. Carl Hanser Verlag, München 2009. 303 S., geb., 21,50 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Vor der Lektüre von Michael Hampes "Das vollkommene Leben" wollte Rezensent Oliver Pfohlmann noch, dass man doch hundert Jahre lang über das Glück schweigen möge, so erschlagen war er von der Vielzahl an Glücksabhandlungen und -ratgebern seit Platon. Mit Michael Hampe aber vollzieht Pfohlmann die Kehrtwende. Hampes Glücksgespräche begeistern Pfohlmann, und zwar weil er die fiktiven Gespräche zwischen Physikern, Psychoanalytikern, Analytikern und Spirituellen gelungen findet. Zum einen literarisch - die fiktionale Rahmung des Buchs mit Herausgeber und Sekretär vergnügt Pfohlmann -, zum anderen philosophisch. Das Nebeneinander der Stimmen und die Standpunktlosigkeit, die Hampe im Rückgriff auf den Philosophen Stanley Cavell entwickelt, gerinnen zur Glücksformel schlechthin, erzählt Pfohlmann. So endet auch seine Rezension mit dem Idyllenbild nicht konkurrierender, sondern sich gegenseitig beflügelnder Jazzmusiker.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Es gibt viele Bücher darüber, wie man glücklich wird. So gescheit wie "Das vollkommene Leben" des Zürcher Professors Michael Hampe sind aber nur wenige. [...] Er entwickelt darin eine raffinierte Vielstimmigkeit, eine Auffächerung des Themas Glück, wie es sich für eine ausdifferenzierte Gesellschaft gehört." Guido Kalberer, Tages-Anzeiger Zürich, 07.08.09 "Zu den vielen Vorzügen dieses wundervollen Buches gehört es, dass sein Autor den auftretenden fiktiven Figuren sympathisch ernsthafte, überzeugende Stimmen verleiht." Oliver Pfohlmann, Neue Zürcher Zeitung, 15.10.09 "Zweifellos eines der anregendsten Bücher der Saison." Julian Schütt, DU, 11/09 "Ein Loblied der Vielstimmigkeit." René Aguigah, Literaturen, 11/09 "Michael Hampe beschert dem Leser das Glück, einen Philosophieprofessor zu lesen, der erzählen kann." Wolf Lepenies, Die Welt, 05.12.09 "Viel Kluges über die Grenzen des Glücks." Michael Pawlik, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.09 "Die sich hier offenbarende Erzählkraft und Poesie des mit allen akademischen Wassern gewaschenen Autors Hampe, macht "Das vollkommene Glück" zu einem Glücksfall eines unakademischen Buches." Kirstin Breitenfellner, Falter, 25.12.09 "Virtuos komponiert, glasklar geschrieben..." Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 24.01.10