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Heideggers "Überlegungen", die erste Reihe der "Schwarzen Hefte", sind erschienen und haben ein außergewöhnliches Medienecho verursacht. Mit dieser Veröffentlichung wächst Heideggers Schriften eine neue Dimension zu. Doch die philosophische und akademische Auseinandersetzung steht erst noch bevor. Oft wurde bemerkt, mit welcher großen Anteilnahme jüdische Philosophinnen und Philosophen dem Werk Martin Heideggers begegneten. Gab und gibt es hier eine besondere Nähe? Die "Überlegungen" zeigen, dass in einer bestimmten Phase seines Denkens antisemitische Ideen die "Geschichte des Seins" belagern.…mehr

Produktbeschreibung
Heideggers "Überlegungen", die erste Reihe der "Schwarzen Hefte", sind erschienen und haben ein außergewöhnliches Medienecho verursacht. Mit dieser Veröffentlichung wächst Heideggers Schriften eine neue Dimension zu. Doch die philosophische und akademische Auseinandersetzung steht erst noch bevor. Oft wurde bemerkt, mit welcher großen Anteilnahme jüdische Philosophinnen und Philosophen dem Werk Martin Heideggers begegneten. Gab und gibt es hier eine besondere Nähe? Die "Überlegungen" zeigen, dass in einer bestimmten Phase seines Denkens antisemitische Ideen die "Geschichte des Seins" belagern. Dabei scheinen die "Protokolle der Weisen von Zion", diese erste Quelle des modernen und postmodernen Antisemitismus, die Hauptrolle zu spielen. Peter Trawny geht in seiner Studie der Frage nach, welche Bedeutung dieser geistige Schiffbruch für das gesamte Heideggersche Denken hat. Die 3. Auflage ist erweitert um ein Kapitel "Vernichtung und Selbstvernichtung" zur apokalyptischen Reduktion der Geschichte in den "Schwarzen Heften". Ebenso enthalten ist ein Kapitel zum Verhältnis Heideggers zu Husserl, das für die 2. Auflage neu hinzugekommen war.
  • Produktdetails
  • Klostermann RoteReihe 68
  • Verlag: Klostermann
  • 3., überarb. u. erw. Aufl.
  • Seitenzahl: 144
  • Erscheinungstermin: Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 200mm x 121mm x 15mm
  • Gewicht: 154g
  • ISBN-13: 9783465042389
  • ISBN-10: 3465042387
  • Artikelnr.: 42237193
Autorenporträt
Trawny, Peter
Peter Trawny ist Leiter des Martin-Heidegger-Instituts an der Bergischen Universität Wuppertal und u.a. Herausgeber der "Schwarzen Hefte".
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.03.2014

Die Endschlacht der planetarischen Verbrecherbanden

Jetzt liegen auch die Schwarzen Hefte von Martin Heidegger vor, in denen sich seine antisemitischen Notizen finden. Was führte den Philosophen zu ihnen?

War Martin Heidegger ein Nationalsozialist? Die Antwortet lautet schon lange: ja. Wer wie er am 1. Mai 1933 in die NSDAP eintrat und öffentlich Sätze sagte wie "Das Deutsche Volk ist jetzt dabei, sein eigenes Wesen wieder zu finden und sich würdig zu machen eines großen Schicksals", wer sich außerdem privat notierte "Wir wollen der Bewegung und ihrer Richtkraft Möglichkeiten der Weltgestaltung und der Entfaltung vorbauen", und wer sich einem "geistigen Nationalsozialismus" zuordnet, dessen Aufgabe es sei, den Geist des Bürgertums zu zerstören - der war offenkundig Nationalsozialist.

War Martin Heidegger Antisemit? Die Antwort lautet spätestens von heute an: ja. In seinen "Überlegungen", die Heidegger von 1938 bis 1941 in die sogenannten Schwarzen Hefte eintrug, findet sich eine ganze Reihe von Bemerkungen zum Judentum, die keinen anderen Schluss erlauben (siehe unseren Zitatkasten unten). Wer einer ganzen "Rasse" nicht nur Eigenschaften wie "Bodenlosigkeit", "Weltlosigkeit" und "rechenhafte Begabung" zuschreibt, sondern das "Weltjudentum" auch als handlungsfähiges Kollektiv wahrnimmt, das "nach dem Rasseprinzip" lebe, eine "zähe Geschicklichkeit des Rechnens und Schiebens und Durcheinandermischens" zeige und im Kampf mit den Deutschen dem Handlungszweck "Entwurzelung alles Seienden aus dem Sein" folge - der erfüllt hinreichend viele Kriterien für Antisemitismus.

War der Antisemitismus ein zentrales Motiv im Denken Martin Heideggers oder eher ein seiner Philosophie äußerlicher Tribut an den Zeitgeist, ein typisches kulturkritisches Stereotyp? Diese Frage muss gestellt werden, denn beides ist behauptet worden. Die Antwort lautet: weder das eine noch das andere.

Um das zu erläutern, muss man etwas ausholen. 1240 Seiten liegen vor uns. So umfangreich sind Martin Heideggers "Überlegungen II-XI", die er von 1932 an in den Schwarzen Heften - die so heißen, weil sie eben schwarz eingebunden waren - festgehalten hat. Die Bände 95 und 96 der Gesamtausgabe, in denen Aufzeichnungen von 1938 bis 1941 mitsamt jenen antisemitischen Äußerungen stehen, sind heute herausgekommen. In der Zeit von 1932 bis 1941 hält der Philosoph in Freiburg Vorlesungen, deren Niederschriften sich in der Gesamtausgabe auf 4000 Seiten belaufen. Außerdem schreibt er Abhandlungen, die unveröffentlicht bleiben: noch einmal etwa 2000 Seiten. Schließlich das Veröffentlichte jener Jahre: beispielsweise die Aufsätze "Der Ursprung des Kunstwerkes", "Die Zeit des Weltbildes" und "Platons Lehre von der Wahrheit". Es ist wohl nicht zu knapp geschätzt, wenn man überschlägt, dass Heidegger in jenen elf Jahren etwa 7500 druckfähige Manuskriptseiten zustande gebracht hat; etwa zwei an jedem Tag.

Druckfähig, denn auch was in die Schwarzen Hefte einging, waren keine tagebuchartigen Notizen, keine Gedankenstenogramme. Ihr Herausgeber, der Wuppertaler Philosoph Peter Trawny, weist in seinem sehr lesenswerten Band über den Mythos der jüdischen Weltverschwörung bei Heidegger darauf hin, dass dessen Manuskript wie eine Reinschrift wirkt. Heidegger streicht fasst nie etwas durch, korrigiert sich nur selten - die "Überlegungen" müssen als ausgearbeiteter Text gelesen werden.

Nur in diesem Text finden sich bislang explizit antisemitische Äußerungen Heideggers. In seinen Vorlesungen und Schriften hingegen nicht, sieht man von einem nicht von ihm selbst angefertigten Seminarprotokoll aus dem Winter 1933/34 ab. Dort wird von ihm der Satz berichtet, "den semitischen Nomaden" werde "die Natur unseren deutschen Raumes ... vielleicht überhaupt nie offenbar". Das Heidegger-Jahrbuch hat diesen Text abgedruckt, die Siegener Philosophin Marion Heinz hat Heideggers Seminar über "Wesen und Begriff von Natur, Geschichte und Staat" dort als Versuch kommentiert, dem Nationalsozialismus philosophische Legitimität zu verschaffen (Band 4 und 5, beides erschienen im Karl Alber Verlag, Freiburg 2009).

Der Schwindel vom anderen Anfang

Merkwürdig genug aber hält sich Heidegger, was Rassismus und Antisemitismus angeht, in seinen öffentlichen Äußerungen zwischen 1933 und 1945 extrem zurück. Und das, obwohl ihm Funktionäre der NSDAP und Organe des NS-Staates mehrfach deutlich gemacht hatten, dass sie positive Stellungnahmen zur "Rassenfrage" von ihm vermissten. Von offizieller Seite bestand der Argwohn, dass Heidegger einen "Privatnationalsozialismus" pflege. Er hat ihn nicht zerstreut.

In den Schwarzen Heften wiederum, soweit sie bislang ediert sind, finden sich Sätze über das Judentum an nicht viel mehr als einem Dutzend Stellen und gar nicht vor 1938. Es kann insofern nicht die Rede davon sein, dass der Antisemitismus ein zentrales und durchgehendes Motiv von Heideggers Denken jener Jahre war.

Was den Nationalsozialismus angeht, liegt die Sache anders. Anders als es beispielsweise das soeben erschienene, ansonsten sehr verdienstvolle Heidegger-Handbuch von Helmuth Vetter noch sieht, war das Engagement des Philosophen nicht nur eines, das einer Erneuerung der Universität aus dem Geist des vermeintlichen nationalen Aufbruchs galt. Die Schwarzen Hefte lassen wenig Zweifel daran, dass er sich vom NS-Staat viel mehr erhoffte: eine Beseitigung aller zivilisatorischen Hohlheiten, eine "Vernichtung der Neuzeit", eine Verwirklichung seiner philosophischen Phantasie vom neuen Anfang in der "Seynsgeschichte" (er schreibt das Wort für das Ganze seit 1931/32 zunehmend oft mit "y"). Dazu entwickelt er jeweils eigene Begriffe von Rasse, Volk, Geschichte, Macht, Deutschland, Universität, die dann zusammen fast eine Privatsprache ergeben. Kein Philosoph hat in seinem Werk darum auch so viele Anführungszeichen wie Heidegger.

Heidegger glaubte allen Ernstes, die destruktiven Mächte des NS würden die echten Worte praktisch zur Geltung bringen und gälten der Beseitigung jenes unangemessenen Verhaltens zur Welt als Ganzes, die er in Verstädterung und Unterhaltungsindustrie repräsentiert sah, in Technik, Massenmedien und bürgerlichem Kulturbegriff, im Christentum wie in der empirischen Forschung. Ein ziemlich umfassendes Paket, das er später mit der Aufschrift "Machenschaften" versieht.

Erst ab 1938 nehmen in den Heften die Einträge deutlich zu, die zeigen, dass er sich dieses Irrtums bewusst wird. Oder genauer: dass ihm klar wird, dass die Nationalsozialisten auch zur Geschichte der Neuzeit und zu der eines Ausstieges aus ihr gehören. Er habe, notiert er 1941, "den Nationalsozialismus für die Möglichkeit eines Übergangs in einen anderen Anfang gehalten". Das führt ihn aber nicht zur Einsicht in den Mythos der absoluten Anfänge - im Gegenteil: Es ergebe sich aus dieser Täuschung über den Nationalsozialismus "die Notwendigkeit seiner Bejahung und zwar aus denkerischen Gründen". Man kann hier an Intellektuelle denken, die umso lieber an der Utopie des Sozialismus oder der Marktwirtschaft festhalten, je weniger irgendeine Wirklichkeit ihr zu entsprechen vermag.

Nun hält Heidegger fest, dass die Hetze gegen den "Intellektualismus" nicht viel wert ist, wenn sie von Leuten erfolge, die derselben "Machenschaft" anhängen, und dass "Blut und Boden" nur eine "aufgedonnerte Redensart" ist, wenn zugleich der Rundfunk in den Dörfern vordringt. (Dass im Zuge von Bleibeverhandlungen, deren Motiv er in "Warum bleiben wir in der Provinz?" per Rundfunk als solche der Bodenhaftung im Ursprünglichen verkaufte, seine Todtnauberger Hütte elektrifiziert wurde, ist nur eine, aber immerhin hübsche Anekdote zu einer privaten Version dieser Doppelmoral.)

Das Allerschlimmste ist Historie

Die eigenen aufgedonnerten Redensarten von 1933/34 hatte Heidegger bei all dem nicht mehr im Ohr. Denn Einwände, gar Vorwürfe macht sich er nie; der Irrtum seiner Freiburger Rektoratsrede von 1933, notiert er, sei gewesen, einer Anstalt Besinnung zuzumuten. In vergleichbarem Sinn formuliert er später: "Regieren (rex) heißt Königsein: aus solchem Sein königlich handeln." Heute gebe es hingegen nur noch behördliches Verwalten. Er philosophiert sich also völlig anschauungsfrei einen Begriff zusammen, erlebt eine abweichende Wirklichkeit und zieht sich daraufhin als Regent in sein erfundenes Reich zurück, in dem er mangels Mitbewohnern das zweifelhafte Privileg der Alleinherrschaft genießt.

Doch zurück zur Frage des Antisemitismus. Es sind zunächst nicht in erster Linie Personengruppen oder Ethnien, denen die Angriffe Heideggers in den Schwarzen Heften gelten. Sofern er nicht - in unglaublicher Redundanz und fast ohne jede Entwicklung - der Aufgabe der Philosophie nachdenkt, dem Sein zu entsprechen, die Stille zu bedenken, an Hölderlin sowie die griechischen Anfänge des Denkens zu erinnern und dadurch (!) die Ankunft von Göttern vorzubereiten, attackiert er vor allem die Kulturpolitik - also den staatlich begünstigten Einsatz von Geist wie Kunst zu Konsumzwecken -, die Wissenschaften und die Massenmedien. Dabei reserviert er sich auch die Kritik daran. Die Zeitungsschlagzeile "Die Welt erlebt Schmeling" kommentiert er so: Schlimmer als Kultur als Erlebnisveranstaltung sei der christliche Widerstand dagegen. Denn der christliche Kulturbetrieb, wird erwogen, sei vielleicht "nur die als Lichtseite ausgegebene Kehrseite dessen ... was der Bolschewismus als Kulturzerstörung betreibt".

Besonders der Historismus wird über Hunderte von Seiten hinweg immer wieder als Grundübel bezeichnet. Eine Bemerkung, die er mehrfach macht, lautet: "Die Technik ist die Historie der Natur", was heißt, dass sich die Technik in der Natur genauso zerstörerisch auswirkt wie die Historie in der Geschichte und ihr genauso inadäquat ist. Das Motiv für dieses Urteil liegt auf der Hand: Heidegger kann verständlicherweise Kenntnisse über die von ihm negativ wie positiv stereotypisierten Epochen nicht gebrauchen. So wenig wie "Kunsthistorie", die er einmal als das Allerschlimmste bezeichnet. Warum? Weil sie einem Philosophen, der behauptet, van Gogh habe Bauernschuhe gemalt, eventuell demonstrieren könnte, dass es van Goghs eigene Schuhe waren?

Endreinigung des Seins inbegriffen

Es geht eine erhebliche Aggressivität durch den Text, der in vielen Passagen zu verstehen gibt, was alles zugrunde gehen müsste, damit ein dem "Seyn" entsprechendes Verhalten aufkommen könnte. Was in den Anfängen Heideggers als destruktive Interpretation von Texten, die von ihren verharmlosenden Überformungen befreit werden sollten, erschien und eine halbe Generation deutscher Philosophiestudenten an ihn band, wird hier giftig. Dass durch höchste Vollendung der Technik "sich die Erde selbst in die Luft sprengt und das jetzige Menschentum verschwindet", ist für Heidegger, der es abzusehen meint, "kein Unglück", sondern "die erste Reinigung des Seins von seiner tiefsten Verunstaltung durch die Vormacht des Seienden." Es geht ein erheblicher Hass durch den Text. Peter Trawny spricht von einem "seinsgeschichtlichen Manichäismus".

Für jene Reinigung des Seins sah Heidegger als Reinigungskräfte die Deutschen vor, deren Bestimmung mit dem "Geschick des Abendlandes" zusammenhänge. Ohne dass er noch große Hoffnungen darauf setzte, frischt sich dieses Phantasma in den "Überlegungen" mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs auf. Nun gibt es vor allem einen Feind: die Engländer. Die sind sogar ein ganzes Feindkonglomerat: "Die bürgerlich-christliche Form des englischen ,Bolschewismus' ist die gefährlichste." Denn sie haben die Maschine, die Demokratie und den Utilitarismus erfunden, der in den Pragmatismus mündet. Heidegger lässt wirklich keine Denkmöglichkeit unversucht: "Kann es Zufall sein, dass mein Denken und Fragen im letzten Jahrzehnt einzig in England stets abgelehnt und auch keine Übersetzung versucht wurde?"

Und hier erst verdichten sich die Passagen über das Judentum. Im Kampf zwischen Deutschen, "Russentum", Bolschewismus und Amerikanismus sind die Juden für Heidegger ein Teilnehmer. In diesem Zusammenhang macht er die niederträchtige Bemerkung, der Nationalsozialismus wende "uneingeschränkt" dasjenige "Rasseprinzip" an, das die Juden schon lange praktizierten - wollte sagen: die Nürnberger Gesetze "zum Schutze des deutschen Blutes", wie es im Gesetzestitel hieß, sind eine radikale Variante der (unterstellten) Endogamie im Judentum. Deswegen (!) wehrten sich die Juden dagegen. Heidegger nimmt also, in den Worten Trawnys, eine "seinsgeschichtliche Konkurrenz" zwischen beiden an. Dass es deutsche Juden gibt und dass "Nationalsozialisten" kaum die Bezeichnung einer Ethnie sein kann, gerät in diesem ebenso widerwärtigen wie absichtsvollen Begriffsdurcheinander ohnehin aus dem Blick.

Der Antisemitismus Heideggers erscheint hier also unabweisbar. Zugleich zeigt er sich als Element einer privaten Mythologie planetarischer Verbrechergruppen - Engländer, bürgerliche Christen, aber auch ungeistige Nationalsozialisten, die sich zu den Deutschen verhalten wie die Bolschewisten zu den Russen -, die eine Schlacht ums Überleben und gegen das "Seyn" austragen.

Diese Mythologie wird erst akut und verdichtet sich bei Heidegger im Zuge des Zweiten Weltkriegs. Im engeren Sinne handelt es sich nicht um Philosophie, denn es gibt weder Argumente noch Reflexion. Heidegger genügen ein paar hingeworfene Sprüche. Mehr gab es dazu wohl auch nicht. Und obwohl der Herausgeber der Schwarzen Hefte recht haben dürfte damit, dass sie auf eine Veröffentlichung hin geschrieben wurden, bleibt es rätselhaft, welche Leser sich Heidegger für diese schlechte und in vielen Passagen auch böse Literatur der Gattung "Non-Science-Fiction" vorgestellt haben mag. Heute sind die "Überlegungen" jedenfalls nur noch ein historisches Dokument. Insofern geschieht es diesen Werken Heideggers recht, wenn fast nur noch über ihren Autor und nicht mehr mit ihnen diskutiert wird.

JÜRGEN KAUBE

Peter Trawny (Hrsg.): Martin Heidegger Gesamtausgabe IV. Abteilung: Hinweise und Aufzeichnungen. Bd. 95: Überlegungen VII - XI. Bd. 96: Überlegungen XII - XV.

Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt a.M. 2014. Bd. 95, 456 S., br., 48,- [Euro]. Bd. 96, 286 S., br., 37,- [Euro].

Peter Trawny: "Heidegger und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung".

Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt a. M. 2014. 106 S., br., 14,80 [Euro].

Helmuth Vetter: "Grundriss Heidegger". Ein Handbuch zu Leben und Werk.

Felix Meiner Verlag, Hamburg 2014. 560 S., geb., 68,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.03.2014

Ein Äußerstes von Verschweigung
Martin Heideggers Denktagebücher aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren, seine „Schwarzen Hefte“,
sie erhellen die Selbstüberhöhung des deutschesten aller Philosophen ins Totalitäre
VON THOMAS MEYER
Noch keine 50 Jahre alt war der Freiburger Philosophieprofessor Martin Heidegger, als er 1937 und 1938 seinen Denkweg nachzeichnete, Bücher, Vortrags- und Vorlesungsmanuskripte, ausgearbeitete Abhandlungen und Notizen zugleich sachlich und wertend miteinander in Beziehung setzte und sich dabei vergewisserte, wie all das, einschließlich der Publikationsstrategie, fortzusetzen sei. Gestärkt vom Gefühl, wie er seinem Bruder Fritz 1948 schrieb, den „eigentlichen“ Durchbruch bereits 1936 geschafft zu haben, glaubte er von nun an, die abendländische Philosophie in ein seins- und ereignisgeschichtlich geläutertes, vom Ballast der Geschichte und ihrer Verfallsform, dem Historismus, gereinigtes „Denken“ überführen zu können.
  Im ständigen, zu Revisionen bereiten Rückgriff auf das Hauptwerk „Sein und Zeit“ (1927) ging es nur noch um die eine Frage: nämlich um die Frage nach dem
„Seyn“ und darin eingeschlossen, wie sich dieses „Seyn“, das sich schon äußerlich vom „Sein“ der Tradition absetzte, in seinem komplexen Verhältnis zum Seienden denken ließe. Dieser bei wenigen auserwählten Vorsokratikern ansetzende und notwendig gewordene „andere Anfang“ war aus einer exklusiven Einsicht gewonnen worden. Heidegger sah die Neuzeit alles in den Dienst des rechnenden Denkens stellen, eine Verfehlung, die ihren Ursprung in Platon und Aristoteles hatte, von Descartes auf den Punkt gebracht wurde und schließlich von Hegel und Nietzsche fortgeschrieben wurde.
  Innerhalb dieser Konstellationen haben die jetzt unter dem von Heidegger selbst gewählten Titel „Überlegungen“ veröffentlichten „Notizbücher“ einen genau angegebenen Ort: „Was in diesen Notizbüchern (. . . ) festgehalten ist, gibt zum Teil auch immer die Grundstimmungen des Fragens und die Weisungen in die äußersten Gesichtskreise der denkerischen Versuche. Scheinbar je nach Augenblicken entstanden, enthalten sie den Zug der unausgesetzten Bemühung um die einzige Frage.“
  Erstmals im Vorlesungsmanuskript des Sommersemesters 1932 finden sich Hinweise auf die „Überlegungen“. Mit dem vier Jahre später begonnenen und 1938 abgeschlossenen Konvolut, dem Heidegger den „öffentlichen Titel: Beiträge zur Philosophie und den wesentlichen Titel: Vom Ereignis“ gab, sind die „Überlegungen“ Teil des Werkes. Sie klären auf, verdeutlichen, präzisieren, geben Leseanweisungen und führen aus, was ansonsten nur angedeutet ist. Die „Beiträge“ wurden 1989 veröffentlicht, das heißt, wir wissen seit 25 Jahren von den „Überlegungen“. Doch erst jetzt kann man deren Bedeutung für Heideggers Denken tatsächlich überprüfen.
  Bereits die Veröffentlichung der ersten drei Bände – mindestens sechs weitere werden folgen – von in schwarzes Wachstuch gebundenen, für die Jahre von 1931 bis 1941, 1945 bis Anfang der Siebzigerjahre überlieferten, dabei zeitweise zeitgleich geführten insgesamt wohl maximal 37 „Notizbüchern“, gibt der „Gesamtausgabe“ eine klare Kontur. Das heißt natürlich nicht, dass sich die bislang vorliegenden 30 000 Seiten erst dank der „Überlegungen“ begreifen lassen. Oder dass sie eine Art „Höhepunkt“ seines Schaffens bedeuten. Dennoch gilt: Mit den „Überlegungen“, vor allem mit den die Jahre 1938 bis 1941 umfassenden Bänden und den umfänglichen Studien der Dreißiger- und Vierzigerjahre, lässt sich der Kern von Heideggers Denkbewegung freilegen.
  Warum? Die „Überlegungen“ folgen ebenso wie die parallel entstandenen Schriften der Idee der „Leitfrage“, also der nach dem „Seyn“, während die „Grund-Frage“ die nach der „Wahrheit“ des „Seyns“ ist. Um nicht nur die Abgrenzungen des neuen Denkens gegenüber der bisherigen Philosophie vollständig in den Blick zu bekommen, sondern um auch das eigene Vorhaben voranzutreiben, formuliert Heidegger seine Einsichten stets doppelt: einmal in kritischer Absicht, einmal in konstruktiver, radikal anderer Form und Sprache.
  Wenn er einen Text über das sogenannte Ereignis schreibt, dann dient der Hinweis auf die „Überlegungen“ dazu, den Leser vor dem Gefühl zu bewahren, er habe schon alles verstanden. So heißt es erläuternd zum „Ereignis“: „Das Höchste, was zu sagen sein muß, muß ein Äußerstes von Verschweigung werden. Die Verschweigung eigentlich als Er-schweigung. Aber ist die Logik der Erschweigung denn nicht der Verrat von allem und des Nichts? Gewiß – wenn sie wie die bisherige Logik
‚gelesen‘ und befolgt würde.“ Die „Überlegungen“, so das genau kalkulierte Verweissystem, sollen es in einer zeitgleichen Auf- und Abwärtsbewegung möglich machen, die alten Gleise zu verlassen, um auf den neuen Gleisen mitfahren zu können.
  Das ist nicht nur alles auf den ersten Blick unverständlich, es soll es auch sein. Das Betreten des Heideggerschen Spiegelsaales macht eine einfache Entscheidung möglich: Entweder man rennt hinaus, weil man das Ganze sowieso für Blödsinn hält – es sind bei Weitem nicht die Dümmsten, die das getan haben. Oder man läuft mit Heidegger durchs selbst entworfene Labyrinth, gelangt vielleicht zur „Lichtung“, wenn sich das „Seyn“ denn einmal wieder zeigen sollte, nachdem es zuletzt Hölderlin erschienen war, und kann dann ein Urteil fällen, ob das „Denken“ tatsächlich aus dem bisherigen und immer schlimmer werdenden Desaster der neuzeitlichen Verfehlungen herausführen könnte. Das klingt nach Oberseminar, nach verstiegener Denkübung, nach einem Konstrukt, mit dem einer verhindern will, dass ihm andere folgen können. Und die wenigen, die es dann doch tun, werden vor immer neue Hürden gestellt, um am Ende festzustellen: Bestenfalls ist der Weg das Ziel. Doch dabei darf man es in keiner Weise bewenden lassen – Heidegger war immer sehr ernst. Und wir sollten es nicht minder sein.
  Von Beginn an sind Ressentiments, tiefere Einsichten und einzigartig faszinierende Analysen der philosophischen Tradition mit einer Tendenz zur Kulturkritik und einer schwer zu durchschauenden Rhetorik verknüpft. Als Heidegger bei der Nachfolge für den Lehrstuhl von Ernst Troeltsch in Berlin auf Platz drei gesetzt wird, zog man im Protokoll der Berufskommission Dezember 1929 daraus den Schluss: „Viel genannt wird neuerdings der Name Martin Heideggers. Ist auch der wissenschaftliche Wert seiner bisherigen literarischen Leistungen sehr umstritten, so ist doch gewiss, dass er eigene Gedanken hat, und vor allem, dass er eine starke persönliche Anziehungskraft ausübt. Indessen gestehen auch seine Verehrer zu, dass von den zahlreichen Studenten, die sich zu ihm drängen, ihn kaum einer wirklich versteht. Er befindet sich gegenwärtig in einer Krisis. Deren Ausgang ist abzuwarten.“
  Der erste Band der „Überlegungen“ dokumentiert besser als alles zuvor Bekannte, wie Heidegger glaubt, die „Krisis“ lösen zu können. Er verfolgt dabei eine dreifache Strategie: die Wiederaneignung des unverfälschten vorsokratischen Denkens, die ingeniöse Analyse der Stufen der Selbstverfehlung der Philosophie und schließlich den Abgleich der eigenen Radikalität mit den politischen und kulturellen Phänomenen außerhalb der Universität – etwas, was wir wohl Wirklichkeit nennen würden.
  Heidegger selbst spürte die „Krisis“. Für ihn ist klar, dass die Lösung der Krise nur im Modus des Kampfes gegen sich selbst und äußere Feinde gefunden werden kann. Momente des Zweifels müssen überwunden, aus seiner Sicht halb gare politische Alternativen, etwa die des rechtskonservativen Tat -Kreises, müssen abgewiesen, Deutungskonkurrenten des Feldes verwiesen werden. Jetzt gilt es, eine eigene Sprache zu finden. Von 1936 an steht sie erstmals zur Verfügung. In den „Überlegungen“ ist Seite um Seite die Mischung aus klarsichtiger Energiegeladenheit, Selbstüberschätzung und Verzweiflung ob der gestellten Aufgabe nachzuverfolgen.
  1939 resümiert Heidegger, seit Jahren ausschließlich mit der Klärung seines eigenen Vorhabens beschäftigt: „Rein ‚metaphysisch‘ denkend habe ich in den Jahren 1930 bis 1934 den Nationalsozialismus für die Möglichkeit eines Überganges gehalten und ihm diese Deutung gegeben. Damit wurde diese ‚Bewegung‘ in ihren eigentlichen Kräften und inneren Notwendigkeiten sowohl als auch in der ihr eigenen Größengebung und Größenart unterschätzt.“ Was dann folgt, gewonnen aus den Einsichten in die „Vermenschung des Menschen in der selbstgewissen Vernünftigkeit“, dem „Historisch-Technischen“ und der „Vollständigen Mobilmachung“, ist dann das: „Aus der vollen Einsicht in die frühere Täuschung über das Wesen und die geschichtliche Wesenskraft des Nationalsozialismus ergibt sich erst die Notwendigkeit seiner Bejahung und zwar aus denkerischen Gründen.“
  An dieser Stelle, also von etwa 1938/39 an, sieht sich Heidegger mit dem konfrontiert, was er das „Judentum“ nennt. Er kennt es ausschließlich im Modus der nationalsozialistischen, von ihm „denkerisch“ durchdachten, ihren eigenen Ansprüchen nicht genügenden, deshalb ebenfalls im Endkampf der Neuzeit notwendig verschlungen werdenden Kollektivsingulare: neben dem Judentum sind es Amerikanismus, Bolschewismus, Nationalsozialismus. Das ist, ganz anders als Peter Trawny in seinem verdienstvollen Buch meint, wertend, und zwar seins- und ereignisgeschichtlich, verstanden. Exakt nach dem Motto „,Radikalismus‘ ist echten Wesens als Bewahrung des Ursprungs“ müssen die, die das „,ewige Volk‘“ darstellen, und das sind in Konkurrenz mit den Deutschen in seiner Perspektive die „Juden“, in die Schranken der Seins- und Ereignisgeschichte verwiesen werden. Deren „zeitweilige Machtsteigerung“ wurde ermöglicht, weil sich die „Metaphysik des Abendlandes“ selbst schwächte und so das „Sichbreitmachen einer sonst leeren Rationalität und Rechenfähigkeit“ ihnen eine „Ansatzstelle“ bot.
  Dabei ist es bemerkenswert, dass der „Jude ‚Freud‘“ ebenso schlimm ist wie die nationalsozialistischen Psychologen, die jüdischen Descartes-Gelehrten ebenso wie die nichtjüdischen. Ist aber der Endkampf erst einmal durchgefochten, sind die Kollektivsingulare und ihre Träger verschwunden, dann wird sich die „verborgene Deutschheit“ entbergen. Vorher muss man auf der Hut sein, denn das „Räuberwesen und Banditentum kann verschiedene Gestalten annehmen“.
  1941 werden auch Bolschewisten, so der „Jude Litwinow“, in die Schranken gewiesen: „Der Ausbruch des Krieges gegen den Bolschewismus hat viele Deutsche, die sich sorgten wegen einer vermeintlichen allzu engen Verbindung mit Rußland, endlich von dieser Last befreit.“ Aber erst spätere Generationen würden das „,Dokument‘“, gemeint ist Hitlers Rede vom 22. Juni 1941, richtig zu würdigen verstehen. Es ist dann kein Wunder mehr, wenn die Aufzeichnungen mit einer Bemerkung zum Judentum enden: Bei ihm handle es sich nicht um eine „rassische“, sondern um „die metaphysische Frage nach der Art der Menschentümlichkeit, die schlechthin ungebunden die Entwurzelung alles Seienden aus dem Sein als weltgeschichtliche
‚Aufgabe‘ übernehmen kann.“
  Man hat in zweierlei Weise diese Bemerkungen zu verteidigen versucht. Die einen verweisen darauf, dass Heidegger diese Aufzeichnungen im Nationalsozialismus verschwieg (tatsächlich gab Fritz Heidegger unter anderem Exzerpte der „Überlegungen“ 1978 einer amerikanischen Forscherin; seit 1999 können sie in einem Archiv eingesehen werden).
  Dann aber stellt sich umso mehr die Frage nach dem Veröffentlichungsgrund. Die „Schwarzen Hefte“, wie sie Heidegger erst in den Siebzigerjahren nannte, waren von Beginn an als konstitutiver Teil des Gesamtwerks verstanden worden. Sie sollten den „Gesichtskreis“ des Veröffentlichten erweitern. Wären sie marginal, hätten sie in den Vorlesungen erscheinen müssen, die ja der Vorbereitung des Wesentlichen dienen sollen. Heidegger glaubte offenbar, dass die Idee eines neuzeitlichen Endkampfes, der Übersetzung des in der Realität Vorfindbaren in die Sprache des seins- und ereignisgeschichtlichen Denkens ausreichend sei, um seine „Überlegungen“ gegenüber den realen Nationalsozialisten und ihren Aktionen zu immunisieren. Dagegen ist zu sagen: nein, im Gegenteil. Gerade der Verweis auf unabänderliche Geschehnisse, die das Wüten der „Machenschaften“ als reinigendes Schauspiel erscheinen ließen, verbanden den Entwurf mit den Zeitläuften.
  Heidegger, so die zweite Verteidigungsstrategie, habe sich später distanziert, wie etwa die Revision des „anderen Anfangs“ zeige. Das ist ausgesprochen schwierig zu beantworten. Es gibt etwa für die toten deutschen Soldaten einen großen Klagegesang in dem Band „Ereignis-Denken“, der einen auch durch die Strenge schaudern lässt. Und es gibt sein Schweigen zur Shoah. Man mag fragen, ob das, was hier über die „Er-Schweigung“ gesagt wurde, auch für den Holocaust gelten könne. Dass das Schweigen der Ausdruck einer höheren Form der Anerkenntnis des Geschehenen sei? Aus dem bisher Bekannten muss die Frage heute mit Nein beantwortet werden.
  Betrachtet man die Stellungnahmen hierzulande und in Frankreich, dann werden sie noch allzu sehr von alten Reflexen bestimmt. „Erledigen“ oder „Treue bis zum Ende“: Inkriminierende Zitate auf der einen Seite, der Verweis auf die Bedeutung des „ganzen“ Heidegger auf der anderen. Dabei kann man es nicht belassen. Nicht nur der Rezeptionsgeschichte gegenüber, nicht nur der grundsätzlichen Ebene dieses deutschen Falles wegen, nämlich der Selbstüberhöhung des Denkens ins Totalitäre, sind wir dazu verpflichtet, seine Überlegungen genauestens zu prüfen. Eine erste Prüfung kann sich aber im Moment kaum dem Fazit entziehen, dass Heidegger das Denken entscheidend geschwächt hat.
Martin Heidegger: Zum Ereignis-Denken. Hrsg. von Peter Trawny. (Gesamtausgabe, Band 73 in 2 Bänden). Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt/Main 2013. 1496 S., 149 (Ln.)/129 (Kt.) Euro.
Martin Heidegger: Gesamtausgabe Bd. 94: Überlegungen II-VI (Schwarze Hefte 1931-1938). 563 S., 68 /58 Euro. Bd. 95: Überlegungen VII–XI (Schwarze Hefte 1938/39) 456 S., 58/48 Euro. Bd. 96: Überlegungen XII- XV (Schwarze Hefte 1939- 1941). 286 S., 44/37 Euro. Hrsg. von Peter Trawny, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt/Main 2014.
Peter Trawny: Heidegger und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung. Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt/Main 2014, , 106 S., 14,80 Euro.
Mit den „Überlegungen“ lässt
sich der Kern von Heideggers
Denkbewegung freilegen
Noch sind die Stellungnahmen zu
den „Schwarzen Heften“ allzu
sehr von alten Reflexen bestimmt
Eine bisher unveröffentlichte Aufnahme aus unbekannter Hand:
Martin Heidegger im März 1929 während seines Aufenthaltes in Davos.
Foto: Dokumentationsarchiv der Stadt Davos
Seite aus den Schwarzen Heften: Nr. 75, Überlegungen und Winke.
Foto: DLA Marbach
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