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Im Zentrum des Textes, den Hannah Arendt mit 22 Jahren als Dissertation bei Karl Jaspers einreichte, steht die Frage, inwieweit wir zu einer Liebe befähigt sind, die uns als gemeinschaftliche Wesen ausweist. Arendt untersucht zunächst das Phänomen Liebe als Begehren, bevor sie ausführlich und unter verschiedenen Perspektiven die augustinische Liebeskonzeption, vor allem das Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf und das Konzept der Nächstenliebe, analysiert. Anschließend fragt sie, wie Augustinus den Übergang von einer civitas fidei zur civitas socialis zu begründen versucht. Die Ausgabe…mehr

Produktbeschreibung
Im Zentrum des Textes, den Hannah Arendt mit 22 Jahren als Dissertation bei Karl Jaspers einreichte, steht die Frage, inwieweit wir zu einer Liebe befähigt sind, die uns als gemeinschaftliche Wesen ausweist. Arendt untersucht zunächst das Phänomen Liebe als Begehren, bevor sie ausführlich und unter verschiedenen Perspektiven die augustinische Liebeskonzeption, vor allem das Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf und das Konzept der Nächstenliebe, analysiert. Anschließend fragt sie, wie Augustinus den Übergang von einer civitas fidei zur civitas socialis zu begründen versucht. Die Ausgabe bietet eine vollständige Übersetzung aller griechischen und lateinischen Originalzitate, Register und einen einführenden Essay der Herausgeberin.
  • Produktdetails
  • Philosophische Bibliothek 688
  • Verlag: Meiner
  • Seitenzahl: 174
  • Erscheinungstermin: November 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 121mm x 15mm
  • Gewicht: 215g
  • ISBN-13: 9783787329908
  • ISBN-10: 3787329900
  • Artikelnr.: 44953077
Autorenporträt
Arendt, Hannah§Hannah Arendt (1906-1975) war Philosophin, politische Theoretikerin und Publizistin. Die Heidegger-Schülerin wurde 1937 auf Grund ihrer jüdischen Herkunft aus Deutschland ausgebürgert und ging ins Exil in die USA. Sie lehrte u.a. in Princeton, Chicago und an der New School for Social Research in New York. Mit ihren Werken Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951) und Vita activa (1958), aber auch ihrer umstrittenen Auseinandersetzung mit dem Eichmann-Prozess (Eichmann in Jerusalem, 1963) wurde sie weltweit bekannt.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.02.2004

Der Schock, der aus der Kälte kam

Es ist nicht leicht, sich unvorbereitete Leser vorzustellen, die sich in Sätzen wie diesen ohne weiteres zurechtfinden: "Die Gefahr des Menschen ist es gerade, dieses notwendige tendere non esse nicht zu sehen, den Rückbezug nicht zu aktualisieren und damit dem Tode, der absoluten und ewigen alienatio a Deo zu verfallen." Nicht nur muß der Leser Latein können, er muß auch bereit sein, sich auf eine hocherregte Lektüre des Kirchenvaters Augustinus einzulassen. Das werden nur wenige Leser sein. Insofern ist es ungerecht gegenüber der schon zu einem geistesgeschichtlichen Dokument gewordenen Dissertation von 1929 und gegenüber ihrer Verfasserin Hannah Arendt, ihr Erstlingswerk gleichsam der Rubrik "populäre Lesestoffe" einzureihen. Seinerzeit war die Arbeit von Karl Jaspers zwar nicht sehr gut benotet worden, hatte aber in den zuständigen Rezensionsorganen einige Beachtung gefunden.

Die Leser aber, die ein Interesse an den Anfängen der berühmten Hannah Arendt haben, werden auf ihre Kosten kommen. Doch es wird ihnen nicht ganz leicht gemacht: "Der Ursprung, der anfangs als Noch-nicht negativ verstanden war, schlägt in dem Bestimmtsein vom Tode zu seiner ganzen Positivität um und wird zu esse schlechthin, der Tod, der anfangs ausgesetzt war als das Nicht-mehr des Seienden, das aus dem Noch-nicht kommt, schägt um und wird zum absoluten Nichts." Es ist nicht zu übersehen, daß nicht der Doktorvater Jaspers, damals noch ein von der Medizin zur Philosophie übergewechselter Außenseiter, sondern Martin Heidegger, der eigentliche Lehrer Hannah Arendts, geistig bei dieser Arbeit Pate gestanden hat. Die Intensität einer gedanklich aktualisierenden Zuwendung zur philosophischen Überlieferung gehen auf seine Rechnung, als Tiefsinn oder als unverständlich wurde das von seinen Studenten, die bei ihm in Freiburg und später in Marburg arbeiteten, nicht empfunden. Es war ein neuer Stil sachlichen Philosophierens, unabgelenkt durch Bildungsschutt.

Hannah Arendt hat Heidegger im Rückblick auf diese Jahre als den "heimlichen König im Reich des Denkens" bezeichnet. Sie hat auch erzählt, und damit für viele aus ihrer Generation gesprochen, daß damals, als sie im Wintersemester 1924/25 in Marburg zu studieren begann, ein "Gerücht" umlief, daß das Denken wieder lebendig geworden sei, daß dieser Philosoph "die totgeglaubten Bildungsschätze der Vergangenheit" wieder zum Sprechen bringe. Das sind weithin bekannte Äußerungen, und es vermag an ihnen wenig zu ändern, daß ihr philosophischer Lehrer auch ihr Liebhaber wurde. Diese Liebesgeschichte ist mittlerweile so oft und oft genug so kitschig erzählt worden, daß sie zu den bekanntesten des Jahrhunderts zählt. Diese Affäre, die Trennung ihrer Lebenswege und das nationalsozialistische Engagement Heideggers dürften auch der Grund sein, warum Hannah Arendts Dissertation "Der Liebesbegriff bei Augustin" wiederaufgelegt worden ist (Philo Verlagsgesellschaft, Berlin und Wien 2003. 134 S., br., 18,- [Euro]). Ihr Titel und Thema fügt sich gut in den Hannah-Arendt-Kult, der zwischen Leben und Werk Zusammenhänge stiftet wie bei einer Heiligenvita.

Es paßt aber nicht so recht zum geistigen Temperament von Hannah Arendt. Denn eine ihrer eindrucksvollsten Tugenden war Nüchternheit, sie konnte den Dingen ins Auge sehen. Auf diese Fähigkeit zur Sachlichkeit hielt sie sich viel zugute, ihr Verstand war durch schockierende Erfahrungen geschärft worden. Der ungeheure Eindruck, den ihre politischen Analysen machten, hatte mit dieser oft sogar verletzenden Fähigkeit zur Sachlichkeit zu tun. Auch ihre Dissertation zeigt, wie stark dieses Element des Logischen und der Kälte in all dem war, was sie von ihrem Lehrer Heidegger gelernt hatte.

Ihre Fähigkeit zur Sachlichkeit hat gewiß auch eine Rolle gespielt, als sich Hannah Arendt in Amerika daranmachte, ihr erstes Buch für eine Neuausgabe zu überarbeiten: "Ich schreibe den ,Augustin' um", schreibt sie 1966 an Karl Jaspers, "auf englisch und nicht auf lateinisch und so, daß es ein Mensch verstehen kann, der philosophische Stenographie nicht gelernt hat." Besser kann man nicht charakterisieren, was den Stil dieser Erstlingsarbeit ausmacht: philosophische Stenographie. Leider ist diese Umarbeitung im Zuge der englischen Übersetzung nicht zum Abschluß gekommen. Immerhin sollen einige Teile vorliegen. Wäre es nicht die Mühe wert gewesen, dem Leser eine Probe davon vorzusetzen, wo doch die Verfasserin vom Nutzen dieser Neufassung ihrer Gedanken überzeugt war? Es klingt etwas angestrengt, wenn Ludger Lütkehaus, der Herausgeber der Dissertation von 1929, "um der editorischen Stringenz, der Authentizität und Kohärenz des Werkes willen" erklärt: "Allein diese Fassung zeigt den Anfang einer Philosophie des Anfangs."

Eine kleine Zugabe hätte dem Leser überdies ein Licht aufstecken können, welcher Art die Autorin damals schon war. Ein Jahr nach Erscheinen ihrer Dissertation hat sie zum 1500. Todestag Augustins im Feuilleton der "Frankfurter Zeitung" einen Artikel veröffentlicht, dessen Stil so gut wie gar nicht mehr an ihre "philosophische Stenographie" erinnert, auch nicht in einzelnen Wendungen. Vielmehr sind die erzählerischen Merkmale ihrer späteren Werke hier schon zu erkennen, offenbar gewollt und nicht nur den Umständen geschuldet. Philosophische Stenographie und sachliches Erzählen - beides mußte zusammenkommen, um Hannah Arendts Werk entstehen zu lassen. Das ist sein Anfang.

HENNING RITTER

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Auch wenn es sicher ungerecht wäre, meint Henning Ritter, diese wiederaufgelegte Dissertation Hannah Arendts von 1929 in die Rubrik "populäre Lesestoffe" einzureihen, so würden, lobt er, die Leser, die ein Interesse an den Anfängen Hannah Arendts hätten, hier doch auf ihre Kosten kommen. Zu bemängeln hat er nur, dass Verlag und Herausgeber Ludger Lütkehaus ihnen dies nicht ganz leicht gemacht hätten. So hatte Hannah Arendt in den sechziger Jahren eine Übertragung dieser Arbeit ins Englische begonnen und in eine Sprache, die, wie sie an Karl Jaspers schrieb, auch "ein Mensch verstehen kann, der philosophische Stenographie nicht gelernt hat". Wäre es nicht der Mühe wert gewesen, fragt Ritter darum, dem Leser auch "eine Probe davon vorzusetzen"? Nicht zustimmen mag der Rezensent außerdem, wenn der Herausgeber in seinem Vorwort behauptet, allein die vorliegende Fassung zeige den Anfang von Arendts Denken. Ritter hält dagegen, dass Arendt bereits ein Jahr nach Erscheinen ihrer Dissertation einen Artikel veröffentlicht habe, der die "erzählerischen Merkmale ihrer späteren Werke" bereits erkennen ließ. Dieser Artikel als Zugabe hätte dem Leser, so Ritter, also auch klarmachen können, das "philosophische Stenographie" und "sachliches Erzählen" bei Arendt von Anfang an zusammengehörten.

© Perlentaucher Medien GmbH…mehr