22,95 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln
    Gebundenes Buch

1 Kundenbewertung

Lange Zeit war Fred Pearces Meinung zu invasiven, gebietsfremden Arten eindeutig: Bärenklau, Waschbär und Co. gehören nicht nach Mitteleuropa und bedrohen unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Doch was, wenn unsere traditionelle Sicht auf die Natur falsch ist? Was, wenn echter Naturschutz gerade darin besteht, die Eindringlinge willkommen zu heißen?
Sein aktuelles Buch ist eine scharfe Kritik an einem rückwärtsgewandten Naturschutz, der invasive Arten zu Sündenböcken stempelt. Denn gerade in Zeiten des Klimawandels brauchen wir widerstandsfähige Arten, die unsere Natur bereichern und heilen.
…mehr

Produktbeschreibung
Lange Zeit war Fred Pearces Meinung zu invasiven, gebietsfremden Arten eindeutig: Bärenklau, Waschbär und Co. gehören nicht nach Mitteleuropa und bedrohen unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Doch was, wenn unsere traditionelle Sicht auf die Natur falsch ist? Was, wenn echter Naturschutz gerade darin besteht, die Eindringlinge willkommen zu heißen?

Sein aktuelles Buch ist eine scharfe Kritik an einem rückwärtsgewandten Naturschutz, der invasive Arten zu Sündenböcken stempelt. Denn gerade in Zeiten des Klimawandels brauchen wir widerstandsfähige Arten, die unsere Natur bereichern und heilen.
  • Produktdetails
  • Verlag: oekom
  • Seitenzahl: 330
  • Erscheinungstermin: 14. März 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 137mm x 27mm
  • Gewicht: 517g
  • ISBN-13: 9783865817686
  • ISBN-10: 3865817688
  • Artikelnr.: 44191868
Autorenporträt
Fred Pearce ist einer der renommiertesten Umweltjournalisten Großbritanniens, seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt (auf Deutsch u. a. erschienen: »Wenn die Flüsse versiegen« und »Das Klima von morgen«). Derzeit ist Pearce Umweltberater der Zeitschrift New Scientist und schreibt regelmäßig für den Daily Telegraph und den Guardian.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.07.2016

Natur globalisiert sich eben auch

Generalisten, wendige Kämpfer, Opportunisten: Fred Pearce sieht sich an, wie fremde Pflanzen und Tiere zu heimischen Gewinnern werden, und gewinnt dieser unaufhaltsamen Entwicklung vor allem Gutes ab.

Ascension ist eine Insel, die man nicht unbedingt kennen muss. Sie liegt im Südatlantik auf halbem Weg zwischen Brasilien und Afrika, ist ungefähr so groß wie Santorin und vulkanischen Ursprungs. Bis in die Neuzeit hinein wuchs hier außer einigen Farnen und Moosen fast nichts. Als Charles Darwin auf seiner langen Reise mit der "Beagle" 1836 vorbeikam, war er wenig entzückt über diese "nackte Abscheulichkeit". Zurück in England, entwickelte er mit einem Freund, dem Botaniker Joseph Dalton Hooker, den Plan, das abgelegene Eiland in einen Garten Eden zu verwandeln.

Die Royal Navy hatte Ascension kurzerhand zur steinernen Fregatte umdeklariert, um auf diese Weise die Kolonialverwaltung auszuschalten und ein scharfes Auge auf Napoleon zu behalten, der bis 1821 auf der Nachbarinsel St. Helena in der Verbannung geschmort hatte. So war es ein Leichtes, ganze Schiffsladungen von Pflanzen und Bäumen heranzuschaffen. Bald wuchsen rund um den ehemals vegetationslosen Gipfel Eukalyptus, Pinien, Bambus und Bananenstauden. Schon wenige Jahrzehnte später hatte sich ein Nebelwald herausgebildet, der die Feuchtigkeit aus den Wolken zapfte und es möglich machte, in bescheidenem Umfang Landwirtschaft zu betreiben. Heute findet man auf Ascension mehr als dreihundert verschiedene Pflanzenarten, die aus allen Ecken der Welt stammen.

Man könnte das als gelungenes Beispiel eines "Terraforming" betrachten. Darunter verstehen Astrobiologen die Umformung lebensfeindlicher Umgebungen zum Zwecke der Besiedelung durch den Menschen. Auf dem Mars oder auf der Venus wäre das theoretisch möglich. Man könnte das auf der Erde aber auch als Frevel betrachten, denn indem die Engländer fremde Spezies ansiedelten, sorgten sie gleichzeitig dafür, dass ein paar seltene auf Ascension heimische Arten wie der nur dort vorkommende Petersilienfarn Anogramma ascensionis verdrängt oder vollständig ausgelöscht wurden. Der aus dem Nichts entstandene Bergwald hatte gar nicht die Zeit, sich in Jahrmillionen zu einem Gleichgewicht zu arrangieren, wie es die Lehrbücher vorsehen. Es handelt sich gewissermaßen um "moderne Natur", um ein anthropogen geschaffenes Ökosystem, das gleichwohl von der britischen Verwaltung inzwischen zum Nationalpark erklärt wurde.

Nicht immer gehen Ansiedlungsversuche so glücklich aus. Auf Gough, einer ebenfalls im Südatlantik gelegenen Vulkaninsel, brüten an die zehn Millionen Seevögel. Gough gehört zum Weltnaturerbe der Unesco. Doch die einzigartige Vogelwelt ist zunehmend bedroht von den Nachkommen gewöhnlicher Hausmäuse, die irgendwann von Schiffen entkommen und an Land geschwommen sind. Die Nagetiere haben sich zu reinen Fleischfressern entwickelt, ihre Körpergröße glatt verdoppelt und richten unter den Brutvögeln ein wahres Gemetzel an. Man hat erwogen, sie mit Rattengift zu bekämpfen, doch der Erfolg ist ungewiss.

Solche Geschichten machen immer wieder die Runde. Die Aga-Kröte, die in Australien zur Bekämpfung eines Zuckerrohr-Schädlings eingeführt wurde, stellte sich stattdessen als tödlich giftige Mahlzeit für die heimische Tierwelt heraus; sie besiedelt mittlerweile weite Teile des Kontinents. Nach Guam kam mit den Truppentransporten während des Zweiten Weltkrieges auch die Braune Nachtbaumnatter und verschlang dort nahezu die komplette heimische Vogelwelt. Der ostafrikanische Victoriasee wurde erst von der eingeschleppten Wasserhyazinthe überwuchert und anschließend vom Nilbarsch leer gefressen, den man eigentlich zum Nutzen der Fischerei ausgesetzt hatte. Das japanische Klettergewächs Kudzu sollte die Erosion nordamerikanischer Böden aufhalten und hat sich als bösartige Plage herausgestellt, die jegliche Vegetation unter sich begräbt. Invasive Pflanzen und Tiere gelten vor dem Hintergrund des Klimawandels als eines der ernstesten Probleme des 21. Jahrhunderts.

Aber stimmt das auch? Der auf Umweltfragen spezialisierte britische Autor Fred Pearce hat die Fleißarbeit auf sich genommen und Hunderte von Fällen zusammengetragen. Das macht die Lektüre seines neuen Buches etwas mühsam. Immerhin weiß nicht jeder, dass die heute zahlenmäßig stärkste Vogelgruppe Nordamerikas mit annähernd zweihundert Millionen Exemplaren auf eine Handvoll Brutpaare des Europäischen Stars Sturnus vulgaris zurückgeht, die ein Pharmazeut um 1870 im New Yorker Central Park freiließ, weil er sich in den Kopf gesetzt hatte, sämtliche Vogelarten in die Neue Welt einzuführen, die in den Werken von William Shakespeare Erwähnung finden (es sind, erstaunlich genug, fast sechshundert). Pearce kommt nach eingehender Betrachtung zu dem Schluss, dass die Warnungen der Invasionsbiologen in den allermeisten Fällen übertrieben sind. Wenn er deren Behauptungen näher überprüft habe, habe die Suche nach belastbarem Material fast immer im Nebulösen geendet, in falschen Angaben und absurden Sprüngen vom Einzelfall zum Allgemeinen.

Dass sich ein globaler Wandel vollzieht, stellt der Autor nicht in Abrede. Nur kann er ihm hauptsächlich Gutes abgewinnen, wie er am Beispiel des Coquifrosches zeigt. Eleutherodactylus coqui ist das Maskottchen von Puerto Rico. Das melodische Flöten der Männchen, ein immerhin mehr als neunzig Dezibel lautes "Ko-kii", klang einst durch die angestammten Wälder der Karibikinsel, bis diese dem Zuckerrohr weichen mussten. So wurde es eng für den Frosch. Bis der Zuckermarkt zusammenbrach, die Plantagen aufgegeben wurden und sich ein neuer Wald ausbreitete, der allerdings mit dem ursprünglichen nicht mehr viel zu tun hatte, sondern sich hauptsächlich aus fremden Gewächsen wie dem Afrikanischen Tulpenbaum zusammensetzte. Dem Coquifrosch war das egal, er nahm das neue Habitat dankbar an. Die Naturschützer ließen ihn trotzdem auf der Rote Liste der gefährdeten Arten, weil es auf ganz Puerto Rico schließlich nur noch einen winzigen Flecken alten puerto-ricanischen Waldes gibt. Und sie hievten ihn gleichzeitig auf die Liste der hundert gefährlichsten invasiven Arten, weil Eleutherodactylus coqui in der Zwischenzeit nach Hawaii gelangt ist, wo er sich ebenfalls munter fortpflanzt und Einwohner und Touristen durch sein nächtliches Flöten derart nervt, dass die Regierung ihm offiziell den Krieg erklärt hat. Pearce dreht den Spieß um: Nur vitale Neuankömmlinge könnten die globalen Ökosysteme noch retten. Die Natur sei schon immer im Fluss, stabile Balance gab und gebe es nirgends, und das erst recht nicht, seit der Mensch eingreift. Wildnis, schreibt Pearce, existiere nicht mehr, höchstens noch als Museumsstück, das aufwendig gepflegt oder mit beträchtlichem Aufwand restauriert werden muss wie die letzten Reste des Borneo-Dschungels oder die Brutgebiete des Königspinguins in Südgeorgien. Die neuen Wilden, räumt der Autor ein, würden "unter ästhetischem Aspekt nicht gerade die sein, die wir uns ausgesucht hätten". Denn besonders überlebensfähig seien nun mal die Kämpfer und Generalisten unter ihnen, die Beweglichen und die Opportunisten: die Kakerlaken, die Ratten, die Waschbären und Kojoten oder das Drüsige Springkraut, das sich überall dort niederlässt, wo es eine Lücke findet. Solche "Superspezies" würden die Erde übernehmen, ob uns das nun passe oder nicht, prophezeit Pearce. Und das ist nun kein besonders schönes Fazit.

JÖRG ALBRECHT.

Fred Pearce: "Die neuen Wilden". Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten.

Aus dem Englischen von G. Gockel und B. Steckhan. Oekom Verlag, München 2016. 330 S., geb., 22,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit einigem Erstaunen hat Rezensent Jörg Albrecht Fred Pearce Studie "Die neuen Wilden" gelesen. Gelten doch invasive Pflanzen und Tiere als eines der größten Probleme des 21. Jahrhunderts, informiert der Kritiker, der etwa auf die einst durch Schiffe auf die Vulkaninsel Gough gelangten Hausmäuse verweist, die unter den dort nisteten Brutvögeln ein wahrhaftes "Gemetzel" anrichten. Der britische Autor hat sich allerdings die Mühe gemacht, anhand einer Vielzahl von Fällen aufzuzeigen, dass die Warnungen der Invasivbiologen meist überzogen sind, fährt der Rezensent fort. Und so liest Albrecht mit Interesse, welche positiven Folgen der globale Wandel mit sich bringt: Am Beispiel des auf Puerto Rico siedelnden Coquifrosches, der sich neuen Lebensbedingungen immer wieder anpasst, weise Pearce etwa nach, dass "vitale Neuankömmlinge" das globale Ökosystem eher retten als zerstören. Mit Blick auf das von Pearce vorgetragene Fachwissen hätte sich der Kritiker allerdings einige Erklärungen gewünscht.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Genauer hinzuschauen lohnt, gerade für Naturschützer. Fred Pearce tut das in Die neuen Wilden`auf anregende Art und beschert dabei so manches Aha-Erlebnis." NABU, Naturschutz heute

"Das Buch kann jedem empfohlen werden, der bereit ist, über den heimischen Kirchturm hinauszudenken." Bayerische Staatsforsten, Urlich Mergner

"In seinem faktenreichen und spannend geschriebenen Buch engagiert sich Pearce für eine neue Sichtweise. Er zeigt, wie die "neuen Wilden" in geschädigten Ökosystemen zur Rettung der Natur beitragen können." Wissensbuch des Jahres, Petra Wiemann

"(Das Buch) gibt im neu angebrochenen Zeitalter der europäischen Alien-Bekämpfung zahlreiche Denkanstöße, mit Maß und Verstand gegenüber den gebietsfremden Arten zu agieren." Natur im NRW, C. Michels

"Fred Pearce zwingt in seinem Buch einen der aktuell bedeutsamsten Umweltdispu-te auf die sachliche Ebene zurück. Es wird die Debatte um die angezeigte Verfah-rensweise mit Neobiota vorerst nicht beenden. Doch es ist dasBuch, das man vor der nächsten Beteiligung an ihr mit Vorteil - und beträchtlichem Gewinn - gelesen haben sollte." Info-Bulletin, Sacha Rufer

"Das Buch ist eine streitbare Kritik an einem fremdenfeindlichen, rückwärts gerichteten Naturschutz, der invasive Arten als Schuldige inszeniert, statt sich mit dem Neuen konstruktiv auseinanderzusetzen."
Gaiamedia.org

"Ein spannendes Sachbuch, das aufzeigt, dass auch im Naturschutz neue und andere Wege notwendig sind, um zu konstruktiven Lösungen für die Natur zu kommen." Oekonews.at

"Sein inspirierendes Buch ist eine gewagte kluge Kampfansage und bringt im besten Fall Naturschützer zum Nachdenken und nimmt Naturfreunden die Angst vor Neuankömmlingen." Deutschlandradio, Johannes Kaiser

"Nachdem man Pearce' Buch gelesen hat, bekommt man plötzlich Lust zu streiten - und den Waschbären in Schutz zu nehmen." Die ZEIT WISSEN, Fritz Habekuß

"Ein faszinierendes Buch, Pflichtlektüre für Naturschützer, verblüffende Aufklärung für alle Naturfreunde." SWR2 Die Buchkritik, Johannes Kaiser

"Pearces Ausführungen lesen sich wie ein Appell, verstaubte Ansichten über Bord zu werfen. Sie geben Denkanstöße und regen dazu an, die Vorteile zu sehen, wenn man Natur als offenes System begreift." Spektrum der Wissenschaft, Julia Schulz

"Schon der Titel des Buchs [...] erhöht die Leselust [...] Doch was der renommierte britische Wissenschaftsautor Fred Pearce hier an Fakten zum Geschehen in der Natur recherchiert und an überraschenden Perspektiven zu sicher geglaubten Vorstellungen zum Schutz derselben eröffnet, ist wirklich erstaunlich." Oya, Farah Lenser

"Ein absolut lesenswertes Buch - für Natur- und Menschenschützer." umwelt - medizin - gesellschaft, Erik Petersen
…mehr