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Der erfolgreiche Roman des wiederentdeckten großen ungarischen Schriftstellers: Mit feiner Ironie erzählt Antal Szerb in diesem wahrhaft europäischen Roman die Geschichte einer jungen Ehe. Er beleuchtet den Weg des frischvermählten Paars Erzsi und Mihály wie der helle Mond eine venezianische Gasse. Bereits auf der Hochzeitsreise in Italien wird Mihály durch die unerwartete Begegnung mit einem alten Freund von melancholischen Erinnerungen an seine rebellische Jugend überwältigt, und erste Phantasien über das Ende ihrer Beziehung beschleichen ihn. Als er seine Frau auf der Weiterreise an einem…mehr

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Produktbeschreibung
Der erfolgreiche Roman des wiederentdeckten großen ungarischen Schriftstellers: Mit feiner Ironie erzählt Antal Szerb in diesem wahrhaft europäischen Roman die Geschichte einer jungen Ehe. Er beleuchtet den Weg des frischvermählten Paars Erzsi und Mihály wie der helle Mond eine venezianische Gasse. Bereits auf der Hochzeitsreise in Italien wird Mihály durch die unerwartete Begegnung mit einem alten Freund von melancholischen Erinnerungen an seine rebellische Jugend überwältigt, und erste Phantasien über das Ende ihrer Beziehung beschleichen ihn. Als er seine Frau auf der Weiterreise an einem kleinen Bahnhof aus Versehen "verliert", begreift Mihály dies als ein Zeichen, und eine ganz andere Reise beginnt, eine Schattenreise zum Selbst.

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  • Produktdetails
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Erscheinungstermin: 01.11.2009
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783423401500
  • Artikelnr.: 37080465
Autorenporträt
Antal Szerb, geboren 1901 in Budapest, Studium der Hungarologie, Germanistik und Anglistik. Promotion 1924. Ab 1937 Literaturprofessor an der Universität in Szeged. Ab 1934 Buchveröffentlichungen, u. a. eine Literaturgeschichte der Welt. Der Autor verstarb 1945 im KZ Balf in West-Ungarn.
Rezensionen
"Ein wahrhaft herausragendes Buch, komisch und intelligent zugleich." (Paul Bailey, Times Literary Supplement)
"Das ist die Art Roman, in dem jeder seinen Lieblingssatz hat." (aus dem Nachwort von Peter Esterhazy)
"Dieses Buch ist total verliebt in das Leben." (The Guardian)
Besprechung von 01.12.2003
Espresso bestellt, Frau verloren
Aus der Zeit gefallen: Antal Szerbs wiederentdeckter Roman „Reise im Mondlicht” von 1937
In den letzten Tagen der alten Welt, als die neue schon längst begonnen hatte, an anderen Orten, in anderen Verhältnissen, warf sich die romantische Erzählkunst des neunzehnten Jahrhunderts noch einmal mächtig ins Kostüm. Gewiss, am Montparnasse sammelten sich die Surrealisten, Robert Musil schrieb den „Mann ohne Eigenschaften”, und der Zweite Weltkrieg warf seinen Schatten voraus. Doch viele Dichter, vor allem an der europäischen Peripherie, schienen sich dadurch nicht beeindrucken zu lassen. Damals schickte Alexander Lernet-Holenia seinen „Baron Bagge” (1936) in das Reich zwischen den Lebendigen und den Toten, Karen Blixen wandelte in ihren Erzählungen auf Traumpfaden, Leo Perutz erklärte in „Sankt-Petri Schnee” (1933) die Geschichte zu einer bösartigen Fantasie, und dann kam noch, spät, Sándor Márai und suchte in „Die Glut” (1942) den Sinn des Lebens in einem rätselhaften erotischen Dreieck.
Diese Schriftsteller erscheinen im Rückblick wie Menschen, die sich angezogen auf das Bett gelegt hatten und dort die Tage vergehen ließen, unwillens oder gar unfähig, überhaupt noch aus dem Fenster zu schauen – und doch waren sie vielleicht die letzten großen Erzähler im emphatischen Sinne des Wortes.
Kaum einer kannte hierzulande den ungarischen Schriftsteller und Literaturhistoriker Antal Szerb, bevor jüngst der Deutsche Taschenbuchverlag seinen zuerst 1937 veröffentlichten Roman „Reise im Mondlicht” veröffentlichte. Ihn nicht gekannt zu haben ist ein Versäumnis, denn das Buch ist klug, schön und unterhaltsam. Aber es ist verständlich. Denn auch dieses Werk will der Geschichte entschlossen nicht ins Gesicht blicken. Es kommt zwar ein junger italienischer Faschist darin vor, und auch der Duce grüßt von manchen Ecken, aber der Einfluss Abraham a Santa Claras auf das Romangeschehen dürfte wesentlich größer sein als die unmittelbare Wirkung der Zeitgeschichte. Mittelbar hingegen ist auch dieses Buch ganz seinen Entstehungsjahren verpflichtet: Eben weil es sich so entschieden von der Geschichte abwendet.
Gleich zweimal fällt Mihály, der Held dieser Geschichte, aus der Zeit heraus: das erste Mal als Schüler, der in einen Kreis junger Leute gerät, denen Gegenwart, Geld und Erfolg nichts, die Schauspielerei, Italien und die Vergangenheit aber alles gelten. Tamás und Eva bilden die Mitte dieses Zirkels, ein in inniger Liebe verbundenes Geschwisterpaar, das in Buda ein altes Haus bewohnt und auf schon auffällige Weise den Geschwistern Paul und Elisabeth in Jean Cocteaus „Kinder der Nacht” (1929) ähnelt. Doch dann soll Eva heiraten, der Aufstand gegen die bürgerliche Welt führt zu nichts, und auf einer letzten Reise in einen verlassenen Badeort nimmt sich Tamás das Leben – um fortan das Leben des zurückgebliebenen Freundes zu beherrschen wie Alain-Fourniers „großer Meaulnes” (1913) die Tage seines Freundes, eines biederen Volksschullehrers.
Fünfzehn Jahre vergehen. Mihály ist ins bürgerliche Leben zurückgekehrt, in das Familienunternehmen eingetreten und hat gerade die schöne Erzsi geheiratet – und fährt mir ihr nach Venedig und weiter in die Heimat der Unzeitgemäßen und Unzeitigen: „Auch jetzt war es keine Italienreise, sondern eine Hochzeitsreise, also etwas ganz anderes. So, als Ehemann durfte er herkommen. So war er von der Gefahr, die Italien darstellte, nicht bedroht.” Dachte er. In Arezzo verlässt Mihály den Zug, um einen Espresso zu trinken – verliert seine Frau und gewinnt, für ein paar Wochen, für ein paar Monate vielleicht, das fantastische, esoterische, uralte Italien seiner Jugend.
Antal Szerb ist ein beredter, hoch gebildeter Reiseführer durch die Welt der feuchten, schweren Bruchsteinmauern und kapitalen kupfernen Spaghettitöpfe, ein ganz und gar auktorialer, seine Figuren mit Spott und Ironie behandelnder Erzähler, so selbstgewiss in seiner Rolle, dass man die gebannten Zuhörer um ihn herum gleichsam mitliest. In seinem Italien haben Mittelalter und frühe Renaissance nie aufgehört. Es ist im Zweifelsfall ein klösterliches Land, ein schweigsames Exil, in dem der Sündenfall der Moderne nicht begangen wurde, eine überzeitliche Stätte von Kunst und Schönheit, priesterlicher Strenge und morbider Sinnlichkeit, ein Widerpart allen gesellschaftlichen Engagements, viel mehr Assisi und Gubbio als Florenz, Mailand oder gar Capri.
Der Tod im Lager Balf
In Rom – genauer: im Armenviertel Trastevere – muss am Ende die Entscheidung fallen, ob dem großen Individualprojekt einer neuen, ebenso geistigen wie geistlichen Aristokratie eine Zukunft beschieden ist. Es wird nichts daraus, um so mehr aber aus der Rückkehr ins bürgerliche Leben. Das mag anders intendiert gewesen sein, als es heute wirkt. Denn wenige Jahre nach dem ersten Erscheinen dieses Buches gab es das bourgeoise, weltläufige Ungarn nicht mehr, vor dessen Hintergrund diese Geschichte spielt. Im Jahr 1944 wurde Ungarn von den Deutschen besetzt. Antal Szerb starb im Januar 1945, von Aufsehern erschlagen, im Lager Balf im ungarischen Westen. Die Zeit, deren Verbannung dieser Roman gewidmet ist, kehrt spätestens über seine Rezeption in die Geschichte zurück, und so vergrößert sich das Unheimliche an dieser Geschichte über die ursprüngliche Absicht hinaus. Denn auch ein wenig unheimlich ist dieser Versuch, der Zeit zu entrinnen, die Kontrolle über das Gewesene aufzugeben, um so noch einmal, spät, viel zu spät, die Gegenwart aufleuchten zu lassen, die einzige Zeit, in der wirklich erzählt werden kann.
THOMAS STEINFELD
ANTAL SZERB: Reise im Mondlicht. Roman. Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. Mit einem Nachwort von Petér Esterházy. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003. 260 S., 14 Euro.
Die Botschaft ist überdeutlich: Der Weg ins italienische Totenreich muss über Venedig führen.
Foto: Regina Schmeken
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Besprechung von 29.11.2003
Refrain des Herzens, Ruf der Wildnis
Ein Meisterwerk psychologischer Realistik: Antal Szerbs Roman "Reise im Mondlicht", erstmals ins Deutsche übersetzt

In der Musik gibt es Ohrwürmer, die uns tagelang verfolgen; die Sucht nach einem bestimmten Fetzen Musik ist schier unersättlich bis zu jenem Moment, in dem sich Überdruß einstellt und wir ernüchtert feststellen, daß es bloß eine banale Abfolge von Tönen war, die uns in ihren Bann geschlagen hatte. In der Literatur sind es Verse, die zu solch nachhaltigem Eigenleben erwachen, zum Beispiel folgender Vers "eines alten, verrückten englischen Dichters": "Tiger, tiger burning bright in the forests of the night." Was er bedeutet - wir wissen es so wenig wie die Männer und Frauen, denen er bei ihrer "Reise im Mondlicht" nicht aus dem Sinn geht. Der Vers von John Keats springt uns aber gerade deshalb an, weil er gar nichts Genaues meint: der Ruf einer Wildnis, deren Lockungen süßer, deren Gefahren grausamer sind als die ganze dunkelgrüne Dschungelwelt. "Tiger, tiger burning bright": ein Vers wie Fliegenpapier, an dem die Sehnsucht klebenbleibt. An ihm zieht der Ungar Antal Szerb uns in eine Seelenwelt, deren Tiefe und unterirdische Weite sich zu den vielen literarischen Befindlichkeitsschürfereien verhält wie das Bergwerk zu Falun zum Tagebau.

Die Fahrt in diese Tiefen beginnt Anfang der dreißiger Jahre ausgerechnet auf einer Hochzeitsreise. Mihály, Bohemien aus Budapest und Sohn aus wohlhabendem Hause, streunt eines Abends allein durch Venedig. Er gerät in ein Gewirr enger Gassen, durch die er fast die ganze Nacht wandert. Eine merkwürdige Bezauberung überkommt ihn, eine Art Ekstase, und er muß sich fragen, warum er das Gefühl hat, mit diesem abendlichen Irrgang heimgekehrt zu sein - obwohl er gerade in diesem Moment innerlich von seiner Frau fortgerissen wird. Ein Refrain des Herzens, der fast verstummt war, klingt plötzlich wieder laut und lauter und verläßt ihn bis zum Ende dieser éducation sentimentale nicht mehr.

Mit dieser nächtlichen Eskapade setzt auch die Kunst des großen Beleuchtungsmeisters Szerb ein: Die Augen des Lesers müssen sich erst an das Ineinander überscharfer Konturen und milchiger Undurchsichtigkeit gewöhnen, man sucht Halt in Erklärungen und erhält nach und nach ein grandioses Tableau von Erzählungen, in denen sich die Lebensatmosphäre einer Gruppe junger Leute spiegelt, die bei allen Unterschieden in Charakter und Temperament etwas gemeinsam haben: die Sehnsucht nach dem Absoluten, nach Verschmelzung, Erlösung. Diese Sehnsucht ist es, die Mihàly von seiner Frau Erzsi fortreißt, sowie die Erinnerung an die Jugendtage, als das inzestuöse Geschwisterpaar Eva und Tamás als Zeremonienmeister Spiele von Tod und Verlöschen anleitet, Opfer und Täter spielen. Jahre später wird Tamás sich umbringen, assistiert von seiner Schwester. Er wird der große Tote, er wird für die anderen derjenige, der mit dem fernen Licht seiner Sehnsucht eins geworden ist. Die anderen haben ihre Phantasien, er aber hat den Tod. Das klingt womöglich etwas nach Pubertätswirren. Szerb aber streift diese gerade nur soweit, daß man begreift, nach welchem Lebensgefühl diese jungen Menschen suchen. Mihàly wird auf dieser italienischen Reise, auf der er bald den richtigen Zug verpaßt und seine Frau bewußt verliert, an all diese Erwartungen eines großen Lebens, das nur die Erfüllung kennen will, auf Schritt und Tritt erinnert. Er hatte geglaubt, diese Welt der Schimären durch seine Heirat endgültig verlassen und Eva vergessen zu können; und nun findet er sich in einem Labyrinth wieder, das mit jedem Tag mehr Menschen in sich hineinzieht. So schreckt auch Mihàlys Frau erst im letzten Moment vor ihrer eigenen Nachtseite zurück, als sie einen reichen, schönen Perser nachts nicht in ihr Zimmer läßt, obwohl sie es sich eigentlich wünscht.

Sich von der Alltäglichkeit und ihren Zwängen zu befreien und das Leben durch Intensität zu exotisieren, ist nicht erst seit dem Sturm und Drang zentrales Thema von Literatur, Philosophie und Religion. Antal Szerb läßt Mihàly sagen: "Wie schrecklich, daß wir uns den herausragendsten Momenten und Zuständen unseres Lebens nur mit den banalsten Klischees nähern können."

Der ungarische Dichter, der 1945 mit dreiundvierzig Jahren in einem Konzentrationslager ermordet wurde, dessen Werk in den letzten Jahren über die englische Rezeption wiederentdeckt worden ist, vermeidet all diese Klischees souverän. Mit seinem 1937 erschienenen Roman, der vor allem auf André Gide anspielt, gelingt ihm eine moderne, man möchte sagen: eine erwachsene Version solcher Sinn- und Sehnsuchtskonstellation, die nun in der kongenialen Übersetzung von Christina Viragh vorliegt. Der Roman hält sich von schierer jugendlicher Manie ebenso fern wie von Dostojewskis schmerzlichen Wonnen der Aussichtslosigkeit. Erwachsen wirkt diese Welt, weil sie eskapistische Ausflüchte nur momentweise zuläßt, um sie alsbald ad absurdum zu führen. Der Blick in Abgründe des Begehrens und der Selbstaufgabe aber war tief genug. Und am Ende? "Am Ende bleibt nichts anderes, als nach Hause zu gehen." Nur wer mit überirdischer Biederkeit gesegnet ist, wird dieses Meisterwerk psychologischer Realistik nicht mögen. Alle anderen aber werden sich auf dieser "Reise im Mondlicht" als Weggefährten fühlen.

Antal Szerb: "Reise im Mondlicht". Roman. Aus dem Ungarischen übersetzt von Christina Viragh. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003. 240 S., br., 14 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Als "Meisterwerk psychologischer Realistik" feiert Rezensent Michael Jeismann diesen Roman, seinen Autor (der 1945 in einem KZ ermordet wurde) als "großen Beleuchtungsmeister". Zunächst müssten sich die Augen des Lesers dieser "education sentimentale" an das "Ineinander überscharfer Konturen und milchiger Undurchsichtigkeit" gewöhnen, beschreibt Jeismann sein Lektüreerlebnis. Man suche Halt in Erklärungen und erhalte nach und nach "ein grandioses Tableau von Erzählungen", in denen sich die Lebensatmosphäre einer Gruppe junger Leute Anfang der dreißiger Jahre Spiegele. Gemeinsam ist ihnen Jeismann zufolge die "Sehnsucht nach dem Absoluten". Als zentrales Motiv sieht der Rezensent den Wunsch dieser jungen Leute nach Befreiung von den Zwängen des Alltäglichen, und den daraus resultierenden Versuch, Leben durch Intensität zu exotisieren. Jeismann bewundert, wie souverän Antal Szerb alle eskapistischen Klischees vermeidet und den Roman von "schierer jugendlicher Manie" ebenso fernhält, wie von "Dostojewskis schmerzlichen Wonnen der Aussichtslosigkeit".

© Perlentaucher Medien GmbH"
"Mitreißende Geschichte von einem, der sich selbst und seiner Gattin auf der Hochzeitsreise abhanden kommt." -- Die Zeit

"Ihn nicht gekannt zu haben ist ein Versäumnis, denn das Buch ist klug, schön und unterhaltsam." -- Süddeutsche Zeitung

"Eine wunderbare Liebeserklärung an das Leben fernab aller Konventionen." -- Focus

"Ein Buch, unsterblich verliebt ins Leben, das es wirklich verdient hat, auch bei uns endlich entdeckt zu werden." -- Brigitte
»Ein Buch, unsterblich verliebt ins Leben, das es wirklich verdient hat, auch bei uns endlich entdeckt zu werden.« Brigitte