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'Der Zahir' ist die Geschichte einer Suche. Sie handelt von der Beziehung zweier Menschen, die im gleichen Abstand wie Eisenbahnschienen nebeneinanderher leben und einander verlieren. Eine gleichnishafte Erzählung über eine innere und äußere Reise, an deren Ziel jeder sich selbst findet - und vielleicht auch wieder die Liebe.…mehr

Produktbeschreibung
'Der Zahir' ist die Geschichte einer Suche. Sie handelt von der Beziehung zweier Menschen, die im gleichen Abstand wie Eisenbahnschienen nebeneinanderher leben und einander verlieren. Eine gleichnishafte Erzählung über eine innere und äußere Reise, an deren Ziel jeder sich selbst findet - und vielleicht auch wieder die Liebe.
  • Produktdetails
  • detebe Diogenes Taschenbücher Bd.23580
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 341
  • Erscheinungstermin: Dezember 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 111mm x 25mm
  • Gewicht: 292g
  • ISBN-13: 9783257235807
  • ISBN-10: 3257235801
  • Artikelnr.: 20840250
Autorenporträt
Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, lebt heute mit seiner Frau Christina Oiticica in Genf. Alle seine Romane (insbesondere 'Der Alchimist', 'Veronika beschließt zu sterben', 'Elf Minuten', 'Untreue' und zuletzt 'Die Spionin') sind Weltbestseller, wurden in 81 Sprachen übersetzt und über 215 Millionen Mal verkauft. Die Themen seiner Bücher und seine Reflexionen regen weltweit Leser zum Nachdenken an und dazu, ihren eigenen Weg zu suchen.
Rezensionen
Besprechung von 07.06.2005
Der Verkündigungsgolem
Sind wir im Herzen nicht alle kasachische Nomaden? Paulo Coelhos „Der Zahir”
Gigantisch aber, liebe Gemeinde, ist die Blase des spirituellen Vakuums, die sich um unseren kalten Planeten bläht, die Stratosphäre zurückdrängt und dem Allmächtigen ins Nierenbecken drückt. Schon seit Monaten gibt es keine Offenbarungen mehr von den grell geschminkten Lippen unserer sanftäugigen Uriella; - wurde sie von Uschi Glas’ Gesichtscreme aus der sichtbaren Welt geätzt? Auch die mesmerische Strahlkraft des gesalbten Pastor Fliege lässt sichtlich nach, und im Vatikan waltet nach dem polnischen Popstar nun ein deutscher Dogmatiker mit dem Sex-Appeal einer kritischen Kant-Gesamtausgabe. Wer soll unseren Jenseits-Hunger stillen? Sogar die heilsbringende Klon-Sekte der tapferen Raelianer ist nun schon seit drei Sonnenfinsternissen verstummt.
Ist sie das wirklich? Mitnichten! In einem Geheimlabor im brasilianischen Urwald haben die DNS-Jünger einen hocheffizienten Verkündigungsgolem geklont, der unkontrolliert Erweckungsbotschaften in die spirituelle Vakuumblase pustet. In einer revolutionären Download-Operation haben sie ihrem Propheten einen synkretistischen Cocktail aus den Binsenweisheiten sämtlicher spiritistischer Parallelgesellschaften unter die hohle Hirnschale gejubelt. Druidische Konfirmandensprüche, Voodoo-Kalenderweisheiten und die zweihunderfünfzig sinnigsten Glückskeks-Slogans aus dem Konfuzius Fabrikverkauf: Alles drin. So aber entstand der unbesiegbare Synkretin Coelho.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist der brasilianische Eso-Schwadroneur Paul Coelho einer der drei erfolgreichsten Autoren der Welt. Da fragt man sich natürlich, ob Lesen nicht eine maßlos überschätzte Kulturtechnik ist. Vielleicht trägt Nordic Walking doch mehr zur Herzensbildung bei. Coelhos Bauernfänger-Parabeln werden von internationalen Wirtschaftsmagazinen hochgelobt. Sein erster Streich war ein initiatorischer Pilgergang auf dem alten Jakobsweg nach Santiago di Compostela. In Spanien lernte er, wie erfolgreich ein esoterischer Bummel entlang der literarischen Nullachse sein kann. Seitdem hat er diesen Pfad nie wieder verlassen. Buch für Buch hat er ihn beschritten, mal in Begleitung eines wissensdurstigen andalusischen Hirten, mal in Gesellschaft des wundervollen Propheten Elia oder einer todessehnsüchtigen jungen Slowenin mit grünen Augen - sowieso, Coelho und die Augen. Natürlich sein Vademecum über die tapferen Lichtkrieger nicht zu vergessen. Die Lichtkrieger? Ja, einfach weiterlesen, ist wurscht, ist halt Coelho. In all seinen so genannten Büchern klingt der Weise vom Zuckerhut mit dem experimentellen Kinnbärtchen ungefähr wie ein Jedi-Ritter, der sich ins Grundstudium Philosophie verirrt hat. Welcher böse Teufel aber reitet diesen Golem im Augenblick? Paartherapie mit kasachischen Steppennomaden.
Esther ist weg. Verkrustungen und Verknorpelungen im Zusammenleben mit ihrem Gatten, einem Autor von spirituellen Bestsellern, haben sie aus dem reichen Pariser Zuhause getrieben. Daraus wird der Autor nun einen spirituellen Bestseller machen. Und das geht so: Esther hat schon immer das Leben gesucht. Deswegen ist sie Kriegskorrespondentin geworden. Denn nur im Angesicht des Todes offenbart sich wahre Lebensenergie. Und die Kraft der Liebe. Auf Recherchereise in Kasachstan hat sie den jungen Epileptiker Mikhail kennen gelernt, der bei seinen Anfällen die Stimmen der Großen Mutter der Steppe hört. Oder das Gemurmel des kleinen Hävelmannes, wurscht. Esther hat den Kasachen nach Paris verschifft, wo er in einem aserbaidschanischen Restaurant esoterische Nomadenrituale aus der Steppe zelebriert. Die Pariser sind begeistert. Holländer sind nicht im Spiel. Noch nicht. Mikhail und seine Geheimlehren zeigen Esther, dass ihre Ehe hinüber ist, und sie verschwindet.
Power-Yoga nach McKinsey
Für den Schriftsteller wird die verschwundene Frau zur Obsession. In seinem wurmstichigen Hirnkastl bläht sich übergroß ihr Bild, ein Phänomen, das die islamischen Mystiker „Zahir” nennen. Wie die amüsanten Hopi-Indianer dieses Phänomen nennen, erfahren wir leider nicht. Vielleicht in Coelhos nächster Eso-Romanze. Dank der Einweisungen des kasachischen Epileptikers und seiner assistierenden Hävelmann-Souffleure lernt nun auch unser Bestsellerautor, sein Leben zu ändern. Denn pro Coelho-Buch muss mindestens einmal das Leben geändert werden. Vor lauter wieder aufflackernder Lebensfreude zieht der Autor betrunken mit Mikhails weisen Punkerfreunden durch die Stadt, denn sind wir im Herzen nicht alle kasachische Nomaden?
In seitenlangen Dialogen gibt uns Coelho die sandgestrahlten Glanzstücke zentralasiatischer Weisheit weiter, die uns unter anderem lehren, dass Menschen mit Gesichtspiercing nicht gar so bös sind, wie sie aussehen, dass der Pariser Literaturbetrieb die große Hure Babylon ist, und dass man die internationalen Bestsellerlisten nicht essen kann. Manche müssen sich für solche Erkenntnisse dreihundert Seiten von kasachischen Hävelmännern soufflieren lassen, anderen erhellen sich diese Zusammenhänge im Alter von ungefähr fünfzehn Jahren in einem Satori beim morgendlichen Einbalsamieren der Pubertätsakne. In beiden Fällen ist die Begeisterung über das eigene genialische Ego grenzenlos. Nur verbreitet der eine gute Laune im Schulbus, und der andere verstopft den knapp bemessenen Regalplatz in unseren Buchhandlungen.
Gerne würde man etwas zu Coelhos Stil schreiben. Aber es gibt ihn leider nicht. Dieser synkretistische Knallerbseneintopf ist im ungenießbaren Esolekt von Promo-Flyern für Schwitzhüttenworkshops, Menstruationstrommeln und Power-Yoga nach McKinsey verfasst. Dazwischen stehen didaktische Erbauungsdialoge, die bei ihrer angestrengten Simulation von sokratischer Mäeutik unerträglich hölzern klappern. Da Coelho weiß, dass sein Selbstfindungsgeblöke sprachlich ungefähr so wohlgeformt wie der Urschrei des ersten Pantoffeltierchens ist, verdammt er Stil ganz generell: „Den meisten Schriftstellern geht es mehr um den Stil als um den Inhalt, sie wollen originell sein, aber schaffen es allenfalls, langweilig zu sein.” Uns aber hat der globalisierte Erweckungsscirocco geflüstert, dass es im unberechenbaren Schatten einer kasachischen Wanderdüne einen windgegerbten Schriftgelehrten geben soll, der einen interessanten Inhalt mit einem originellen Stil zu verbinden weiß. Was er macht, nennen einige isländische Mystiker Literatur.
Psychologisch ist vielleicht noch interessant, wie sehr Coelho der klaffende Gegensatz zwischen seinem Erfolg auf dem Buchmarkt und seinem Misserfolg bei der Literaturkritik beschäftigt. Die einzige Möglichkeit, all die Verrisse seiner Erweckungsschmonzetten zu verarbeiten, scheint für ihn darin zu bestehen, schamlos seinen Stolz auf seine Karriere als millionenschwerer Selfmademan des spirituell verbrämten Schundromans zur Schau zu stellen. Seitenlang referiert Coelho in diesem mit dem Autobiographischen kokettierenden Roman über seine Verkaufszahlen und seine Reichtümer und jammert über ignorante Kritiker, die es nicht ertragen, wenn sich jemand aus der Mittelmäßigkeit erhebt. Ziemlich unentspannt und erstaunlich diesseitig für einen brasilo-kasachischen Erleuchteten.
Und wo findet unser Bestsellerautor seine Frau wieder? Logisch, hinter einer singenden Düne in der kasachischen Steppe, das war klar.
STEPHAN MAUS
PAULO COELHO: Der Zahir. Roman. Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann. Diogenes Verlag, Zürich 2005. 342 Seiten, 21,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Der brasilianische "Eso-Schwadroneur" Paul Coelho habe mit seinem neuen Buch eine "Eso-Romanze" in einem "ungenießbaren Esolekt" vorgelegt, wie Rezensent Stephan Maus sich auszudrücken beliebt. Aus dessen polemischen Kaskaden gegen Coelho lässt sich immerhin Folgendes über die Handlung des Romans extrahieren: Die Kriegskorrespondentin Esther lernt den kasachischen Epileptiker Mikhail kennen, der über übersinnliche Kräfte verfügt und Esther das Ende ihrer Ehe mit einem Autor von spirituellen Bestsellern prophezeit, woraufhin sie verschwindet. Bei ihrem Ehemann sei daraufhin ein Zuwachs an Lebensfreude zu verzeichnen, obwohl die verschwundene Frau ihm "zur Obsession" werde, bis er Esther schließlich wiederfindet. Euphemistisch formuliert 'kritisiert' Maus sowohl den Plot, die Charaktere, den Stil und den Gehalt des Werkes und spart auch nicht mit Spott über den realen Autor, den er in der Figur von Esthers Ehemann abgebildet findet.

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