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Vom natürlichen Zustand der Armut und davon, wie man ihn mit Würde und ohne Erschütterung des Nervensystems erträgt: Sándor Márai zeigt mit schwarzem Humor, wie der Arme sich in Fragen der Kleidung und des Reisens, des Essens und Trinkens, der Freizeit und der Frauen zu verhalten habe. "Dem Geldverdienen pflege ich eine leichte, elegante und unauffällige Note zu verleihen." - Das ironische, so zeitlose wie zeitgemäße Handbuch zur Armut vom brillanten Essayisten und Romancier Sándor Márai.…mehr

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Produktbeschreibung
Vom natürlichen Zustand der Armut und davon, wie man ihn mit Würde und ohne Erschütterung des Nervensystems erträgt: Sándor Márai zeigt mit schwarzem Humor, wie der Arme sich in Fragen der Kleidung und des Reisens, des Essens und Trinkens, der Freizeit und der Frauen zu verhalten habe. "Dem Geldverdienen pflege ich eine leichte, elegante und unauffällige Note zu verleihen." - Das ironische, so zeitlose wie zeitgemäße Handbuch zur Armut vom brillanten Essayisten und Romancier Sándor Márai.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Piper Verlag GmbH
  • Seitenzahl: 176
  • Erscheinungstermin: 15. Januar 2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783492960083
  • Artikelnr.: 37337979
Autorenporträt
Sándor Márai, 1900 bis 1989, gehörte zu den gefeierten Autoren Europas, bis er 1948 mit seiner Emigration nach Italien und in die USA in Vergessenheit geriet. Mit der Wiederentdeckung des Romans »Die Glut« wurde er 1998 weltweit gelesen und als einer der bedeutendsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts erkannt. Der Niedergang des europäischen Bürgertums zählt zu seinen wichtigsten Motiven.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 20.05.2006

Arm, aber frei
Sándor Márai verweigert sich dem Kampf ums Dabeisein

Solange wir uns zum Menschen und nicht zum verantwortungsbewußten Verbraucher bilden sollten, wurde uns mit Seneca geraten, nie einen für glücklich zu halten, der von äußeren Dingen abhängt, also nicht sich im Besitz hat, sondern unter der Gewalt seiner Habseligkeiten steht. Denn alles ist wertlos und flüchtig, außer der Weisheit und Tugend; beides wird dem Sterblichen als etwas Unsterbliches zuteil. Solche Empfehlungen gelten mittlerweile als ebenso kontraproduktiv wie die Parole: Geiz ist geil. Sie schaden nämlich der Binnenkonjunktur und damit dem dringend erwarteten Aufschwung. Wo Einkaufen zum Erlebnis wird, gilt die Verheißung: "Hier bist du Mensch, hier kaufst du ein." Wer vieles hat, soll noch mehr haben wollen.

Sándor Márai war überhaupt nicht neugierig auf eine schönere Zukunft mit solchen Versprechen, ob nun marktkapitalistisch oder staatskapitalistisch ausgeschmückt. Mit seiner "Schule der Armen", 1947 in deutscher Übersetzung erschienen und jetzt wieder aufgelegt, wollte er einzelne "letzte Menschen" dazu überreden, sich nicht gleichschalten zu lassen und in der Religion des erlösenden Massenkonsums ihr Heil zu suchen. Er wandte sich an alle jene, in denen noch der sittliche Mut lebt, "ohne geringste Sehnsucht nach Märtyrertum" dennoch "lieber den Flammentod" zu wählen, "den die Inquisitoren unserer Zeitepoche für den Individualisten bereithalten, als die Kollektive".

Diese ars vivendi pro pauperibus, als die "Kunst des stilvollen Verarmens" anderwärts popularisiert, möchte einigen wenigen dabei helfen, sich in ihrem Ich wie in einem Bollwerk zu verschanzen, um sich darin trotz aller zeitgeistreichen Attacken behaupten zu können.

Unter Armen begreift Márai, wie im lateinischen Mittelalter, alle Menschen, die unselbständig arbeiten, ohne Macht sind, ohne Einfluß, die immer mit Kontrolle oder Zwischenrede rechnen müssen. Arm und unfrei in diesem Sinne ist die überwältigende Mehrheit auch in sogenannten freien Gesellschaften. Freiheit hat für Sándor Márai jedoch nichts mit Verfassungsgarantien zu tun. Sie ereignet sich im Inneren. Macht und Reichtum können die Suche nach ihr und damit nach sich selbst manchmal erleichtern. Aber meist verleiten sie zu Eitelkeit, Selbstüberschätzung und geistiger Verwirrung, die weltfremd und einsam macht. Darin äußert sich das Elend der Reichen und Mächtigen.

Die Reichen stehen unter dem Druck, noch reicher zu werden

Arm in der Welt, leben die Freien im Geiste aus dem beglückenden Gefühl heraus, "das die Erkenntnis und die praktische Ausübung der sittlichen Wahrheiten der Seele schenkt". Eine solche wirkliche Tugendhaftigkeit ermöglicht einen leidenschaftlichen, sinnlichen und heiteren Zustand. Diese Hilaritas, die Heiterkeit der wahrhaft Freien, die Sándor Márai an Franz von Assisi bewundert, fehlt den Reichen. Sie stehen dauernd unter Druck, Vermögenswerte aufzuhäufen, zu expandieren und ihre Produktionspalette zu diversifizieren. Darüber versäumen sie das Leben, entfremden sich von ihrem ungeahnten Eigentum und geraten in Abhängigkeiten, aus denen sich Lohnabhängige zumindest innerlich lösen können.

Die Unfreien sollen möglichst lernen, Distanz zu ihrer entfremdeten Arbeit zu wahren, den Ehrgeiz zu mäßigen und sich der gesellschaftlichen Umwelt mit ihren Anforderungen zu entziehen. Haben sie das gelernt, dann können sie im Inneren die Springbrunnen aufdrehen und sich mit ihrem Steigen und Fallen Echowände schaffen. Zieht ein Mensch nach dem gelobten Land, also in sein innerstes Eigentum, dann sollte er aus der alten Heimat außer einigen Büchern weder Aktien und Liebesbriefe noch Rang, Titel und überflüssige Einrichtungsgegenstände mitschleppen. Auf diese Reise übt man sich am besten ein, indem man anfängt, Telefonanrufe nicht zu beantworten, Einladungen zu armen Wichtigtuern absagt, sich überhaupt aus dem Kampf ums Dabeisein zurückzieht, nicht mehr auf Reisen geht und darauf verzichtet, seine Garderobe zu aktualisieren.

Beginnt man, allmählich außerhalb der Gesellschaft zu leben, ist man der Verpflichtung enthoben, verständnisvoll auf sogenannte Mitmenschen zu reagieren, an deren beruflichen Sorgen und albernen, sich immer wiederholenden Liebesgeschichten Teilnahme zu heucheln oder Interesse für deren Bemerkungen zur weltpolitischen Lage vorzutäuschen. Im aufregenden, verworrenen und ermüdenden Leben in der Gesellschaft steht der arme Unfreie unter dem Diktat, möglichst nichts zu versäumen. Begreift er, daß er gar nichts versäumen kann, keine Uhr braucht und keinen Terminkalender, entdeckt er die herrlichste Gottesgabe - die Zeit, die freie Zeit. "Nur der Arme, nur der richtige und begabte Arme weiß etwas von der Zeit . . ., daß nur die Zeit die Dinge ins richtige Licht zu rücken vermag."

Zeit gewinnen, indem

man sie heiter verschwendet

Mit der Zeit hat der Arme einen Schatz entdeckt, den er selig verschwendet, ohne viel zu verlieren. Im Gegenteil, er gewinnt, indem er sie verschwendet, die Möglichkeit, die wunderbaren Einzelheiten des Daseins zu genießen und sich bei jeder Gelegenheit eine festliche Stimmung herbeizuzaubern. "In der Lebenskunst des Armen offenbart sich eine Art von sittlichem Verlangen, mit dem die großen schaffenden Künstler die Eindrücke der Welt in sich aufnehmen." Er sieht das Lächeln eines Menschen in der Gesamtheit der Erscheinungen und dennoch für sich, herausgehoben aus dem unbegreiflichen Chaos der Welt.

Der Reiche kennt die Poesie der Armut und der Muße nicht. Er hat keine Zeit, muß zu Diners oder Konferenzen eilen, ununterbrochen telefonieren, Stunden in der Gesellschaft langweiliger Menschen verbringen oder bis Mitternacht während Sitzungen so tun, als ob er arbeite. Der Reiche und Mächtige ist als Schlachtopfer des Fleißes und der Umtriebigkeit ein Sklave der Systeme, für deren Funktionstüchtigkeit er sorgt. Das Ziel und der Zweck der Armut ist hingegen die Freiheit. Sie verleiht die Kraft, jedem aus dem Weg zu gehen, der sich weigert, die Unabhängigkeit des Armen anzuerkennen, der sich als Künstler seiner selbst damit beschäftigt, aus dem widerstrebenden Rohmaterial des Lebens das Individuelle, das Erhabene herauszumeißeln. Der Arme weiß mit Haltung dieses Leben auf sich zu nehmen im Bewußtsein, daß des Menschen Recht heißt: zu hungern und zu leiden.

Diese natürliche Bedingung des Menschseins erlaubt es ihm, sich in seine ureigene, in ihrer Art erstklassige Welt zurückzuziehen und dem Rest der Welt den Rücken zu kehren. Nur wer arm ist, also mit sich bekannt, stellt Ansprüche, denn er verlangt "das Allerfeinste oder das Allereinfachste, mit einem Wort das Wahre". Damit entzieht er sich allerdings den Waren, dem Markt mit seinen Lügen und Surrogaten. Wer sich der Warenwelt verweigert, weil er nach dem Wahren strebt, der ist der Arme, aber Freie.

In den Minuten bewußten Unglücks erkennt er, daß alles wirklich Lohnende nur ihm gehört: das Nichtexistierende, das Unerreichbare. Davon zehrt er, und weil er mit der Zeit wie mit einem goldenen Überfluß spielen darf, schenkt sich ihm sogar zuweilen die Gunst der Frauen, die Arme verachten, aber Verschwender schätzen, Verschwender von Macht, Geld oder von Zeit. Aber das lustvolle Liebesopfer der Armen ist von vornherein durchglüht von der quälenden Vorahnung der Hoffnungslosigkeit. Doch das verlorene Glück bleibt unverloren in der Erinnerung. Frei und glücklich ist, wer nichts mehr zu verlieren hat. Die "Schule der Armut" ist ein eleganter Leitfaden, sich in der größten Nation einheimisch zu machen, in der Resignation. Anders als Alexander von Schönburgs Buch lehrt sie nicht die versnobte Kunst des stilvollen Verarmens in Einkaufsparadiesen, sondern will dem Individuum Mut machen, nicht an sich zu verzweifeln und seine Freiheit zu verspielen.

Sándor Márai: "Schule der Armen". Leitfaden für Menschen mit geringem Einkommen. Aus dem Ungarischen übersetzt von Tibor Podmaniczky. Piper Verlag, München 2006. 170 S., geb., 16,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Das Lob der Armut war in einem kommunistischen Land eine Provokation, behauptet Dieter Borchmeyer überzeugend, denn "der Kommunismus ist nicht weniger vom Besitz besessen als der Kapitalismus". Kurz nach Erscheinen seiner "Schule der Armen", 1948, flüchtete Marai aus Ungarn in den Westen. Sein Essay ist witzig, geistvoll, eine Eloge auf die Armut als natürlicher Zustand, denn nur wenige Lebewesen wie Ameisen, Termiten oder Bienen meinen "unter dem Zwang einer langweiligen Gesellschaftsordnung" arbeiten und Besitz anhäufen zu müssen. Alles in allem eine sehr amüsante und Trost spendende Lektüre, findet Borchmeyer, warnt allerdings die Feministinnen. Für sie sei die "Schule der Armen" eine "bittere Lektüre" - denn Frauen stehen auf Reichtum. Zumindest sah es Marai so, dessen "relativierenden Witz" der Leser bloß nicht übersehen solle, warnt der Rezensent. Ideologische Lösungen seien dem Autor fremd, versichert er. Stattdessen beschwöre er den "Zauber des Individualismus", zitiert Borchmeyer den Verfasser.

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