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2 Kundenbewertungen


Dass sie, die jüngste Tochter, das zarte Kind, den Bauernhof ihrer Eltern abfackelt, ist nicht nur ein Versehen, es ist auch Notwehr. Ein Akt der Selbstbehauptung gegen die Zumutungen des Heranwachsens unter dem Regime der Eltern, einer frömmelnden, bigotten Mutter und eines Vaters mit einem fatalen Hang zu Alkohol, Pyrotechnik und Esoterik. Von den älteren Zwillingsschwestern nicht zu reden, zwei Eisprinzessinnen, die einem bösen Märchen entsprungen sind und ihr, der Infantin in Stallstiefeln, übel mitspielen, wo sie nur können. Und natürlich fehlen auch Jäger, Pfarrer und Bürgermeister nicht…mehr

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Produktbeschreibung
Dass sie, die jüngste Tochter, das zarte Kind, den Bauernhof ihrer Eltern abfackelt, ist nicht nur ein Versehen, es ist auch Notwehr. Ein Akt der Selbstbehauptung gegen die Zumutungen des Heranwachsens unter dem Regime der Eltern, einer frömmelnden, bigotten Mutter und eines Vaters mit einem fatalen Hang zu Alkohol, Pyrotechnik und Esoterik. Von den älteren Zwillingsschwestern nicht zu reden, zwei Eisprinzessinnen, die einem bösen Märchen entsprungen sind und ihr, der Infantin in Stallstiefeln, übel mitspielen, wo sie nur können. Und natürlich fehlen auch Jäger, Pfarrer und Bürgermeister nicht in dieser Heuboden- und Heimatidylle, die in den schönsten Höllenfarben gemalt ist und in der es so handfest und herzhaft zugeht wie lange nicht. Dieses Buch ist ein Fanal, ein Feuerwerk nach dem Jüngsten Gericht unter dem Watschenbaum. Es erzählt von Dingen, als gingen sie auf keine Kuhhaut. Schrill, derb, ungeschminkt, rotzfrech und hart wie das Landleben nach dem Zeltfest und vor der Morgenmesse. Eine sehr ernste Angelegenheit, ein sehr großer Spaß!

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  • Produktdetails
  • Verlag: Jung und Jung Verlag
  • Seitenzahl: 176
  • Erscheinungstermin: 28.02.2020
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783990271773
  • Artikelnr.: 58273608
Autorenporträt
Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg in einem Opel Kadett. Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg. Diverse Ausstellungen und Kunstaktionen, Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Lebt als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Eine Kindheit auf dem Land, die absolut nichts mit Idylle zu tun hat. Ein junges Mädchen, die Kleinste in der Familie, die vor lauter Vernachlässigung den Bauernhof in Flammen aufgehen lässt und sich in albtraumhafte Fantasiegebilde flüchtet. Und eine Familie, die sich nicht entscheiden kann, ob zwischen all dem Hass auch noch etwas Liebe übrig bleibt. In Helena Adlers Roman durchlebt die Protagonistin ein einziges Martyrium. Ihre Zwillingsschwestern verabscheuen sie bis aufs Blut und lassen ihre sadistischen Gemeinheiten jeden Tag an ihr aus, die Mutter ist abweisend und zutiefst religiös und der Vater nur ihr gegenüber liebenswürdig, ansonsten aber unzurechnungsfähig. Als auch noch ihre Urgroßeltern sterben, beginnt ein Kampf um Selbstbehauptung, bei der ihr lediglich die Wölfe zur Seite stehen. Helena Adler zeichnet eine so morbide Kindheit nach, dass das Buch eine einzige Odyssee ist. Sprachlich bewegt sie sich irgendwo zwischen Brutalismus und Skurrilität, jagt die Lesenden durch einen einzigen surrealen Albtraum, jedes Wort heftiger als das Vorangegangene, jede Seite ein Aufschrei gegen die Gewalt. Wer die abgrundtief böse Dynamik des Buches aushält, wird mit einem wahren Kunstwerk beglückt.

© BÜCHERmagazin, Ava Amira Weis

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 06.06.2020

Betonierte Plazenta
Heimat kann ein grotesker Ort sein und lässt einen doch nicht los: Helena Adlers Roman „Die Infantin trägt den Scheitel links“
Der Dorfroman hat seit Jahren Hochkonjunktur. Am besten verkauft er sich in seiner charmant idyllisierenden oder mild elegischen Ausprägung, wie man an den Bestsellererfolgen von Mariana Leky und Dörte Hansen sieht. Der Anti-Heimatroman gilt als österreichische Erfindung der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts und steht im Ruf, ein schwermütiges bis finsteres Genre zu sein, das dann wiederum seine eigenen Parodien hervorbrachte. Den Debütroman von Helena Adler, die 1983 in Oberndorf bei Salzburg „in einem Opel Kadett“ zur Welt kam und später unter anderem Malerei am Mozarteum studierte, müsste man wohl zur Anti-Heimat-Literatur zählen, weil er in denkbar krasser Form mit einer dörflichen Herkunft, einer bäuerlichen Sippe und den Schrecken des Landlebens abrechnet. Die Parodie dazu liefert die Autorin aber gleich mit, denn in ihrer Beschimpfung des ruralen Milieus und des familiären Gruselkabinetts gehen Zorn und Komik eine so innige Verbindung ein, dass man das Ganze ebenso gut für eine satirische Erfindung halten könnte.
Ist es aber nicht. Helena Adler, die in Wirklichkeit anders heißt, hat eine Menge von dem, was sie feuerwerksartig aus ihrer Erzählkanone schießt, selbst erlebt. Dass wir es hier mit einer sehr speziellen, zumindest interessant gebrochenen Dorfbiografie zu tun haben, lässt der Titel ahnen: „Die Infantin trägt den Scheitel links“. Politische Implikationen kann man sich abschminken, feudalistische Nostalgie ebenfalls, aber eine Prise Größenwahn gesteht die Autorin sich ausdrücklich zu.
Die ersten beiden Sätze des Romans, der Schilderung eines familiären „Nachtmahls“ vorangestellt, rücken die Szene geradewegs in die Kunstgeschichte ein: „Nehmen Sie ein Gemälde von Pieter Bruegel. Nun animieren Sie es.“ Damit nicht genug: Die einundzwanzig Kapitel sind überschrieben mit den Titeln bedeutender Bildwerke zwischen Renaissance und Moderne, und zur Bruegel-Fantasie darf man „Home Sweet Home“ assoziieren, einen mit Gasmasken gefüllten Objektkasten des französisch-amerikanischen Künstlers Arman, der den „Nouveau Réalisme“ mitbegründete.
Wer die Latte so hoch hängt, riskiert den Absturz. Doch Helena Adler löst ein, was ihr künstlerischer Anspruch verheißt, indem sie Worte mal wie Fingerfarben, mal wie einen kräftigen Zeichenstift benutzt. Die Familie, Urgroßeltern, Eltern und die anfangs sechsjährige Erzählerin mit ihren beiden bösartigen Schwestern, hat sich bei Gewitter zum Gebet versammelt: „Ich vergrabe das Gesicht in meinem rotzigen Ärmel, und als ich mit meinen Kinderaugen wieder aufblicke, fotografiert der Blitz von draußen herein. Ein Bild mit Dämonen und Zyklopen, Vogelscheuchen, Menschenfressern und anderen gemeinen Teufeln. Das Beten wird zu einem Exorzismus, den sie an sich selbst exerzieren. Das flackernde Licht verformt ihre Gesichter und malt ihnen Falten und Runzeln aus vorgeschichtlicher Zeit auf die Stirnen. Niemals ist das meine Familie, ich bin allein auf meinem Heimatplaneten.“
Überzeichnung, Übertreibung und die groteske Zuspitzung von Bauernhof-Klischees sind Adlers liebste Stilmittel, und sie lässt die Heldin mit ihren Einsamkeits- und Fremdheitsgefühlen zwischen Stalldunst, Schweineblut und Weihrauchduft hemmungslos kokettieren. Ein „gewöhnliches“ Bauernmädchen ist die Kleine allerdings nicht: Der Vater hängt dem Biolandbau in seiner spirituell gefärbten Variante an, die Mutter praktiziert ein exaltiertes Christentum mit viel Musik, die ehrgeizigen Zwillingsschwestern betreiben Eiskunstlauf. Die Urgroßeltern, deren Haus und Hof alle gemeinsam bewohnen, werden in liebevoll skurrilen Beschreibungen porträtiert: „Das sind Charakterköpfe mit verbügelten Gesichtern, noch nicht ganz abgestorbene Seelen. Sie sind bodenständig geblieben, damit wir abheben konnten, der Vater in die Esoterik, die Mutter mit den Engeln, die Schwestern mit ihren Schlittschuhen und ich mit dem Verstand.“ Und weiter heißt es: „Sie choreografieren mein Leben, sodass ich mich sicher fühle, dass es richtig ist, wie ich meinen Malzkaffee trinke, dass ich den Kindergarten verweigere oder im Deutschaufsatz unser Haus mit einem Schiff vergleiche, dessen Segel aus den alten Unterhosen des Vaters besteht. Sie bremsen mich zu völliger Ruhe und bewegen mich zum Aufruhr.“
Das klingt doch wieder nach Idyll, aber die aufrührerische Neigung bricht sich früh Bahn. So kommt es, dass das Kind halb unachtsam, halb mutwillig den Hof abfackelt, was von den Eltern, auch versicherungstechnisch bedingt, mit Fassung aufgenommen wird, aber vier Jahre äußerst beengten Wohnens nach sich zieht, Flöhe und Wanzen inbegriffen. Dafür weitet sich der Erzählradius der kleinen „Satansbrut“, wie man sie fortan nennt, ins dörfliche Umfeld und auf die problematische Verwandtschaft aus. Blasser wird das Genrebild, wenn die Heldin heranwächst und ihr Rebellentum im Kreise einer verwilderten Dorfjugend pflegt. Am Ende dann großes Drama im Schnelldurchgang: Vertreibung aus dem Paradies, Krieg zwischen den Eltern, Knast für den Vater, Verlust des wiedererbauten Hofs, der elegisch beklagt wird: „Man hat mir meine Heimat genommen und meine Kindheit dazu. Der Bauernhof war mein Jerusalem, eine Urheimat, betonierte Plazenta.“ Rettung entspringt, wie in einem veritablen Heimatroman, dem Wunder der Mutterschaft, das die Infantin entwaffnet. Die Autorin lebt heute mit Mann und Kind in der Nachbargemeinde ihres Herkunftsortes. Aber den Scheitel scheint sie immer noch links zu tragen, was auf weitere schräge Werke hoffen lässt.
KRISTINA MAIDT-ZINKE
Helena Adler:
Die Infantin trägt den Scheitel links. Roman.
Jung & Jung, Salzburg 2020. 188 Seiten,
20 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensentin Maria Frisé hat nichts zum Lachen mit Helena Adlers Familienroman. Idyllisch ist hier nichts, wenn die Autorin von ihrer Kindheit in einem Salzburgischen Bergbauerndorf erzählt, vom saufenden Vater und der schrecklichen Mutter. Wie sich Adler selbst als Infantin stilisiert, während um sie herum eine Brueghelsche Teufelsvision losbricht, findet Frisé mindestens gewöhnungsbedürftig. Provokant ja, aber nicht sehr glaubwürdig scheint der Rezensentin die Geschichte. Märchen oder doch die schreckliche Wahrheit?

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.11.2020

Horror in den Bergen
Helena Adlers "Die Infantin trägt den Scheitel links"

Helena Adler hat mit ihrem Debütroman "Die Infantin trägt den Scheitel links" in der österreichischen Literaturszene Aufsehen erregt und ist gleich unter den Finalisten des diesjährigen Österreichischen Buchpreises gelandet. Mit Ekelwörtern und tiefschwarzen Farben hat die zuvor als bildende Künstlerin bekanntgewordene siebenunddreißigjährige Autorin ihre Herkunft aus einem Bergdorf im Salzburgischen in eine Romanwelt voller Monster, stinkendem Unrat und Verfall verwandelt. Falls es ihre Absicht war, damit Leser zu verstören, die Heimatromane und Familienidyllen mögen, so ist ihr das gelungen.

Manche Rezensenten haben allerdings sogar Humor entdecken wollen in dieser Vorhölle, der Zitate bekannter Bilder der Kunstgeschichte Glaubwürdigkeit verleihen sollen. Helena Adler, die einer Bergbauernfamilie entstammt, hat Malerei und Philosophie studiert - und Brueghel, Gauguin, Baselitz oder Bosch mit seinem "Garten der Lüste" taugen auch für teuflische Visionen.

Die Provokation geht allerdings auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Gegen dieses familiäre Schreckensnest, in dem die frömmelnde Mutter Krallen an ihren Klauen hat und einen Schnabel wie ein Hackebeil, der Vater ein Grizzlybär ist mit einer ständigen Alkoholfahne, die weiteren Verwandten, auch die tückischen Zwillingsschwestern, ohne Ausnahme boshafte Teufel sind, wird ein kleines Mädchen, das eigentlich eine Infantin, jedenfalls etwas Besonderes, Schönes, also eben am besten eine Infantin werden will, zum "Teufelsbraten". So jedenfalls wird es im Dorf genannt, und natürlich wird ihm auch zugetraut, dass es den verkommenen Familienhof abgefackelt hat.

Was ist diesem Kind geschehen, dass es nur noch Hass und Abscheu empfinden kann und bei einem ausgedachten Wolfsrudel Schutz sucht? Das Titelbild des Romans lässt nur vage Deutungen zu. Es zeigt das Foto eines kleines Mädchens im sauberen Volantkleid und mit einer Schleife im Haar. Es schaut verängstigt drein, dem Weinen nahe. Ein Auge ist mit einer schwarzen Piratenklappe verdeckt, aber die Klappe ist dem Foto nur aufgemalt, genauso wie die Eselsohren und die lange Zunge des zerzausten Kuscheltiers, das das Mädchen im Arm hält. Eine Infantin, die den Scheitel links trägt, sieht anders aus. Man müsste über dieses Titelbild kein Wort verlieren, wenn es nicht von der Autorin selbst gestaltet worden wäre und also als fester Bestandteil des Romanprojekts verstanden werden müsste.

Vom "Mausoleum ihrer Kindheit" schreibt Helena Adler ganz realistisch am Schluss. Die Mutter ist in der Nervenanstalt gelandet, der Vater im Gefängnis, die Großeltern sind gestorben, der Hof und die Kühe wurden verkauft. Ist das nun ein böses Märchen oder die tragische Wahrheit? Das bleibt offen. Auf keinen Fall ist das etwas zum Lachen.

MARIA FRISÉ

Helena Adler:

"Die Infantin trägt den Scheitel links". Roman.

Verlag Jung und Jung,

Salzburg 2020. 188 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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