Wenn die gelbe Sonne brennt - Pollen, Geir

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Wenn die gelbe Sonne brennt erzählt die Geschichte vom Verlust einer Liebe und gleichzeitig die Geschichte einer tiefen Lebenskrise, die einen Mann befällt, einen Schriftsteller, dessen Obsession ihn fast in den Abgrund geführt hätte. Was ihm bleibt, ist die Erinnerung an eine Frau - und die Möglichkeit, schreibend das Vergangene Revue passieren zu lassen.
Geir Pollen schiebt die verschiedenen Zeitebenen übereinander und entzieht den Geschehnissen ihre Chronologie - weshalb sie seltsam entrückt erscheinen, fast zeitlos, traumgleich. Erinnerungsfragmente werden gegeneinandergestellt,
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Produktbeschreibung
Wenn die gelbe Sonne brennt erzählt die Geschichte vom Verlust einer Liebe und gleichzeitig die Geschichte einer tiefen Lebenskrise, die einen Mann befällt, einen Schriftsteller, dessen Obsession ihn fast in den Abgrund geführt hätte. Was ihm bleibt, ist die Erinnerung an eine Frau - und die Möglichkeit, schreibend das Vergangene Revue passieren zu lassen.

Geir Pollen schiebt die verschiedenen Zeitebenen übereinander und entzieht den Geschehnissen ihre Chronologie - weshalb sie seltsam entrückt erscheinen, fast zeitlos, traumgleich. Erinnerungsfragmente werden gegeneinandergestellt, miteinander verwoben, nehmen sich aus wie Steine eines großen, sich nie vollendenden Mosaiks. Und so handelt Wenn die gelbe Sonne brennt auch von der Unmöglichkeit, eine "Geschichte zu einer Erfahrung" zu finden; das Gelebte verwandelt sich im Schreiben in ein Neues, Unbekanntes, Faszinierendes. Geir Pollen ist mit seinem neuen Roman ein Werk von so großer sprachlicher Kraft, emotionaler Komplexität und poetischer Dichte gelungen, daß ihn die norwegische Kritik wiederholt in die Nähe von Nabokov gerückt hat, ein melancholisch schönes, fein komponiertes Buch.
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp / Suhrkamp Verlag AG
  • Artikelnr. des Verlages: 41831
  • Seitenzahl: 265
  • Erscheinungstermin: 18. September 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 129mm x 24mm
  • Gewicht: 361g
  • ISBN-13: 9783518418314
  • ISBN-10: 3518418319
  • Artikelnr.: 20842212
Autorenporträt
Geir Pollen wurde 1953 im nord-norwegischen Målselv (einhundert Kilometer von Tromsö entfernt) geboren. In Norwegen hat er bisher drei Gedichtbände und fünf Romane vorgelegt; sowohl sein erster Roman, Hutchinson's Nachf., als auch seine Übersetzung von W.G. Sebalds Austerlitz ins Norwegische wurden ausgezeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 03.07.2007
Ein Mann sieht rosa
Nach dem Bovary-Fieber: Geir Pollen lässt die Liebe erkalten

Am Anfang ist es nur eine Kleinigkeit. Ein paar Sätze bei einem Abendessen. Eine flüchtige Berührung in einer Bar. Eine Hals-über-Kopf-Aktion in einer regnerischen Novembernacht, wo er schließlich bei ihr im Hotelzimmer übernachtet. Eine erste Nacht, in der nicht mehr passiert als ein paar überhastete Küsse. Nichts eigentlich, wofür man sich als Ehemann schämen müsste. Nichts, was man nicht sofort auch wieder vergessen könnte. Doch dem namenlosen Haupthelden in Geir Pollens Liebesroman geht die Frau, von der er gerade einmal den Vornamen (Velina) und eine Handynummer weiß, nicht mehr aus dem Kopf. Er hat das Fieber, das schon Madame Bovary, Anna Karenina und Effi Briest dahinraffte. Der Held, der wie sein Schöpfer Schriftsteller ist (und auch sonst auffallend viele Ähnlichkeiten mit Pollen hat), fühlt sich ausgeknockt. Und schon an dieser frühen Stelle ahnt man, dass der Roman nicht von einer Durchschnittsverliebtheit handelt, sondern von einer zerstörerischen Amour fou, die alles will und alles verschlingt. Wie der kitschige Titel "Wenn die gelbe Sonne brennt" vermuten lässt, beschwört der norwegische Schriftsteller Geir Pollen darin nichts Geringeres als den altromantischen Mythos von der großen Herzenspassion noch einmal herauf, die den Verliebten schuldlos überkommt - und die (das weiß man aus den Eheromanen des neunzehnten Jahrhunderts) tragisch endet. Entsprechend hat der literarisch gebildete Held schnell selbst ein mulmiges Gefühl. "Wenn ich jetzt anrufe", überlegt er, als er Velinas Handynummer hervorkramt, "verändert das mein Leben. Ich sollte es nicht tun." Auf das erste Telefonat mit Velina folgen weitere, es kommt zu weiteren Treffen.

Nur handelt er, handeln auch alle anderen beteiligten Figuren in Pollens Roman längst nicht so leidenschaftlich, wie gewisse Stellen vermuten ließen. Als der Schriftsteller seiner Ehefrau am Neujahrstag eröffnet, dass er die Familie verlassen wird, fragt die Frau ihn nur: "Weißt du, was du tust?" "Ja", sagt er und geht. So einfach und undramatisch vollzieht sich diese Trennung, dass literarische Vorgängerinnen wie Anna Karenina, Madame Bovary oder Effi Briest aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen wären. Auch Pollens Liebhaberin Velina arrangiert sich auffallend pragmatisch mit der Sache. Und Pollens Verliebter selbst? Auch bei ihm erscheint die Leidenschaft merkwürdig abgedämpft. Nie fordert er etwas von seiner Geliebten. Nie beschwert er sich über ihre Demütigungen. Lieber leidet er still vor sich hin. Und zum Liebesbeweis für Velina avanciert bei ihm dann ausgerechnet ein geschmackloses Parfümfläschchen in Herzform, das der Verliebte in einer Drogerie des Londoner Flughafens findet und das den beziehungsreichen Namen Intuition trägt. "Er musste lange die Nase in ihre Halsgrube stecken (...) und fühlte sich ganz, ganz besonders", heißt es da. Sicher, man kann so eine Szene auch als sarkastische Kritik an der heutigen Kaufkultur und Ironieversessenheit lesen, die in ihrem Diktum nach beständiger Relativierung jede nach Einzigartigkeit strebende Liebe zur "lächerlichen Figur" degradiert, wie der Verliebte an anderer Stelle räsoniert. Pollen mag ein versierter Erzähler sein, der nicht nur eine poetische Sprache besitzt, sondern auch die Kunst der Spiegelung beherrscht - gleich zweimal streut er Anekdoten vom Ertrinken ein. Daneben lässt er seinen Schriftsteller an einem Buch über den norwegischen Landschaftsmaler Pedar Balke arbeiten, dessen abschnittsweise eingeflochtene Biographie eine Kontrastfolie abgibt. Und natürlich ist es trickreich konstruiert, dass dem Verliebten sein ursprüngliches Schreibprojekt immer mehr entgleitet, bis er am Ende kein Buch über den Maler, sondern eines über Velina geschrieben hat, das der Leser dann quasi in der Hand hält.

Doch diese Finessen können nicht darüber hinweghelfen, dass dem Roman einer Leidenschaft zunehmend der Beigeschmack einer Bewältigungstherapie anhaftet und ihm, nach rasantem Beginn, allmählich das abhandenkommt, wovon er doch eigentlich erzählen will: das Leidenschaftliche. Als der Geliebte endlich erkennt, dass Velina nur ihr "aussichtsloses Spiel" mit ihm treibt, tritt er einfach ab, ohne großen Abschied, um sich in Paris seinen Herzenskummer von der Seele zu schreiben. Wieder gibt es keine Anklagen, keine bösen Worte und auch keine Herzensbeteuerungen. "Das ist gut für dich", sagt Velina stattdessen, "du musst auch mal rauskommen." Leidenschaftsloser kann man einer Liebe wohl kaum den Laufpass geben.

GISA FUNCK

Geir Pollen: "Wenn die gelbe Sonne brennt". Roman. Aus dem Norwegischen übersetzt von Angelika Gundlach. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006. 266 S., geb., 24,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ein wenig enttäuscht scheint Rezensentin Gisa Funck von diesem Liebesroman Geir Pollens. Zwar schätzt sie den norwegischen Autor durchaus als "versierten" Erzähler, der über eine poetische Sprache verfügt und es versteht, einen Roman raffiniert zu konstruieren. Aber bald stellt sich bei ihr Ernüchterung ein. Denn nach einem rasanten Beginn, der nach einer fiebrigen, quälenden Amour fou in der Tradition von Madame Bovary, Anna Karenina und Effi Briest aussieht, wirkt der Roman auf sie zunehmend fade, kommt ihm doch das abhanden, worum es dem Autor eigentlich geht: die Leidenschaft. Stattdessen nimmt das Ganze für Funk den unguten "Beigeschmack einer Bewältigungstherapie" an.

© Perlentaucher Medien GmbH