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Die Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård: "Im Herbst" ist der erste Teil einer aus vier Bänden bestehenden grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt. Enthalten: Briefe an eine ungeborene Tochter, Reflektionen über alltägliche Phänomene. Ein Kind wird zur Welt kommen. Und ein Vater setzt sich hin, um ihm zu schreiben. Er will dem Kind zeigen, was es erwartet, die Myriade von Phänomenen und Materie, Tieren und Menschen, die wir die Welt nennen. Er schreibt über die Sonne und den Dachs, über die Thermoskanne und Urin, über das Bett und die Einsamkeit, während…mehr

Produktbeschreibung
Die Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård: "Im Herbst" ist der erste Teil einer aus vier Bänden bestehenden grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt. Enthalten: Briefe an eine ungeborene Tochter, Reflektionen über alltägliche Phänomene. Ein Kind wird zur Welt kommen. Und ein Vater setzt sich hin, um ihm zu schreiben. Er will dem Kind zeigen, was es erwartet, die Myriade von Phänomenen und Materie, Tieren und Menschen, die wir die Welt nennen. Er schreibt über die Sonne und den Dachs, über die Thermoskanne und Urin, über das Bett und die Einsamkeit, während das Kind im Dunkeln wächst."All das Fantastische, dem du bald begegnen wirst, das du bald sehen darfst, verliert man so leicht aus den Augen, und es gibt fast so viele Arten, dies zu tun, wie es Menschen gibt. Deshalb schreibe dieses Buch für dich. Ich will dir die Welt zeigen, wie sie ist und wie sie uns umgibt, die ganze Zeit. Nur indem ich das tue, kann ich selbst sie sehen. Was macht das Leben lebenswert?"

  • Produktdetails
  • Jahreszeiten-Bücher .1
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
  • Originaltitel: Om høsten
  • Seitenzahl: 283
  • Erscheinungstermin: 18. September 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 142mm x 29mm
  • Gewicht: 556g
  • ISBN-13: 9783630875149
  • ISBN-10: 3630875149
  • Artikelnr.: 48069735
Autorenporträt

Karl Ove Knausgård, 1968 in Norwegen geboren, hat mit seinem autobiografischen Romanzyklus "Min Kamp" (übersetzt: "Mein Kampf") einen Orkan in Norwegen und Schweden ausgelöst. Als die ersten Bände auf dem Markt waren, brach ein Medienhype los, Teile der Verwandtschaft verklagten Knausgård. Es trat das ein, was der Autor am meisten fürchtet: Er wurde beschimpft. Er, dem es so wichtig ist, dass er gemocht wird, der Konflikte hasst, musste das aushalten. Er sagt, dass das die schlimmste Zeit in seinem Leben gewesen sei. Der gerichtliche Ärger rührt daher, dass er nicht nur schonungslos über sich und seine Probleme, Ängste, sein Leben schreibt - sondern genauso sezierend über alle Freunde, Kollegen, die Freundinnen und die Familie. Die Medien stürzten sich auf so gut wie jeden Menschen, der in den Büchern erwähnt wurde. Nur ihn ließen sie erstmal in Ruhe. Um ihn herum tobte es und er saß im ruhigen Auge des Hurricanes. Die ersten Bände hat er freier geschrieben, danach hatte er im Hinterkopf, was diese Bücher auslösen und wurde ein wenig harmloser ...

Knausgård, der scheue literarische Superstar

Der Hype um den Romanzyklus verbreitete sich weltweit. Mittlerweile ist der Autor ein literarischer Superstar und Millionen Leser wissen alles über ihn. Er, der am liebsten allein ist, versucht daran einfach nicht zu denken, sonst würde er es nicht aushalten. Paradox, klar. Schließlich hat er dafür gesorgt, er all das geschrieben. Doch sei eben Literatur, sein Weg, sich auszudrücken. Wenn er beim Schreiben an den Punkt komme, sich von sich selbst und all den Erwartungen, Tabus etc. zu befreien, selbst sozusagen zu verschwinden, dann komme der Flow und er erlebe das Glück des Schreibens.

"Ich rede nicht, bin langweilig - aber so ist es nicht, wenn ich schreibe."

Er sagt von sich selbst, dass er Schwierigkeiten hat mit Menschen. "Ich rede nicht, bin langweilig - aber so ist es nicht, wenn ich schreibe. Dann zeige ich mich." Und doch hat er gelernt, seine Rolle zu spielen, tritt vor Publikum auf und gibt Interviews. Würde man ihm aber außerhalb dieser Rollen begegnen, würde seine Scheu wieder zum Vorschein kommen, er würde schweigsam werden und unsicher. Diese Unsicherheit, dieses Ringen um (s)einen Platz im Leben, im Schreiben, in der Liebe - das verfolgt die Lesewelt in den Romanen. Er will brillant sein und clever - doch sein Gefühl ist meist eines des Scheiterns. Dabei sorgte er schon mit seinem ersten Roman "Ute av verden" 1998 für Furore: Zum ersten Mal erhielt ein Debüt den norwegischen Kritikerpreis. 2004 folgte "Alles hat seine Zeit", nominiert für zwei Literaturpreise.

Eine manische Beichte als Beginn eines Welterfolges

Dass sich Knausgård quält mit dem Schreiben, ihm alles nie gut genug ist, wissen wir. Eine Schreibkrise - er saß fünf Jahre lang an einem Roman, der in seinen Augen nicht gut war - brachte ihn dazu, etwas Neues zu versuchen. Ihm sei klar geworden, dass er nichts konstruieren dürfe, dass er so ehrlich wie möglich sein solle. Er schrieb also über ein Erlebnis aus seiner Kindheit, das er vorher niemandem erzählt hatte, und schickte es seinem Lektor. Der nannte das eine "manische Beichte" - doch Knausgård spürte bei diesem Enthüllen "einen enormen Kick. Da steckt sehr viel Energie drin. Wenn ich keine Angst habe, keine Angst vor den Konsequenzen, dann kann ich das machen." Und er machte es und begann mit "Min Kamp". 2009 erschienen die ersten drei Bände und der Orkan brach los.

"Glück ist nichts für mich."

Heute lebt Knausgård mit seiner zweiten Frau und vier Kindern in einem Dorf in Schweden und steht früh auf, so gegen 4 Uhr, um Zeit für das Schreiben zu haben. Danach kümmert er sich um die Kinder und macht Frühstück. Ein ganz normales Familienleben. Ein glückliches? Dazu sagt er: "Glück ist nichts für mich." Auch der Erfolg habe daran nichts geändert ...

Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.10.2017

Erstaunliches
vom Dachs
Karl Ove Knausgård startet
sein Jahreszeiten-Projekt
Sein großes Werk ist vollbracht. Karl Ove Knausgård hat die sechs monumentalen Bände von „Min Kamp“, in denen er sein Leben mit einer zuweilen quälenden Aufrichtigkeit, Dichte und Länge beschrieb, abgeschlossen und ist nun frei für etwas Neues.
Zwar handelt es sich auch jetzt wieder um eine mehrteilige Reihe, die ihr Stichwort diesmal von den Jahreszeiten nimmt; „Im Herbst“ heißt diese erste Lieferung. Doch wer Knausgård kennt, der wird sofort bemerken, wie ein ganz anderes Grundgefühl auf diesen Seiten waltet. Schon wie unknausgårdisch kurz diese Einzelstücke sind! Siebzig davon, locker gesetzt, verteilen sich auf weniger als 300 Seiten. Sie tragen Namen wie „Laub“, „Plastiktüten“, „Knöpfe“, „Pisse“, „Vogelzug“, „Dachse“, Säuglinge stehen direkt neben Autos und Erfahrung neben Läusen. Sie überlassen sich dem Erstaunen über Phänomene der Alltagswelt, wie er sie im Umkreis seines südschwedischen Landhauses erlebt, mit den über alles geliebten Kindern, aber eigentlich noch lieber alleine. Jeder der drei Teile hebt an mit einem Brief an die einstweilen ungeborene jüngste Tochter; aber er verweilt dabei nicht. Höchstens ließe sich vermuten, dass er alles, was der Fall ist, stellvertretend für sie wie zum ersten Mal sehen will, aufmerksam und dankbar diesmal.
Alles ist selbstverständlich; aber dies vermindert nicht das Wunderbare daran, eher im Gegenteil: Ist es nicht unglaublich, dass ein fantastisches Wesen wie der Mond, der nachts über den Hausdächern schwebt, zu den Selbstverständlichkeiten gehört? „Die Welt spricht für sich selbst, aber wir hören nicht zu, und da wir uns nicht mehr in ihrer Tiefe aufhalten und sie als einen Teil unserer selbst erleben, ist es, als würde sie für uns verschwinden. Wir öffnen die Tür, aber es hat keine Bedeutung, es ist nichts, nur etwas, was wir tun, um von einem Zimmer in ein anderes zu gelangen.“
Es scheint, als hätten Knausgård seine alten Dämonen ein Stück weit aus den Klauen gelassen; und als öffnete sich ihm, da er zur Ruhe kommt, das Geheimnis der Dinge, das ihm vorher nicht bewusst werden konnte. Und man muss nichts tun dafür.
Knausgård, nordischer Protestant, hatte immer gemeint, dass man sich einen Genuss, sofern man ihn überhaupt erreicht, zuvor verdienen müsse. Nun fällt es ihm auf, dass gerade die nordischen Früchte dem Genuss keinen Widerstand leisten. Man denke daran, welch rituellen Aufwand eine Banane oder Orange verlangen, bevor man sie essen kann. „Äpfel sind da anders.“
Man kann einen Apfel ergreifen und sofort hineinbeißen, ohne ihn zu schälen, und sofort ist der scharfe, süße, frische Geschmack da. Er fährt mit seinen Kindern in den Wald, und unverhofft bietet sich ihnen ein Apfelbaum dar. „Können wir die essen, fragten sie. Ich sagte Ja, bedient euch. In einem plötzlichen Aufblitzen, ebenso erfüllt von Glück wie von Trauer, begriff ich, was Freiheit war.“
Um Konventionen jeder Art schert er sich nach wie vor nicht. In seinen Augen hat alles, was da ist, auch sein gutes Daseinsrecht, was sich z. B. in einer gänzlich unfrivolen Körperfrömmigkeit äußert. Wie etwa riecht Pisse? Der nicht unangenehme Geruch, den man selbst absondert, mischt sich mit dem beißenden Gesamt-Aroma der entsprechenden Örtlichkeiten, und: „Der kleine Gestank der eigenen Pisse verhält sich zum großen Gestank ähnlich wie die einzelne Zigarette zum Tod: mit einem leichten Kribbeln.“
Wäre Knausgård nicht Knausgård, könnte man so eine Stelle leicht für sarkastisch oder bloß geistreich halten. Wenn man ihm aber Vertrauen schenkt – und das sollte man –, enthüllt sich in diesem gewagten Vergleich eine Wahrheit über das Verhältnis von Allgemeinem und Besonderem. Oder wie steht es mit dem Dachs? Knausgård fällt auf, was für ein markantes Tier das ist, massiv und mit einer einprägsamen Körperzeichnung in Schwarz und Weiß, und, obwohl eher nachtaktiv, auch nicht eigentlich scheu – und dass er doch, anders als Bär oder Fuchs, „nicht in die Kultur hineingezogen wurde“. Er ist ein symbolfreies Wesen, das ganz für sich steht, mit starken Gewohnheiten und einer engen Beziehung zur Erde, und das Nachdenken über die Natur begünstigt. „Ich wünschte ihm nur das Beste.“ Bei jemand anderem klänge dieser Satz heuchlerisch oder hilflos. Knausgård meint es genau so.
Dieses Buch vom Herbst hat seinerseits etwas Herbstliches. Die Zeit der Hitze und der großen Aufregungen ist vorbei, ein kühler, heiterer Frieden ist eingekehrt, die grundlegenden Formen treten aus der früheren Verwirrung wie von selbst hervor, anmutig, klar und schlicht; sie tun, was Formen sonst selten tun, sie leuchten. Wer Knausgård liebt (und das sind inzwischen nicht wenige), wird glücklich sein, dass ihm dieses helle Buch gelang.
BURKHARD MÜLLER
Karl Ove Knausgård: Im Herbst. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Mit Bildern von Vanessa Baird. Luchterhand-Literaturverlag, München 2017. 286 Seiten, 22 Euro. E-Book 17,99 Euro.
Es scheint, als hätten den Autor
seine Dämonen ein Stück weit
aus den Klauen gelassen
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Frank Junghänel nennt Karl Ove Knausgard einen Gott mit kleinen Fehlern, daher sein Erfolg. Dass der Autor nach seinem Mammutwerk nun den Blick weitet, indem er ihn verengt, findet Junghänel logisch. Die kurzen Betrachtungen, "Miniessays" über Äpfel, Wespen oder Fieber, findet der Rezensent hinreißend. Und wieder ist der Autor ein Gott, indem er die Welt beschreibend neu erschafft, dem Gewöhnlichen seinen Zauber wiedergibt, wie Junghänel erklärt. Das funktioniert laut Rezensent über Genauigkeit und eine Kreisbewegung, die den Leser immer wieder an den Anfang der Überlegung zurückführt. Junghänel freut sich jetzt schon auf weitere Bände der neuen Reihe.

© Perlentaucher Medien GmbH
»Wer Knausgård liebt (und das sind inzwischen nicht wenige), wird glücklich sein, dass ihm dieses helle Buch gelang.« Burkhard Müller / Süddeutsche Zeitung