Brich auf in früher Dämmerung - Soyinka, Wole
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Mehr als eine Hauptfigur in der Welt der Literatur ist Wole Soyinka eine mutige Stimme für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit. Brich auf in früher Dämmerung ist eine intime Chronik über Soyinkas aufregendes Leben in der Öffentlichkeit, eine Meditation über Gerechtigkeit und Tyrannei und hypnotisierendes Zeugnis eines verwüsteten und doch hoffnungsfrohen Landes. In rauher, lyrischer und zutiefst menschlicher Sprache zeichnet Wole Soyinka Abenteuer und Unglück seines turbulenten Lebens als Erwachsener in - und im Exil von - seinem geliebten und mitgenommenen Heimatland Nigeria auf. Freunde…mehr

Produktbeschreibung
Mehr als eine Hauptfigur in der Welt der Literatur ist Wole Soyinka eine mutige Stimme für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit. Brich auf in früher Dämmerung ist eine intime Chronik über Soyinkas aufregendes Leben in der Öffentlichkeit, eine Meditation über Gerechtigkeit und Tyrannei und hypnotisierendes Zeugnis eines verwüsteten und doch hoffnungsfrohen Landes. In rauher, lyrischer und zutiefst menschlicher Sprache zeichnet Wole Soyinka Abenteuer und Unglück seines turbulenten Lebens als Erwachsener in - und im Exil von - seinem geliebten und mitgenommenen Heimatland Nigeria auf. Freunde und Familie, die ihn inspirierten und unterstützten, und den unzähmbaren Geist Nigerias erweckt er zum Leben. Ob er seine außerordentliche Freundschaft mit dem nigerianischen Geschäftsmann Femi Johnson beschreibt oder erzählt, wie er eine eingefrorene Wildkatze nach Amerika schmuggelt, um seine Studierenden ein wahres nigerianisches Barbecue erleben zu lassen, dieses Buch zeichnet sich durch
tiefe Menschlichkeit aus.
  • Produktdetails
  • Meridiane Bd.121
  • Verlag: Ammann / S. FISCHER
  • Originaltitel: You Must Set Forth at Dawn
  • Seitenzahl: 800
  • Erscheinungstermin: März 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 136mm x 63mm
  • Gewicht: 878g
  • ISBN-13: 9783100731364
  • ISBN-10: 3100731360
  • Artikelnr.: 30844771
Autorenporträt
Als bislang einziger afrikanischer Literat erhielt Wole Soyinka (* Abeokuta/Nigeria 1934) den Nobelpreis für Literatur im Jahr 1986. Akinwande Oluwole Soyinka, genannt Wole Soyinka, studierte in Afrika und Großbritannien, arbeitete als Dramaturg in London und lehrte als Literaturwissenschaftler in Nigeria. Soyinka engagiert sich im Kampf gegen Unfreiheit, Krieg und Diktatur, saß für sein friedenspolitisches Engagement während des Bürgerkrieges in Nigeria im Gefängnis und verbrachte Jahre im Exil in den USA. Literarisches Zeugnis dieser Zeit ist u. a. "Der Mann ist tot: Aufzeichnungen aus dem Gefängnis" (1972). Soyinka, seit 1994 Goodwill-Botschafter der UNESCO, schrieb neben zahlreichen Theaterstücken und Romanen auch Essays, in denen er sich kritisch mit diversen diktatorischen Regimes auseinandersetzt.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.06.2008

Der Kampf geht weiter
Wole Soyinka erinnert sich an sein Engagement

Wer in der frühen Dämmerung aufbricht, hat einen weiten Weg vor sich und rüstet sich zu langer Reise. Der Imperativ, den Wole Soyinka aus einem seiner Gedichte der sechziger Jahre borgt, um ihn dem neuesten Band seiner Memoiren als Titel voranzustellen, zeigt bereits, dass dies ein Leben voller Aufbrüche und Reisen ist, eine ständige Bewährungsprobe in der Unbeständigkeit. Zwar beginnt und endet dieser Band jeweils mit Szenen einer Heimkehr, und auch in vielen weiteren Kapiteln spüren wir, wie dieser Autor förmlich durchatmet, sobald er nach Nigeria zurückkehrt und vertrauten Boden betritt. Das Exil, so schreibt er in diesem Zusammenhang, sei nichts als ein "akuter Zustand vorübergehenden Atemstillstands". Doch schon die schiere Anzahl seiner Rückreisen bezeugt, dass dieser Zustand für ihn oft und lange gilt. Denn bei jedem Bericht über eine erneute Heimkehr ahnen wir bereits, dass der nächste Aufbruch bevorsteht. Auf den späten Abend folgt eben sehr schnell die frühe Dämmerung, beides geht ineinander über.

Vieles, sehr vieles ist Soyinka in seinem schriftstellerischen wie politischen Leben gelungen. Spätestens seit dem Nobelpreis für Literatur, den er im Jahre 1986 als erster Autor Afrikas entgegennahm, kennt alle Welt die kreative Kraft, mit der er sich so leidenschaftlich wie beharrlich seiner jeweiligen Sache widmet: der Theaterarbeit ebenso wie der Arbeit an der Zivilgesellschaft, an der nationalen Einheit oder am internationalen Dialog, dem Engagement für verfolgte und bedrohte Schriftsteller wie überhaupt dem Kampf zur Durchsetzung der Menschenrechte.

Nur in einem Punkt ist Soyinka, wie er selbstkritisch gesteht, gründlich gescheitert: Mit neunundvierzig Jahren, so einstmals sein Plan, wollte er sich eigentlich aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um fortan ein beschauliches, kontemplatives Dichterleben in der Abgeschiedenheit zu führen und "in Würde zu altern". Das war im Jahre 1983. Seither hat sich, wie wir hier lesen, die Welt grundlegend verändert. Insbesondere sein Land hat sich mit jeder weiteren Krise neuen Gewaltausbrüchen ausgeliefert und sich die nächste selbstherrliche Tyrannis eingehandelt, so dass er als Weltenretter einfach nicht zur Ruhe kommt. Auch im Alter mischt sich dieser Autor immer wieder öffentlich ein. Seinem Ansehen und seiner Würde aber hat das nicht geschadet.

Von seinem unermüdlichen Einsatz erzählt Soyinka hier in vielen packenden Geschichten. Ob es gilt, die Freiheit des Wortes und der Wahl durch die handstreichartige Besetzung eines lokalen Radiosenders zu verteidigen, oder ob es um die Rückführung von kolonial verschleppter Beutekunst, heute in privater Sammlerhand, ins Nationalmuseum geht; ob Mandelas Freilassung mit einem fragwürdigen Diner im Élysée-Palast zu feiern ist oder die Hinrichtung von nigerianischen Oppositionellen nur durch beherztes Vorsprechen beim diensthabenden Diktator aufgeschoben werden kann - stets nimmt Soyinka die Sache ohne Rücksicht auf persönliche Gefährdung in die Hand.

Manches erscheint im rückschauenden Bericht eher wie ein tolldreister Jungenstreich - etwa die abenteuerliche Suche nach einem Kunstschatz aus dem alten Königreich Benin. Mit Gleichgesinnten, so dem Malteser Falken, jagt er diesem hinterher. Oft genug allerdings geht es hier um Leben oder Tod, und man weiß bei den Missionen, die er übernimmt, zuweilen nicht, wo Wagemut in Leichtsinn umzukippen droht.

Denn Einblicke in innere Befindlichkeiten bietet dieses Buch nur selten und liest sich daher über weite Strecken seiner ausführlichen Ereignisschilderungen seltsam körperlos. Der Autor inszeniert sich ganz als Tatmensch in der Weltöffentlichkeit. Persönliches, beispielsweise die eigene Ehe, die im Laufe der Zeit zerbricht, wird nur beiläufig kenntlich gemacht. Vor lauter Umtrieb und Aktivität erfährt man kaum, was ihn bewegt und antreibt und was im eigentlichen Sinn das subjektive Zentrum der Erinnerungsarbeit bildet. Bezeichnend dafür ist, dass er die zweijährige Einzelhaft, mit der Ende der sechziger Jahre sein zivilgesellschaftliches Engagement drakonisch bestraft wurde, aus dieser Lebenserzählung völlig ausspart; es scheint, als wolle er sein Selbst diesmal allein im Aufbruch und ganz in der Entäußerung entwerfen.

Anders also als frühere große Erinnerungstexte Soyinkas wie "Der Mann ist tot" (1987), Gefängnisaufzeichnungen, mit denen er sich an persönliche wie politische Abgründe heranschrieb, anders auch als frühere Bände seiner Memoiren wie "Ake: Jahre der Kindheit" (1996), in denen er Verwicklungen in der spätkolonialen Provinz ebenso plastisch wie komisch beschrieb, richtet sich Soyinkas Blick in seinem neuen Buch ausschließlich nach außen. "Die Straße wurde mir zum Partner der Selbstfindung", erklärt er uns mit sanfter Ironie, wenn er von endlosen Fahrten im Landrover erzählt: "die Straße und alles, was entlang ihrer Hebungen und Senkungen, ihrer Windungen und pfeilgraden Strecken lag", so heißt es weiter, "all das gehörte einem dann, war ausschließlich Privatbesitz." Was diesem weltläufigen Autor sonst noch zugehören mag und auf welchen windungsreichen Pfaden er zu sich findet, bringt er uns, so bleibt zu hoffen, in einem künftigen Erinnerungsband nah.

TOBIAS DÖRING

Wole Soyinka: "Brich auf in früher Dämmerung". Erinnerungen. Aus dem Englischen übersetzt von Inge Uffelmann. Ammann Verlag, Zürich 2008. 784 S., geb., 34,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.08.2008

Ein großes Stück vom nigerianischen Kuchen
Der Staatsfeind Nummer eins erinnert sich: Wole Soyinkas Memoiren „Brich auf in früher Dämmerung”
Auch jetzt noch, 50 Jahre später, kann man die Wut und die Verachtung spüren. Da geht ein junger, hoch engagierter Mann für ein paar Jahre von Nigeria nach Großbritannien, um zu studieren und als Theaterdramaturg zu arbeiten, und dann muss er miterleben, wie die lange ersehnte Freiheit seines Landes schon im Vorfeld der Unabhängigkeit verraten wird.
„Die erste Generation gewählter Oberhäupter und Gesetzgeber unserer halb unabhängigen Nation”, schreibt Wole Soyinka, „fielen in Trauben als Besucher in Großbritannien ein. Wir beobachteten, wie fein sie sich herausputzten, wie demonstrativ sie mit Geld um sich warfen, und wir bemerkten ihre blasierte Herablassung, ja Verachtung gegenüber Menschen, die sie repräsentieren sollten.” Analphabeten seien viele gewesen, die in Zukunft den westafrikanischen Staat regieren sollten, heißt es in seinen nun auf Deutsch erschienenen Erinnerungen weiter, doch alle hätten die Kunst der schwülstig-bombastischen Rede beherrscht. „Zu Besuch weilende Politiker veranstalteten zu einem einzigen Zweck auf ihre eigenen Kosten rauschende Partys – um möglichst viele Aufrisse zu machen! Ihr Hirn schien von einem einzigen Ehrgeiz besessen: mit einer weißen Frau zu schlafen.” Am meisten aber schockierte Soyinka eine andere, weit gefährlichere Gier: „Genau wie die wirklich engagierte Minderheit drängten auch sie uns, nach Hause zu kommen, doch lautete ihre Version der Botschaft: ,Kommt so schnell wie möglich zurück und steckt eure Claims ab. Je früher ihr euch positioniert, desto größer ist euer Stück vom nationalen Kuchen.‘”
Was danach folgte, ist ein deprimierendes Stück afrikanischer Zeitgeschichte. Erst kam die erste, unter britischer Anleitung gefälschte Wahl in Nigeria, dann die Unabhängigkeit 1960, der Biafra-Krieg und insgesamt neun Militärdiktaturen, die das Land immer tiefer ins Unglück gestürzt haben. Auch heute noch, zehn Jahre nach dem plötzlichen Tod des Gewaltherrschers Sani Abacha, geht es den meisten der geschätzt 130 Millionen Einwohner keinen Deut besser. Nigeria bezeichnet sich seit 1999 zwar offiziell als Demokratie, aber es befindet sich latent im Bürgerkrieg und ist nach wie vor eines der korruptesten Länder der Welt. Wobei Korruption viel zu niedlich klingt angesichts der Plünderung, die die Herrschenden auch heute noch betreiben. Der größte Erdölexporteur Afrikas ist notorisch pleite und immer kurz davor, als Staatsgebilde zusammenzubrechen.
Writer and Fighter
Wole Soyinka, der 1986 als erster Afrikaner den Nobelpreis für Literatur bekam, hat gegen diese Entwicklung immer gekämpft. Wortgewaltig prangerte der Bürgerrechtler die wechselnden Militärregime an, er organisierte Proteste und setzte wiederholt sein Leben aufs Spiel, wenn es der gerechten Sache diente. Deshalb war er auch niemals nur Dichter, Erzähler, Romancier oder Dramaturg, dazu hatte er nach seiner Rückkehr nach Nigeria 1960 viel zu schnell erfahren, wie schwach seine eigentliche Waffe, das Wort, ist. Soyinka wurde zum „Writer and Fighter”, wie er gerne bezeichnet wird. Als sich zum Beispiel die nigerianische Regierung Mitte der sechziger Jahre wieder einmal nur durch Betrug und Wahlfälschung an der Macht halten konnte, sprach er eine eigene Rede aufs Tonband und brachte es in den Radiosender, um die Siegesrede des Premierministers zu verhindern. „Die diensthabenden Leute (. . .) reagierten, wie es jeder vernünftige Mensch angesichts einer auf sich gerichteten Waffe getan hätte, und tauschten das Band des Premiers gegen meines aus. Das Band lief lange genug, um der Regierung die an sie gerichtete Botschaft zu übermitteln: Legt euer gestohlenes Mandat nieder, verlasst die Stadt und nehmt euer Halunkenpack mit.”
Für seinen bewaffneten Überfall auf die Radiostation sprach ihn ein mutiger Richter noch frei, wegen seiner Vermittlungsversuche am Vorabend des Biafra-Krieges aber wurde er wegen Hochverrats angeklagt und für 22 Monate in Isolationshaft gesteckt.
Fast 800 Seiten umfassen Soyinkas Erinnerungen „Brich auf in früher Dämmerung”, und bei einem so turbulenten, so engagierten Leben in diesem immer mehr ins Chaos abdriftenden Staat möchte man annehmen, dass keine Seite zu viel ist. Doch so spannend sich vieles liest, über weite Strecken ist das Buch auch eine Zumutung. Dem heute 74-Jährigen fehlt es nämlich nicht an Selbstbewusstsein. Seine politischen Gegner, bemerkt er stolz, bezeichnen ihn als „arrogant”, Missstände prangert er so „mutig an wie kein anderer”, die „Lächerlichkeit” der wechselnden Militärregime hat er schärfer als irgendwer sonst „aufs Korn genommen”, und die höchste Auszeichnung war für ihn eigentlich nur ein Ärgernis, weil er sich in seiner Ruhe und Arbeit gestört fühlte. „Wie kann man je dem teuflischen Hirn vergeben”, zitiert er George Bernard Shaw, „das den Nobelpreis für Literatur ersann?” Wenn sich solch ein großer Mann mit solch einem großen Ego erinnert, welcher Lektor traut sich da noch anzumerken, dass ältere Menschen, die auf ihr Leben zurückblicken, mitunter Gefahr laufen, Wesentliches zu vergessen und dafür alles für wichtig zu halten, was ihnen nach all den Jahren noch einfällt? Mehrere Dutzend Personen führt Soyinka ein, ohne dass sich erschließt, warum er das tut. Sie spielen weder für ihn noch politisch eine Rolle. Dafür geht er mit fast keinem Wort auf seine literarische Arbeit in den geschilderten vier Jahrzehnten ein, und seine Familie, seine drei Ehen, spart er komplett aus. Lediglich einen Sohn geißelt er ausführlich, weil dieser ihm seine wertvolle Masken-Sammlung gestohlen hat, als er in Isolationshaft saß.
Gerettete Häftlinge
Das alles wäre noch kein Problem, hätte Soyinka sich darauf konzentriert, rein politische Erinnerungen zu schreiben. Aber auch das macht er nicht. Er schildert zwar sein oft sehr persönliches Verhältnis zu den wechselnden Machthabern, seine Versuche, die Hinrichtung politischer Häftlinge zu verhindern, oder auch seine Jahre im Exil, als er als „Staatsfeind Nummer eins” von Sani Abacha verfolgt wurde. Aber es finden sich viel zu viele quälend lange Passagen über Ereignisse, die nicht wirklich wesentlich gewesen sein können. Wie er zum Beispiel von einem eifersüchtigen Ehemann in einem Hotel bedrängt wurde, wie er versuchte, einem Sammler in Brasilien einen vermeintlichen nigerianischen Kunstschatz zu stehlen und in die Heimat zurückzubringen. Oder wie er einmal eine tiefgefrorene Wildkatze von Nigeria nach Italien schmuggelte, um mit einem Barbecue die Stimmung seiner dortigen Theatertruppe zu heben.
Wer ein großer Verehrer des Schriftstellers und Bürgerrechtlers ist, wird an Soyinkas Erinnerungen seine Freude haben. Wer aber etwas über diesen Mann und seine Sicht der Tragödie Nigerias erfahren möchte, klappt das Buch am Ende enttäuscht zu. Denn Soyinka richtet seinen Blick fast stets nach außen, schildert vieles nur als Ereignis und bleibt somit seltsam kühl, distanziert und körperlos. Er gibt fast nirgends preis, was ihn bewegte, was ihn antrieb und wie es in seinem Innenleben aussah. Nicht einmal, als er in Isolationshaft saß, nicht einmal, als er vor Abacha ins Exil flüchten musste. Die Schilderung des ersten kühlen Bieres nach der Flucht ist ihm wichtiger, als zu beschreiben, welche Abgründe sich in diesem Moment in ihm auftaten, als er seine Heimat verlor.
So verwundert es auch nicht, dass er keine Antworten auf die wichtigsten politischen Fragen gibt: Warum ist seine Heimat so grässlich gescheitert? Warum gab es keinen anderen Weg als den der wechselnden Militärregime? Und warum waren die Reformkräfte, zu denen er ja gehört, so unfähig, sich zusammenzutun und gemeinsam zu kämpfen? Das alles sind Fragen, mit denen Wole Soyinka leicht einen weiteren, hoffentlich aufschlussreicheren Erinnerungsband füllen könnte. MICHAEL BITALA
WOLE SOYINKA: Brich auf in früher Dämmerung. Erinnerungen. Aus dem Englischen von Inge Uffelmann. Ammann Verlag, Zürich 2008. 784 Seiten, 34,90 Euro.
Um seinen Worten Gehör zu verschaffen, hat er einmal zum Revolver gegriffen: Der Schriftsteller Wole Soyinka Foto: dpa
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Wole Soyinka präsentiert sich Tobias Döring in seinen Erinnerungen vor allem als Mann der Tat, der sich durch sein politisches Engagement und seinen unermüdlichen, auch persönliche Gefahr nicht scheuenden Aktivismus auszeichnet. So erzähle er fesselnd von aktivem Eingreifen, sei es die Besetzung eines Radiosenders oder das riskante Eintreten für verhaftete Oppositionelle, wobei seine Memoiren auch immer wieder von Exil und Heimkehr handelten, so der Rezensent. Soyinka, erster Literatur-Nobelpreisträger Afrikas, saß in den 60er Jahren fast zwei Jahre in Einzelhaft, aber davon erzählt der Autor in diesen Erinnerungen genauso wenig, wie über seine persönlichen Gefühle und Beweggründe, stellt Döring etwas irritiert fest, der sich bei diesem Rückblick doch ein bisschen mehr Einblick auch ins Innere Soyinkas gewünscht hätte.

© Perlentaucher Medien GmbH