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Eine erotische Dreiecksbeziehung im Artistenmilieu: Amsterdam in den fünfziger Jahren. In einer Pension am Rembrandtplein haben einige Variete-Künstler Quartier bezogen: Pieter Newton, der Jongleur, Charles Pluut, der Zauberer, die junge polnische Tänzerin Mis Daisy und andere Überlebenskünstler. Charles Pluut bewundert die Kunststücke des Jongleurs und sucht dessen Freundschaft, aber der Kegelwerfer bleibt reserviert. Pluut ärgert sich maßlos, dass Pieter ihm die kalte Schulter zeigt. Der ist ganz offensichtlich in Mis Daisy verliebt, die ihrerseits aber nur Augen für den Zauberer hat. Als…mehr

Produktbeschreibung
Eine erotische Dreiecksbeziehung im Artistenmilieu: Amsterdam in den fünfziger Jahren. In einer Pension am Rembrandtplein haben einige Variete-Künstler Quartier bezogen: Pieter Newton, der Jongleur, Charles Pluut, der Zauberer, die junge polnische Tänzerin Mis Daisy und andere Überlebenskünstler. Charles Pluut bewundert die Kunststücke des Jongleurs und sucht dessen Freundschaft, aber der Kegelwerfer bleibt reserviert. Pluut ärgert sich maßlos, dass Pieter ihm die kalte Schulter zeigt. Der ist ganz offensichtlich in Mis Daisy verliebt, die ihrerseits aber nur Augen für den Zauberer hat. Als der raffinierte Pluut ein Verhältnis mit Daisy beginnt, ist dabei gewiss nicht nur Begehren im Spiel. Etwas Gefährliches und Bösartiges zieht herauf.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Originaltitel: De kegelwerper
  • Seitenzahl: 158
  • Erscheinungstermin: 5. März 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 274g
  • ISBN-13: 9783446230002
  • ISBN-10: 3446230009
  • Artikelnr.: 23321047
Autorenporträt
Margriet de Moor, geb. 1941, studierte in Den Haag Gesang und Klavier. Nach einer Karriere als Sängerin, vor allem mit Liedern des 20. Jahrhunderts, studierte sie in Amsterdam Kunstgeschichte und Architektur.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 28.04.2008

Ein Seiltanz zweiter Ordnung
Margriet de Moors raffinierte Beiläufigkeitskunst und ihr neues Buch „Der Jongleur”
Eigentlich weiß man es, aber normalerweise macht man sich keine Gedanken darüber: wie labil zwischenmenschliche Verhältnisse wirklich sind. Wir verlassen uns auf andere, obwohl unsere Einschätzung fast nur auf Hypothesen beruht. Wir unterstellen Sympathie oder Antipathie, wir deuten Mienen, Gesten, Körperhaltungen, wir ziehen unsere Schlüsse intuitiv und verhalten uns danach. Die niederländische Schriftstellerin Margriet de Moor hat ein ausgeprägtes Faible für die Äquilibristik menschlicher Beziehungen. Mit geradezu teuflischer Lust beschreibt sie, wie die heikle Balance zwischen Menschen aus dem Gleichgewicht gerät. Schon kleine Ursachen können große Wirkungen zeitigen. In „Sturmflut”, ihrem jüngsten Roman, war es ein einziger Kuss, der eine fatale Verkettung von Ereignissen provozierte, in ihrem neuen Buch ist es eine unterstellte Antipathie.
Alles sieht zunächst ganz harmlos aus. Die Geschichte spielt im Amsterdam der fünfziger Jahre, in leicht patinierter Rembrandt-Atmosphäre. Ein buntes Häufchen von Varietékünstlern trifft in der kleinen Pension von Mevrouw Minna zufällig aufeinander: der Zauberer Charles Pluut, der Jongleur Pieter Newton, Daisy, eine junge polnische Tänzerin, ein Antipodist, dessen Kunst darin besteht, zwei zwergwüchsige Italienerinnen auf einem Sofa zu balancieren, ein deutscher Kriegsversehrter, der in rasender Geschwindigkeit Zeichnungen auf Bestellung produziert. In dieses Grüppchen ganz auf sich selbst und ihre Kunst konzentrierter Menschen führt Margriet de Moor den Destabilisierungsfaktor schlechthin ein: ein Dreiecksverhältnis verfehlten Begehrens. Daisy, die polnische Tänzerin, verliebt sich in Charles, den Zauberer. Pieter, der Jongleur, scheint in Daisy verliebt zu sein. Und Charles, der von Berufs wegen die Täuschung perfekt beherrscht, becirct Daisy, um die Gunst Pieters zu erlangen. Er meint nämlich, der Jongleur reagiere mit Antipathie auf ihn. Um dessen Sympathie zu erwerben, will er sie als „Geschenk” an ihn weiterreichen.
Das wäre eine ebenso verwirrende wie auch ein wenig angestaubte Geschichte, wenn es Margriet de Moor auf den Plot ankäme. Tatsächlich ist „Der Jongleur” ebenso kunstfertig wie die anderen Werke der Autorin. Doch dieses „Divertimento” erreicht einen Grad der Abstraktion, den man in der Lektüre haargenau treffen muss, um Vergnügen daran zu finden. Liest man zu schnell, dann gleitet man an den Figuren einfach ab. Sie sind Platzhalter, eher mathematisch als lebenssatt konstruiert. Der eigentliche Held ist die Erzählstimme. Margriet de Moor kann sich auf ganz eigentümliche Weise an ihre Figuren heranpirschen, um sie dann unvermittelt im Regen stehen zu lassen. Selbst in diesem anti-epischen Werk gibt es einen epischen Grundton, der eine gewisse Behäbigkeit erzeugt, die Art Weltvertrauen, die man an gemütlichen, etwas trüben Nachmittagen empfindet. Und plötzlich schlägt das Ganze um in eine pragmatische Lakonie: „Das Schauspiel war vorbei. Hatte ja auch nicht ewig dauern können.” Das wirkt fast schnoddrig, ist aber vor allem eine Methode der Verkürzung. „Poetisch und schnell”, das wäre das Stilideal dieses skizzenhaften Schreibens, so wie dieses schmale Buch insgesamt seine Poetologie bei allen möglichen Künsten borgt, die Raum und Zeit in jeweils spezifischer Weise aufeinander beziehen, von der Musik, über Geometrie und Physik bis hin zum Zaubern und Jonglieren. Es ist tatsächlich so, dass der Leser seine ganze Konzentration braucht, um die Übergänge wahrzunehmen. Sie sind das eigentliche Thema des „Jongleurs”.
Die Erzählstimme wechselt ständig ihren Modus und versucht so, in der Wortkunst dem gerecht zu werden, was wir im Alltag unablässig tun: mit den Händen „rechnen”, wenn wir etwas auffangen; die anderen verblüffen, indem wir etwas schneller tun, als man es sehen kann; ein Motiv unterstellen, indem wir Rückschlüsse aus einem Charakter ziehen; uns fremde Handlungen erklären, indem wir sie mit den eigenen parallelisieren; aus der Mimik Gefühle ablesen, aus der Körperhaltung Einschätzungen.
So ist die Antipathie, die Pieter für Charles hegt, nichts anderes als eine Unterstellung. Sie wiederum macht den selbstbewussten Zauberer so unsicher, dass er sich in der Gegenwart des Jongleurs ungelenk bewegt und ihm Dinge erzählt, die dem anderen völlig idiotisch anmuten. Charles überlegt sich Strategien, die bei Pieter Sympathie erwecken sollen. Doch sie gehen nicht auf, weil sich im Leben die Dinge eben nicht so verhalten wie bei Zauberkunststücken. Und auch die Worte haben einen doppelten Boden. Oft denken die Figuren das eine und sagen das andere. Oder sie werden gleich in betrügerischer Absicht eingesetzt, oder, noch schlimmer, von den falschen Ohren gehört. Während Daisy entspannt in der Badewanne liegt und die schönsten Liebesgedanken hegt, muss sie über das Rohr des Badeofens mit anhören, wie eine Stimme, in der sie bald die von Charles erkennt, sie Pieter anbietet: „Mann, dieses Schnütchen, als ich deinen Namen nannte. (. . .) Übernimm sie doch. Was machst du für ein Gesicht? Männer untereinander müssen. . .” Doch Pieter geht gar nicht auf das Angebot ein, sondern ist nur damit beschäftigt, dass Charles ihn nicht „Piet” nennen soll.
„Der Jongleur” ist ein dämonisches kleines Buch unter dem Deckmantel der Harmlosigkeit. Es zeigt, wie dünn das Seil ist, auf dem wir täglich balancieren. Nach der Lektüre gilt umso mehr: Kopf hoch und nicht in den Abgrund schauen!MEIKE FESSMANN
MARGRIET DE MOOR: Der Jongleur. Ein Divertimento. Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Hanser Verlag, München 2008. 159 Seiten, 16,90 Euro.
In vielen sich verschlingenden Bahnen ruht das Gleichgewicht des Lebens. Foto: Look-foto
Margriet de Moor Foto: Opale
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.04.2008

Daisy und der Zauberer
Erotische Dreiecke: Margriet de Moor jongliert

Früher haben wir uns schon mal gefragt, wie es wohl ist mit der Liebe unter Artisten, Gauklern oder Zirkusleuten. Seitdem haben diese Berufsgruppen stark an Aura verloren, sie repräsentieren nicht mehr unbedingt das Randständige oder gar das ganz andere, das früher mit ihnen verbunden war. Vielleicht deshalb hat Margriet de Moor, die 1941 in Noordwijk geboren wurde, ihre Novelle, die sie ein Divertimento nennt, im Amsterdam der frühen 1950er Jahre angesiedelt, als Varieté noch ein Volksvergnügen war und außerdem noch etwas mit Glamour zu tun hatte. Aber - um dies gleich vorweg zu sagen - das rettet das Buch leider auch nicht.

Der Kristallisationspunkt der Novelle ist eine Pension am Rembrandtplein. Dort steigen immer wieder dieselben Artisten ab, wenn sie in Amsterdam arbeiten: der Zauberer Charles Pluut, der Jongleur Peter Newton, die polnische Tänzerin Mis (sic!) Daisy, der Antipodist Bruno mit seinen beiden Zwerginnen, die er allein mit den Füßen auf einem Sofa balanciert, und einige andere. Charles' Interesse wird durch den jungen Jongleur geweckt, der ihm aber die kalte Schulter zeigt, sich dafür jedoch in Mis Daisy verliebt, die jedoch ihrerseits nur Augen für Charles hat. Der wendet als geübter Zauberer schließlich einen Trick an und macht Mis Daisy auf diese Weise zu seiner Geliebten, bis er sie irgendwann generös an Peter "verschenkt". Am Ende stirbt ein Artist, und zwei junge Leute finden sich, so könnte man es als Paraphrase auf Theodor Fontane vielleicht kurz zusammenfassen, aber das täte diesem Übungsstück eindeutig zu viel Ehre an.

Denn alles bleibt merkwürdig dünn und blass, angefangen bei den Protagonisten. Ein bisschen Hintergrund und Vergangenheit (der Zweite Weltkrieg ist hier ja noch gar nicht lange vorbei), ein paar Spleens und Vorlieben, und schon ist die Figur eben nicht fertig. Am plastischsten wird in Margriet de Moors Schilderung noch das Amsterdam der fünfziger Jahre selbst, weit entfernt von dem Anziehungspunkt für Freaks aller Art, das es zwei Jahrzehnte später wurde. Auch über das Beruflich-Technische hat Margriet de Moor sich offenkundig sachkundig gemacht und breitet ihre Kenntnisse hier und da aus.

Von der Prägnanz und Spannung aber etwa von "Sturmflut" ist die Novelle weit entfernt. "Etwas Gefährliches und Bösartiges zieht herauf", heißt es im Klappentext. Ach Gott, wo denn? Selbst das Böse und das Unglück kommen hier so handzahm und beinahe niedlich daher, dass man wirklich Mühe hat, es zu erkennen. Warum uns die Dreiecksgeschichte von Charles, Peter und Daisy eigentlich interessieren soll, wird jedenfalls an keinem Punkt deutlich. Sagen wir es einfach mit den Worten einer der Figuren, des Balanceakrobaten Bruno Williams (für all die, die vorher kapitulieren: Das ist der arme Kerl, der am Ende stirbt): "Ja, ja. Tja, doch immer wieder seltsam, diese erotischen Dreiecke."

JOCHEN SCHIMMANG

Margriet de Moor: "Der Jongleur". Ein Divertimento. Aus dem Niederländischen übersetzt von Helga van Beuningen. Carl Hanser Verlag, München 2008. 159 S., geb., 16,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Enttäuscht zeigt sich Rezensent Jochen Schimmang von Margriet de Moors Novelle "Der Jongleur". Die im Amsterdam der 1950er Jahre angesiedelte, im Variete-Milieu spielende Dreicksgeschichte scheint ihm herzlich uninteressant. Handlung und Figuren - eine Tänzerin, ein Zauberer, ein Jongleur - bleiben in seinen Augen "dünn und blass". Die Ankündigung des Klappentexts  -"etwas Gefährliches und Bösartiges zieht herauf" - hält er für reichlich übertrieben, so "handzahm und beinahe niedlich" wie das Böse im Buch daherkomme. Am ehesten gefallen hat ihm noch die Schilderung Amsterdams. An die Qualität von de Moors aktuellen Roman "Sturmflut" jedenfalls reicht vorliegendes Buch seines Erachtens nicht im entferntesten heran.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Margriet de Moor ist eine Spezialistin für verdeckte erotische Motive. Eine Geschichte voll tiefer Menschenkenntnis und Humor." Martin Krumbholz, Neue Zürcher Zeitung, 26.03.08 "De Moors kunstfertiges Melodram ... zeigt am Beispiel besonders begabter Menschen die Tragödie ganz besonderer Verhältnisse, und doch wirkt die Geschichte ... alltäglich, menschlich, also lebensecht." Oliver Ruf, Der Tagesspiegel, 30.03.08 ""Der Jongleur" ist ein dämonisches kleines Buch unter dem Deckmantel der Harmlosigkeit. Es zeigt, wie dünn das Seil ist, auf dem wir täglich balancieren." Meike Feßmann, Süddeutsche Zeitung, 28.04.08 "(Es) ist wie ein leichtfüßiges, luftiges und kunstvolles Musikstück, ein Stück Literatur, gewidmet der Kunst. Nicht zuletzt der Lebenskunst." Silvia Hess, Aargauer Zeitung, 07.04.08