Brooklyn ist - Agee, James

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James Agee durchwandert schreibend Brooklyn: von den alten Stadtteilen im Nordwesten mit ihren Backsteinhäusern über die Brooklyn Bridge und durch die Arbeiterviertel bis in die Hinterhöfe. Er dringt in Wohnzimmer ein, lässt sich in einem Kinosaal nieder, beschreibt Straßenszenen und mit wenigen Sätzen ganze Menschenleben. Durch alles scheinen die historischen Schichten hindurch - und mit der genauen Schilderung noch der nebensächlichsten Details formt sich ein großer Gesang. Ein Text, der das Wesen eines Stadtviertels erfasst und bis heute nichts von seiner Kraft und Wahrheit verloren…mehr

Produktbeschreibung
James Agee durchwandert schreibend Brooklyn: von den alten Stadtteilen im Nordwesten mit ihren Backsteinhäusern über die Brooklyn Bridge und durch die Arbeiterviertel bis in die Hinterhöfe. Er dringt in Wohnzimmer ein, lässt sich in einem Kinosaal nieder, beschreibt Straßenszenen und mit wenigen Sätzen ganze Menschenleben. Durch alles scheinen die historischen Schichten hindurch - und mit der genauen Schilderung noch der nebensächlichsten Details formt sich ein großer Gesang. Ein Text, der das Wesen eines Stadtviertels erfasst und bis heute nichts von seiner Kraft und Wahrheit verloren hat.

Das Porträt Brooklyns, 1938 im Auftrag des "Fortune Magazine" geschrieben, erschien aufgrund künstlerischer Differenzen erst 1968 und ist inzwischen ein Klassiker der New-York-Literatur.
  • Produktdetails
  • Diaphanes Broschur
  • Verlag: Diaphanes
  • Seitenzahl: 64
  • Erscheinungstermin: September 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 128mm x 7mm
  • Gewicht: 95g
  • ISBN-13: 9783037342275
  • ISBN-10: 3037342277
  • Artikelnr.: 35695605
Autorenporträt
Agee, James
James Agee war Dichter, Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller. Er galt als einer der einflussreichsten Filmkritiker seiner Zeit und schrieb neben den Drehbüchern zu »The African Queen« und »The Night of the Hunter« u.a. den mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman »A Death in the Family« (»Ein Todesfall in der Familie«, 2009). In Zusammenarbeit mit dem Fotografen Walker Evans entstand der Band »Let Us Now Praise Famous Men« (»Preisen will ich die großen Männer«), ausgehend von einem Auftrag der Farm Security Administration, über die Lebensbedingungen von Farmpächtern im Süden der USA zu berichten.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ein recht düsteres Bild dieses Stadtteils von New York zeichnet James Agee hier, konstatiert Rezensent Jörg Häntzschel, der zunächst darauf hinweist, dass dieser vierzigseitige Text von 1949 66 Jahre lang in der Schublade ruhte, bevor er von einem New Yorker Verlag wieder ans Licht gezogen wurde. Die Zeitschrift Fortune, die Agee mit der Reportage beauftragt hatte, fand den Text laut Häntzschel wohl zu stark, um ihn zu drucken. Mit scharfer Wahrnehmung zieht Agee durch die endlosen Blöcke Brooklyns, wo bis heute die eigentlichen New Yorker leben, so Häntzschel, lässt die "gesichtslosen Appartmentblocks, die in ihrem eigenen Schatten frösteln", an sich vorbeiziehen, entwickelt Sympathie für die Bewohner, aber wird niemandes Freund.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 04.12.2012
Von Block
zu Block
James Agees Stadtporträt
„Brooklyn ist“ aus dem Jahr 1938
Was ist Brooklyn?, fragte sich das Magazin Fortune, als es den 30-jährigen Reporter und Literaten James Agee 1939 in die urbane Ödnis östlich des East River schickte. Doch als er zurückkam, versenkte es sein 40-seitiges Stück prompt in der Schublade. Am irritierenden Titel „Brooklyn ist“, lag es nicht. Wie zuvor schon Agees Dustbowl-Reportage, die später mit Fotos von Walker Evans als „Let Us Now Praise Famous Men“ erschien, fand der Redakteur den Text „too strong to print“. Erst 2005 grub ein New Yorker Verlag ihn wieder aus. Nun hat diaphanes mit einer deutschen Übersetzung nachgezogen.
  Brooklyn war damals der Teil New Yorks, wo Einwanderer unter ihresgleichen blieben; wo junge Paare sich zum Brüten zurückzogen; wo sich das kleine Leben führen ließ, das Manhattan schon damals kaum duldete. All das ist heute nicht anders. Blendet man ironische Bars und Nostalgiefriseure aus, liegen zwischen Agees Brooklyn und dem heutigen nur ein paar Jahrzehnte wehender Atlantikbrise.
  An Brooklyns Ungreifbarkeit haben sich schon viele Autoren versucht. Agee fliegt mal über die endlosen Blocks, mal bohrt er sich in winzige Details der Fassaden. Mal spricht er von den Massen wie ein Geologe von Gletscherbewegungen, dann stellt er „einen eigenartig weichen Zug in den Augen und Mundwinkeln“ fest: den „Brooklyn-Blick“.
  Wie die Stadt selbst, in der auf jeden Block ein weiterer folgt, schreitet auch der Text voran. „The Hill zum Beispiel. . .“, „Oder Bay Ridge. . .“, „Oder Greenpoint“, so beginnt Agee seine Kapitel, bevor er eintaucht in die „gesichtslosen Apartmentblocks, die in ihrem eigenen Schatten frösteln“ und in „dunkle kleine Drugstores, die riechen, als hätte jemand Medizin in eine Münzfernsprechmuschel gekippt“.
  Von Walt Whitman, dem früheren großen Sänger von Brooklyn hat er die Liebe zu allem Menschlichen entliehen. Doch durchhalten kann er diesen Ton – das gibt dem Text seinen bitteren Beigeschmack – in Zeiten der Massengesellschaft nicht mehr. Er liest Kreide-Graffiti („Ruby liebt Max, aber Max HASST Ruby“), nicht wie Höhlenmalereien, sondern als gälten sie auch ihm selbst; er fühlt mit mit den „zahmen jungen Eltern“ und den Frauen, deren Schönheit schwindet. Er empört sich über den Rassismus in Brooklyn Heights. Und doch ist am Ende niemand sein Freund geworden. Sein Spaziergang endet im Zoo, wo in der Dämmerung eine Ziege ein Heulen ausstößt, das „den Grund des Herzens gefrieren lässt.“
JÖRG HÄNTZSCHEL
James Agee: Brooklyn ist. Aus dem Englischen von Sven Koch und Andrea Stumpf. Mit einem Vorwort von Jonathan Lethem. diaphanes Verlag 2012. 64 Seiten, 12,95 Euro.
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"Agee grenzt Brooklyn zunächst gegen das alles überschattende Manhattan ab, pocht auf die Provinzialität und Eigenschaftslosigkeit der Millionenstadt Brooklyn, um sich dann wortgewaltig und akribisch den architektonischen und soziokulturellen Besonderheiten jedes einzelnen Stadtteils von Brooklyn zu nähern." Sylvia Prahl, taz