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Als Dynastie sind die Hohenzollern Vergangenheit, doch in den Debatten der Gegenwart sind sie so präsent wie nie zuvor. Stephan Malinowski schreibt ein großes Familienporträt und spannt den Bogen vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die Dreißiger- und Vierzigerjahre bis heute anhand der Frage: Wie stand Preußens Herrscherfamilie zum Nationalsozialismus?…mehr

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Produktbeschreibung
Als Dynastie sind die Hohenzollern Vergangenheit, doch in den Debatten der Gegenwart sind sie so präsent wie nie zuvor. Stephan Malinowski schreibt ein großes Familienporträt und spannt den Bogen vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die Dreißiger- und Vierzigerjahre bis heute anhand der Frage: Wie stand Preußens Herrscherfamilie zum Nationalsozialismus?

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  • Produktdetails
  • Verlag: Ullstein Taschenbuchvlg.
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 27. September 2021
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783843725750
  • Artikelnr.: 62054756
Autorenporträt
Stephan Malinowski, geboren 1966, studierte und lehrte Geschichte in Berlin, Frankreich, Italien, den USA, und Irland. Seit 2012 lehrt er europäische Geschichte an der University of Edinburgh. Sein Buch Vom König zum Führer über den deutschen Adel und die NS-Bewegung wurde mit dem Hans-Rosenberg-Preis ausgezeichnet. Das Gutachten, das er im Auftrag des Landes Brandenburg 2014 erstellte, dürfte im seit Jahren andauernden Rechtsstreit über die Restitutionsansprüche der Hohenzollern eine wichtige Rolle spielen.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Dlf Kultur-Rezension

Rezensent Hans von Trotha empfiehlt das Buch des Historikers Stephan Malinowski über die Rolle der Hohenzollern beim Aufstieg der Nationalsozialisten. Umfassend, grundlegend zeigt ihm der Autor wie die Familie ihren Einfluss nicht für den Widerstand gegen Hitler einsetzte, sondern für sein Fortkommen. Malinowski zeigt die "tiefe (rechte) Überzeugung" des ehemaligen Kronprinzen und anderer Akteure. Trotha taucht ein in die rechten Milieus der Weimarer Republik und erkennt, wie sich im Buch der juristische (um die Restitutionsfrage) und der historische Diskurs begegnen. Anschaulich, eindringlich und spannend zu lesen, verspricht er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.09.2021

Totengräber
der
Republik
Ein wegweisendes Buch:
In „Die Hohenzollern und die Nazis“
erzählt Stephan Malinowski
für das große Publikum, wie Mitglieder
der Monarchenfamilie zu
Steigbügelhaltern Hitlers wurden
VON LOTHAR MÜLLER
In der Nacht des 30. Januar 1933 wurden in Berlin der Oberwachtmeister Josef Zauritz und der SA-Führer Hans Maikowski erschossen, der an der Spitze des berüchtigten „Mördersturms 33“ gestanden hatte. Die Totenwache von Tausenden SA-Männern in Charlottenburg mündete in eine spektakuläre Trauerfeier im Berliner Dom. Sie war als Staatsbegräbnis inszeniert; auch der neue Reichskanzler Adolf Hitler nahm teil, in dessen Kabinett die NSDAP noch auf die Unterstützung der DNVP und parteiloser Exponenten der politischen Rechten angewiesen war. Mitglieder von Polizei, Stahlhelm, SA und SS standen zu Hunderten Spalier. Hitler nahm in der ersten Reihe Platz. Dort saß während des Gottesdienstes auch ein prominenter Vertreter der Hohenzollern, Kronprinz Wilhelm Prinz von Preußen, der zuvor die Särge mit Kränzen geschmückt hatte und auf der Treppe des Doms mit Hermann Göring parlierte. Die Feier wurde live im Radio übertragen und ging im selben Jahr in den Propagandafilm „Deutschland erwacht“ ein.
Stephan Malinowskis am Montag erscheinendes Buch „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“, das diese Szene schildert und kommentiert, wurde mit Spannung erwartet. Der Autor hat 2014 im Auftrag der Landesregierung Brandenburg ein „Gutachten zum politischen Verhalten des ehemaligen Kronprinzen Wilhelm Prinz von Preußen (1882-1951)“ geschrieben. Die Frage, ob dieser der Errichtung und Festigung des nationalsozialistischen Regimes „erheblichen Vorschub“ geleistet habe, war durch Entschädigungsforderungen der Familie Hohenzollern für Enteignungen durch die sowjetische Besatzungsmacht zwischen 1945 und 1949 auf die Tagesordnung gesetzt worden. Nach dem Ausgleichsleistungsgesetz von 1994 sind die Forderungen nur aussichtsreich, wenn die Frage verneint wird. Malinowski hatte sie bejaht. Andere Gutachter sahen in dem Kronprinzen eine bedeutungslose, politisch konzeptionslose, zu konsequentem Handeln unfähige Randfigur. Rechtskräftig zu entscheiden haben die Frage am Ende nicht die Historiker, sondern die Richter am Verwaltungsgericht Potsdam.
Malinowski, 1966 in Berlin geboren, lehrt Europäische Geschichte an der University of Edinburgh. Seit seiner Studie „Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat“ gilt er als einer der besten Kenner der Adels-Geschichte in Deutschland nach der Revolution von 1918/19. In diesem Buch aber spielten die Hohenzollern nicht die Hauptrolle, und sein Gutachten von 2014 war der Vorgabe entsprechend auf den Kronprinzen, den ältesten Sohn des ins holländische Exil gegangenen Kaisers Wilhelm II., konzentriert.
Sein neues Buch schreibt nun die These der aus Machtverlust geborenen Radikalisierung im deutschen Adel fort und weitet den Blick auf die Hohenzollern-Familie insgesamt. Der Kaiser in seinem Exil in Doorn und seine zweite Gattin Hermine, der 1923 auf Vermittlung Gustav Stresemanns von der holländischen Insel Wieringen nach Deutschland zurückgekehrte Kronprinz und seine Brüder und deren Kinder werden als aristokratisches Netzwerk sichtbar, einschließlich der Rivalitäten und Zerwürfnisse. Vom Machtverlust am Ende des Ersten Weltkriegs über die Jahre der Fundamentalopposition gegen die Weimarer Republik schreitet die Darstellung voran zu den öffentlichen Auftritten und nicht-öffentlichen Interventionen in den Jahren der Etablierung des NS-Regimes. Hier, vor allem 1932 und 1933, hat sie ihr Zentrum, ehe sie den mit der Festigung des NS-Staates einhergehenden Bedeutungsverlust nachzeichnet, dem nur langsam der Abschied von den Illusionen einer Machtbeteiligung folgt. Nachdrücklich bestreitet Malinowski die von manchen Historikern vorgebrachte These, die Hohenzollern hätten im NS-Staat eine Art konservative Opposition gebildet oder gar durch Louis Ferdinand Prinz von Preußen, einen der Söhne des Kronprinzen, Anteil am Widerstand gegen Hitler und am Attentat vom 20. Juli 1944 gehabt. Die Zeit von 1945 bis heute betrachtet er vor allem unter dem Gesichtspunkt, wie die Hohenzollern als Geschichtsschreiber ihrer selbst auftreten. Hier holt er die Auseinandersetzung mit seinen hohenzollernfreundlichen Kollegen, die er zuvor in den Fußnoten geführt hat, in den Haupttext hinein. Und er wird zum Zeithistoriker in eigener Sache, wenn er die Neigung der aktuellen Hohenzollern bilanziert, Journalisten und Historiker mit Klagen zu überziehen.
Malinowski unterfüttert und orchestriert in diesem Buch das historische Urteil seines Gutachtens von 2014. Dennoch ist es ans allgemeine Publikum adressiert und präsentiert die Fülle von Akteuren und Details, zu denen zwielichtige Hochstapler, verweigerte Duelle und anachronistische Obsessionen gehören, in einer durchgängig klaren Perspektive. Im Zentrum steht nicht die Kollaboration mit den Nazis, die das Buch im Titel trägt, sondern deren Fundament, der Antirepublikanismus der Hohenzollern. Er ist älter als der Wahlaufruf des Kronprinzen für Hitler von 1932, älter als der Eintritt seines Bruders August Wilhelm Prinz von Preußen in NSDAP und SA, älter als die Unterstützung des NS-Staates durch die Kronprinzessin Cecilie als Schirmherrin des Königin-Luise-Bundes, älter als der Auftritt des Kronprinzen beim „Tag von Potsdam“ im März 1933. Er ist so alt wie die Republik selbst.
Der Hass der Hohenzollern auf die Republik ist Malinowski wichtiger als die Vorgeschichte der Entschädigungsdebatte, die 1926 vom preußischen Landtag ratifizierte Regelung des Umgangs mit ihrem Vermögen und das gescheiterte Volksbegehren zur Fürstenenteignung im selben Jahr. Ausgiebiger verfolgt er die Selbsteingliederung der Hohenzollern in die Vielzahl der Akteure, die sich in der Weimarer Republik der Konterrevolution und dem Kampf gegen die Republik verschrieben. Dass der Ex-Kaiser Sekt entkorken lässt, als er von der Ermordung des „Erfüllungspolitikers“ Matthias Erzberger erfährt, vergisst er nicht zu erwähnen.
Ebenso wichtig wie schriftliche Quellen sind ihm Insignien, Symbole und Rituale. Die Diskreditierung des Kaisers und seines Sohnes, des Kronprinzen, in den Augen des alten preußischen Adels und anderer Konservativer durch ihre Flucht vor der Revolution, bei der sie das Heer verlassen hatten, unterschlägt er nicht. Die Vorstellung der Hohenzollern, der Kampf gegen die Republik könne – im Bündnis mit den Nationalsozialisten – zu einer Restituierung der Monarchie führen, lässt er als zähe Illusion erscheinen. Zugleich aber erhebt er zu Recht Einspruch gegen die in der aktuellen Diskussion gelegentlich aufflammende Bagatellisierung des Beitrags der Hohenzollern zur Zerstörung der Republik. Im Zentrum dieser Bagatellisierung steht das Bild des Kronprinzen Wilhelm als Frauenheld und politischer Dilettant.
Das wichtigste Instrument, mit dem Malinowski diesem Bild entgegentritt, entstammt kurioserweise dem Standardarsenal monarchischen Denkens. Darin ist die Idee des Königtums durch einen schwachen König auf dem Thron im Kern nicht betroffen. Malinowski wendet diesen Gedanken auf die Hohenzollern und zumal den Kaiser im Exil und den Kronprinzen als Kronprätendenten an. Er unterscheidet systematisch zwischen ihrer „Person“, dem empirischen Individuum, und der „Figur“ im öffentlichen Raum, deren Charisma schon wegen ihres Namens nicht restlos verdampfen kann. Die Berufung auf die Studie „Die zwei Körper des Königs“ von Ernst Kantorowicz, die vom mittelalterlichen Königtum und seiner heilsgeschichtlichen Fundierung handelt, ist dabei weniger überzeugend als die praktische Konsequenz. Sie besteht im Brückenschlag von der Ideologiegeschichte der Hohenzollern, ihrer antirepublikanischen Gesinnungen und monarchischen Illusionen zur Mediengeschichte.
Die selbstinszenierten Homestorys, Interviews und anderen Darstellungen auf Fotos und in Zeitungsartikeln, die Malinowski bei seiner Recherche fand, lassen die Hohenzollern als „Medienprinzen“ erscheinen, deren Bilder im Zuge ihrer Radikalisierung und Öffnung nach rechts immer stärker von Hakenkreuzen durchsetzt sind. Die verbohrten, wirklichkeitsfremden und immer drastischer antisemitischen Züge, die der Exilkaiser Wilhelm II. bis zu seinem Tod 1941 annimmt, werden von nachfolgenden Generationen ausbalanciert, die sich als moderne Führerfiguren geben. Ein Vorzug des Brückenschlags zur Mediengeschichte ist, dass die Stimmen der Zeitgenossen zu Wort kommen, die belegen, dass etwa die Aktivitäten zur Zusammenführung von Stahlhelm und SA weithin wahrgenommen wurden, ebenso die Rolle der Hohenzollern als Mittlerfiguren zwischen konservativen Eliten und Nationalsozialisten, zu deren Rhetorik die Kritik des „degenerierten“ Adels gehörte.
Die Hoffnungen auf eine Restitution der Monarchie durch ein Bündnis mit dem Nationalsozialismus waren illusionär, aber nicht anachronistisch. Ihr Modell war, wie Malinowski zeigt, das Nebeneinander von Duce und König im italienischen Faschismus. Ausführlich dokumentiert er die „Werbetätigkeit“ der Hohenzollern in der Zeit des einsetzenden Terrors nach dem 30. Januar 1933 und dem Reichstagsbrand Ende Februar, die an die amerikanische Öffentlichkeit adressierten Einsprüche gegen die „antideutsche Gräuelpropaganda“.
Die Gewaltexzesse des NS-Staates, denen auch Kurt von Schleicher, der Duzfreund des Kronprinzen, zum Opfer fiel, gefährdeten die Annäherung der Hohenzollern an den Nationalsozialismus nicht. Außer August Wilhelm Prinz von Preußen und Hermine, der zweiten Gattin des Kaisers im Exil, gehörte niemand zum harten Kern der Nazis, schreibt Malinowski im Schlusskapitel – und fügt hinzu, dass die Nationalsozialisten sich ohne kollaborierende Gruppen am Ende der Weimarer Republik nicht hätten durchsetzen können: „Der Kollaborateur ist keine Nebenfigur, sondern die Grundlage der NS-Diktatur.“ Fast klingt es nach Enttäuschung, wenn Malinowski das „Gegen-Charisma“ der Hohenzollern als reales, aber ungenutztes Potenzial beschreibt: „Die Familie hat diese Ressource immer wieder für ihre eigenen Interessen eingesetzt, nicht jedoch gegen das NS-Regime.“
Je mehr das politische Handeln des Kronprinzen im Zuge der Entschädigungsdebatte erforscht wurde, desto mehr schwand die Aura seiner Nullität. Der Historiker Christopher Clark, der in seinem Gutachten die „Vorschub“-Frage verneinte und später den Kronprinzen als „Flasche“ titulierte, hat sein Urteil revidiert. Bei der Zerschlagung der Weimarer Republik sei er sehr wohl „ein einflussreicher Akteur“ gewesen. Malinowski erhärtet das durch viele Belege und stellt den Kronprinzen in den Kontext seiner Familie und der deutschen Gegenrevolution seit 1918/19. Juristisch bleibt die „Vorschub“-Frage vorerst ungeklärt. Wer beim Urteil für „Nein“ plädiert, hat in diesem wegweisenden Buch einen starken Gegner.
Der Machtverlust
radikalisierte
den deutschen Adel
Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen Verlag,
Berlin 2021.
752 Seiten, 35 Euro.
Kronprinz Wilhelm von Preußen in NSDAP-Uniform und Hakenkreuzbinde auf einem bunten Abend des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps.
Foto: Scherl/SZ-Photo
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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»Stephan Malinowskis brillantem Buch gelingt ein Gleichgewicht zwischen der forensischen Analyse individuellen Verhaltens und einem neuen Verständnis dafür, wie die giftige politische Kultur einer besiegten Monarchie dazu beitrug, die Demokratie in Deutschland zu zerstören.« Christopher Clark Die Zeit 20211007

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.10.2021

Im Spiegelsaal der Projektionen

Frontbegradigung 1933: Stephan Malinowski erklärt mit der Krise des Charismas, dass die Hohenzollern sich mit den Nationalsozialisten gemeinmachten.

Wie stand Wilhelm von Preußen, der ehemalige deutsche Kronprinz, zum Regierungs- und Systemwechsel des Jahres 1933? Über diese Frage wird in Gerichtsgutachten und Zeitungsartikeln heftig gestritten. Dabei hatte sich der hohe Herr gnädigerweise zeitig herabgelassen, durch schriftliche Mitteilung "etwaige Zweifel in der Frage meiner Einstellung zur jetzigen innenpolitischen Lage zu beseitigen". In einem auf den 17. März 1933 datierten Schreiben an die Verwalter seiner schlesischen Güter, dessen Abdruck in Stephan Malinowskis Buch über die Hohenzollern und die Nationalsozialisten fast eine ganze Seite füllt, heißt es, Wilhelm begrüße "den Zusammenschluß aller nationalen Kräfte, die sich in der schwarz-weiß-roten Front und der nationalsozialistischen Bewegung als Einheitsfront verkörpern".

Von "allen in meinem Dienst stehenden Beamten, Angestellten und Arbeitern" verlangte der Verfasser totalen Einsatz "im Sinne der nationalen Idee". Diese Anweisung eines Großgrundbesitzers ist im Gestus einer Proklamation abgefasst, als spräche er zum ganzen Volk. Im Habitus einer fürstlichen Persönlichkeit war es dasselbe, eine Haltung auszudrücken und Gefolgschaft zu erwarten. "Ich wünsche, daß diese meine Auffassung zur allgemeinen Kenntnis gebracht wird, wobei zu bemerken ist, daß ich abweichendes Verhalten nicht dulden kann und werde." Ganz der Papa, wird man sagen, wenn man in der großen Biographie Wilhelms II. von John Röhl gelesen hat, wie der Kaiser und Ex-Kaiser aller Welt, auch Standesgenossen ("Na warte, Wittelsbach") und den eigenen Kindern, allerhöchste Intoleranz androhte.

Dieses Schriftstück, möchte man glauben, braucht dem Verwaltungsgericht Potsdam nur vorgelegt zu werden, um die Frage zu erledigen, ob Wilhelm dem nationalsozialistischen System erheblichen Vorschub leistete und seine Erben deshalb von Zahlungen nach dem Ausgleichsleistungsgesetz auszuschließen sind. Leider ist der Brief im Original verschollen. Malinowski zitiert ihn nach zwei Veröffentlichungen von Willibald Gutsche, einem 1992 verstorbenen Professor am Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR, dessen Forschungen auch im Westen Anerkennung fanden. In der von Gutsche genannten Akte der Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz fehlt der Brief; er soll das erste Blatt der Akte gewesen sein. Malinowski vermerkt: "Der Verbleib des Schreibens ließ sich nicht klären."

An dieser Stelle hätte man sich eine quellenkritische Überlegung mit Angaben zum Zustand der Akte vorstellen können. Wollte man in einem Gedankenspiel die Möglichkeit einer Fälschung zulasten der Familie von Preußen in Erwägung ziehen, könnte man es für auffällig halten, dass Wilhelm im zeithistorischen Rückblick die Konvergenz von persönlichem Handeln und nationaler Entwicklung betont, als hätte er seine Sätze fürs Geschichtsbuch diktiert: Er empfinde es "persönlich als eine besondere Genugtuung, daß das Ziel, wofür ich mich seit Jahr und Tag mit ganzem Herzen eingesetzt habe, endlich erreicht ist". Aber solche Selbsthistorisierung mit Unterstellung teleologischer Stringenz ist typisch für die Denkungsart im Adel, ganz besonders bei den sprunghaften Hohenzollern. Und zum Anspruch Wilhelms, sich einen Anteil an der Wende des 30. Januars zuzurechnen, findet man bei Malinowski eine Parallelüberlieferung aus dem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang des Ereignisses. Am Tag der Berufung des Kabinetts Hitler bekundete Wilhelm gegenüber Sigurd von Ilsemann, dem Adjutanten seines Vaters in Doorn, "wie glücklich er sei, daß in Deutschland jetzt eine nationale Regierung gebildet sei, für die er seit einem Jahr gearbeitet habe".

Doch selbst wenn - um in der Manier der apologetischen Haushistoriografie jede noch so fernliegende Denkmöglichkeit durchzuspielen - unser hypothetischer Erfinder des Briefs vom 17. März 1933 diese Stelle aus Ilsemanns 1968 veröffentlichtem Tagebuch paraphrasiert hätte: Die Argumentation Malinowskis, dessen Forschungen aus einem im Auftrag des Landes Brandenburg erstatteten Gutachten hervorgegangen sind, ist auf das Vorzeigen einer schmauchenden Tatwaffe weder angelegt noch angewiesen. Zu dicht belegt sind die Unterstützungshandlungen des Thronanwärters bei der Beseitigung der Republik und der Errichtung der Diktatur, als dass es auf eine einzelne Quelle ankommen könnte.

Umfassend unterrichtet Malinowski über die viel diskutierten Stationen der Verschmelzung von schwarz-weiß-roter, also kaiserlicher, und nationalsozialistischer, unter der Hakenkreuzflagge in denselben Farben marschierender Front, von Wilhelms Projekt einer Kandidatur bei der Reichspräsidentenwahl 1932 über seine Eingaben gegen das Verbot von SA und SS bis zu den Massenaufmärschen mit dekorativer Prinzenpräsenz im ersten Jahr des neuen Staates. Geduldig zerlegt Malinowski die entlastenden Konstruktionen, mit denen sich ein bedeutender Historiker wie Wolfram Pyta, Biograph Hindenburgs und Hitlers mit besonderem Interesse an einem operablen Begriff des Charismas, den Blick auf einfache Sachverhalte verbaut hat. Aber das eigentlich Neue und Weiterführende in Malinowskis Buch sind seine Überlegungen darüber, wie man sich die Wirkung der Unterstützungshandlungen vorzustellen und zu erklären hat.

Bündig schreibt er im Schlusskapitel: Die Unterstützung war "nicht 'nur' symbolisch, sondern sie leistete eben darin, dass sie vor allem symbolisch war, präzise das, was der Beitrag des Hochadels nach 1918 noch sein konnte: die Darstellung von Machtkonstellationen". Reichsaußenminister Gustav Stresemann hatte die Kaisersöhne wegen ihrer eifrigen Mitwirkung an Kundgebungen des "Stahlhelms", des republikfeindlichen "Bundes der Frontsoldaten", als "Reklameprinzen" verspottet. Kurioserweise sind es heute die letzten Fans der Hohenzollern in der deutschen Historikerzunft, die als wissenschaftliche Advokaten von Georg Friedrich Prinz von Preußen, dem aktuellen "Chef" des "Hauses", die Devise ausgeben, dass es mit der Reklamewirkung der Preußenprinzen nicht mehr so weit her gewesen sei.

Malinowski kann demgegenüber nicht nur auf die gewaltigen Menschenmengen verweisen, die 1921 der Kaiserin Auguste Victoria und 1940 dem in Frankreich gefallenen Prinzen Wilhelm, dem ältesten Sohn des Kronprinzen, die letzte Ehre erwiesen; diese Demonstrationen volkstümlicher Loyalität wurden politisch verstanden. Denn auf Sichtbarkeit kam es an in den feudalen Treuebeziehungen, die da unter den Bedingungen der Massenkommunikation noch einmal reproduziert wurden. Durch bloße Akte der Präsenz beschäftigten die Prinzen die politische Fantasie, wie Malinowski an der Weltpresse zeigt, besonders gerne mit Provinzzeitungen aus den Vereinigten Staaten. Den Söhnen des Weltkriegstreibers im Exil wurden die abenteuerlichsten Restaurationspläne zugeschrieben. Nach 1933 galten sie mancherorts als geborene Widerständler, sodass sich nach dem Attentat Georg Elsers das Gerücht verbreitete, der Kronprinz sei verhaftet und enthauptet worden. Wer das Image der Hohenzollern untersucht, spaziert durch einen Spiegelsaal der Projektionen. Aber dass ein Mann wie Wilhelm, berühmt dafür, berühmt zu sein, etwas bewirkte, wenn er vor der Potsdamer Garnisonkirche oder auf der Diplomatentribüne des Reichstags erschien, ist keine Einbildung.

Nun bleibt Charisma per definitionem etwas Ungreifbares. Es ist der Clou von Malinowskis Argumentation, dass er die von den Apologeten der Hohenzollern beschworene Krise des dynastischen Charismas zu einem Beweisstück der Anklage umfunktioniert: Sie lieferte ein starkes Motiv für Anpassung und Kollaboration.

Ratlos und verbittert standen die Entthronten in der neuen, republikanischen Welt herum, wo sie sich nicht nur mit ihren alten Feinden konfrontiert sahen, den Demokraten und Sozialisten, sondern auch mit unbehaglich modernen Varianten der Werte der eigenen Lebensform. In ihren antidemokratischen und antisozialistischen Kreisen kamen Ideen einer meritokratischen Aristokratie in Mode, wie sie Alexandra Gerstners Monographie "Neuer Adel" dargestellt hat. Und noch gefährlicher für ihre Stellung war das Konzept, Alleinherrschaft nicht mehr auf Erbfolge, sondern auf Führertum zu gründen.

Malinowski betont sehr stark, dass Kaiser und Kronprinz durch die Flucht im November 1918 ihrem Ansehen in den Augen der Adligen und Adelssympathisanten geschadet hatten, für die ritterliche Tugenden noch kein leerer Wahn waren. In dieser Lage konnten die Hohenzollern versuchen, sich selbst zu Vertretern des zeitgemäßen Leistungsethos zu stilisieren oder ein Bündnis mit den neuen Führungskräften einzugehen. Beides probierten sie aus. In der Bundesrepublik zogen Vertreter der Familie später bis vor das Bundesverfassungsgericht, um sich das Recht bestätigen zu lassen, ihren "Chef" gemäß dem "Hausgesetz" auszuwählen, das hieß auf die Befolgung der Regeln für "ebenbürtige" Heiraten zu verpflichten. Die Söhne Wilhelms II. hatten dieses Prinzip der Magie des Blutes im Zweiten Weltkrieg zur Disposition gestellt: Künftige Prinzen sollten Frauen freien dürfen, mit denen sie "tüchtige, im Leben ihren Mann stehende, zu Führern sich eignende Nachkommen" zeugen würden. Der Ex-Kronprinz gab zu Protokoll, dass auch die "Tochter eines westfälischen Bauern" in Betracht komme, sofern sie "arisch" sei.

Anfang 1933 hatte er seiner Schwester Viktoria Luise berichtet, er habe 1923 mit Oswald Spengler über den kommenden Mann gesprochen, der weder Fürst noch General sein werde. In Gestalt Hitlers sei er nun erschienen. Nach dem Krieg redete Wilhelm sogleich wieder mit ausländischen Journalisten, um zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, dass er in Hitler von Anfang an den Schwätzer erkannt habe.

Der von Spengler zur Nachahmung empfohlene italienische Faschismus bot das Modell eines Bundes von Thron und Führerbalkon, das hinter den Planspielen von 1932/33 unschwer zu erkennen ist. Dass im Adel der Weimarer Republik "sozialer Niedergang und politische Radikalisierung" Hand in Hand gingen, wies Malinowskis preisgekrönte Doktorarbeit nach. So gesehen sind die Hohenzollern eine ganz normale Adelsfamilie. Egalisierung der Schicksale ist die demokratische Pointe der Sozialgeschichte. Die Kaisersöhne, die Stammtafeln gegen Ariernachweise tauschen, um den welthistorischen Anschluss nicht zu verpassen, benehmen sich wie Parvenus. Malinowskis Verfallsstudie belehrt und amüsiert als Gesellschaftsroman einer durch und durch verkehrten Welt. PATRICK BAHNERS

Stephan Malinowski: "Die Hohenzollern und die Nazis". Geschichte einer Kollaboration.

Propyläen Verlag, Berlin 2021. 752 S., Abb., geb., 35,- Euro.

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