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Was fühlt ein Tier, wie lebt es und wie nimmt es seine Umwelt wahr? Um das herauszufinden, tritt Charles Foster ein faszinierendes Experiment an. Er schlüpft in die Rolle von fünf verschiedenen Tierarten: Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und Mauersegler. Er haust in einem Bau unter der Erde, schnappt mit den Zähnen nach Fischen in einem Fluss und durchstöbert Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung. Er schärft seine Sinne, wird zum nachtaktiven Lebewesen, beschreibt wie ein Weinkenner die unterschiedlichen "Terroirs" von Würmern und wie sich der Duft der Erde in den verschiedenen Jahreszeiten…mehr

Produktbeschreibung
Was fühlt ein Tier, wie lebt es und wie nimmt es seine Umwelt wahr? Um das herauszufinden, tritt Charles Foster ein faszinierendes Experiment an. Er schlüpft in die Rolle von fünf verschiedenen Tierarten: Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und Mauersegler. Er haust in einem Bau unter der Erde, schnappt mit den Zähnen nach Fischen in einem Fluss und durchstöbert Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung. Er schärft seine Sinne, wird zum nachtaktiven Lebewesen, beschreibt wie ein Weinkenner die unterschiedlichen "Terroirs" von Würmern und wie sich der Duft der Erde in den verschiedenen Jahreszeiten verändert. In die scharfsinnige und witzige Schilderung seiner skurrilen Erfahrungen lässt er wissenswerte Fakten einfließen und stellt sie in den Kontext philosophischer Themen. Letztendlich geht es dabei auch um die eine Frage: Was es bedeutet, Mensch zu sein.
  • Produktdetails
  • Verlag: Malik
  • Seitenzahl: 288
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahre
  • 2017
  • Ausstattung/Bilder: 2017. 288 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 146mm x 28mm
  • Gewicht: 427g
  • ISBN-13: 9783890292625
  • ISBN-10: 3890292623
  • Best.Nr.: 45031671
Autorenporträt
Robert A. Weiß, geboren 1960, übersetzt seit mehr als 25 Jahren zusammen mit Gerlinde Schermer-Rauwolf im Kollektiv Druck-Reif Belletristik, politische und kunsthistorische Sachbücher sowie Reiseliteratur. Er lebt in München.
Rezensionen
Besprechung von 19.03.2017
Wie ein Fuchs im Hinterhof

Der Tierarzt und Anwalt Charles Foster wühlte wie ein Dachs im Waldboden und trieb sich wie ein Fuchs in Städten herum - herausgekommen ist ein großartiges Buch

Füchse liegen tagsüber gern draußen. Zusammengerollt zu einem rot-, manchmal auch eher graubraunen Fellknäuel, kann man sie hierzulande, zumindest wenn man in Berlin wohnt, hinter oder zwischen Mülltonnen liegend in Hinterhöfen entdecken. Oft dösen sie auch in einem Stadtpark, nicht weit von den Sitzbänken entfernt, im Unterholz. Sie rühren sich höchstens, wenn ein Hund ohne Leine über die Wege läuft.

Wer also wissen will, wie ein Fuchs lebt, was er von seiner Umwelt wahrnimmt und welche Reize ihm als Sensationen erscheinen, muss sich nicht auf Wald-, Feld- und Wiesentouren begeben. Wer wirklich etwas über Füchse erfahren möchte, sollte davon sogar Abstand nehmen und lieber in den Städten ihren Spuren folgen. Denn Füchse leben mittlerweile in vielen Teilen Mitteleuropas vorrangig dort und sind offensichtlich auch zufrieden damit.

Es ist eine Entwicklung, die während des Zweiten Weltkriegs in England begann. Damals hatten englische Jäger sich um anderes als um die Fuchsjagd zu kümmern. Die Fuchspopulation wuchs dadurch so an, dass die Tiere sich neue Lebensräume suchen mussten. Sie fanden sie in den englischen Städten und gehören heute dort wie selbstverständlich zur ständigen Fauna dazu. Für sein gerade auf Deutsch erschienenes Buch "Wie ich versuchte, als Tier zu leben" zog Charles Foster deshalb auch gar keinen anderen Lebensraum als jenen der Stadt in Betracht. "Meine Füchse waren in der Innenstadt zu Hause", schreibt er. "Also legte ich mich ohne Essen und Trinken im Londoner Stadtteil Bow in einen Hinterhof, entleerte Blase und Darm dort, wo ich war, wartete auf die Nacht und verhielt mich gegenüber den menschlichen Wesen in den Reihenhäusern ringsum feindselig - was mir nicht schwerfiel."

Für das Vorhaben von Foster, der eigentlich Tierarzt und Anwalt ist und in Oxford Ethik und Rechtsmedizin unterrichtet, war jener Tag ein guter. Denn er lehrte ihn etwas über das Leben als Fuchs. Das Problem war jedoch, dass das meiste, was ihm während seiner Zeit als Fuchs durch den Kopf ging, freilich keine Fuchsgedanken waren. Er musste sich immer wieder zwingen, sich in das Tier hineinzuversetzen. Doch Foster langweilte sich mitunter. Er sehnte sich nach Zerstreuung, für die ihm fast alles willkommen gewesen wäre, wie er schreibt: ein Buch, ein Gespräch, ja sogar eine Intrige. Dass bestimmte Tiere auch Langeweile empfinden können, beispielsweise ein Hund, der auf einem Autorücksitz wartet und lieber draußen spielen oder Hasen nachjagen würde, nimmt Foster zwar an. Für einen wilden Fuchs, der freiwillig in der Stadt lebt, schließt er Langeweile jedoch aus. Er bezweifelt, dass der Stress vollkommener Ereignislosigkeit für einen Fuchs genauso enervierend sei wie für ihn, Foster, selbst.

An dieser Stelle der Lektüre tritt - nicht zum ersten Mal - neben die Bewunderung für Fosters Ausführungen auch etwas Neid. Denn so voraussetzungsvoll und selbstverständlich kann man nur in angelsächsischen Ländern über Mensch-Tier-Verhältnisse und -Vergleiche schreiben. Es existiert dort unter anderem mit dem "Nature Writing" eine Schreibtradition, für die es selbstverständlich ist, dass ein Baum, ein Wald oder ein Tier in einem Text eben auch ein realer Baum oder ein reales Tier sein kann und nicht nur eine Metapher oder ein literarisch verbogenes Phantasiebild.

Auch deshalb kann Foster J. A. Bakers "Wanderfalken", das im englischen Original 1967, in der deutschen Übersetzung erstmals 2014 erschienen ist, als gefeiertes Buch vorstellen und als bekannt voraussetzen. In Deutschland funktioniert das nicht. Zwar hat Baker hier mit dem Filmemacher Werner Herzog und dem Büchner-Preisträger Marcel Beyer zwei in Natur- und Tierdingen ausgewiesene Kenner als Bewunderer. Doch in der Regel reagieren Literaturkritiker und Literaten, wenn man ihnen Baker empfiehlt, als wolle man ihnen ein faules Ei andrehen. Foster hingegen benennt ganz selbstverständlich Bakers Naturbeobachtungen als Vorbild und präzisiert gleichzeitig in Abgrenzung zu diesem sein eigenes Projekt. Baker hatte eine Passion für Wanderfalken entwickelt, als diese Mitte der sechziger Jahre bedingt durch das Insektengift DDT nur noch taube Eier legten und vor dem Aussterben standen. Einem Wanderfalken folgte er und porträtierte dessen Verhalten in Tagebucheinträgen in einer knappen, aber äußerst klaren Prosa und so umfänglich wie möglich. Bakers Ziel war, einen bald aussterbenden Vogel für die Nachwelt im Textporträt zu erhalten. Er wusste nicht, dass DDT verboten werden würde und Wanderfalken Städte wie New York oder Berlin entdecken würden, in denen sie heute gut leben können.

Durch seine täglichen Protokolle näherte sich Baker in einem Maße dem Wanderfalken an, dass er erst im Traum und dann auch in seinen täglichen Bewegungen selbst zum Wanderfalken wurde. Er zog daraus eine Lehre von der Selbstaufgabe als Mensch im Wanderfalken-Werden und erkannte eine höhere Moral in der Natur. Derartige Folgerungen lehnt Foster für sich ab. Denn wer zum Fuchs wird, kann nicht mehr über den Versuch schreiben, als Fuchs zu leben. Für Fosters Projekt ist die Abgrenzung zwischen dem Tier-Werden und dem Versuch, wie ein Tier zu leben, entscheidend. Und auch da schöpft er aus einer biographischen und literarisch-philosophischen Tradition, die so nicht überall gegeben ist.

Foster kann die Frage nach dem Bewusstsein der von ihm porträtierten Tiere bloß streifen. Er gesteht sich ein, dass er keine Ahnung hat, wie er damit umgehen soll. Vor dem Hintergrund der Überlegungen zu Erlebnisperspektiven des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel und dessen ironischer Frage: "Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?", weiß Foster, dass wir nicht sagen können, ob bestimmte Tiere ein Bewusstsein haben oder nicht. Für Fosters Fragen nach dem Leben der Tiere ist das aber auch nicht erheblich. Er will sich den Tieren vor allem über ihre Physiologie und die Wahrnehmung von Landschaften annähern. Sein Programm orientiert er dabei an den Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft. Für jedes wählt er ein passendes Tier aus; für das Wasser den Otter, für das Feuer den Fuchs, für die Luft den Mauersegler und für die Erde den Dachs und den Rothirsch. Für die Erforschung der beiden Letzteren bringt Foster eine zwiespältige Voraussetzung mit. Denn bevor er sich dem Leben der Tiere zuwandte, war er ein leidenschaftlicher Jäger - also ein Spezialist ihres vorzeitigen Todes. In einer biographischen Notiz dazu verschweigt er die abstumpfende Wirkung des Jägerdaseins für das Mitempfinden zu Lebewesen nicht. Doch er ist klug und eloquent genug, um auch aus diesem, eher dunklen, Kapitel seiner Biographie einen emanzipatorischen Funken zu schlagen. Die Jagd an sich sei es nicht, die abstumpft, sondern eher deren moderne Ausprägung, die einen aus kilometerweiter Entfernung mit Präzisionsgewehren auf Vegetarier wie Hirsche schießen lasse. Nicht umsonst sei die Jagd bei schriftlosen Völkern vom Spurensuchen bis zur Auswahl der zu erlegenden Tiere eine Sache der Schamanen und damit immer auch eingebunden in rituelle wie spirituelle Verfahren, von denen man nach wie vor lernen könne. Beispielsweise etwas über die Träume von Dachsen.

Nachdem Foster sich wie walisische Dachse in die Erde eingegraben hat, über den Boden gekrochen ist, Laub, Regenwürmer, Beeren und alles, was sonst noch auf Dachshöhe in der Dachswelt für Hände, Augen und Mund erreichbar ist, untersucht hat, macht er sich Gedanken über das Sozialleben der Dachse. In Wales leben sie nämlich viel geselliger als in Weißrussland. Der Grund ist die An- oder Abwesenheit von Wölfen. In Wales gibt es keine Wölfe mehr - neben dem Menschen sind sie der Hauptfeind der Dachse. Foster folgert daraus, "wenn sich durch den Wechsel des Hauptfressfeindes so etwas Grundlegendes wie das Gemeinschaftsleben ändert, wäre anzunehmen, dass sich auch die Träume verändern". Das Traumleben eines Dachses müsse die emotionalen Farben eines Waldes widerspiegeln, und ein Wald mit Wölfen sei nur rot oder schwarz. Foster weiß natürlich, dass er sich mit solchen Spekulationen bei professionellen Biologen disqualifiziert. Er kennt aber einen guten Naturforscher, der solche Überlegungen selbst anstellte, dem jedoch auch kein darwinistischer Reduktionismus an Universitäten eingebleut worden war. Der Forscher hieß Charles Darwin.

CORD RIECHELMANN

Charles Foster: "Der Geschmack von Laub und Erde. Wie ich versuchte, als Tier zu leben". Piper, 288 Seiten, 20 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 14.03.2017
LITERATUR
Das Licht am Ende
des Abflussrohrs
Von einem, der auszog, um wie ein Tier zu leben:
Charles Fosters „Der Geschmack von Laub und Erde“
VON CLAUDIA FROMME
Ein britischer Regenwurm schmeckt, allgemein betrachtet, nach Schleim und Erde, ansonsten verweist er als regionales Produkt bei Genuss auf seinen Wohnort. In Norfolk schmeckt er nach Windeleinlage und Paraffin, in der Küstenebene von Somerset dumpf nach Stoutbier und Leder, in Chablis zumindest im Frühjahr nach Zitronengras und Schweinekot, und in Kent nach überhitzten Schleifscheiben und Mundgeruch.
Selten wurde der Geschmack eines Regenwurms detailreicher beschrieben, und doch bleibt dem Urheber nicht viel mehr als Verachtung für seine Expertise. So unzureichend, so unerheblich seien seine Anmerkungen zur Natur, gesteht der britische Tierkundler Charles Foster fortwährend in der Schilderung seines Selbstversuchs „Der Geschmack von Laub und Erde“. Mit demütigem Vorsatz verlässt Foster sein Haus in Oxford, wo er Medizinrecht und Ethik lehrt, um als Tier zu leben. Als Dachs, Otter, Hirsch, Fuchs und Schwalbe.
Oder besser: Er lebte, wie er sich vorstellte, wie ein Dachs, Otter, Hirsch, Fuchs oder eine Schwalbe leben könnte, um es als Mensch mit seinem Instrumentarium zu beschreiben. Dabei ordnet sich Foster weit unten in der Hierarchie der Wissenden ein: „Ich habe nichts begriffen, ein Segen. Den Menschen bleiben vielleicht die Wörter, um zu beschreiben. Aber ist das Baumbeschreiben besser als das Baumsein? Sind Wörter besser als Leben?“
Als das Buch im vergangenen Jahr in Großbritannien erschien, wurde es sogleich zum Bestseller, bei paralleler spöttischer Betrachtung durch die Wissenschaft, die den Versuchsaufbau für allzu sehr im Literarischen verhaftet befand. Anders als Naturkundler vor ihm, die auszogen, neue Erkenntnisse beim Gang in den Wald zu finden, weiß Foster um die Anmaßung, als feister Europäer in eine Art Dachsbau zu kriechen, den ein befreundeter Farmer mit dem Bagger in Wales ausgehoben und mit Ästen und Laub verdeckt hat, um bisweilen Fast Food vorbeizubringen, was, berichtet Foster entschuldigend, nicht undachshaft ist, immerhin sei auch der Dachs ein Allesfresser.
Wenn Wahrnehmung ohnehin ein radikales Konstrukt ist und der Mensch im erweiterten sokratischen Sinne weiß, dass er tumb durch die Gegend läuft, kann der Feldforscher sich auch frei machen von der Bringschuld der Wissenschaft und sich der Welt einem Kinde gleich nähern. Erst zögernd, dann jauchzend wirft sich Foster als Dachsmensch in die olfaktorische Wucht des Waldes, um den Geruchssinn zu schärfen, der beim Menschen zugunsten des Sehens verkümmert ist. Irgendwann krabbelt Foster wie ein Dachs auf allen vieren durchs Unterholz, weidet sich am Geruch von Exkrementen, hält seine Kinder an, das Revier mit ihrer Notdurft zu markieren. Der Farmer mit dem Bagger sagt: „Du bist ein echt durchgeknallter Spinner.“
Auf der Suche nach Erkenntnis taucht Foster, der Jura und Tiermedizin studiert hat, mit schlingernden Bewegungen und zuweilen nackt wie ein Otter in eisigen Flüssen nach Fischen, lebt in einem modrigen Abflussrohr. Er lässt sich die Zehennägel wachsen, um nachzuempfinden, wie ein Hirsch auf Klauen läuft, lässt sich wie das Rotwild von einem Hund hetzen. Er wühlt als Fuchs in Mülltonnen in London, versucht, dem Zug der Mauersegler nach Afrika nachzuspüren, und gibt dabei zu bedenken, dass alles eine Relevanz haben kann: „Der Wein in jener Nacht in einem andalusischen Innenhof musste präzise beschrieben werden, weil Nitrat aus Mauerseglerdung den Weg in seine Trauben gefunden haben könnte und weil Insekten, die sich von Trauben ernähren, vielleicht in einer Duftwolke aus Zitronen und vergammelten Shrimps emporgewirbelt und vertilgt worden waren.“ Von den Mauerseglern. Manchmal kommen die Kinder mit, seine Frau liest derweil lieber in Hochglanzmagazinen auf dem Sofa.
Das ist alles einigermaßen verrückt, liest sich aber ganz vorzüglich, auch weil Foster mit feinem Humor schreibt und seinen Selbstversuch lebenspraktisch anlegt, fern der Verklärung, die in der teilnehmenden Naturbeobachtung oft vorherrscht. Das Gefühl dominiert, aber der Verstand wird auch genährt, der Leser erfährt nebenbei viel über das Wesen und Wirken von Dachs, Otter, Hirsch, Fuchs und Mauersegler. Das ist Naturforschung im besten Sinne Alexander von Humboldts, der postulierte, dass der Mensch die Natur mit Verstand und Gemüt erfassen möge. Mit Sinn und Sinnlichkeit.
Foster, der auf Skiern zum Nordpol fuhr und Ultramarathonläufer ist, zog aus, um etwas über Wildtiere zu erfahren, am Ende lernte er aber vor allem sich selbst kennen – als Kreatur, die die Stadt degeneriert hat. In der Dachshöhle merkt er, dass er ein „hoffnungsvoller Spießer“ ist. Den in sauberen Reihen angeordneten Mustern einer Blümchentapete habe er Vorzug vor realen Pflanzen gegeben. „Meine Vorstellung von Dachsen und der Wildnis war mir lieber als echte Dachse und echte Wildnis.“ Der Mensch habe sich in der Vorstellung von der Natur über die Natur erhoben.
Der Mensch als Krone der Schöpfung ist Foster zufolge also ein jämmerlicher Versager, den die Zivilisation seiner Sinne beraubt hat. Gleichwohl können die Weihen des Fortschritts dem geneigten Städter die Natur durchaus näherbringen. Foster selbst hat so den Weg in die Dachshöhle gefunden. In der Widmung schreibt er: „Für meinen Vater, der nie ohne ein totgefahrenes Tier in der Plastiktüte nach Hause kam.“
Charles Foster: Der Geschmack von Laub und Erde. Wie ich versuchte, als Tier zu leben. Aus dem Englischen von Gerlinde Schermer-Rauwolf und Robert A. Weiß. Malik-Verlag, München 2017. 288 Seiten, 20 Euro. E-Book 16,99 Euro.
Der Mensch als Krone der
Schöpfung ist Foster zufolge
ein jämmerlicher Versager
Der Otter ist die Krone der Schöpfung. Sagt der Otter.
Foto: Ap
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Mit einer Sympathie, die wohl nicht jeder Leser teilen dürfte, bespricht Sylvia Staude dieses Buch, Der Brite Charles Foster versucht darin eine Art Abbitte für seine frühere Jagdleidenschaft zu leisten, indem er - so gut es geht - nacheinander wie ein Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und Mauersegler zu leben. Das ist streckenweise amüsant, so Staude, und auch ein sympathischer Versuch, Natur und Menschen besser zu verstehen. Etwas zwiespältig wird es für Staude, wenn der Autor einerseits dafür plädiert, naturverbundener zu leben, er die Natur aber immer dann ablehnt, wenn sie ihm zu ungemütlich wird. Dass Ottern beispielsweise viel töten, weil sie viel fressen müssen, ist Foster dann doch ein bisschen zu, äh, tierhaft. Die Rezensentin hat das nur am Rande gestört.

© Perlentaucher Medien GmbH
»Ein großartiges Buch«, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.03.2017