Zärtlichkeit der Wölfe - Lommel, Ulli
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Bewertung von Mick aus Augsburg

Selten habe ich eine so grossartige Biografie gelesen. Aber Hans Schifferle, in der April 2010 Ausgabe von EPD FILM, hat es bestens getroffen: "So spannend und poetische verfasst …


    Broschiertes Buch

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Begegnungen mit Rainer Werner Fassbinder, Andy Warhol, Romy Schneider, Jackie Kennedy-Onassis, Truman Capote, Frank Sinatra, Orson Welles, Ingeborg Bachmann, William Burroughs, Klaus Kinski, Marlene Dietrich u.v.a. Ulli Lommel spielt 1962 an der Seite von Maria Schell in ICH BIN AUCH NUR EINE FRAU. Er ist ein junger Verliebter in Das große Liebesspiel (1963), ein sexgieriger Jüngling in FANNY HILL (1964) und ein Nachwuchskrimineller in MAIGRET UND SEIN GRÖSSTER FALL (1966). 1969 gibt ihm Fassbinder die Hauptrolle des eleganten und eiskalten Gangsters Bruno Straub in LIEBE IST KÄLTER ALS DER…mehr

Produktbeschreibung
Begegnungen mit Rainer Werner Fassbinder, Andy Warhol, Romy Schneider, Jackie Kennedy-Onassis, Truman Capote, Frank Sinatra, Orson Welles, Ingeborg Bachmann, William Burroughs, Klaus Kinski, Marlene Dietrich u.v.a. Ulli Lommel spielt 1962 an der Seite von Maria Schell in ICH BIN AUCH NUR EINE FRAU. Er ist ein junger Verliebter in Das große Liebesspiel (1963), ein sexgieriger Jüngling in FANNY HILL (1964) und ein Nachwuchskrimineller in MAIGRET UND SEIN GRÖSSTER FALL (1966). 1969 gibt ihm Fassbinder die Hauptrolle des eleganten und eiskalten Gangsters Bruno Straub in LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD. Es ist der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit (16 gemeinsame Produktionen). Mit seinem Film über den von Kurt Raab gespielten Knabenmörder Fritz Haarmann, DIE ZÄRTLICHKEIT DER WÖLFE (1973), verbucht Lommel seinen ersten eigenen, viel diskutierten Kinoerfolg. Im Film ADOLF UND MARLENE (1976) spekuliert er über die Beziehungen zwischen Hitler und Marlene Dietrich. 1977 verlässt Ulli Lommel die Bundesrepublik und geht in die USA. Der Erfolg seines Filmes THE BOOGEYMAN (1980) gibt ihm Recht. Die in Amerika seither von ihm gedrehten und produzierten Exploitation-Filme (u.a. COCAINE COWBOYS mit Andy Warhol) produzierte er teilweise direkt für den Videomarkt. In den letzten drei Jahren drehte er allein siebzehn Serienmörder-Filme für den DVD-Verwerter Lionsgate. »Warhol und Fassbinder: Beide waren Hexenmeister, denen es immer wieder zu gelingen schien, Zeit und Ort zu transzendieren. Ausgerechnet mir war die Rolle zugefallen, beiden als Zauberlehrling zu dienen und die Geister, die sie doch so oft riefen, bin ich bis heute nicht losgeworden.«
  • Produktdetails
  • Verlag: belleville
  • Seitenzahl: 216
  • Erscheinungstermin: November 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 241mm x 169mm x 27mm
  • Gewicht: 940g
  • ISBN-13: 9783933510549
  • ISBN-10: 3933510546
  • Artikelnr.: 26468975
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.02.2010

In Cowboystiefeln durch die Filmgeschichte
Wanderer zwischen den Kinowelten: Die Autobiographie des deutschen Hollywood-Schauspielers Ulli Lommel
Wenn es ein Gleichgewicht der Erlebnisse gibt, dann gehören Figuren wie Ulli Lommel zu den Störfaktoren. Sie führen ein so abenteuerliches Leben, dass als Gegenstück dazu mindestens fünf andere herhalten müssen, deren Existenz von äußerster Gleichförmigkeit geprägt wird. Und fünf reichen möglicherweise nicht aus, um diese Balance zu halten.
Ulli Lommel, Jahrgang 1944, hing schon als Bravo-Starschnitt in deutschen Jugendzimmern, bevor ihn Rainer Werner Fassbinder anwarb, um mit ihm „Liebe ist kälter als der Tod” zu drehen. Von Fassbinder wurde er gestylt wie Alain Delon in „Der eiskalte Engel”, durch Fassbinder begann er, selbst Regie zu führen. Das brachte ihn 1977 zur New Yorker Avantgarde, dort arbeitete er zwei Filme lang mit Andy Warhol zusammen, drehte dann 1980 den Horrorschocker „Boogeyman”, der ein Meilenstein des Genres wurde und ihn nach Hollywood katapultierte. Dort blieb Lommel bis heute und produzierte einen sagenumwobenen Ausstoß an Filmen, allein siebzehn Serienmörderfilme in den letzten drei Jahren.
Nun hat Ulli Lommel ein Buch geschrieben, das vor Abenteuern nur so strotzt, obwohl er darin nichts anderes erzählt als seine Begegnungen mit verschiedenen Personen der Filmgeschichte. Die Namen, die in „Zärtlichkeit der Wölfe” fallen, rufen bei den Liebhabern des Kinos entzücktes Stöhnen hervor, das allerdings jeweils völlig unterschiedlichen Genres gilt: mal dem des A-, mal dem des B-Pictures, mal dem amerikanischen Horrorkino, mal den deutschen Fassbinderfilmen, und, irgendwo dazwischen, den visuellen Experimenten mit Warhol.
Sobald man anfängt, Lommels Buch zu lesen, beginnt eine Reise durch Amerika, bei der man sich, je nach Situation, wie in einer Limousine fühlt, in schlechten Momenten auch wie auf einem bockigen Pferd. Von New York nach Los Angeles wird man getragen, von den siebziger Jahren in die Gegenwart, wobei die Siebziger hier noch einmal so golden glänzen, dass man der Sentimentalität wenig entgegensetzen kann. Der Aufbruch und der Zufall, das Geld und die Drogen, die Sehnsucht und die Kunst, davon schreibt Lommel spielerisch und amüsiert, im Mittelpunkt aber stehen immer die Menschen, die ihm die Städte, die Filme, die Nächte zuspielten.
Truman Capote zum Beispiel, der „recht ungemütlich werden konnte, wenn ihn etwas irritierte”: Zur Katerbekämpfung besuchten Lommel und Capote eines Morgens Tiffany’s, wo niemand Capote in seinen „vergammelten alten Turnschuhen” erkannte, obwohl er den Laden mit seinem Roman „Frühstück bei Tiffany” berühmt gemacht hatte. Capote, verärgert, legte sich der Länge nach vor dem Eingang auf den Boden und schrie wie am Spieß, als die Sicherheitsleute ihn wegschaffen wollten. Es lag an Ulli Lommel, die Situation aufzuklären, und das gelang ihm erst auf dem Polizeirevier Midtown Manhattan, als ein Polizeibeamter sich zum Glück als Capote-Fan entpuppte.
Abenteuer eines Streuners
Dieser Episode vorangestellt ist der Satz: „Er gab mir die Welt. In dieser Nacht und am folgenden Tag”, der die Aufmerksamkeit plötzlich auf etwas lenkt, das sonst im ganzen Buch nonchalant beiseite gelassen wird: auf Sex. Sex als Leerstelle ist dabei nicht unangenehm, es ist nur auffällig, dass elegante Diskretion ein Buch durchziehen kann, in dem es gleichzeitig an Beziehungserlebnissen nicht mangelt. Von New York aus ruft Ulli Lommel 1977 seine Freundin Anna Karina, eine Ikone der Nouvelle Vague, in Paris an, um ihr von dem Glück zu berichten, dass er einen Film mit Andy Warhol drehen könne. Ihre Antwort waren drei Worte: „Warhol oder ich!” Ulli Lommel spart sich Gefühlskonflikt und Kommentar und schreibt lapidar, er habe Anna Karina erst sieben Jahre später in einem Café in Los Angeles wiedergetroffen.
Solcherart sind die Geschichten: Wie Jackie Onassis – in schwarzen Chanel-Pumps – das letzte Geheimnis über Marilyn Monroe nicht erzählen konnte, weil das Studio 54 endlich zumachen wollte; wie Warhol Ulli Lommel ein Paar Stiefel aus Krokodilleder schenkte oder Sinatra ihn in Las Vegas vor der Mafia warnte oder Orson Welles in Hollywood nachts seinen Schneideraum benutzte. Oder William Burroughs, „dieser spindeldürre Geist mit zerknülltem Anzug und kleinem Hütchen”, der in Lommels Hotelzimmer im legendären Tropicana stolperte, weil er angelockt wurde von den Todesschreien am Schneidetisch. Damals konnte man noch in Hotelzimmern Filme schneiden, und das taten die beiden dann gemeinsam mit einer Szene des „Boogeyman”, die ganze Nacht, bis Burroughs am Tisch einschlief und Ulli Lommel eine Vorahnung hatte, dass der Film ein Hit werden würde. Was man hier erfährt, löst die Beteiligten aus ihrer gewohnten Unantastbarkeit und lässt sie anders, vor allem wesentlich obskurer wirken.
Dabei erfährt man alles über die Schuhe von Ulli Lommel und seinen Freunden, und manches über das Filmemachen im Guerilla-Style. Schade nur, dass „Zärtlichkeit der Wölfe” – trotz vieler Fotos aus den deutschen Filmen – beinahe gar keine Bilder aus den amerikanischen Jahren zeigt. Das erinnert an die Rezeption seiner amerikanischen Filme in Deutschland: Sie werden eher unwillig wahrgenommen in Anbetracht des Ruhms der weiter zurückliegenden Vergangenheit mit Fassbinder und dem deutschen Starkino.
Unverständlich ist es auch. Wer wollte nicht Warhol und Jack Palance im selben Bildausschnitt sehen, oder Richard Hell und Carole Bouquet. Tatsächlich hat Lommel aus den meisten seiner Begegnungen einen Film gezaubert, und das zu einer Zeit, als man zum Drehen noch eine 35-mm-Kamera und einen Kameramann brauchte. Die Filme entstanden meist spontan und in schneller Folge, und dass sie überhaupt entstanden, ist verblüffend genug. Möglicherweise ist Lommels Geheimnis die Unerschrockenheit, mit der er allem Fremden begegnet, die Beweglichkeit auch, mit der er jeder flüchtigen Chance auf einen Film folgt, egal ob ihn das von München nach Paris oder von New York nach Los Angeles lockt.
In München hatte es angefangen, das Streunen vom Weg des kommerziellen Kinos, und die Ursache war 1968 Rainer Werner Fassbinder. Auch hier verbindet sich Lommels Lebensgeschichte mit Legenden. Nicht nur Fassbinder kommt in seinem Buch ausführlich vor, mit dem er neun Jahre und zwanzig Produktionen lang zusammenarbeitete, sondern auch die Kindheit als Sohn des Komikers Ludwig Manfred Lommel, die Schauspielschule, deutsche Stars der Fünfziger, die deutsche Filmindustrie der Siebziger, und natürlich Frauen, von Romy Schneider über Brigitte Bardot bis Suzanna Love. So ist „Zärtlichkeit der Wölfe” teils Tagebuch, teils Abenteuerroman mit Celebrities; manchmal steckt der Autor als Hippie in italienischen Slippern, manchmal ist er ein klarsichtiger Filmemacher in Cowboyboots. Von ihm bekommt man eine wilde, aufregende, deutsch-amerikanische Filmgeschichte serviert, und sollte irgendjemand an ihm zweifeln, in diesem Buch findet sich auf alles eine Antwort: „Ist die erfundene Geschichte nicht viel schöner?” fragt Ulli Lommel irgendwo. DORIS KUHN
ULLI LOMMEL: Zärtlichkeit der Wölfe. Verlag Belleville, München. 214 Seiten, 22,00 Euro.
Auch sein Weg führte ihn nach Hollywood: Seit mehr als 30 Jahren lebt der Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel in Los Angeles. Foto: Archiv Ulli Lommel
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Doris Kuhn preist die Autobiografie des Schauspielers und Regisseurs Ulli Lommel als abenteuerlichen Streifzug durch die deutsch-amerikanische Filmgeschichte und als Tagebuch eines "Streuners", der nur zu gern immer wieder vom bewährten etablierten Weg abgewichen ist. Filmfreunde werden ganz auf ihre Kosten kommen, das Buch strotze vor Begegnungen mit den Großen der Filmgeschichte wie Fassbinder, Warhol oder Capote, schwärmt die Rezensentin. Was ihr allerdings besonders aufgefallen ist und ihre Sympathie erringt, ist Lommels bemerkenswerte Diskretion beim Thema Sex. Und so erfährt man "alles" über Lommels Schuhe, viel über die obskuren Seiten so mancher Berühmtheit, der der Autor in seinem Leben begegnet ist und manches über die Frauen in seinem Leben, freut sich Kuhn. Dass aber trotz vieler Fotos aus den amerikanischen Jahren kaum Bilder dabei sind, findet die Rezensentin sehr schade.

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