Visual Style in Cinema - Bordwell, David
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David Bordwell, Professor an der University of Wisconsin, gehört zu jenen Filmwissenschaftlern, die ihr Fach als eigenständige Disziplin verstehen und es dennoch nach vielen Richtungen offen halten. Er greift unter anderem ältere, der Kunstgeschichte verwandte Theorien von Rudolf Arnheim und Erwin Panowsky auf, setzt sich mit der ontologischen Sehweise André Bazins auseinander, bedient sich der Semiotik und erschafft eine verständliche und (im wahrsten Sinne des Wortes) scharfsichtige Filmtheorie, die Fachleute und Laien gleichermaßen zu überzeugen und begeistern vermag. In Visual Style in…mehr

Produktbeschreibung
David Bordwell, Professor an der University of Wisconsin, gehört zu jenen Filmwissenschaftlern, die ihr Fach als eigenständige Disziplin verstehen und es dennoch nach vielen Richtungen offen halten. Er greift unter anderem ältere, der Kunstgeschichte verwandte Theorien von Rudolf Arnheim und Erwin Panowsky auf, setzt sich mit der ontologischen Sehweise André Bazins auseinander, bedient sich der Semiotik und erschafft eine verständliche und (im wahrsten Sinne des Wortes) scharfsichtige Filmtheorie, die Fachleute und Laien gleichermaßen zu überzeugen und begeistern vermag. In Visual Style in Cinema - Vier Kapitel Filmgeschichte wendet sich Bordwell vier ausgewählten Perioden der Filmgeschichte zu, die durch originelle Filmbeispiele untermalt werden: Die spezielle Bildsprache der Stummfilmära wird von einem schwedischen und einem amerikanischen Film illustriert, der frühe Tonfilm anhand einer Komödie von Howard Hawks. Der Abschnitt über die gleichzeitig einen Blick auf die östliche Tradition. Lola rennt ist für Bordwell der Ausgangspunkt für die Betrachtung der Gegenwart. Unter Betrachtung des populären Films und eines Massenpublikums grenzt sich Bordwell von einer elitären Wissenschaft ab, die den Zuschauer nur als abstraktes Konzept wahrnimmt. Bordwell geht zuallererst vom Material selbst aus: dem Film, der Schnittfolge, der Einstellung, dem Bild. Kurz gesagt: Er hilft uns, sehen zu lernen.
  • Produktdetails
  • Filmbibliothek
  • Verlag: Verlag der Autoren
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 212
  • Erscheinungstermin: August 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 137mm x 16mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783886612260
  • ISBN-10: 3886612260
  • Artikelnr.: 08976811
Rezensionen
Besprechung von 23.05.2001
Vortrag & Film
Wer hat Angst
vor der Theorie?
David Bordwells Streifzüge
durch die Filmgeschichte
Wenn David Bordwell am Montag, 28.Mai, 19 Uhr in München seinen Vortrag „Visual Style in Contemporary Hollywood” hält, dann schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Denn der Anlass für die Vortragsreise des amerikanischen Filmwissenschaftlers ist das Erscheinen seines neuen Buches, „Visual Style in Cinema”. Und dieses Werk hat seinen Ursprung in München: Im Juni 1999 hielt Bordwell im Arri-Kino jene vier Vorlesungen zur Filmgeschichte, die jetzt in seinem Buch nachzulesen sind. Ein Remake ist die jetzige Veranstaltung gleichwohl nicht, denn wo Bordwell damals Tom Tykwers Lola rennt in den Mittelpunkt seiner Analyse stellte, ist der anschließende Film heute Jerry Maguire, den Cameron Crowe (Almost Famous) 1996 mit Tom Cruise in der Hauptrolle drehte.
Vier Epochen der Filmgeschichte untersucht Bordwell in seinem Text. Er tut dies anhand ausgesuchter Sequenzanalysen von Filmen, die er allerdings nicht in Form von Videoausschnitten, sondern mit Hilfe von Dias visualisiert – die filmische Bewegung wird angehalten und damit nachvollziehbarer. Bordwell bleibt in seinen Untersuchungen stets nah an den behandelten Filmen und zeigt damit, dass Filmtheorie nicht unbedingt schwer verständlich sein muss. Bordwells Ausgangspunkt ist die Fragestellung, wie es dem Kino gelingt, „unsere Aufmerksamkeit zu wecken und zu fesseln” – ein Ansatz, mit dessen Hilfe er gleichermaßen klassische Filmkunst als auch modernes „Popcorn”-Kino analysieren kann.
Frank Arnold
•David Bordwell: Visual Style in Cinema. Vier Kapitel Filmgeschichte. Eingeleitet und herausgegeben von Andreas Rost. Aus dem Amerikanischen von Mechthild Ciletti. Verlag der Autoren, Frankfurt/M., 2001. 220 Seiten, 690 Abb., 34,- DM; Vortrag von David Bordwell (in englischer Sprache): „Visual Style in Contemporary Hollywood”, Montag, 28. Mai, 19 Uhr im Kino Artemis im Forum der Technik/Deutsches Museum. Anschließend (circa 20Uhr) Cameron Crowes Film Jerry Maguire (1996; 138 Min.).
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Besprechung von 10.12.2001
Fotografien, die wie Lola rennen
Nichts wie hinterher: David Bordwell schreibt mit Kennerblick die Kunstgeschichte des Films

Daß mit Filmbüchern kein Geld zu verdienen ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern der neuen Kinopaläste. Hier trifft sich heute die Jugend, ißt, trinkt und wählt dann per Mehrheitsbeschluß aus, welche Geschichten anderer Menschen aus diesen Kaufhäusern mitzunehmen sind. Den Cineasten, der mit sich und dem Film alleine sein will, findet man hier nicht mehr. Was vor dreißig Jahren auch auf dem Terrain der Filmliteratur einigermaßen hoffnungsvoll begann, kümmert mittlerweile vor sich hin. Die meisten Verlage sehen im Film kein Geschäft oder lassen über Stars und Sternchen schreiben. Aber es gibt auch Hoffnung: An den Universitäten wird "Film" ein immer beliebterer Gegenstand für immer mehr Fakultäten, sind die Medienwissenschaften einer der wenigen Zweige, die in diesen schwierigen Zeiten blühen und mit weiterem Ausbau rechnen dürfen.

Nach einem einzigen Buch gefragt, das sie zum Verständnis der Kunstform Film nennen sollten, würden viele Dozenten an deutschen Hochschulen dennoch gewiß einen amerikanischen Titel nennen: "Film Art: An Introduction" von David Bordwell und Kristin Thompson, erschienen erstmals im Jahr 1979. Dieses Buch wird von seinen Autoren alle drei bis fünf Jahre auf den aktuellen Stand der Kunst gebracht und gilt nicht zuletzt darum als Standardwerk. Studiert man noch andere von Bordwell mit Koautoren oder allein verfaßte Bücher, beschleicht einen das Gefühl, einem Hase-und-Igel-Spiel beizuwohnen: Sei das Thema Dreyer, Eisenstein, Ozu, die kognitive Filmtheorie oder die Möglichkeiten der Erzählung oder der Bedeutungsgenerierung im Film, überall ist dieser passionierte Kinomann schon gewesen und hat wesentliche Beiträge geleistet.

Erstmals ist jetzt ein Buch Bordwells auf deutsch erschienen. Es handelt sich um Mitschriften von vier Vorträgen, die der in Madison/Wisconsin lehrende Wissenschaftler vor rund zwei Jahren im Münchner Arri-Kino gehalten hat. Bordwell improvisierte diese Reden und ließ den Gegenstand mit der Unterstützung zahlreicher Ausschnitte sowie Diapositiven auch für sich sprechen. So blieb der Vortrag stets anschaulich. Annähernd siebenhundert Abbildungen in passabler Qualität haben ihren Weg jetzt ins Buch gefunden. Erst durch den theoretischen Hintergrund seines Autors wird "Visual Style in Cinema" zu einem Solitär. Sein Material, seine Ideen stammen in geringerem Maß aus der jüngsten Monographie Bordwells zur Modernität des Hongkong-Filmes als vielmehr aus der Studie "On the History of Film Style" (1997). Während dort der große Rahmen für die Entstehung von Filmtheorie mitgeliefert wird, bewegt sich die kürzere deutsche Fassung in die Richtung einer Kunstgeschichte des laufenden Filmbildes.

Der Grundgedanke des amerikanischen Buches bleibt in der Auswahl der deutschen Aufbereitung freilich gewahrt: Vom Anfang des Films an, bereits mit den ersten "vues", fand sich der Besucher im Kino einem komplexen Bild gegenüber. Bordwell widerspricht der Auffassung von den "Kinderschuhen" des Films, dessen Möglichkeiten durch technische sowie narrative Erfindungen erst allmählich entwickelt wurden. Solcher Teleologie, von ihm "Standardversion" genannt, setzt der Autor den Gedanken entgegen, daß der Film im Moment seines Auftauchens mit vollem Recht zwischen die Künste getreten sei und hier unter anderem die Malerei beerbt habe. Denn genauso wichtig wie die Erzählung seien die Entscheidungen des Regisseurs in bezug auf die Komposition der Figuren (staging), die Aufnahme (shooting) und deren Abbruch (cutting). Dabei bleibt der fotografische Charakter des Films durchaus gewahrt: Es ist nicht die Eigenart der filmischen Kunst, ein vorgängiges Ereignis zu verfremden. Diese liegt vielmehr in der Spannung zwischen einem vielseitig dynamisierbaren Bild und dem stillgestellten, doch "mental aktiven" Blick des Zuschauers.

Bordwell beschreibt Strategien der Aufmerksamkeitslenkung durch das filmische Bild. Dazu reichen weder technische Einfalt noch lange Einstellungen aus, auch wenn beide Elemente in Bordwells Betrachtung relevant werden. Ihm zufolge ist auch der Stilbegriff notwendig weiter zu fassen als die übliche Setzung einer individuellen "Handschrift": Der Stil eines Films findet sich in jeder Abweichung, die einer von Anfang an "fertigen" Sehform eine originelle Volte hinzufügt.

Nicht allein als Reverenz an die Gastgeber sind einige Bemerkungen über Filme aus Deutschland zu lesen: Die stilistische Vielfalt eines "Films mit MTV-Look" wie "Lola rennt" interessiert Bordwell ebenso wie Bilder von Fassbinder oder Straub. Überraschender erscheint hier zweifellos Erik Charells "Der Kongreß tanzt" (1931). Wie viele andere Beispiele zeigt auch dieser Hinweis, daß Kennerschaft nicht die schlechteste Tugend eines Bildwissenschaftlers ist. Als zweite Stärke Bordwells muß man die Kenntnis sowohl der Bild- wie der Filmtheorie nennen, die sich, und das ist vielleicht die größte hier zutage tretende Tugend, nicht hinter elaborierten Thesen versteckt und damit noch ganz anderes anstrebt als die fundamentale Durchleuchtung ihres Gegenstandes. Das Thema "Film als Kunst" wird von David Bordwell vom Kopf auf die Füße gestellt. Mit ihm darf man die Frage getrost bejahen, die der listige Erwin Panofsky einst für jene technischen Bilder formulierte: If style I still may say?

THOMAS MEDER.

David Bordwell: "Visual Style in Cinema". Vier Kapitel Filmgeschichte. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2001. 212 S., Abb., geb., 34,- DM.

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Zum ersten Mal liegt ein Buch von David Bordwell auf Deutsch vor, freut sich Thomas Meder. Bordwell, der in Madison/Wisconsin lehrt und als Co-Autor des Standardwerks "Film Art: An Introduction" berühmt geworden ist, hielt vor zwei Jahren vier Vorträge im Münchner Arri-Kino. Sie bilden zusammen mit rund 700 Abbildungen die Grundlage dieses Buchs - für den Rezensenten eine "Kunstgeschichte des laufenden Filmbildes, in der der Autor die Strategien der Aufmerksamkeitslenkung des Zuschauers durch das Bild beschreibt. Die Schriftversion der Vorträge zeigt, so Meder, das große Wissen von Bordwell, der es weder als Bildwissenschaftler noch als Bild- und Filmtheoretiker nötig habe, sich hinter einer elaborierten Sprache zu verstecken.

© Perlentaucher Medien GmbH