Max Schreck - Eickhoff, Stefan
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Der Mann, der Nosferatu war Der Schauspieler, der in der Rolle des »Nosferatu« in F.W. Murnaus gleichnamigem Stummfilm von 1921 zu einer Art Markenzeichen für den klassischen deutschen Film geworden ist, wie vergleichbar vielleicht nur Marlene Dietrich in »Der blaue Engel«, war ein viel beschäftigter und damals keineswegs unbekannter Bühnendarsteller. In den naturalistischen Theaterstil hineingeboren, wirkte er später im Expressionismus und im politischen Theater, trat auf in den großen Klassikern wie in Stücken moderner Autoren, beherrschte nebenbei das Fach der Possen-, Operetten- und…mehr

Produktbeschreibung
Der Mann, der Nosferatu war Der Schauspieler, der in der Rolle des »Nosferatu« in F.W. Murnaus gleichnamigem Stummfilm von 1921 zu einer Art Markenzeichen für den klassischen deutschen Film geworden ist, wie vergleichbar vielleicht nur Marlene Dietrich in »Der blaue Engel«, war ein viel beschäftigter und damals keineswegs unbekannter Bühnendarsteller. In den naturalistischen Theaterstil hineingeboren, wirkte er später im Expressionismus und im politischen Theater, trat auf in den großen Klassikern wie in Stücken moderner Autoren, beherrschte nebenbei das Fach der Possen-, Operetten- und Schwankliteratur und schuf sich vor allem durch seineeinzigartige Darstellung grotesker Figuren wie z.B. in Molières »Der Geizige« einen Namen. Geboren 1879 in Berlin als Sohn eines Topographen des königlichen Generalstabes, aufgewachsen in der noch jungen Landhauskolonie Friedenau bei Berlin, als Schauspieler ausgebildet am Berliner königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, ist sein Weg als Schauspieler ein in seiner Zeit exemplarisch gerader. Von der Wanderbühne, mit der er in deutschen Kleinstädten auftritt, über größere Engagements in Städten wie Gera und Bremen, bis hin zu den angesehendsten Bühnen Deutschlands. Sein Rollenfach sind sorgfältig ausgestaltete Chargen, Charakterrollen und die so genannten Heldenväter. Auf seinem Weg arbeitet er mit so gut wie allen prominenten Bühnenkünstlern seiner Zeit und nimmt teil an vielen theaterhistorischen Aufführungen. Er spielt während des ersten Weltkrieges am Frankfurter Schauspielhaus unter den Regisseuren Karl Heinz Martin und Gustav Hartung, dann an Max Reinhardts Bühnen in Berlin, und ist ab 1919 einer der wichtigsten Mitstreiter Otto Falckenbergs an den Kammerspielen in München. Im Berlin der 20er Jahre spielt er an Leopold Jessners Staatstheater, dann bei Erwin Piscators politischem Theater und in verschiedenen Kollektiven. Am Beginn der Nazizeit arbeitet er an Erika Manns politischem Kabarett »Die Pfeffermühle« mit. Als Max Schreck 1936 im Alter von nur 56 Jahren stirbt, hat er auf der Bühne über 725 verschiedene Rollen gestaltet und in über 50 Filmen mitgewirkt. Obwohl er nach dem Nosferatu nie einen weiteren Gruselfilm gedreht hat, ist er über die Jahrzehnte zur einer Ikone des Horrorfilms geworden. Referenzen zu seiner Figur finden sich in unzähligen internationalen Filmen, von »Das Schweigen der Lämmer« über »Shadow of the Vampire« bis hin zum Trickfilm »Shrek«. Das Buch zeichnet Max Schrecks künstlerischen und privaten Werdegang Station für Station nach. Es beinhaltet u. a. eine ausführliche Auflistung seiner Theater- und Filmarbeit mit Auszügen aus zeitgenössischen Kritiken, sowie zahlreiche Szenenfotos von Film und Bühne, auch viele bisher nie gesehene Abbildungen wie fotografische Selbstportraits von Max Schreck. Daneben bietet es u.a. Nachrufe, ein Rollenverzeichnis Max Schrecks, Kurzinformationen zu den Theatern, an denen Max Schreck spielte, sowie zu einigen vergessenen Kollegen, und zu seiner Frau, der Schauspielerin Fanny Schreck.
  • Produktdetails
  • Verlag: belleville
  • Seitenzahl: 575
  • Erscheinungstermin: Juni 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm x 182mm x 50mm
  • Gewicht: 1755g
  • ISBN-13: 9783936298543
  • ISBN-10: 3936298548
  • Artikelnr.: 14502308
Rezensionen
Besprechung von 08.10.2009
Der Mann, der Nosferatu war
Stefan Eickhoff forscht nach Max Schreck

Auf den ersten Blick erscheint Stefan Eickhoffs Buch geradezu unverhältnismäßig dick: 580 Seiten über Max Schreck, einen Schauspieler, der im Grunde nur durch eine einzige Rolle bekannt geworden ist, die ihm allerdings auf den Leib geschrieben zu sein schien und seinem Namen alle Ehre macht - die des Grafen Orlok in Murnaus "Nosferatu". 580 Seiten über einen Mann, von dem es, wie Eickhoff im Vorwort schreibt, keine Nachfahren und keinen Nachlass, keine Selbstzeugnisse und keine Interviews gibt, der in den Autobiographien seiner Zeitgenossen nicht erwähnt wird und auf den die Theaterkritik seiner Zeit auch kaum einging - das ist schon ein starkes Stück. Und man denkt, dass sich Eickhoff wahrscheinlich irgendwie hineinspinnen wird in diese Biographie eines Unbekannten, dass er die wenigen Spuren als Sprungbrett für seine Imagination nutzt. Das ist aber eher nicht der Fall, sondern bleibt dem Leser überlassen.

Der eigentliche biographische Text beschränkt sich denn auch nur auf 230 Seiten, der Rest besteht aus Bilderteil, Anmerkungen und Rollenverzeichnis aus Theater und Film mit Auszügen aus zeitgenössischen Kritiken. Ein Zeitbild entsteht so also, in dessen Fluchtlinien irgendwo am Horizont man sich Max Schreck selbst zusammenphantasieren kann.

1879 kam er in Berlin zur Welt, der Vater Gustav arbeitete in der topographischen Abteilung der Landesaufnahme des königlichen Generalstabes, und um 1886 zog die Familie an den beschaulichen Stadtrand nach Friedenau. Der junge Max war ungewöhnlich groß, sehr dünn, hatte einen langen Hals und spitze Ohren, besaß also manches Attribut, das ihn zum Sonderling prädestinierte - und zum Auftritt als Nosferatu, dessen insektenhafter Schrecken ja daher rührt, dass er nicht von dieser Welt, ja noch nicht einmal aus Fleisch und Blut zu sein scheint.

Die Theaterlaufbahn wird immer wieder über Bande geschildert, Stadttheater Speyer, Bielefeld, Luzern, Zittau, Bremen, Frankfurt, Berlin, München und wieder Berlin und wieder München, wo er 1936 starb. Am Nachmittag hatte er noch in den Kammerspielen den Großinquisitor in "Don Carlos" gespielt, wollte dann ins Kino, ging aber nach Hause, wo er von Unwohlsein befallen wurde, ehe er dann im Schwabinger Krankenhaus starb. Otto Falckenberg sagte am Grab: "Du lebtest in einer abseitigen und versponnenen Welt ein Dasein, das sich außerhalb der Bühne in geheimnisvoller Bescheidenheit zu vermummen schien." Und auch wenn die abseitige, versponnene Welt in diesem Werk kaum aufscheint, so ist Eickhoff bei aller Nüchternheit doch ein zärtliches Buch gelungen, weil es das Unmögliche versucht: hinter den Schleier des Vergessens zu blicken.

MICHAEL ALTHEN

Stefan Eickhoff: "Max Schreck". Gespenstertheater. Belleville Verlag, München 2009. 580 S., SW-Abb., br., 39,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 17.11.2009
Der Mann, der Nosferatu war
In Bescheidenheit vermummt: Stefan Eickhoff erkundet das Leben des Ein-Film-Schauspielers Max Schreck
Unvergesslich: der Schlossherr Graf Orlok, der den jungen Besucher Hutter am Eingang seines Domizils empfängt, das eher ein Domizil ist, der kahle Schädel verformt, die riesigen Ohren wie Fledermausflügel abstehend, zwei gewaltige Vorderzähne mitten im Mund (nicht auf der Seite, wie in späteren Vampir-Filmen), in krallenartige Nägel auswuchernde Finger. Orlok, der auf der Überfahrt mit dem Pestschiff sich, aus der Luke gefilmt, riesenhaft nach oben verlängert gegen den Mastbaum abzeichnet, Orlok, der, im fiktiven Wisborg angekommen (die entsprechenden Aufnahmen wurden in Wismar gedreht), seinen Sarg unterm Arm spinnenfüßig durch die Straßen tippelt: Friedrich Wilhelm Murnaus großen Stummfilm aus dem Jahr 1922 kennen auch diejenigen, die sonst keinen Stummfilm kennen. „Nosferatu” begründet mit einem fulminanten Geniestreich die Tradition der Vampirfilme, die bis heute nicht abgebrochen ist, und manche behaupten, er sei nie übertroffen worden (schon gar nicht durch das Remake von Werner Herzog mit Klaus Kinski).
Aber nicht um den großen Murnau und seinen Film geht es hier, sondern um den Titelhelden und seinen Darsteller. Der Rezensent wird nicht der einzige gewesen sein, der dessen Namen „Max Schreck” eine längere Zeit für ein Pseudonym hielt – so kann ein Horrorfilmstar eigentlich nicht von Hause aus heißen; er tat es aber doch und wurde 1879 in Berlin als Sohn eines Oberfeuerwerkers und Topographen geboren. Stefan Eickhoff hat ihm jetzt ein ebenso fundamentales wie liebevolles Denkmal in Gestalt eines dickleibigen Buches gesetzt. Das Geheimnis, das Schreck immer umwitterte, war auch dadurch begründet, dass er zu der kuriosen Gattung der Ein-Film-Schauspieler gehört. So wie es die Eine-Oper-Komponisten gibt (Leoncavallo und Mascagni gehören dazu, auch wenn sie nicht nur eine Oper komponierten, aber eben nur eine erfolgreiche), so gibt es dieses Phänomen auch bei Filmschauspielern. Der bekannteste Fall ist sicherlich die französische Schauspielerin Marie Falconetti, die einzig durch Carl Theodor Dreyers „Jeanne d’Arc”-Film von 1928 bis heute weltberühmt geblieben ist. In diese Reihe gehört auch Max Schreck, der zwar noch eine ganze Reihe von Filmen drehte, bis in die Tonfilmzeit hinein, aber nie mehr eine Hauptrolle hatte. Schreck war vor allem (und das legt Eickhoffs Buch in aller Breite dar) Theaterschauspieler, der die damals normale klassische Laufbahn einschlug, die über die Provinztheater langsam nach oben führte. Er kam immerhin in den bedeutendsten Theatern an: an den Münchner Kammerspielen, wo er zunächst von 1919 bis 1922 engagiert war, dann am Berliner Staatstheater und schließlich wieder an den Kammerspielen, an denen er die letzten zehn Jahre seines Schauspielerlebens verbrachte, bevor er 1936 zwischen zwei Vorstellungen als Großinquisitor in Schillers „Don Carlos” starb.
Auf dem Theater erging es Schreck wie im Film: nur eine Hauptrolle hat er dort gespielt, den Harpagon in Molières „Geizigem” – das Photo davon zeigt eine groteske Figur, die dem Orlok aus „Nosferatu” ziemlich ähnlich ist. Max Schreck war ein Kleindarsteller, der aber auch mittelgroße Rollen meisterte, ein Chargen- und Charakterspieler, eine „utilité”, wie das damals im Theater hieß, für alles zu gebrauchen, was man mit seiner überschlanken und übergroßen Gestalt verbinden konnte. Für einige Monate spielte er auch in Erika Manns Kabarett "Pfeffermühle" in München mit, bevor Mann und Therese Giehse mitsamt der „Pfeffermühle” emigrieren mussten. Das Verzeichnis, das Eickhoff erstellt hat, verzeichnet rund 700 Rollen auf dem Theater, hinzu kommen fast 60 Filme – selbst für einen Kleindarsteller ist das eine ungewöhnliche Arbeitsleistung.
Außer „Nosferatu” sind nur einige wenige bedeutende Filme darunter, Max Ophüls’ „Verkaufte Braut” gehört dazu –, und wenn man sich Schrecks Gestalt und seine seltsamen Augen eingeprägt hat, wird man ihn wiedererkennen. Schrecks Problem war sicher, dass er in der Nosferatu-Maske nicht identifizierbar war, und dass es keine „Nosferatu”-Serie gab – sein Hollywood-Vampir-Epigone Bela Lugosi hatte es da besser, obwohl er bürgerlich nur Bela Blasko hieß. Verblüffend bleibt, dass Schrecks Leistung als Nosferatu von der zeitgenössischen Kritik nicht in ihrer Bedeutung erkannt wurde – erst sehr nachträglich wurde Schreck zu jener Ikone, die sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt hat.
Es ist, fast ist man geneigt zu sagen unheimlich, was Stefan Eickhoff alles ausgegraben hat, obwohl Max Schreck nur diese eine überdeutliche Nosferatu-Spur hinterlassen hat, obwohl er keine Nachkommen hatte und es keinen Nachlass gibt. Es muss das Ergebnis jahrelanger Recherche sein, was an Photos, Rollenbildern, Theaterzetteln, Kritiken ans Tageslicht gekommen ist. Manchmal ist es des Guten etwas zu viel, wenn etwa im Anhang auch noch die Theatergebäude beschrieben werden, in denen Max Schreck die Proben seiner Kunst gab, aber insgesamt wird man sagen dürfen: mehr wird über diesen nicht zu ermitteln sein. Was Schreck als Schauspieler in Theater und Film eigentlich geleistet hat, die Signatur seiner Kunst – das zu beschreiben und zu analysieren ist nicht Eickhoffs Interesse. Mit den Kritiken und dem reichhaltigen Bildmaterial allerdings kann man sich doch selbst hier ein wenig behelfen.
Untot in Hollywood
Schreck scheint ein beliebter Theaterkollege gewesen zu sein, allerdings auch privat eher ein Sonderling, der lieber große Wanderungen machte, als in der Kantine zu sitzten. Der Kammerspiele-Direktor Otto Falckenberg sagte in seinem Nachruf : „Es war nicht leicht, Dir nahezukommen. Du lebtest in einer abseitigen und versponnenen Welt ein Dasein, das sich außerhalb der Bühne in geheimnisvoller Bescheidenheit zu vermummen schien.” Das Einzige, was dem Buch fehlt, ist ein kleiner Epilog über das Nachleben von Max Schreck. Der Animationsfilm Hollywoods hat sich für ein weltweit erfolgreiches gutmütiges Monster den Namen „Shrek” ausgeliehen. Schon zuvor hatte, im zweiten „Batman”-Film, Christopher Walken einen Bösewicht namens Max Shrek gespielt.
Die schönste Hommage aber hat der amerikanische Regisseur Elias Merhige Schreck gewidmet. In seinem durchaus ansehnlichen Film „Shadow of the Vampire” hat er vor einigen Jahren die Dreharbeiten zu „Nosferatu” zum Gegenstand einer phantastischen Filmvariation gemacht, in der sich der Regisseur Murnau (John Malkovich) und Max Shrek, gespielt von Willem Dafoe, zerfleischen. Shrek wird am Schluss zu dem Vampir, den er bis dahin nur gespielt hatte. Eickhoffs Buch endet auf dem Berliner Friedhof, auf dem Max Schreck mit seiner Mutter begraben ist, aber er ist, wie es einem Vampir gebührt, nicht tot. Max Schreck lebt fort, nicht zuletzt in diesem Buch, und in 50 Jahren wird es einen Film über die Dreharbeiten zu Lars von Triers „Antichrist” geben, in dem Max Schreck seinerseits Willem Dafoe verkörpert. JENS MALTE FISCHER
STEFAN EICKHOFF: Max Schreck. Gespenstertheater. Belleville Verlag, München 2009. 575 Seiten, 39 Euro.
Max Schreck in Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens” von 1922 Foto: Cinetext/Sammlung Richter
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Jens Malte Fischer von Stefan Eickhoffs voluminöser Biografie des Schauspielers Max Schreck, der durch Murnaus Klassiker "Nosferatu" aus dem Jahr 1922 zur Legende wurde. Obwohl dieser 700 Rollen im Theater spielte und in fast 60 Filmen mitwirkte, zählt er nach Fischer zur geheimnisvollen Gattung der Ein-Film-Schauspieler, spielte er in "Nosferatu" doch seine einzige Hauptrolle. Mit großem Lob bedenkt der Rezensent die Rechercheleistung des Autors. Fast mutet es ihn ein wenig unheimlich an, was Eickhoff alles über den Schauspieler in jahrelangen Recherchen zusammengetragen hat. Zudem findet er in dem Buch eine Fülle von Fotos, Rollenbildern, Theaterzetteln und Kritiken. Hin und wieder wird ihm das ein wenig zu viel, etwa wenn Eickhoff im Anhang auch noch die Theatergebäude beschreibt, in denen Schreck spielte. Gleichwohl würdigt er das Werk als "ebenso fundamentales wie liebevolles Denkmal" für Schreck.

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