Magie der Natur. 2 Bände - Schott, Heinz
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Was heißt Magie der Natur ? Welche Rolle spielt sie in der Ideengeschichte der Heilkunde? Ausgehend vom heute viel diskutierten Placebo-Effekt und seiner Bedeutung für die medizinische Forschung und ärztliche Praxis werden im ersten Teilband historische Konzepte einer Heilkraft der Natur ins Auge gefasst. Sie bildeten in unterschiedlicher Ausprägung das Leitmotiv der Naturheilkunde und Lebensreformbewegung, der Suggestivtherapie und Hypnose und schließlich der romantischen Naturphilosophie und des Mesmerismus. Diese Rückschau, die Schritt für Schritt von der Gegenwart bis zur Zeit um 1800…mehr

Produktbeschreibung
Was heißt Magie der Natur ? Welche Rolle spielt sie in der Ideengeschichte der Heilkunde? Ausgehend vom heute viel diskutierten Placebo-Effekt und seiner Bedeutung für die medizinische Forschung und ärztliche Praxis werden im ersten Teilband historische Konzepte einer Heilkraft der Natur ins Auge gefasst. Sie bildeten in unterschiedlicher Ausprägung das Leitmotiv der Naturheilkunde und Lebensreformbewegung, der Suggestivtherapie und Hypnose und schließlich der romantischen Naturphilosophie und des Mesmerismus. Diese Rückschau, die Schritt für Schritt von der Gegenwart bis zur Zeit um 1800 reicht, eröffnet uns einen Durchblick zur natürlichen Magie oder magia naturalis , die für Medizin und Naturforschung der frühen Neuzeit grundlegend war und im zweiten Teilband beleuchtet wird. Damals erschien die Natur (Natura) als Schöpferin der Naturdinge im Dienste Gottes und als Vermittlerin seiner Weisheit für den (forschenden) Menschen. Dabei wurde Natura vielfach als weise Frau oder Magierin personifiziert und von Alchemisten mystisch verehrt. Gerade im 16. Jahrhundert lässt sich eine Überblendung der Natura als Nährmutter der Welt mit Maria, der Muttergottes, feststellen. Solche Identifikationen der Natur mit göttlich verehrten Frauen gehen auf antike Vorbilder zurück. Ausgehend von der Heiligen Hochzeit thematisiert die Studie am Ende Eros und Erotik im Spannungsfeld zwischen Trieb- und Geistesleben. Sie kehrt schließlich mit einer kritischen Betrachtung der Sexualwissenschaft und -medizin in die Gegenwart zurück und konfrontiert die dort vorherrschende biologistische (naturalistische) Auffassung des Geschlechtslebens mit spirituellen, magisch anmutenden Sexualpraktiken.
  • Produktdetails
  • Verlag: Shaker
  • Seitenzahl: 1350
  • Erscheinungstermin: 27. August 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 249mm x 182mm x 82mm
  • Gewicht: 2975g
  • ISBN-13: 9783844024449
  • ISBN-10: 3844024441
  • Artikelnr.: 41145380
Autorenporträt
Prof. Dr. Dr. Heinz Schott lehrt Geschichte der Medizin an der Universität Bonn und ist Leiter des dortigen Medizin-historischen Instituts.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.02.2015

Sanft strahlt das Radium
Heinz Schott preist die Natur als Autorität der Heilkunst

Erst kam die Magie, dann die Religion, dann die Wissenschaft. Magie ist also ganz lang her. Dieser Eindruck entsteht, wenn Wissenschaftsgeschichte sich in der rationalen Rekonstruktion bahnbrechender Erkenntnisse erschöpft. Doch gerade im Bereich der Medizin dürfte Heinz Schott mit seiner Geschichte der Magie der Natur eher offene Türen einrennen, sind doch das Placebo und sein dunkles Gegenstück, das Nocebo, seit Jahren ebenso in der Diskussion wie die Bedeutung der inneren Einstellung des Patienten für den Heilerfolg und der Einfluss des Arztes auf ebendiese.

Schott, Medizinhistoriker an der Universität Bonn, hat den Auftrag seines Opus-magnum-Stipendiums wörtlich genommen und zwei dicke, reichillustrierte Bände vorgelegt: über die Natur als Magierin, gelegentlich als Göttin, als handelnde, wirkende Kraft, und ihre Bedeutung in der Medizingeschichte.

Magie, das klingt heute nach Schwärmerei oder Kindergeburtstag, hat doch die Statistik Glück und Unglück längst durch den Zufall ersetzt. Aber ist der moderne Mensch in seinem Kern wirklich ein rationales Wesen geworden, ist der Wissenschaftler frei von Aberglauben? Auch wenn der Begriff Magie verschwindet, das Phänomen bleibt erhalten, auch in der Theorie und Praxis der gegenwärtigen Medizin, so Schott. In seinem Buch blickt er, ausgehend von der Placebo-Nocebo-Debatte, zurück bis zur Naturphilosophie um 1800.

Es geht um Naturheilbewegungen, Hypnose, elektrischen Magnetismus und Somnambule, um Liebeszauber, um Teufel und Hexen, die Verschmelzung von Gottesmutter Maria und Göttin Natura, die beide wundersame Heilkräfte bereithalten, um Paracelsus und Kabbala, Männerphantasien, das "innere Licht" und vieles mehr. Die Idee der Natur als letzter Autorität, deren Wohlwollen man sich sichern sollte, wenn alle menschlichen Bemühungen fruchtlos bleiben, hat, das wird deutlich, die Geschichte der Medizin von alters her begleitet.

In der Fülle des Materials, das Schott zusammengetragen hat, findet der Leser manches Überraschende, Wunderliche und schon viel früher Dagewesene. Die Medizingeschichte wird zur Kulturgeschichte der Medizin, der medizinische Fortschritt wird eingebettet in die Kontexte seiner Zeit. Etwa die Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Radioaktivität in den Kontext der Lebensreformbewegung und des Sonnenkultes, wie er um die Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert propagiert wurde.

Das Radium galt damals als eine besondere Heilquelle der Natur, schien doch das Leuchten der mit Radium versetzten Materialien im Dunklen auf seine besondere Heilkraft hinzudeuten. Flugs tauften sich Heilbäder in "Radiumsolbäder" um. Die Röntgenstrahlen hingegen fungierten als eine Art modernes Memento mori, zeigten sie doch jedermann augenfällig das Totenskelett im Inneren des lebendigen Körpers.

Auch heute beeinflussen Metaphysik und Moralvorstellungen unsere Sicht der Natur - vor allem die der menschlichen: Diese Botschaft kann der Leser mitnehmen. Zugleich aber lassen ihn die Vielfalt der von Schott behandelten Themen - von der Spiegelmetapher in der Kunstgeschichte über den Geniebegriff der Nationalsozialisten bis zur Bedeutung der Körpersäfte im Tantrismus - und die Ausführlichkeit ihrer Darstellung ein wenig ratlos zurück.

Zu kurz, um zu überzeugen, sind hingegen manche Verknüpfungen althergebrachter Überzeugungen mit der modernen Medizin geraten, etwa psychotherapeutischer Verfahren mit dem Exorzismus. Auch warum ein gestandener Wissenschaftler Wikipedia als Quelle bemüht und die Fußnoten seiner beiden Bände durchgehend numeriert bis zur stolzen 4894 - "Fehlschlag bei Google-Suche" -, bleibt sein Geheimnis. Zweifellos gibt es mehr zwischen Himmel und Erde, als sich in einem Hirnscanner zeigt. Doch die Bände wären überzeugender ausgefallen, wenn der Autor dem Leser manches Interessante vorenthalten, ihm dafür aber klarer gesagt hätte, was er eigentlich sagen will.

MANUELA LENZEN

Heinz Schott: "Magie der Natur". Historische Variationen über ein Motiv der Heilkunst. Shaker Verlag, Aachen 2014. Zwei Bände. Zusammen 2349 S., geb., 79,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Manuela Lenzen bleibt etwas ratlos zurück nach der Lektüre von Heinz Schotts Versuch einer Geschichte der Magie der Natur als Teil der Medizingeschichte. Durch zwei Bände ackert sich die Rezensentin, erfährt Wissenswertes über Naturphilosophie, Naturheilbewegungen, Hypnose, Magnetismus und die Göttin Natura und stellt unter Anleitung des Medizinhistorikers Kontextualisierungen her zwischen Röntgenstrahlen und Sonnenkult. Schotts Ausführungen aber scheinen ihr zu kurz, um zu überzeugen. Das Buch bietet ihr eine Vielfalt, die sie eher erschlägt als schlauer macht.

© Perlentaucher Medien GmbH