Amphibien und Reptilien der Neotropis

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Unter oft abenteuerlichen Bedingungen erforschten die ersten Reisenden und Wissenschaftler die Amphibien und Reptilien des "neuen Kontinents". Dieses Buch erzählt ihre Geschichten und berichtet von den Ergebnissen aus wissenschaftshistorischer Sicht. Alle Autoren sind selbst forschend tätig, und so ergibt sich auch ein Überblick über den aktuellen Stand des Wissens. Dieses Buch richtet sich an Biologen ebenso wie an historisch interessierte Leser und will auch die Faszination der Neotropis vermitteln. Mit englischen und spanischen Zusammenfassungen.…mehr

Produktbeschreibung
Unter oft abenteuerlichen Bedingungen erforschten die ersten Reisenden und Wissenschaftler die Amphibien und Reptilien des "neuen Kontinents". Dieses Buch erzählt ihre Geschichten und berichtet von den Ergebnissen aus wissenschaftshistorischer Sicht. Alle Autoren sind selbst forschend tätig, und so ergibt sich auch ein Überblick über den aktuellen Stand des Wissens. Dieses Buch richtet sich an Biologen ebenso wie an historisch interessierte Leser und will auch die Faszination der Neotropis vermitteln.
Mit englischen und spanischen Zusammenfassungen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Natur+Text Verlag; Basilisken-Presse
  • Seitenzahl: 398
  • Erscheinungstermin: 8. März 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 305mm x 217mm x 33mm
  • Gewicht: 2092g
  • ISBN-13: 9783941365537
  • ISBN-10: 3941365533
  • Artikelnr.: 44543176
Autorenporträt
Kwet, Axel
Dr. Axel Kwet, geb. 1965, ist Diplom-Biologe und erforscht seit 1995 die neotropische Amphibienfauna, vor allem in Brasilien und Uruguay.

Niekisch, Manfred
Prof. Dr. Manfred Niekisch, geb. 1951, ist Direktor des Frankfurter Zoos und Professor für internationalen Naturschutz an der Goethe-Universität Frankfurt.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Josef H. Reichholf warnt den Leser, mit diesem von Axel Kwet und Manfred Niekisch besorgten Band kein Handbuch über Reptilien und Amphibien zu erwarten, auch wenn die 20 Beiträge durch die reiche Bebilderung auf ihn nicht allzu fachwissenschaftlich trocken wirken. Das Wirken der Forscher auf ihren Expeditionen nach Mittel- und Südamerika im 19. Jahrhundert, ihre Leidenschaften und Verschrobenheiten, ihre Sammelwut bei Schlangen, Echsen und Fröschen und ihren Beitrag für die Tiergeografie und Darwins Evolutionskonzept können Reicholf die Texte näherbringen. Auch die Lebensgeschichten der Sammler lernt er kennen. Neben Alexander von Humboldts auch die des Zoologen Johann Baptist Ritter von Spix.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 24.08.2016
Eine Insel namens Neotropis
In der Wildnis locken neue Arten: Ein Sammelband präsentiert deutsche Naturforscher und ihre Entdeckungen in Mittel- und Südamerika

Der Untertitel dieses Buches sagt mehr als der Titel. Es geht um Menschen, die Frösche, Schlangen und Echsen in Mittel- und Südamerika sammelten. Das neunzehnte Jahrhundert war ihre große Zeit. Der Wunsch, neue Arten zu entdecken, trieb Zoologen und Abenteurer in die entlegensten Winkel der Erde, insbesondere in die Tropen. Deutsche und Österreicher konzentrierten sich auf Lateinamerika. Dort waren sie zumeist willkommen, waren sie doch mit keiner kolonialen Vergangenheit belastet. Die Sammelreisen wurden zudem vom europäischen Hochadel und der Finanzwelt gefördert. Sie sponserten die Expeditionen zur Erforschung des Unbekannten und eröffneten wenn notwendig auf diplomatischem Weg den Zugang ins wilde Innere des Kontinents.

Dem Wirken dieser Forscher und ihren stets beschwerlichen, nicht selten lebensgefährlichen Expeditionen gilt diese Rückschau. Auch ihren Verschrobenheiten und wie sie die zoologischen Museumssammlungen in Europa mit Belegstücken füllten. Bei diesem Sammeln ging es nicht um die Kartierung unzureichend bekannter Gebiete oder Küstenverläufe, wie bei Darwins Reise mit der Beagle, die aus heutiger Sicht eine Spionagefahrt war. Im Gegenteil: Als Zoologe in der Wildnis Südamerikas unterwegs zu sein, bedeutete bis in die jüngste Vergangenheit noch Narrenfreiheit, wie sie auch der Rezensent im Jahr 1970 in Brasilien, Bolivien und im Gran Chaco von Paraguay erlebte. Inzwischen beschränken nationale und internationale Artenschutzbestimmungen die Geländeforschung jedoch ganz gewaltig oder machen sie weitgehend unmöglich. Sammeln wird der Biopiraterie verdächtigt.

Daher ist dieses Buch auch ein nostalgischer Rückblick in die guten alten Zeiten, als Indianerkinder mehr Echsen und Frösche herbeibrachten, als die Zoologen verwerten konnten. Der Urwald war noch Wildnis, nicht Erwartungsland für Sojaanbau zur Versorgung von Massentierhaltungen in der Europäischen Union. Die Entdeckerfreude galt Tieren, die man auch ohne Lupe erkennen konnte. Solche, wie Schlangen, Echsen und Frösche, um die es in diesem Buch geht. In der Neotropis leben sie in besonders großer Vielfalt, und zwar nicht nur in den tropischen Regionen, wie man aus der Fachbezeichnung schließen könnte. Neotropis bezieht sich auf ganz Süd- und Mittelamerika. Der südamerikanische Kontinent war rund fünfzig Millionen Jahre lang eine Insel.

Seine Tierwelt hatte eine ganz eigenständige Entwicklung durchgemacht; fast so extrem wie Australien, das noch länger Insel war und nie Landkontakt zu Asien hatte. Auf beiden Kontinenten vollzog sich daher eine Parallel-Evolution zur Alten Welt. Zu dieser Alten Welt gehört auch Nordamerika aufgrund seiner Verbindung zu Nordostasien. Als vor rund drei Millionen Jahren die mittelamerikanische Landbrücke entstand, ergoss sich die größte biologische Invasion aller Zeiten nach Südamerika.

Von alldem wussten die Forscher noch nichts, die sich im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert über das so ausgeprägte Anderssein der südamerikanischen Tierwelt wunderten. Sie sammelten und sammelten und schufen damit die Basis für die Tiergeographie und für Darwins neues Konzept der Evolution. Ihre Befunde offenbarten die großen Unterschiede zur Alten Welt. Hauptgrund war offenbar nicht allein die Anpassung an speziell südamerikanische Lebensbedingungen. Die Zusammensetzung der Tierwelt hing in starkem Maße davon ab, was für ein Ausgangsbestand vorhanden gewesen war, bevor sich Südamerika von Afrika trennte und der Südatlantik entstand; die Vergangenheit wirkt stets nach in der Evolution. Frösche, Echsen und Schlangen lieferten dafür besonders aussagekräftige Befunde, weil sie nicht wie Vögel oder vom Wind verfrachtete Insekten auf dem Luftweg das Meer oder hohe Gebirge überwinden können. Für die dünne, wenig Schutz bietende Haut der Frösche ist das Salzwasser des Meeres sogar ein schier unüberwindliches Hindernis.

Auch aus solchen Gründen standen Amphibien und Reptilien im Fokus der Sammelexpeditionen im neunzehnten Jahrhundert. Hinzu kam, dass von Schlangen, den giftigen wie den großen Formen, eine besondere Faszination ausgeht.

Den Hauptteil des Buches füllen die Lebensgeschichten der Sammler und ihre Forschungsreisen nach Südamerika. Als erster bedeutender Naturforscher gilt Hans Staden, der bereits im sechzehnten Jahrhundert nach Brasilien kam und Reisen ins Landesinnere machte. Solche Erkundungen häuften sich im ausgehenden achtzehnten und gipfelten im neunzehnten Jahrhundert. Der berühmteste von allen, Alexander von Humboldt, kümmerte sich auf seiner legendären Südamerika-Reise allerdings kaum um Frösche und Reptilien. Weit bedeutendere Sammlungen trugen der vom Bayerischen Königshaus mit dem Botaniker Martius nach Brasilien geschickte Zoologe Johann Baptist Ritter von Spix und dann der Wiener Johann Natterer zusammen.

Im neunzehnten Jahrhundert herrschte internationale Konkurrenz bei der Erforschung des Artenreichtums der Erde. Nicht alles sollte den damals dominanten Briten vorbehalten bleiben. Erst im zwanzigsten Jahrhundert wandelte sich das bloße Sammeln zur wissenschaftlichen Geländeforschung. In zwanzig Einzelbeiträgen wird das alles detailliert geschildert. Sieben weitere Texte widmen sich großen Museen im deutschsprachigen Raum, in denen die Sammlungen landeten und von denen aus weiter an Reptilien und Amphibien der Neotropis geforscht wird.

Eine reiche Bebilderung sorgt dafür, dass der Band nicht allzu fachwissenschaftlich trocken wirkt. Dennoch darf man sich kein Lesebuch oder gar ein Handbuch über die Reptilien und Amphibien Südamerikas erwarten. Dass den kurzen deutschen Zusammenfassungen solche in Englisch und Spanisch folgen (doch kein brasilianisch-portugiesisches sumário), soll wohl die internationale Ausrichtung des Bandes zur Geltung bringen. Selbst wenn sich der Leserkreis beim gewählten Zuschnitt vermutlich kaum weit über ein deutschsprachiges Publikum hinaus wird erweitern lassen.

JOSEF H. REICHHOLF.

Axel Kwet und Manfred Niekisch (Hrsg.): "Amphibien und Reptilien der Neotropis".

Entdeckungen deutschsprachiger Forscher in Mittel- und Südamerika. Basilisken Presse, Rangsdorf 2016. 400 S., Abb., geb., 68,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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