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Keine Macht der Angst Wie kommt es, dass Menschen von Angst zerfressen werden? Borwin Bandelow informiert anschaulich über die neusten Erkenntnisse zur Entstehung von Ängsten. Vor allen Dingen stellt er aber die wichtigsten Strategien gegen die Angst vor. Ein ebenso spannender wie nützlicher Ratgeber für alle schwierigen Lebenssituationen.…mehr

Produktbeschreibung
Keine Macht der Angst
Wie kommt es, dass Menschen von Angst zerfressen werden? Borwin Bandelow informiert anschaulich über die neusten Erkenntnisse zur Entstehung von Ängsten. Vor allen Dingen stellt er aber die wichtigsten Strategien gegen die Angst vor. Ein ebenso spannender wie nützlicher Ratgeber für alle schwierigen Lebenssituationen.
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher Nr.61949
  • Verlag: ROWOHLT TB.
  • 13. Aufl.
  • Seitenzahl: 384
  • Erscheinungstermin: 1. Februar 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 124mm x 29mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783499619496
  • ISBN-10: 3499619490
  • Artikelnr.: 14191050
Autorenporträt
Bandelow, Borwin
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Borwin Bandelow arbeitet an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Er behandelt seit vielen Jahren Angstpatienten und ist einer der weltweit führenden Angstforscher. Von ihm stammen zahlreiche fachwissenschaftliche Bücher und Aufsätze. Darüber hinaus veröffentlichte er bei Rowohlt für ein breites Publikum «Das Angstbuch» (rororo 61946), «Celebrities» (rororo 62275) und «Das Buch für Schüchterne» (rororo 62254).
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.10.2004

Die Seele saust - was tun?

Vor rund dreißig Jahren erschien ein berühmtes Buch eines berühmten Journalisten. Der Journalist hieß Erich Kuby und das Buch "Die deutsche Angst". Es handelte vom "Rechtsdrift der Bundesrepublik". Damals wußte man noch, wohin die Reise geht. Damals wußte man noch, wer am Steuer saß. Damals wußte man noch, in welche Richtung man das Steuer rumreißen sollte. Damals wußte man noch, wie man den Bus vor dem Graben bewahrt. Dreißig Jahre später sitzen wir im "Wertevakuum" - so Hermann Broch zur Lage des Daseins in der letzten Jahrhundertwende -, fahren, bibbernd aus Angst vor den Veränderungen draußen, im dahinrasenden Bus und senken nun unsere flackernden Blicke in das Buch von Borwin Bandelow ("Das Angstbuch. Woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann". Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2004. 378 S., geb., 19,90 [Euro]). Der Professor an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen kann uns vielleicht wieder aufhelfen.

Sehr viele Menschen in Deutschland haben Angst: Siebzehn Millionen sollen an Angsterkrankungen leiden. Sie haben Angst vor Spinnen, Schlangen, Menschenmassen, sozialem Versagen, vor Fahrten in Fahrstühlen und Flugzeugen, vor dem Büro, vor dem Alleinsein und, wenn sie mal jemanden gefunden haben, auch vor dem Sex. Sie geraten in Panik. Der Körper vibriert, die Seele saust. Was tun? Hans Magnus Enzensberger, der früher auch wußte, wo es langgeht, hat uns gerade noch vor wenigen Wochen eine Standpauke gehalten, weil wir uns im Bus hängenlassen, und hat uns den jungen Alexander von Humboldt als Vorbild eines unternehmerischen neugierigen Geistes vor unsere triefende Nase gerieben: Humboldt, der Mann, der ohne Forschungsauftrag und Forschungsgelder in die weite Welt hinauszog, um sie auf eigene Faust und aus eigener Tasche kennenzulernen.

Jetzt kommt uns aus Bandelows Angstbuch auch noch Goethe als Vorbild entgegen: der zweite alte Meister in kurzer Zeit, der es besser wußte und besser machte als wir. Goethe - hab' nun ach Philosophie und Psychoanalyse studiert - heilte sich einmal selbst durch eine verhaltenstherapeutische Maßnahme. Er stieg auf einen Turm, stellte sich ganz oben auf eine freie Platte, "ohne sich sonderlich anhalten zu können", und schaute ins weite Land hinaus. Dann trat er zurück, dann trat er wieder hinaus, und das machte er des öfteren so, bis die Angst und die Qual verflogen waren und "der Eindruck mir ganz gleichgültig war".

Der gemeine Deutsche aber rennt gerne nach seinen Panikattacken zu Rebirthing-Wochenenden in die Toskana, verheddert sich in der Tanz- und Musiktherapie, gräbt jahrelang und häufig erfolglos mit Psychoanalytikern nach frühkindlichen Traumata oder schwebt mit Bach-Blüten und anderen Extrakten der alternativen Heilmethoden auf der Insel der Seligen - ohne daß die Angst dabei die Flucht ergreift. Bandelow schwört dagegen auf Verhaltenstherapien zusammen mit der Einnahme von Medikamenten und auf den beherzten Umgang mit sich selbst, wie ihn Goethe uns vormachte. Untersuchungsergebnisse an Kranken berechtigen zu der Annahme, daß der Arzt auf diesem Weg der Behandlung auch auf dem richtigen Weg zur Heilung sei.

So soll man sich zum Beispiel in "Psychokarate" trainieren. Jetzt werden wir hellhörig und setzen uns in unserem Bussitz aufrecht hin. Menschen mit einer Sozialphobie - also mit einer Angst vor Kontakten mit anderen Menschen - sollen mit eigenem Schwung lernen, sich durchzusetzen und nicht immer klein beizugeben. Gelegenheiten dazu bietet der Alltag. Bandelow sagt: Stauchen Sie ruhig einmal einen Radfahrer zusammen, der auf dem Bürgersteig herumkurvt. Schimpfen Sie doch einmal eine Frau klein, die sich im Supermarkt vordrängelt. Hat die deutsche Angst vor dreißig Jahren sich nicht auch in Beschimpfungen entladen? Wir rutschen wieder in unseren Sitz hinein: Damals war es der Polizeistaat, heute sind es nur die Radfahrer. Doch das ist nicht der einzige Ratschlag, den Bandelow uns gibt. Besorgen Sie sich ein Beißholz, sagt er, kauen Sie darauf herum, wenn Sie die Angst überfällt. "Es ist wichtig zu lernen, die Angst auszuhalten." Wir denken an die Kaugummis der fünfziger, sechziger, siebziger Jahre, auf denen die Jugend herumbiß, als sie es mit der deutschen Angst aufnahm. Bandelow macht uns auch Mut: Auf manchen der angstkranken Deutschen warte eine große Zukunft, denn die Angst macht selbstkritisch, und damit ist sie, einmal in den Griff bekommen, ein Motor zur Selbstveredelung.

Über die deutsche Angst vor der Einnahme von Psychopharmaka schüttelt Bandelow den Kopf. Viele Medikamente würden, das sei wissenschaftlich bewiesen, aus der Angst heraushelfen. Wir kramen in der Tasche nach den Tabletten. Aus dem Bus kommen wir nicht heraus, auch nicht aus den Genen mit der Angstanlage, und das Gehirn - Bandelow nennt es das "Ministerium für absurde Angst" - macht ja auch immer häufiger, was es will, und muß deshalb, sagen wir: nicht ausgetrickst, aber mit seinen eigenen Mitteln geschlagen werden.

Jetzt wissen wir, "woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann", wie es im Untertitel des Buches heißt, das einfacher zu lesen ist - eben nicht so, als würde man auf einem Beißholz herumkauen, sondern so, als würde man einen Bonbon lutschen - als der "Kosmos" Alexander von Humboldts und der "Faust" Goethes. Und diese Erkenntnis in das neue Sprachbild des Menschen führt nun bei uns zu starkem Herzklopfen, Beklemmungen und zu einem staubtrockenen Gaumen, den ersten Anzeichen einer Panikattacke, und wir denken, während wir auf die Psychiatrische Klinik der Universität Göttingen zurasen, an das verhaltenstherapeutische Vorbild Goethes auf dem Turm.

EBERHARD RATHGEB

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 12.01.2005

Beißholz und Ledersessel
Borwin Bandelow kämpft gegen die Symptome der Angst
Als der Theologe Paul Tillich in die Vereinigten Staaten emigrierte, suchte er eine Entsprechung für das deutsche Wort „Angst”. Er übersetzte es schließlich mit „Anxiety”, das im Amerikanischen bis dahin nur im Bereich der Angina angesiedelt war. Der Dichter W.H. Auden hat das aufgegriffen. Sein Buchtitel „The Age of Anxiety” soll auf Tillich zurückgehen. Diese „Anxiety” ist die Angst unseres Zeitalters, ohne festen Rückhalt einem einzigen großen Wirbel ausgesetzt zu sein. Dagegen wollte Auden die Leidenschaft aufbieten - „To Carthage then I came burning burning burning”, so seine Augustinus-Paraphrase. Aber diese brennende Leidenschaft nimmt man ihm nicht recht ab.
Womit versucht es der Göttinger Psychiater Boris Bandelow in seinem Mutmacher-Buch gegen die Angst? Der Vernunftglaube der Aufklärung, der eben auch ein Glaube ist, spricht auch bei ihm sein „Fürchtet euch nicht” und wiederholt so das Mantra aller Religionen. Denn alle Religionen antworten auf Angst; die Missionierung ist Konkurrenz um die erfolgreichere Angstabwehrmethode. Wer Bandelows Buch durchblättert, denkt: Mein Gott, Ängste, Ängste, Ängste - aber die Aufteilung in einen Katalog von unglaublich vielen Ängsten und ebenso vielen Bekämpfungsmethoden macht das diffus erscheinende Phänomen Angst, das Bandelow von den Kirchenvätern über Kierkegaard und die Existentialisten bis zu psychoanalytischen Kuren sehr ordentlich einkastelt, überschaubar und leistet schon mit dieser Topographie der Ängste eine Angstminderung. Auch ist Angst für ihn durchaus nicht nur etwas zu Meidendes, sondern eine lebenswichtige Erfindung und Ansporn zu Kreativität.
Man kann zum Lob des Buches den Ermunterungs- und den Ernüchterungseffekt hervorheben. Man kann ferner sagen, dass Bandelow bei den experimentellen und exakten naturwissenschaftlichen Angsttheorieansätzen mit sachlicher Genauigkeit verfährt, die überall die Grenzen der Forschung zeigt und keine Universalerklärungen vorlegt. Empirische Disziplinen wie die Psychoanalyse verfallen allerdings den üblichen, längst überholten Pauschal-Vorurteilen. „Wie könnte man Moleküle durch Gespräche in tiefen Ledersesseln beeinflussen?” fragt Bandelow und hält sich für witzig. Dass genau dies möglich ist, wissen die avanciertesten Hirnforscher, die der Psychoanalyse nachspüren, statt wie Bandelow einen Popanz aus ihr zu machen. Psychoanalyse ist für ihn eins der „Kräuter”, die man gegen die Angst nehmen kann, allerdings das zweifelhafteste unter 1001 den einzelnen Fällen jeweils gerecht werdenden Möglichkeiten der Therapierung. Der Verhaltenstherapie traut er sehr viel mehr zu. Sie sei vor allem eher nachprüfbar.
Würze des Lebens?
Man kann sich über die Engstirnigkeit solcher Bücher lustig machen, man kann auch sagen: ein recht ordentlicher Ratgeber. Nur kommt dieser Ratgeber nie über die oberflächlichste Theorie oder die Ebene des praktischen Managements hinaus. Wenn wir die Angst nicht hätten, würde unser Leben banal verlaufen, meint er: „Angst ist die Würze in der Suppe des Lebens.” Pech für diejenigen, um bei dieser abgeschmackten Metapher zu bleiben, deren Suppe überwürzt ist und die dann zu angstlösenden Medikamenten greifen müssen oder zum Beißholz, das Bandelow empfiehlt. Nichts gegen die mittlerweile wirklich viel wirksameren und mit weniger Nebenwirkungen belasteten Medikamente, nichts gegen das Beißholz. Bandelow ist als Psychiater bestimmt ein menschenfreundlicher, angstnehmender Mann, und es hat ja gewissermaßen auch etwas Gnädiges, die Angst aus dem Bereich der Reaktionen auf eine Gefahr zu entlassen. Aber müsste nicht gerade dies das Zentrum einer Angsttheorie sein?
Freuds Angsttheorien sind tatsächlich nicht in jeder Hinsicht überzeugend, zumal seine „Hauptangst”, die Kastrationsangst, viel zu abstrakt und allgemein gefasst ist. Psychoanalytiker in seiner Nachfolge haben sie differenziert. In einer Hinsicht jedoch ist Freuds Ansatz noch immer unumstritten: Erst wenn eine Gefahr da ist, entsteht die Angst, ob nun bei körperlich oder bei seelisch begründeten Angstzuständen. Die „unbegründeten”, also unbewussten - im Unterschied zu den realen - Ängsten, seien, meint Bandelow, da er selbst sie mit Hilfe seiner naturwissenschaftlichen Mittel nicht versteht, letztlich nicht zu verstehen, von keiner Theorie. Vollends vergebens suche man in der psychoanalytischen Literatur nach einer homogenen Theorie zur Erklärung von Ängsten.
Aber warum „homogen”? Eine Angsttheorie wird nur in dem Maße homogen sein können, wie es einen homogenen Begriff der Traumatisierung gibt. Den kann es aber niemals geben. Nur wer von Angst als einem Existential ausgeht wie Heidegger, könnte parallel dazu eine Grundtraumatisierung in der conditio humana postulieren, und die wäre dann zwar homogen, aber nur als metapsychologische Konstruktion. Konkret wäre sie vor allem eine Verleugnung der Realität der Angst. Ein Ratgeber, der die Phänomene selbst nicht versteht? Was ist das für eine Wissenschaft, die keine Verständnisarbeit mehr, sondern nur noch Symptombekämpfung leistet?
CAROLINE NEUBAUR
BORWIN BANDELOW: Das Angstbuch. Woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann. Rowohlt Verlag, Reinbek 2004. 377 Seiten, 19,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Siebzehn Millionen Menschen in Deutschland sollen an Angsterkrankungen leiden. Mit seinem "Angstbuch", das erklärt, "woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann" will Borwin Bandelow, Professor an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen, Abhilfe schaffen. Wie Rezensent Eberhard Rathgeb berichtet, setzt er dabei auf verhaltenstherapeutische Ansätze in Kombination mit Einnahme von Medikamenten sowie einen "beherzten Umgang mit sich selbst". Dass er dabei Goethe, der sich von seiner Höhenangst selbst heilte, als Vorbild präsentiert, quittiert Rathgeb mit milder Ironie. Nichtsdestoweniger hebt er hervor, dass Untersuchungsergebnisse an Kranken zu der Annahme berechtigten, dass Bandelow mit seinen Ansichten auf dem richtigen Weg ist.

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