Gefühle in Zeiten des Kapitalismus - Illouz, Eva
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Eva Illouz geht von der überraschenden These aus, daß die Kultur des Kapitalismus eine intensive emotionale Kultur ausgebildet hat: am Arbeitsplatz, in der Familie und in jeder Form von sozialen Beziehungen. Und mehr noch: Während ökonomische Beziehungen immer stärker durch Gefühle bestimmt werden, gilt für das Reich der Gefühle das Umgekehrte: Sie sind durch eine Ökonomisierung geprägt, die von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Trennung das Gefühlsleben reguliert. Illouz faßt dieses eigentümliche Verhältnis als emotionalen Kapitalismus und geht ihm in verschiedenen Feldern nach. Sie…mehr

Produktbeschreibung
Eva Illouz geht von der überraschenden These aus, daß die Kultur des Kapitalismus eine intensive emotionale Kultur ausgebildet hat: am Arbeitsplatz, in der Familie und in jeder Form von sozialen Beziehungen. Und mehr noch: Während ökonomische Beziehungen immer stärker durch Gefühle bestimmt werden, gilt für das Reich der Gefühle das Umgekehrte: Sie sind durch eine Ökonomisierung geprägt, die von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Trennung das Gefühlsleben reguliert. Illouz faßt dieses eigentümliche Verhältnis als emotionalen Kapitalismus und geht ihm in verschiedenen Feldern nach. Sie untersucht die neue Form der Gefühle im Internet-Chat und Partnerbörsen, in Lifestyle-Magazinen und Filmen, nimmt aber auch jene Berufsgruppe in den Blick, die aus den Irrungen und Wirrungen der Gefühle ihr Kapital zieht: die klinischen Psychologen.
  • Produktdetails
  • Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Nr.1857
  • Verlag: Suhrkamp
  • 7. Aufl.
  • Seitenzahl: 170
  • Erscheinungstermin: September 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 109mm x 12mm
  • Gewicht: 112g
  • ISBN-13: 9783518294574
  • ISBN-10: 3518294571
  • Artikelnr.: 22805386
Autorenporträt
Illouz, Eva
Eva Illouz, geboren 1961, ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem sowie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique, CSE-EHESS in Paris.

Hartmann, Martin
Martin Hartmann ist Professor für Philosophie am Philosophischen Seminar der Universität Luzern.
Rezensionen
" ... Illouz [gelingt] in Wa(h)re Gefühle eine pointierte Weiterentwicklung ihrer soziologischen Theorie."
Konstantin Nowotny, Jungle World stw

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.03.2006

Unsere Gefühle in höchster Gefahr

Während sich die Gründer des Instituts für Sozialforschung noch der Sexualität zuwandten, um auszuloten, wie die Natur des Menschen am ökonomischen System Schaden nimmt, wird dieser Kasus heute lieber unter dem Stichwort der "Emotionen" verhandelt. Mit ihrer vielbeachteten Studie über den "Konsum der Romantik", die in der Schriftenreihe des Frankfurter Instituts veröffentlicht wurde (F.A.Z. vom 7. Oktober 2003), hat die in Israel lehrende Soziologin Eva Illouz der Debatte um die emotionalen Nebenwirkungen des Kapitalismus eine nicht ganz unerwartete Wendung gegeben: Am Beispiel der romantischen Liebe, jener vermeintlichen Bastion des Unkalkulierten, erläuterte sie, daß der Markt nicht etwa einen natürlichen Reichtum des Gefühls austrockne, sondern daß er das Gefühlsleben umgekehrt durch seine Produkte bereichere und kultiviere.

Anfang letzten Jahres hielt Illouz die gemeinsam vom Institut für Sozialforschung und dem Suhrkamp Verlag veranstaltete dritte Frankfurter Adorno-Vorlesung. Die drei abendfüllenden Vorträge, die wegen der Geburt eines Kindes um einige Monate verschoben werden mußten, sind jetzt in einer eingängigen Übersetzung bei Adornos Hausverlag erschienen (Eva Illouz: "Gefühle in Zeiten des Kapitalismus". Adorno-Vorlesungen 2004. Aus dem Englischen von Martin Hartmann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006. 170 S., br., 14,80 [Euro].) Der Bezug auf den Vater der Kritischen Theorie, so merkt man von Vorlesung zu Vorlesung immer deutlicher, hat aber offenbar Illouz' Vertrauen in die friedliche Koexistenz von Warenform und wahrem Gefühl erschüttert. Die "Gefühle in Zeiten des Kapitalismus", zumindest des vom Internet medial durchdrungenen Kapitalismus, schweben ihrer Darstellung des "spätkapitalistischen emotionalen Stils" zufolge nun doch in höchster Gefahr.

Dabei beginnt alles recht versöhnlich mit dem Siegeszug der Psychoanalyse in den Vereinigten Staaten. Durch Vermittlung des C.-G.-Jung-Schülers Elton Mayo traf die Lehre vom Unbewußten dort in den zwanziger Jahren auf Bestrebungen, die Führung von Unternehmen mit Hilfe psychologischen Wissens effizienter zu gestalten. Was Adorno noch wie eine Instrumentalisierung der psychoanalytischen Technik für die falschen, profitmaximierenden Zwecke erschienen sein muß, konstruiert Illouz als Teil einer fast spiegelbildlichen Emanzipation der Geschlechter: So wie die "therapeutische Kultur" den Feminismus rund vierzig Jahre später in die Lage versetzte, das Machtgefälle in Intimbeziehungen einzuebnen, bewirkte sie im Unternehmen nicht nur eine Demokratisierung der Arbeitsverhältnisse, sondern angeblich auch eine "Neuausrichtung der Maskulinität auf weibliche Selbstmuster".

Schon in der zweiten Vorlesung aber entwickelt die Geschichte vom "Aufstieg des Homo Sentimentalis" einen herben Beigeschmack. Illouz macht hier deutlich, wie schlecht sich Emotionen eigentlich im therapeutischen Diskurs verflüssigen lassen und wie wenig Kommunikation überhaupt zu deren "situativer und indexikalischer" Natur paßt. Durch "das Einsperren der Emotionen in die geschriebene Sprache" würden Gefühle aus ihrem leiblich gebundenen Zusammenhang gerissen und verdinglicht. Diese etwas unmoderne Sprachskepsis verbindet die Autorin mit der postmodernen These von der "Performativität des therapeutischen Narrativs": Der zum Beispiel in Form von Psychotherapien, Ratgeberliteratur oder Talk-Shows institutionalisierten Sorge um das eigene Selbst schreibt sie die Macht zu, das Leiden, über das zum Zweck der "Selbstverwirklichung" unablässig gesprochen und geschrieben werden muß, gleichzeitig zu produzieren. Deshalb ist die Psychologie für Illouz nicht nur die Schule emotionaler Kompetenz, sondern, frei nach Karl Kraus, auch die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält.

In der virtuellen Welt der Internet-Partnerschaftsdienste (dritte Vorlesung "Romantische Netze") verliert Illouz aber endgültig die Geduld mit dem spätkapitalistischen Subjekt. Wo sie erwartet, die Konturen postmoderner Identitäten im Rollenspiel verschwimmen zu sehen, begegnet ihr in standardisierten "Profilen", mit deren Hilfe die Online-Suchdienste ihre Nutzern passende Partner zuordnen, nichts als die alte Illusion einer festumrissenen Identität. Ihre auf psychologischem Wissen basierende schriftliche Selbstauslegung ist für Illouz Inbegriff der Selbstentfremdung. Die invertierte Form des Kennenlernens, die sich vom abstrakten Wissen der Profile, über den Chat und das Telefonat erst allmählich zur konkreten Wahrnehmung des anderen vortastet, verschärft angeblich das Problem, weil sie unser intuitives Urteil (Liebe auf den ersten Blick) korrumpiert. "Verbales Überschatten" nennen Kognitionspsychologen eine solche Störung "visueller Prozesse".

Weil das Internet der Phantasie keine körpergerechten Grenzen mehr setzt, so Illouz' Fazit, wird hier die Utopie unstrategischer Zweisamkeit, die sich mit der Warenwelt ganz gut arrangiert hatte, am Ende doch geopfert. Wer nicht ganz so viel Vertrauen in die Weisheit körperlicher Reaktionen, dafür aber etwas mehr Spaß an ihnen hätte, könnte es sich vielleicht leisten, das Projekt romantischer Liebe auch im Reich hyperrealer Zeichen weiterzuverfolgen.

BETTINA ENGELS

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 28.07.2006

Jetzt sind wir Herr im Hause, auch wenn es brennt
Liebe als Profil: Eva Illouz erzählt vom Aufstieg des Homo Sentimentalis und skizziert unseren emotionalen Kapitalismus
Wer sich bei der größten deutschen Online-Partneragentur für langfristige Beziehungen anmeldet, wird ausführlich über jene Merkmale seiner Persönlichkeit aufgeklärt, die für gelingende Zweisamkeit besonders wichtig sind. Wissenschaftliche Analyse gehört schließlich zu den unbestrittenen Heilsgaranten der Gegenwart. Daher wird der Single nach seinem Selbstbild und seinem Verhalten gefragt, Bilder legt man ihm vor, um sein Unbewusstes zur Artikulation zu reizen. Am Ende erhält er ein Testergebnis, der Rechner vergleicht die Daten mit den Ergebnissen anderer Singles. Ein lange Liste möglicher Kandidaten, nach „Matching-Punkten” sortiert, lädt zur Kontaktaufnahme ein. Andere Webseiten überlassen es dem einzelnen, sich ansprechend anzubieten. Aber auch hier regiert der Geist der Liste und der Standardisierung, von dem schlichte Gemüter in Stunden der Ergriffenheit glauben, er verhindere wahre Leidenschaft. Dennoch nutzen in jeder Stunde Millionen weltweit die Möglichkeiten des Internet für die Suche nach Liebe und ihren Surrogaten.
Dass in der Internettechnologie der „emotionale Kapitalismus” seinen stärksten Ausdruck finde, behauptet die Soziologin Eva Illouz. Vor zwei Jahren hat sie am Institut für Sozialforschung die Adorno-Vorlesungen gehalten. Jetzt kann man sie nachlesen, in der ebenso frisch erzählenden wie analytisch scharfsinnigen Prosa das Ungenügen am eigenen Selbst wie das Unbehagen in der Kultur gespiegelt finden. Das Buch gehört zu den interessantesten des Jahres, gerade weil man an vielen Stellen geneigt ist, zu widersprechen und nachzufragen.
Dummen Redensarten, wie der vom „kalten Kapitalismus” oder der von einer „Kolonialisierung der Lebenswelt” entzieht Illouz die Grundlage. Warum Markt und Gefühl einander nicht ausschließen, keine Gegensätze sind, hat sie bereits in ihrer großen Studie „Der Konsum der Romantik” dargelegt (SZ vom 23. Oktober 2003). Nun behauptet sie, dass die Bildung des Kapitalismus Hand in Hand ging mit der Bildung einer stark emotionalisierten Kultur. Am Arbeitsplatz wie in der Familie werden Männer und Frauen der Mittelschicht dazu angehalten, sich intensiv mit ihren Gefühlen zu befassen. Für diese wird Anerkennung gefordert. Das Selbst wird öffentlich inszeniert, die Grenzen zwischen einer emotionsfreien Öffentlichkeit und einem gefühlsgesättigten Privatleben fallen, das Selbst wird auf ökonomische und politische Werte zugeschnitten.
Die Geschichte beginnt, wenn man denn einen Anfang festlegen will, mit fünf Vorlesungen, die Sigmund Freud 1909 an der Clark University hielt. Der therapeutische emotionale Stil wurde hier formuliert. Das Selbst entsteht in der Kernfamilie, es ist fest verankert im Alltagsleben, und es wird mysteriös. Es ist nicht länger selbstverständlich, ein normales Selbst zu sein. Normalität ist ein schwer zu erreichendes Ziel, Sexualität steht im Zentrum des Selbst.
Knistern und Kontrolle
Dann tritt der Harvard-Professor Elton Mayo (1880-1949) auf, der nach Untersuchungen in Betrieben zu dem Ergebnis kam, dass die Produktivität sich erhöhe, wenn man auf die Gefühle der Arbeiter eingehe. „Der Vorschlag, Konflikte nicht als Kampf um knappe Ressourcen, sondern als Ergebnis verknoteter Emotionen, problematischer Persönlichkeitsstrukturen und ungelöster psychischer Spannungen zu deuten, versetzte May in die Lage, eine diskursive Kontinuität zwischen Familie und Arbeitsplatz herzustellen, und verankerte so psychoanalytische Vorstellungsmuster im Herzen der Rede von ökonomischer Effizienz.” Ähnliches geschieht durch Therapie und Ratgeber; Beziehungen werden rationalisiert. Wut, Enttäuschung, Angst, Freude müssen beschrieben und, will man nicht im Dunkel bleiben, methodisch kontrolliert werden. Es entsteht die Vorstellung, „dass Emotionen ins Selbst gesperrte separate Entitäten sind, die durch Verschriftlichung zu fixierbaren, vom Selbst ablösbaren Entitäten werden, denen mit Beobachtung, Manipulation und Kontrolle beizukommen ist.”
Schlimmer noch, das „therapeutische Narrativ” lasse uns das Leben als „allgemeine Dysfunktion verstehen, die überwunden werden muss”. Gib doch zu, heißt das, dass du vor deinen Gefühlen Angst hast, dich hinter deiner Schüchternheit versteckst, Nähe fliehst - dann kann dir geholfen werden.
Niklas Luhmann glaubte bereits 1982 in „Liebe als Passion”, dass der Einfluss der Therapeuten auf die Moral zu fürchten sei. Er setze „die heilungsbedürftige Verfassung des Einzelnen an die Stelle der Liebe und entwickelt für Liebe dann nur noch die Vorstellung einer wechselseitigen Dauertherapierung auf der Basis einer unaufrichtigen Verständigung über Aufrichtigkeit.” Die Erbschaft Freuds besteht, so Illouz in der Gewissheit, dass „wir selbst dann Herr in unserem Haus sind, wenn es brennt”.
Die Internetliebessuche setzt nun die Techniken der uniformisierenden Rede über Gefühle, der standardisierenden Darstellung des Selbst voraus - und treibt sie auf die Spitze. Wir kennen die Person, bevor wir sie treffen. Und Sex wie Liebe sind, anders als für unsere Großväter, nicht mehr knapp, sondern im Übermaß vorhanden. Die Ökonomie der Fülle verlangt nach Strategien der Effizienzkontrolle in der Partnersuche. Aber siehe da, treffen sich dann zwei mit hoher Zahl an Matching-Punkten, muss es dennoch knistern, braucht es Charme und Charisma. In Billy Wilders Film „Liebe am Nachmittag” klagt Audrey Hepburn dem Mann, den sie liebt, dass sie zu dünn sei, ihr Hals zu lang, ihre Ohren zu groß. Er antwortet knapp: „Das mag sein, aber ich mag die Art, in der alles zusammenhängt.”
Gewiss, Eva Illouz sieht, dass die therapeutische Kultur die Arbeitswelt freundlicher und den Feminismus erfolgreich gemacht hat. Sie scheut Verfalls- und Unterdrückungserzählungen. Aber eine Art Rest-Rousseauismus, eine Sehnsucht nach Unmittelbarkeit und klaren Grenzen prägt doch ihre Kulturkritik, ihre Furcht davor, wir könnten „hyperrationale Idioten” werden.
Einwände liegen nahe: Standardisierung und Uniformität gehören seit Jahrhunderten zur europäischen Liebesdichtung, für die Gefühlskultur einst so wichtig wie heute Therapie und Film. Rosengleiche Wangen, Augen wie Sterne - die Geliebte wird immer nach Katalog besungen. Einzigartiges Individuum wird sie spät - und mit tödlichen Folgen. Tristan und Isolde, Siegmund und Sieglinde und viele mehr müssen sterben, damit die Idee der Liebe leben kann. Sie steht gegen die Ehe, gegen Philister und deren Institutionen. Diese scheinen inzwischen so schwach geworden, dass der therapeutische Diskurs hier stabilisiert, das Rasen veralltäglicht, ohne das Glücksversprechen aufzugeben.
Radikal gewandelt hat sich die Grundlage all dessen: der Sex. Er ist nicht mehr knapp, in kaum einer Form noch verboten, stiftet nichts Außeralltägliches mehr. Ist die Vermutung abwegig, dass Liebe deshalb seltener und schwächer, konsumistisch sei und nach Therapeutenlogik nur leistet, was sie soll: Bestätigung des Selbst, der eigenen Vergangenheit? Möglicherweise gelingt dies besser in Freundschaften, die den Destruktionsmechanismen der Liebe nicht unterworfen sind. Seltsamerweise hält sich die Idee der romantischen Liebe dennoch zäh, alle Kritik an Konsumismus, Therapie, Standardisierung zehrt ja davon. Und Millionen erstellen Profile, um einmal rufen zu dürfen: „Du bist der Lenz”. JENS BISKY
EVA ILLOUZ: Gefühle in Zeiten des Kapitalismus. Adorno-Vorlesungen 2004. Aus dem Englischen von Martin Hartmann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006. 170 Seiten, 14,80 Euro.
Audrey Hepburn ist zu dünn und hat zu große Ohren. Gary Cooper aber mag die Art, in der alles zusammenhängt. „Liebe am Nachmittag”, 1957.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Der Rezensentin Bettina Engels entgeht nicht, wie das Vertrauen der Autorin Eva Illouz an eine friedliche Koexistenz von Emotion und Kapitalismus in diesem Band Seite für Seite schwindet. Engels kommt nicht umhin, den Bezug der Texte auf die Überfigur Adorno dafür verantwortlich zu machen. In insgesamt drei Vorlesungen nähert sich die Soziologin Illouz ihrem Thema. Vom hoffnungsfrohen Siegeszug der Psychoanalyse über "eine etwas unmoderne Sprachskepsis", mit der die Autorin laut Engels die Talk-Kultur der therapeutischen Kontraproduktivität überführt, bis hin zum endgültigen Bruch mit dem spätkapitalistischen Subjekt im Netz der Online-Partnerschaftsbörsen verläuft der Weg, auf dem die Rezensentin der Soziologin folgt. Das desillusionierende Fazit des Bandes, wonach die Utopie unstrategischer Zweisamkeit der Warenwelt schließlich zum Opfer fällt, möchte Engels aber dann doch nicht unterschreiben. Das Projekt romantischer Liebe, findet sie, wäre "im Reich hyperrealer Zeichen weiterzuverfolgen".

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