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Martin Luther ist in fünf Jahrhunderten zu einer fast mythischen Gestalt der Geschichte geworden. Volker Leppin nähert sich dem Wittenberger Reformator aus neuer, ungewohnter Perspektive: Luther wird weniger als impulsiver Neuerer beschrieben, sondern mehr als Mönch und Theologe, der sich nur langsam von seinem mittelalterlichen Erbe löst. Keine schlagartige Bekehrung steht am Anfang, kein wuchtiger Thesenanschlag, sondern eine Stück für Stück erfolgende Umwandlung des religiösen Denkens. Selten erscheint Luther hier als Gestalter seines Umfeldes. Meist ist er der Getriebene, von seinen…mehr

Produktbeschreibung
Martin Luther ist in fünf Jahrhunderten zu einer fast mythischen Gestalt der Geschichte geworden. Volker Leppin nähert sich dem Wittenberger Reformator aus neuer, ungewohnter Perspektive: Luther wird weniger als impulsiver Neuerer beschrieben, sondern mehr als Mönch und Theologe, der sich nur langsam von seinem mittelalterlichen Erbe löst. Keine schlagartige Bekehrung steht am Anfang, kein wuchtiger Thesenanschlag, sondern eine Stück für Stück erfolgende Umwandlung des religiösen Denkens. Selten erscheint Luther hier als Gestalter seines Umfeldes. Meist ist er der Getriebene, von seinen Gegnern zur Radikalität provoziert, von Anhängern in Nöte gebracht, und immer wieder auch der Einsame, der 1521/22 auf der Wartburg die Ereignisse beobachtet und kommentiert, der auf der Coburg festsitzt, während seine Gefährten auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 um das Schicksal der Reformation kämpfen. Und der gerade darin seine menschliche Größe zeigt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Wbg Philipp Von Zabern
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 426
  • Erscheinungstermin: Februar 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 149mm x 40mm
  • Gewicht: 711g
  • ISBN-13: 9783805350693
  • ISBN-10: 3805350694
  • Artikelnr.: 46990696
Autorenporträt
Leppin, Volker
Volker Leppin ist evangelischer Theologe und lehrt Kirchengeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen; davor war er zehn Jahre in derselben Funktion an der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Scholastik und Mystik des späten Mittelalters, die Biographie und Theologie Luthers sowie die Aufklärung.
Rezensionen
"Der Stoff wird gut lesbar wie solide erforscht präsentiert ... Wohltuend nüchtern wirkt diese Studie der Entrückung Luthers aus der Wirklichkeit, die bereits mit der Leichenpredigt einsetzte, entgegen - ohne seine Verdienste um das Christentum zu schmälern." Christ in der Gegenwart "Wer eine moderne, erfrischend streitlustige Biographie über Luther lesen will, sollte zu Volker Leppins Buch greifen." Bayern 2 Radio, Kulturwelt "Leppin hat mit seinem Buch Luther in die Geschichte und Geistesgeschichte zurückgeholt; und gerade so hat er die Persönlichkeit Luthers deutlicher gezeichnet, als dies vielen anderen Biographien gelungen ist. Damit hat er nicht nur ein Standardwerk künftiger Lutherforschung geschaffen, sondern auch vielen Lesern einen faszinierenden Zugang zu dieser Wendezeit." "Leppin ist eine spannende, mitunter auch spannungsvolle und provozierende Biografie gelungen. Sie beleuchtet bislang weniger bekannte Voraussetzungen und Traditionen der reformatorischen Grundeinsicht von der 'Freiheit eines Christenmenschen'." Thüringer Allgemeine "Leppins Lutherbiografie eröffnet auf reicher Materialgrundlage vertiefte Einsichten zur Entwicklung Luthers. Die informative Biografie belegt anschaulich, dass Leppin ein ausgewiesener Fachmann für die mittelalterliche theologische Erkenntnisbildung ist ... Leppin hat eine spannende Biografie verfasst, die mit großer Kennerschaft und umfassendem Blick geschrieben ist. Die Lektüre kann nur empfohlen werden." Kirchliches Amtsblatt der Evangelischen Kirche von Westfalen "Leppins Buch ist für das Verständnis von Leben und Werk Luthers unverzichtbar." Karfunkel…mehr

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 19.02.2007

Kann auch anders
Zwei sehr unterschiedliche Auftritte des Martin Luther
Es gibt zwei neue Bücher über Martin Luther, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Das eine, verfasst von dem Göttinger Thomas Kaufmann, ist ein kleines Bändchen aus der Reihe „Wissen” des Beck-Verlages, das andere, geschrieben von Volker Leppin in Jena, eine vierhundertseitige Monographie des Primusverlages der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Stellt jenes eine für ein breites, wenngleich gebildetes Publikum gedachte Zusammenfassung dar, will dieses einen eigenen, neuen Beitrag zur Forschung leisten.
Worin dieser liegen soll, macht Leppin in der Einleitung deutlich: Er will in einem „gedanklichen Experiment” Luther so lange wie möglich so lesen, als wüsste er nicht, dass es sich hier um den Mann handelt, mit dem der „Reformation” genannte Neuaufbruch in Kirche und Gesellschaft verbunden ist. Darum will er ihn möglichst lange als Menschen des späten Mittelalters präsentieren, als „Martin Luder”, wie er ihn mit dem ursprünglichen Familiennamen nennt, bis mit der Schwelle der Reformation die von Luther selbst programmatisch gräzisierte Form („der Freie”) Verwendung findet. So möchte Leppin dem Dilemma entgehen, mit dem jede historische Darstellung, die einer Gestalt wie Luther aber in besonderem Maße fertigwerden muss: dass zwischen dem heutigen Historiker und seinem Gegenstand dessen Wirkungen und die bisherige Rezeptionsgeschichte liegen.
Nun ist dieses Dilemma nichts Neues und von Lutherforschern erörtert worden, seit es historisch-kritische Geschichtswissenschaft gibt. Auch das Rezept, das Leppin sich verschreibt, ist an sich wenig originell: Der Verbindung Luthers mit Frömmigkeit und Theologie des Spätmittelalters gehen alle neueren Darstellungen nach. Der eigentliche Impetus seines Buches, dem der methodische Vorsatz nur dienen soll, ist denn auch ein anderer: Es ist der des Befreiers. Leppin will sich und seine Leser befreien von einer Sicht, in der der Reformator als Heldengestalt erscheint, als Macher, als Neuerer, als „showstopper der Weltgeschichte”, wie er mit einem journalistischen Zitat formuliert.
Wie vollzieht sich der Befreiungsakt? In einer Weise, die aus anderen befreiungstheoretischen Projekten bekannt ist: durch Anwendung einer Hermeneutik des Verdachts. Leppin liest seine Quellen so, dass sie soweit irgend möglich das Gegenbild zum Bild des großen, eine Zäsur in der Geschichte von Kirche und Gesellschaft bringenden Mannes ergeben. Das zeigt schon die Versuchsanordnung des „Experiments”: Gefragt wird nicht, ob und wie lange Luther ein Mensch des Spätmittelalters war. Sondern Leppin postuliert, Luther „soll so lange wie möglich als Mensch des späten Mittelalters verstanden werden.” Ja, mehr noch, er soll als ein spätmittelalterlicher Mensch verstanden werden, der das eigentlich bleiben will. Kein Mann der Tat, sondern ein Zauderer, der kaum je einen wichtigen Schritt von sich aus, sondern fast immer nur gezwungen und getrieben tut. Kein Mann origineller Einsichten, sondern ein Theologe, der im Wesentlichen die Frömmigkeitstheologie seiner Zeit fortschreibt, sich allerdings in ausweglose argumentative Situationen hineinmanövriert, deren Folgen er dann tragen muss. Kein Bekenner der Wahrheit, sondern ein Denker, der sich durch für unverhandelbar erklärte Behauptungen dem zivilisierten ergebnisoffenen Diskurs entzieht.
Werden diese Charakterisierungen für die ersten Jahrzehnte von Luthers Leben und Wirken dann und wann durch konventionelle Würdigungen durchbrochen – die charismatische Gestalt, der Medienstar, das Sprachgenie –, so wird vom Jahr 1525 an, das mit Bauernkrieg und Erasmusstreit die Scheidung der Geister und den Verlust von Sympathisanten brachte, die negative Perspektive total. Ein isoliertes, von den Fürsten kaltgestelltes, von Melanchthon ausgebootetes, von den Schweizer Reformatoren überbotenes, nur dann und wann noch gefragtes, mit Vorliebe als Ketzerrichter tätiges Denkmal seiner selbst – das ist es, was von der Wittenberger Heldengestalt übrigbleibt.
Keine Frage, eine ikonoklastische Kontraperspektive kann zu Aha-Erlebnissen führen. Tatsächlich geht sie aber hier mit einer ärgerlichen Fülle an Verbiegungen von Quellen und verzerrten Darstellungen einher. Wenn etwa der auf der Veste Coburg sitzende Luther dem auf dem Augsburger Reichstag verzagenden Melanchthon vorhält, er solle sich nicht übernehmen und den für alles verantwortlichen Gott spielen, wird aus der seelsorgerlichen Ermahnung bei Leppin die Aufkündigung der Freundschaft und Verketzerung des Kollegen als „Prototyp des Sünders, der sich selbst über alles erhebt”. Der ermutigende Rat, Melanchthon solle froh sein, dass die Dinge letztlich nicht in seiner, sondern in Gottes Hand lägen, wird zu einem Ausbruch der Eifersucht Luthers, der gern selbst alles in der Hand hätte.
Oder wenn Luther 1539 den Kurfürsten bittet, seinen Kollegen Caspar Cruciger nicht für die Reformation in Leipzig zu bestimmen, weil der in Wittenberg bleiben wolle und außerdem dort nützlicher sei, verschweigt Leppin in seiner Paraphrase des Briefes die – belegbar zutreffende – Aussage über Crucigers eigene Neigung, erweckt stattdessen den Eindruck, dieser wäre gern gegangen, und interpretiert Luthers Intervention als Ausdruck von „innerreformatorischem Egoismus”. Neben solchen tendenziösen Deutungen stehen ebensolche Auslassungen. So fehlt, um nur ein Beispiel zu nennen, unter den Reaktionen auf Luthers Tod ausgerechnet die berühmte Klage Melanchthons – sie passt nicht in Leppins Bild vom Verhältnis der beiden Wittenberger Kollegen.
Diese Reihe ließe sich fortsetzen. Zugleich zeigen die genannten Beispiele einen anderen Grundzug des Buches: Leppins Lutherbild ist ungeheuer kleinkariert. Ins Auge fällt das nicht zuletzt beim derzeit wieder aktuellen Thema Thesenanschlag. Nicht nur, dass Leppin die alte These, Luther habe die Thesen gar nicht angeschlagen, wiederholt, als sei nicht seitdem die Debatte weitergegangen. Sondern es wird tatsächlich erneut das Argument bemüht, sollten die Thesen angeschlagen worden sein, hätte das doch nicht der Professor Luther, sondern der Pedell getan. Du liebe Güte!
Was bewegt den Leppinschen Luther, was war diese Gestalt? Der Leser erfährt es nicht. Bauernsohn, Papstgegner, Endzeitprediger, Professor, Mönch und Ehemann sei er gewesen – das ist das Fazit, das das Buch am Ende zieht. Was den, der dies alles und noch mehr gewesen ist, zu dem Reformator Martin Luther machte, was seine innere Triebfeder war, bleibt dunkel. Das ikonoklastische Programm, dem die Darstellung folgt, lässt die Entstehung eines eigenen Bildes nicht zu. Leppins Luther ist nur die Hohlform des Monuments, das er bekämpft – und bleibt ihm gerade so zutiefst verhaftet. Wo findet Leppin das Denkmal, das er stürzen will? In der gegenwärtigen Kirchengeschichtsschreibung jedenfalls nicht. Sein heroischer „showstopper der Weltgeschichte” mag in Epochen nationalprotestantischer Historiographie seine Kreise gezogen haben, doch diese Epochen sind vorbei. Leppins Vatermord fehlt der Gegenstand.
So unbefriedigend die Lektüre dieses mit großer Geste auftretenden, aber wenig zuverlässigen, auch sprachlich jeder Sorgfalt entbehrenden Buches ist, so sehr kommt der Leser bei dem Büchlein von Thomas Kaufmann auf seine Kosten. Was der Verfasser hier auf 120 Seiten in zwei Kapiteln über Leben und Theologie des Reformators bietet, ist eine klar und lebendig geschriebene, in der Sorgfalt der Einzelbeobachtung wie der Souveränität der großen Linienführung gleichermaßen überzeugende Darstellung.
Dabei sieht auch Kaufmann, dass dem heutigen Betrachter das Individuum Martin Luther unentrinnbar im Licht seiner geschichtlichen Wirkungen, Luder nur als Luther gegeben ist. Doch er stellt keine Experimente an, um dies Licht künstlich abzublenden, sondern stellt sich von vorneherein darauf ein. Ist, überspitzt gesagt, der Leppinsche Luther ein entgleister Luder, so ist Kaufmanns Luder erst als Luther die Gestalt, die wir sehen können und die uns interessiert.
Damit leugnet Kaufmann keineswegs, was der Mönch und junge Theologe seiner geistlichen und geistigen Herkunft verdankt. Doch statt daraus eine Person zu konstruieren, die möglichst lange ein Mensch des Spätmittelalters geblieben sei, interessiert Kaufmann, wie Luther aus dem Ererbten etwas in unableitbar eigener Weise Neues gemacht hat und welche Wirkungen davon ausgingen. Auf diese Weise kommen die Schritte, die Luther auf seinen besonderen Weg brachten, wirklich als seine, als gewollte Schritte, nicht als kaum beabsichtigte Reaktionen eines Getriebenen in den Blick. Und auf diese Weise wird die Dynamik plausibel, mit der von Worten, Taten und Geschick dieser Person grundstürzende Veränderungen ausgingen.
Den Kulminationspunkt, an dem die geistlich-theologische Entwicklung Luthers sich in der wirkungsmächtigsten Form entlädt, sieht Kaufmann in der Verbrennung der päpstlichen Bannandrohungsbulle 1520 vor dem Wittenberger Elstertor. Diese „ungeheuerlichste, kühnste, primitivste, provozierendste und ernsteste Tat” des Reformators markiere geradezu die „kopernikanische Wende” in der Geschichte des abendländischen Christentums. Denn an dem Tag, an dem er der Exkommunikation verfiel, wendete Luther den Bannspruch zurück und übte das „Ketzergericht an der der Unwahrheit verfallenen Papstkirche”. Von seiner Kirche des Lebensrechts beraubt, stand er nun vor der „Aufgabe, eine ,neue Kirche‘ zu bauen”, die nur eine papstfreie Kirche sein konnte.
Dass der in seinem Gewissen an die Heilige Schrift gebundene Luther aus der kirchlichen Gemeinschaft verstoßen wurde, ist nach Kaufmann die „traumatische Urerfahrung”, der „Geburtsschock evangelischen Christentums”. Ein Schock freilich, der zugleich der den Protestantismus prägenden Einsicht zum Durchbruch verhalf: dass das Christsein und so auch die Kirche als die Gemeinschaft der Christen mit der persönlichen Glaubensgewissheit steht und fällt. Viel Dynamit in einem kleinen Buch! DOROTHEA WENDEBOURG
VOLKER LEPPIN: Martin Luther. Primus Verlag, Darmstadt 2006. 427 Seiten, 39,90 Euro.
THOMAS KAUFMANN: Martin Luther. Verlag C. H. Beck, München 2006. 128 Seiten, 7,90 Euro.
Wollte dieser „Luder” ein Mensch des späten Mittelalters bleiben?
Eine Kirche ohne Papst – das ist nicht das Werk eines Getriebenen
Bildersturm ist schwierig, wenn es das Bild gar nicht mehr gibt
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Dorothea Wendebourg hat zwei ganz unterschiedliche Bücher zu Martin Luther gelesen und auch ihre Urteile stehen sich diametral entgegen. Der gewichtige Band von Volker Leppin will mit neuen Forschungsergebnissen glänzen und scheitert vielleicht gerade deshalb, vermutet die Rezensentin. Der Autor verfolgt dabei den Versuch, Martin Luther möglichst lange als Mensch des Spätmittelalters zu zeichnen, der erst in seiner Wirkungsgeschichte zum großen Reformer der Kirche wurde. Diese Sichtweise lässt sich allerdings nur aufrechterhalten, wenn die Quellen lückenhaft oder verfälscht ausgewertet werden, beschwert sich die Rezensentin. Leppin mache in seiner Lesart Luther zu einem getriebenen Menschen, der seine ungeheuren Neuerungen beinahe unfreiwillig auf den Weg gebracht habe. Dabei entstehe nicht nur ein enorm "kleinkariertes" und dabei sachlich nicht immer richtiges Luther-Bild, der Persönlichkeit dieser wichtigen Figur der Kirchengeschichte komme der Autor zudem auch nicht näher, die Antriebskräfte für sein Wirken blieben im Dunkeln, so Wendebourg unzufrieden.

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