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Enrique ist glücklich verheiratet, beruflich erfolgreich und hat ein Riesenproblem: Er wird erpresst … brisante Spannungsgeschichte, erotisches Kammerspiel, zeitpolitischer Schlüsselroman – in seinem neuesten Roman hat Mario Vargas Llosa ein so kunstreiches wie lebensechtes Panorama der menschlichen Verhältnisse geschaffen, ein Werk von staunenswerter Tiefenschärfe und bleibender Gültigkeit. Enrique wird erpresst. Von Garro, dem Besitzer eines Boulevardblatts, der belastende Fotos hat und ihn zwingen will, in die Zeitschrift zu investieren. Enrique sucht Rat bei Luciano, seinem alten…mehr

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Produktbeschreibung
Enrique ist glücklich verheiratet, beruflich erfolgreich und hat ein Riesenproblem: Er wird erpresst … brisante Spannungsgeschichte, erotisches Kammerspiel, zeitpolitischer Schlüsselroman – in seinem neuesten Roman hat Mario Vargas Llosa ein so kunstreiches wie lebensechtes Panorama der menschlichen Verhältnisse geschaffen, ein Werk von staunenswerter Tiefenschärfe und bleibender Gültigkeit.
Enrique wird erpresst. Von Garro, dem Besitzer eines Boulevardblatts, der belastende Fotos hat und ihn zwingen will, in die Zeitschrift zu investieren. Enrique sucht Rat bei Luciano, seinem alten Weggefährten und Anwalt, verliert jedoch im entscheidenden Moment die Nerven und bietet dem Erpresser offen die Stirn. Der bringt darauf die Fotos und wird kurze Zeit später tot aufgefunden, brutal ermordet. Enrique, geschäftlich wie moralisch ruiniert, glaubt, das sei das Ende. Doch es ist erst der Anfang. Denn während die Polizei ihn der Bluttat verdächtigt und er in undurchsichtige Machenschaften gerät, die aus den allerhöchsten Regierungskreisen gesteuert scheinen, kommen sich seine und Lucianos Frau mehr als nur freundschaftlich nahe ...


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  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp Verlag
  • Seitenzahl: 301
  • Erscheinungstermin: 10.10.2016
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783518747742
  • Artikelnr.: 45017126
Autorenporträt
<p>Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru, studierte Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid. Bereits w&auml;hrend seines Studiums schrieb er f&uuml;r verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und ver&ouml;ffentlichte erste Erz&auml;hlungen, ehe 1963 sein erster Roman <em>Die Stadt und die Hunde</em> erschien. Der peruanische Romanautor und Essayist ist stets als politischer Autor aufgetreten und ist damit auch weit &uuml;ber die Grenzen Perus hinaus sehr erfolgreich. Zu seinen wichtigsten Werken z&auml;hlen <em>Das gr&uuml;ne Haus</em>, <em>Das Fest des Ziegenbocks</em>, <em>Tante Julia und der Schreibk&uuml;nstler </em>und <em>Das b&ouml;se M&auml;dchen</em>.<br /> Vargas Llosa ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europ&auml;ischer Universit&auml;ten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. 1990 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democr&aacute;tico (FREDEMO) bei den peruanischen Pr&auml;sidentschaftswahlen und unterlag in der Stichwahl. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zur&uuml;ck. <br /> Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2010 den Nobelpreis f&uuml;r Literatur. Heute lebt Mario Vargas Llosa in Madrid und Lima.<a href="/mario_vargas_llosa_autor_766.html" class="link_inverted"><strong><br /> </strong></a></p> <p>&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
Rezensionen
»Wie nur wenige schafft es Vargas Llosa, ein Höchstmaß an emotionaler Intensität in einen Roman zu packen.«
Neue Zürcher Zeitung
"Wie nur wenige schafft es Vargas Llosa, ein Höchstmaß an emotionaler Intensität in einen Roman zu packen."
Neue Zürcher Zeitung

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Bei Vargas Llosa scheint die Entwicklung irgendwie anders herum zu verlaufen als normalerweise, wundert sich Rezensent Sebastian Schoepp. Während seine ersten Romane wie "Die Stadt der Hunde" oder "Das grüne Haus" jene Weisheit und Komplexität in jeder Hinsicht aufweisen, die man eigentlich von erfahrenen Schriftstellern erwarten würde, zeichnet sich sein Spätwerk, insbesondere der neuste Roman "Die Enthüllung", durch glatte, klischeehafte Charaktere, fantasielose Schmuddel-Szenen, flache Handlungsstrukturen und plumpe Beschreibungen aus, die man eher einem (weniger talentierten) Schreib-Anfänger zuordnen würde, lesen wir. Lediglich eine Randfigur namens La Retaquita beweist, dass es mit Llosas Erzählkunst vielleicht noch nicht ganz vorbei ist, ansonsten hat der Roman wenig zu bieten, so der erbarmungslose Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 20.10.2016
Männerphantasien in der Luxusblase

Der neue Roman des Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa "Die Enthüllung" versucht sich erfolglos an einem peruanischen Sittenstück.

Es ist legitim, dass Schriftsteller eigene Erlebnisse und Erfahrungen zur Grundlage ihrer Literatur machen, manchmal scheint es sogar zwingend. Manchmal geht es aber auch grandios schief, so wie im neuen Roman von Mario Vargas Llosa. In "Die Enthüllung" arbeitet sich der achtzigjährige Nobelpreisträger des Jahres 2010 gleich an zwei autobiographischen Blessuren ab: Die eine stammt von der Boulevardpresse, die dem Schriftsteller übel mitspielte, als er sich nach fast einem halben Jahrhundert unlängst von seiner Ehefrau trennte, um ein ehemaliges Model zu heiraten. Das andere Trauma ist nicht privater, sondern politischer Natur und führt zurück in die jüngere Vergangenheit seines Heimatlandes Peru.

Im Jahr 1990 hatte sich Mario Vargas Llosa, der inzwischen in Spanien lebt, um das Amt des peruanischen Staatspräsidenten beworben, die Wahl mündete in eine Stichwahl zwischen ihm und seinem Widersacher Alberto Fujimori. Dabei unterlag der Schriftsteller nicht nur, sondern musste auch in der Folgezeit mit ansehen, wie der zur Macht gelangte Konkurrent Peru Stück für Stück in eine korrupte Scheindemokratie verwandelte und dabei vor Massakern und dem Einsatz von Todesschwadronen nicht zurückschreckte. Im Jahr 2009 wurde Fujimori für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu fünfundzwanzig Jahren Gefängnis verurteilt und sitzt seither in Haft.

Mario Vargas Llosa hätte mithin reichlich Stoff gehabt für einen großen Roman, ein peruanisches Sittenstück, enthüllend im Sinne der Romantitels. Stattdessen bringt er in einer plotgetriebenen, von Dialogen durchsetzten Erzählung die beiden Sphären uninspiriert zusammen: den Boulevard, der noch jeden unbescholtenen Bürger zur Strecke bringen kann, und Fujimoris Schreckensregiment, das ein Land in Angststarre versetzt. Die Macht des Staates, so die These, baut auf die Macht öffentlicher Vernichtung: Wer dem Regime nicht passt, wird mit Hilfe gekaufter Schreiberlinge durch üble Nachrede, Denunziation und Falschaussagen bloßgestellt, Existenzen vernichtet.

Seine Geschichte siedelt Vargas Llosa in den neunziger Jahren in der Hauptstadt Lima an. Die Oberschicht befindet sich längst in der inneren Emigration, dem Terror und der Furcht entgeht man in diesen Kreisen mit Yoga-Übungen und Wochenendausflügen nach Miami. Gelangen Bekannte von Bekannten doch einmal in die Hände von Terroristen oder die Mühlen der Politik, wird allenfalls darüber spekuliert, welchen Therapeuten die Hinterbliebenen am besten aufsuchen sollten.

Zwei Paare sind das zynische Abbild dieser von Ignoranz und Arroganz geprägten Schicht. Auch sie haben sich allenfalls zuschulden kommen lassen, in ihrer Luxusblase vor sich hin zu leben, als sie durch Zufall in die Menagerie der öffentlichen Diffamierung geraten. Enrique, ein erfolgreicher und eigentlich glücklich verheirateter Unternehmer, wird mit Fotos erpresst, die ihn in ungünstiger Pose mit Prostituierten zeigen. Als er sich weigert, auf die Forderungen des Klatschreporters Garro einzugehen, veröffentlicht der umgehend sein Material. Enrique, von der öffentlichen Schmach gebeutelt, sucht Rat bei seinem Freund, dem Anwalt Luciano.

Während die beiden Männer alles daransetzen, um die Folgen der Pressekampagne wieder in den Griff zu bekommen, treibt ihre beiden Ehefrauen, die eine blond, die andere brünett, die Sorge um eine ganz andere Enthüllung um: Denn sie haben unlängst Gefallen aneinander gefunden und sich in eine liaison dangereuse begeben, die sie in ihren Kreisen lieber geheim gehalten sehen wollen. Diese Buffoszenen einer peruanischen Dekadenz kontrastiert Mario Vargas Llosa mit der Düsternis der politischen Hintergründe, auf deren Folie der Roman in einer zweiten Ebene operiert. Vollstrecker der Macht ist nicht etwa der Mann an der Spitze, sondern sein Geheimdienstchef, der, ebenfalls einem realen Vorbild nachempfunden, von allen nur "Doktor" genannt wird.

Der Zynismus einer rücksichtslosen Schicht wie einer gewissenlosen Presse, um den es Vargas Llosa in seinem Roman neben der Bloßstellung einer korrupten Autokratie zu tun ist, gerät dabei dem Roman selbst zum Verhängnis - weil seinen Protagonisten auf diese Weise jede Vielschichtigkeit und Ambivalenz verwehrt bleibt. Womöglich hat Vargas Llosa die Figuren für seine Demonstrationszwecke sogar bewusst stereotyp angelegt. Sie wurden dazu erdacht, bestimmte Positionen einzunehmen, bestimmte Haltungen zu transportieren. Von der Last dieser Konstruktion aber, die einhergeht mit schlichter Psychologie, erholt sich der Roman nicht mehr. Sätze, die hier fallen, klingen dann so: "Der Artikel ist fertig, Chef, die Einäugige ist im Arsch." Vor allem sprachlich enttäuscht das Buch. Es enthält Phrasen und Redundanzen, der Doktor wird gleich mehrfach als "berüchtigt" bezeichnet, als fehlten dem Autor die Worte. Stets klärt die direkte Rede, was es zu klären gibt: "Dieser Mensch bekommt den Hals nicht voll, er ist unfassbar geldgierig. Es gibt Anzeichen dafür, dass er zahlreiche kleinere Unternehmer erpressen lässt." So weit, so klar.

Nicht die Ohnmacht des Schreckens wird da in Gestalt des Doktors greifbar, sondern eher eine Karikatur des Bösen. Aber auch die Journalisten in seinen Diensten werden zur Parodie, wenn der eine als hässliches Männlein mit Pomade im Haar und hochhackigen Schuhen erscheint, statt ihn beispielsweise mit jener gefährlichen Intelligenz auszustatten, die zu den Abscheulichkeiten seines Gewerbes gut passen würde. Seine Kollegin wiederum ist die verwachsene Zwergin aus den Slums von Lima, deren Hass auf die Privilegierten grenzenlos ist. Das Grauen packt einen beim Lesen viel eher an anderen Stellen, etwa während des Liebesaktes der beiden Ehefrauen gleich zu Beginn des Romans - was da über Frauenkörper und Flüssigkeiten ohne jede Sinnlichkeit zur Sprache kommt, lässt sich nicht anders denn als gruselige Männerphantasie lesen. Enthüllend ist in diesem Werk, wie deutlich auch ein Autor, der einen Roman von höchstem Rang wie "Lob der Stiefmutter" geschrieben hat, so unter seinen Möglichkeiten bleiben kann.

SANDRA KEGEL

Mario Vargas Llosa: "Die Enthüllung". Roman.

Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016. 301 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 27.10.2016
Halbweltbürger in Lima
Der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa nimmt in seinem neuen Roman
„Die Enthüllung“ die Skandalpresse aufs Korn – aber leider taugt sein literarisches Geschütz wenig
VON SEBASTIAN SCHOEPP
Als junger Mann arbeitete Mario Vargas Llosa bei La Crónica, einer Boulevardzeitung in Lima. Er hat diese Zeit als eine rare Episode der Bohemien-Existenz in seinem Leben beschrieben: den Geruch von Tabak, Tinte und Papier, die Irrungen durch den submundo der peruanischen Hauptstadt, wo sich die Journalisten wie „Staatsbürger der Hölle“ bewegten, deren Augen leuchteten, wenn sie ihre „Reißzähne fletschten“ und aus einer Nachricht all das herausbissen, was spektakulär, furchtbar, grausam oder gemein sei. Diese Erfahrung, so Vargas Llosa, habe sein Leben grundlegend erschüttert.
  Im Alter dann hat er den Boulevardjournalismus aus der anderen Warte kennengelernt, der des Objekts lüsterner Spekulation und schamlosen Voyeurismus’. Das war erst vor Kurzem, als er seine Frau Patricia nach fünfzig Ehejahren vom Hof gejagt und sich mit dem philippinischen Ex-Model Isabel Preysler eingelassen hatte. Auch seine in den Panama Papers dokumentierten, zwischenzeitlichen Steuerfluchtversuche haben Vargas Llosa zum Ziel öffentlichen Medieninteresses werden lassen.
  Da ist also einiges zusammengekommen, was einen Roman über das Innere des Journalismus, seine Methoden und Mechanismen rechtfertigt. Aber wie das so ist mit Jugenderinnerungen: sie sind oft weit weg und blass und nostalgisch verfärbt. Entsprechend blass ist nun auch die belletristische Verarbeitung. So blass, dass man sich bei der Lektüre des Romans „Die Enthüllung“ fragt: Ist das wirklich der Autor von „Die Stadt der Hunde“, „Das grüne Haus“ oder „Gespräche in der Kathedrale“ – Romane, von denen einige die Erzählkunst revolutionierten?
  Die Entwicklung im Leben und im Werk von Mario Vargas Llosa, 80-jähriger Autor und Nobelpreisträger von dylanesker Schaffenskraft, scheint eher rückläufig zu sein. Das Frühwerk hat die Weisheit, Tiefe und Vielschichtigkeit, die man eher von einem Lebenserfahrenen erwarten würde. Das vorliegende Alterswerk hingegen liest sich wie der Erstling eines jungen Krimiautors, der die Komplexität scheut und vorsichtshalber lieber geradeaus heruntererzählt, was Schlimmes passiert ist im Lima der 1990er-Jahre: Der Geschäftsmann Enrique Cárdenas, erfolgreich im Peru-typischen Minen- und Rohstoffbusiness, „Quique für seine Frau und seine Freunde“, die in ihm „die Vollkommenheit in Person“ vermuten, wird erpresst. Ein Schmierblatt, „ein Pfuhl an Schmutz und Klatsch“, bekam Fotos zugespielt, die Quique beim Sex mit Prostituierten zeigen. Ein Skandal!
  Nun handelt es sich bei Quique um einen aufrechten Ehrenmann, der dem in Peru wütenden Terrorismus zum Trotz mit seinem „Unternehmen dem Vaterland dient“. Er denkt vor allem an seine alte Mutter und malt sich das Entsetzen in ihrem „würdevollen, vornehmen Gesicht“ aus, sollten die Fotos publik werden. Aber sich erpressen lassen? Zum Glück hat er einen patenten, loyalen Anwalt, Dr. Luciano Casasbellas, „elegant, nüchtern, konservativ, irgendwie britisch“, der sich mit Überlegenheit und Augenmaß der Sache annimmt: „Erst einmal ganz ruhig, Quique.“
  In jüngeren Jahren hatte Vargas Llosa eher einen Hang zur detailreichen Schilderung schwerer Perversionen, von den Urwald-Kreuzigungen von Tieren und Menschen in „Der Hauptmann und sein Frauenbataillon“ bis zu den kaum erträglichen Folterszenen im „Fest des Ziegenbocks“. Die altersmilde Mäßigung in diesem Bereich mögen ihm empfindsamere Leserinnen und Leser danken, vor allem in der peruanischen oder lateinamerikanischen Oberschicht, zu der der Autor selbst ebenso gehört wie die Figuren des Romans: eine Business-Class-Elite, die sich zwischen Golfplatz, Apartment im Nobelviertel San Isidro, Glaspalast-Büro, Benz mit Chauffeur und Kurzurlaub in Miami hin- und herbewegt. Altmänner-typisch sind die Sex-Szenen, schlüpfrig-schwüle Eskapaden zweier im Luxus gelangweilter Gattinnen etwa, beschrieben wie für eine angestaubten Playboy-Ausgabe („. . . diese Vagina, die sich vor Sehnsucht wölbte“).
  Für alle anderen Weltbewohner taugen die Telenovela-Gestalten weniger zur Identifikation, sie sind eher Typen als Charaktere, ohne Brüche, Kanten oder Abgründe – außer vielleicht mal ein Bordell-Besuch. Aber der gilt in diesen Kreisen ja als lässliche Sünde. Auch die Bösewichte stammen aus der Klischeekiste (übrigens ein Wort der Zeitungs-Setzerei): Der Schmierreporter ist ein „widerwärtiger Wicht“ mit dauerfeuchten Händen und schmuddeliger Garderobe, der dann auch noch Rolando Garro heißt (guarro bedeutet auf Spanisch Dreckschwein). Einzig in der Schilderung von dessen Kollegin mit dem Spitznamen La Retaquita, in der Übersetzung etwas plump „Pummel“ getauft, blitzt Erzählkunst auf. Ihr wird eine Saulus-Paulus-Wandlung von der Klatschreporterin zur investigativen Aufdeckerin zugestanden, die den Weg zum Drahtzieher des Komplotts weist – zum ominösen „Doktor“, eine Art Latino-Bond-Schurke.
  Eingeweihte werden in diesem Schurken Vladimiro Montesinos erkennen, einst die rechte Hand von Präsident Alberto Fujimori, dem Vargas Llosa 1990 im Wahlkampf unterlag; offenbar war da noch eine Rechnung offen. Fujimori besiegte die Terrorgruppe Leuchtender Pfad in einem schmutzigen Krieg, zu dem auch Medienmanipulation gehörte – und stürzte dann selbst über Enthüllungen. Wegen Korruption und Menschenrechtsverbrechen wurden er und Montesinos zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Das alles reißt der Roman nur raunend im Vorbeigehen an. Dabei ist der reale Vladimiro Montesinos eine faszinierende Halbweltgestalt, ein politischer Gangster, vielschichtig, böse, brillant. Diesen sinistren Charakter tiefer auszuleuchten, wie Vargas Llosa es einst mit dem dominikanischen Diktator Trujillo tat, hätte es keiner literarischen Überhöhung bedurft, Journalismus hätte genügt.
Der Schmierreporter ist
ein „widerwärtiger Wicht“
mit dauerfeuchten Händen
Der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa mit Anzug und Schlips aus Recycling-Papier in seiner Wohnung in Lima.
Foto: REUTERS&hairsp;/&hairsp;Enrique Castro-Mendiv
        
  
  
Mario Vargas Llosa:
Die Enthüllung. Roman.
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016.
301 Seiten, 24 Euro.
E-Book 20,99 Euro.
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