Hungrig bin ich, will deinen Mund - Neruda, Pablo
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Nerudas Liebessonette sind 1959 erschienen und seiner Geliebten Matilde Urrutia gewidmet. Für Pablo Neruda ist jedes seiner Liebessonette das Geschenk eines hingebungsvoll Liebenden an seine Geliebte. In der Poesie, im Gedicht, möchte er ihr so nahe sein, daß "ich in meinem Schlaf deine Augen schließe". Fritz Rudolf Fries hat Nerudas Liebessonette ausgewählt, kongenial ins Deutsche übertragen und mit einem Nachwort versehen.…mehr

Produktbeschreibung
Nerudas Liebessonette sind 1959 erschienen und seiner Geliebten Matilde Urrutia gewidmet. Für Pablo Neruda ist jedes seiner Liebessonette das Geschenk eines hingebungsvoll Liebenden an seine Geliebte. In der Poesie, im Gedicht, möchte er ihr so nahe sein, daß "ich in meinem Schlaf deine Augen schließe". Fritz Rudolf Fries hat Nerudas Liebessonette ausgewählt, kongenial ins Deutsche übertragen und mit einem Nachwort versehen.
  • Produktdetails
  • Sammlung Luchterhand Nr.2015
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
  • Seitenzahl: 106
  • Deutsch, Spanisch
  • Abmessung: 184mm x 116mm x 11mm
  • Gewicht: 150g
  • ISBN-13: 9783630620152
  • ISBN-10: 3630620159
  • Artikelnr.: 09871018
Autorenporträt
Der Chilene Pablo Neruda (* Parral 1904, † Santiago de Chile 1973), eigentlich hieß er Neftalí Ricardo Reyes Basoalto, legte sich mit 16 Jahren das Pseudonym für die Veröffentlichung eines Gedichtes zu. Als Diplomat, u. a. in Südostasien, Buenos Aires, Spanien oder Mexiko, lernte Pablo Neruda den Dichter Federico Carcía Lorca kennen und gab mit ihm eine literarische Zeitschrift heraus. Der Tod Lorcas - er wurde im Spanischen Bürgerkrieg erschossen - politisierte den Dichter Neruda, der zu dieser Zeit selbst aus Spanien nach Frankreich fliehen musste ("Die Dichter der Welt verteidigen das spanische Volk" 1924). Auch als Redakteur schrieb er gegen den weltweit sich entwickelnden Faschismus an. Seine anfängliche Unterstützung der Kommunisten in Chile wandelte sich, er kritisierte heftig und offen das Regime und sollte verhaftet werden. In letzter Minute gelang ihm das Untertauchen - in dieser Zeit entstand "Der große Gesang", eines seiner bekanntesten Werke. Nach Flucht außer Landes 1949 zog es Pablo Neruda nach Paris,wo er von Pablo Picasso unterstützt wurde. Es entstand der Gedichtzyklus "Der große Gesang" (1950). Nach der erneuten Rückkehr in ein politisch verändertes Chile 1952 trat Neruda Jahre später, obwohl schon krebskrank, 1970 wieder in den diplomatischen Dienst ein. 1971 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er starb 1973, kurz nach dem Militärputsch Pinochets.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.10.1997

Laßt Metaphern niederprasseln
Nichts für lyrische Diabetiker: Frühe Gedichte von Pablo Neruda

Aus Pablo Nerudas Mund quillt Poesie wie ein mächtiger Strom. Ihm stellt sich aber bald ein Katarakt in den Weg, der das traditionelle Fahrwasser aus barocken Gefühlen, rhetorischem Reichtum und pathetischem Schwung aufwirbelt und es nie mehr so recht zur Ruhe kommen läßt. 1935 wendet sich der Lyriker dem Kommunismus zu und widerruft die großmächtige Geste seiner poésie pure in dem "Manifest über die poésie impure". Das erste Dokument der politischen Wende ist der Gedichtzyklus "Die Trauben und der Wind", ein Gründungsmythos, der den Arbeiter als den Führer in eine neue Epoche besingt. Von da an stellt Neruda seinen hohen Ton nicht selten in den Dienst der kommunistischen Machthaber, das schmelzende Pathos bekommt den harten Anschlag einer Propagandaglocke.

In die Epoche der "poésie pure" zurück führen die hundert Liebessonette, Gesänge für die Geliebte Mathilde Urrutia, der Neruda seit 1949 verbunden war. Die Sonette hat Neruda 1959/60 in nur fünfzig Exemplaren erscheinen lassen; in die dreibändige Ausgabe der Gedichte im Luchterhand Verlag wurden sie nicht aufgenommen. Der Verlag holt das Versäumnis nun nach durch eine handliche Auswahl von 44 Gedichten, die in unserer Epoche des sexuellen Draufgängertums noch einmal an das erotische Spiel von Kleid, Bewegung, Auge, Lippe, Hand erinnern.

Die rhetorische Tradition gibt Neruda ein hohes Pathos vor, doch läßt er sich von ihr nicht in die Fesseln vorgefertigter Topoi und Metaphern bannen. Ein Regen von Wörtern prasselt auf den Leser hernieder, der sich nach der lyrischen Askese der immer wiederkehrenden neuen Sachlichkeit erfrischt fühlt vom Anblick einer Welt, in der Liebe noch ein Zustand ist, der die Dinge verzaubert.

Überraschungen freilich bringt das Bändchen nicht - weder über Neruda selbst noch über seine Dichtung, doch ist ohnehin jede Wortkomposition, jedes Bild bei ihm so neu, daß selbst der wohlbekannte Ton wie neu erklingt. Die Leidenschaft setzt sich in Bilder um, die Sinnlichkeit wird Esprit, das Gefühl geht unter und aufersteht als Wort und Klang: "Ach, Lieben ist eine Reise mit Wasser und mit Sternen, / mit erstickter Luft und jähen Stürmen aus Mehl; Lieben ist ein Kampf mit Blitz und Wetterleuchten, / und um des einen Honigs wegen zerfließen da zwei Leiber."

Zunächst scheint es nicht schwer zu sein, solche Poesie zu übersetzen; die Gefühle bekommen auch in einer anderen Sprache plastische Gestalt. Es fehlt nur eine Eigenschaft, die eigentlich erst die inhaltsreichen Kompositionen dieses Lyrikers zur "poésie pure" werden läßt: der Klang. Aber nicht allein die Tatsache, daß romanische Sprachen vokalreicher sind als germanische, erschwert die Wiedergabe. Neruda hat ein besonderes Raffinement in die Musikalität seiner Gedichte gelegt, die unwiederholbar ist. Der Übersetzer Fritz Rudolf Fries hätte vielleicht Parallelismen wie das zweimalige "Quiero comer" in dem Gedicht "Tengo hambre de tu boca", das das letzte Quartett mit dem ersten Terzett verbindet, beibehalten können, wie aber hätte er die Assonanzen des Verses "buscándote, buscando tu corazón caliente" dem Konsonantenreichtum des Deutschen anverwandeln können?

So kommt, wie es immer bei Übersetzungen ist, am Ende doch ein anderer Dichter in der anderen Sprache an: der Chilene Neruda ist ein Musiker, sein Gedicht erklingt, der verdeutschte Neruda ist ein Maler, sein Gefühl erscheint vor unserem inneren Auge. HANNELORE SCHLAFFER

Pablo Neruda: "Hungrig bin ich, will deinen Mund". Liebessonette. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Spanischen übertragen von Fritz Rudolf Fries. Luchterhand Literaturverlag, München 1997. 111 S., geb., 25,- DM.

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