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Neben Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und Hörspielen pflegte Siegfried Lenz immer die essayistische Form. Die in diesem Band gesammelten Arbeiten umkreisen die Frage nach der Wirkungsmöglichkeit von Literatur und Kunst heute.

Produktbeschreibung
Neben Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und Hörspielen pflegte Siegfried Lenz immer die essayistische Form. Die in diesem Band gesammelten Arbeiten umkreisen die Frage nach der Wirkungsmöglichkeit von Literatur und Kunst heute.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • Seitenzahl: 78
  • Erscheinungstermin: Februar 2001
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 126mm x 12mm
  • Gewicht: 160g
  • ISBN-13: 9783455042832
  • ISBN-10: 345504283X
  • Artikelnr.: 09405396
Autorenporträt
Siegfried Lenz, der am 17. März 1926 in Lyck, einer kleinen Stadt im masurischen Ostpreußen geboren wurde, zählt seit langem zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.Nachdem Lenz aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, ging er nach Hamburg und studierte Philosophie, Anglistik und deutsche Literaturgeschichte, ehe er 1950/51 als Redakteur für die "Welt" arbeitete. Seit 1951 lebt er als freier Schriftsteller in Hamburg. Bereits mit seinem ersten Roman gelang es ihm, die Kritik und die Leser für sich einzunehmen, und bis heute zeichnet sich Lenz' Werk dadurch aus, daß es menschliche Schicksale und aktuelle gesellschaftliche Fragen auf eine Weise verknüpft, die literarisch ambitioniert die Bedürfnisse breiter Leserschichten nicht vernachlässigt.Weite Teile des Lenzschen Werkes sind geprägt durch die Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (etwa die Romane "Der Mann im Strom", 1957, oder "Brot und Spiele", 1959, einer der wenigen geglückten Sportromane der deutschen Literatur) und mit dem Dritten Reich bzw. seiner Verarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde dabei der 1968 erschienene Roman "Deutschstunde", der auch internationalen bahnbrechend wurde. Wie der junge Siggi Jepsen darin die Geschichte seines Vaters, eines norddeutschen Polizisten, der es im Nationalsozialismus für seine Pflicht hält, das Malverbot seines Freundes Nansen zu überwachen, erzählt, ist eine bis heute bestechende Demaskierung eines pervertierten Pflichtbegriffs und wurde von vielen als befreiende künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema verstanden.Der "Deutschstunde" folgten viele große Romane ("Heimatmuseum", 1978, "Der Verlust", 1981, "Exerzierplatz", 1985 oder "Die Auflehnung", 1994), die Lenz unverrückbar an die Seite der 'großen' deutschen Gegenwartsautoren wie Heinrich Böll, Günter Graß oder Martin Walser stellten. Sein Werk umfaßt alle literarische Gattungen: Lenz arbeitete für das Theater ("Zeit der Schuldlosen", 1961), schrieb Hörspiele ("Haußuchung", 1967) und Essays ("Über den Schmerz", 1997), und für viele Leser ist er nicht zuletzt ein Meister der "kleinen Form". Seine oft humoristisch grundierten Erzählbände wie "So zärtlich war Suleyken" (1955), "Lehmanns Erzählungen" (1964) und "Der Geist der Mirabelle" (1975) belegen dies trefflich.Siegfried Lenz wurde für sein 'uvre mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Gerhart-Hauptmann-Preis, der Bayerische Staatspreis für Literatur, der Thomas-Mann-Preis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und zuletzt, 1999, der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Seine Auszeichnungen galten dem literarisch unvergleichlichen Werk, und sie rühmten immer auch das unerschrockene Engagement des Autors.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 17.03.2001

Dreigestirn über der Elbe
Blick zurück nach vorn: Essays von Siegfried Lenz zur Literatur

Immer wieder hat Siegfried Lenz seine schriftstellerische, vor allem erzählerische Arbeit mit kritischer Reflexion begleitet; Essaybände sind in seinem Werk keine Ausnahme. Erinnert sei nur an Aufsätze und Bücher wie "Elfenbeinturm und Barrikade. Schriftsteller zwischen Literatur und Politik", an die Gespräche "Über Phantasie" mit Heinrich Böll, Günter Grass, Walter Kempowski und Pavel Kohut, an die Überlegungen zur Darstellung des Alters in der Literatur oder an den - erstmals in dieser Zeitung gedruckten - Essay "Geschichte erzählen", der dem Roman die Fähigkeit zu "imaginärer Geschichtsschreibung" zuspricht.

Nun ist ein neuer, kleiner Essayband unter dem Titel "Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur" erschienen. So zeitlos die Frage nach dem Verhältnis von "Macht und Phantasie" auch sein mag, so zeitbedingt war doch die ständige Erörterung dieses Themas unter dem Thema "Revolution". Lenz bringt in seinem Essay aus den siebziger Jahren den Ruf "Die Phantasie an die Macht!" in die Nähe zu Platons Gedanken vom Philosophen auf dem Thron und plädiert für Realismus: Regierungsmacht kann auf Herrschaftstechniken nicht verzichten, aber immer im Bewußtsein behalten müssen wir, daß Macht auch "bedingungslos verdirbt". Mit solcher Mahnung hat der Essay nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Bei den beiden neueren Essays überwiegt beim einen die Zukunfts-, beim anderen die Vergangenheitsperspektive. Der Essay, der dem Gesamtband den Titel gab, nimmt die vielerörterte Frage auf, ob mit den Hör-Bibliotheken, der CD-ROM und der Bildschirmliteratur das Gutenberg-Zeitalter zu Ende gehe. Die Medientheoretiker werden vieles genauer wissen, Lenz aber spricht aus der unmittelbaren Erfahrung des Schriftstellers. Ihm ist um die Zukunft des literarischen Buches nicht bange - ohnehin habe immer nur eine Minorität die Literatur gebraucht. Sein Kassandraruf zielt vielmehr auf die "Majorität": Das "wohlfeile Konsumentenglück" am Bildschirm vermindert die allgemeine Sprech- und Lesefähigkeit; immer weniger Lehrstellenbewerber verfügen über ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse. Hier droht in der Tat die Rückkehr in den Analphabetismus.

Für den Leser Lenzscher Romane am ergiebigsten ist der Essay "Aus der Nähe. Über nordamerikanische Literatur". Die Revue amerikanischer Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts wird zu einer kleinen Bildungsgeschichte des Autors selbst. Für den orientierungslos aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrten jungen Lenz setzten neben anderen Autoren vor allem drei Erzähler wichtige Wegmarken: Ernest Hemingway, William Faulkner und John Dos Passos.

Hemingway war bekanntlich für viele junge Nachkriegsautoren der Prophet eines Kults lapidarer sprachlich-erzählerischer Trockenheit; bei Lenz endete die Faszination dort, wo sich seine Wirklichkeitserfahrung von den Obsessionen Hemingways, vom Ritus des Kampfes und des Scheiterns, unterschied. Faulkners "epische Topographie" des amerikanischen Südens zeigte ihm, wie Zustandsbeschreibung zugleich Schöpfungsgeschichte werden kann. Und Dos Passos' Darstellung New Yorks als eines neuen Babylons, als Stätte der täglichen Jagd und des Deliriums lehrte ihn, wieviel für die Versinnlichung des Lebenstempos eine literarische Methode leisten kann, die der Technik des Films entlehnt ist. Dieser Essay blendet in die Lehrjahre eines erfolgreichen Erzählers zurück, der mittlerweile ins vorgerückte Alter gekommen ist. Heute, am 17. März, feiert er seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag.

WALTER HINCK

Siegfried Lenz: "Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur". Drei Essays. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2001. 80 S., geb., 20,- DM.

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Beatrix Langner findet die Zusammenstellung dieser Essays von Siegfried Lenz ziemlich misslungen, obwohl der Verleger es mit seiner Ausgabe zum 75. Geburtstag des Schriftsteller und Essayisten ihrer Einschätzung nach definitiv gut gemeint hat. Doch sie findet, dass die ausgewählten Essays nicht zusammenpassen und zudem Lenz nicht gerecht werden, weil sie den "unaufgeregten, feinfühligen Erzähler" als "kulturpessimistischen Moralprediger" und "Verteidiger einer spirituellen Macht der Literatur" darstellten. So stünden sie in krassem Widerspruch zu seinen letzten Veröffentlichungen, z.B. dem Essayband "Über den Schmerz". Wirklich neue Einsichten - wie der Titel verspricht - über die Zukunft der Literatur sind dem nicht gerade leicht zu lesenden Band zudem auch nicht zu entnehmen, bedauert Langner.

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