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Ausgezeichnet mit dem Prose Award 2019 für das beste geisteswissenschaftliche Buch
Was genau ist Misogynie? Worin besteht der Unterschied zum Sexismus? Und wieso bleibt Misogynie bestehen oder verstärkt sich sogar, wenn sexistische Geschlechterrollen im Schwinden begriffen sind? Die Philosophin Kate Manne zeigt in ihrem international viel diskutierten Buch, wie Misogynie in der Politik und im öffentlichen Leben verankert ist. Sie entwickelt ein Verständnis, das nicht vom Hass einzelner Männer auf Frauen ausgeht, sondern Misogynie als den Versuch versteht, eine Unterscheidung zu treffen…mehr

Produktbeschreibung
Ausgezeichnet mit dem Prose Award 2019 für das beste geisteswissenschaftliche Buch

Was genau ist Misogynie? Worin besteht der Unterschied zum Sexismus? Und wieso bleibt Misogynie bestehen oder verstärkt sich sogar, wenn sexistische Geschlechterrollen im Schwinden begriffen sind? Die Philosophin Kate Manne zeigt in ihrem international viel diskutierten Buch, wie Misogynie in der Politik und im öffentlichen Leben verankert ist. Sie entwickelt ein Verständnis, das nicht vom Hass einzelner Männer auf Frauen ausgeht, sondern Misogynie als den Versuch versteht, eine Unterscheidung zu treffen zwischen den "schlechten" Frauen, die die männliche Vorherrschaft angreifen, und den "guten", die den Männern die aus ihrer Sicht natürlich zustehende Anerkennung und Fürsorge zukommen lassen.

Manne veranschaulicht dies etwa an Elliot Rodgers Amoklauf von Isla Vista, der Wutrede des amerikanischen Radiomoderators Rush Limbaugh gegen die Frauenrechtlerin Sandra Fluke oder am Verlauf des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs. Die "guten" Frauen werden geduldet, wohingegen die "schlechten" kontrolliert, unterworfen und zum Schweigen gebracht werden müssen. Das ist die Struktur der Misogynie. Ein höchst aktuelles und bestechend klar analysierendes Buch.
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 499
  • Erscheinungstermin: 11. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 131mm x 35mm
  • Gewicht: 554g
  • ISBN-13: 9783518587324
  • ISBN-10: 3518587323
  • Artikelnr.: 54340990
Autorenporträt
Manne, Kate
Kate Manne ist Assistant Professor of Philosophy an der Cornell University, außerdem schreibt sie für die New York Times, Times Literary Supplement, Newsweek und The Huffington Post. Für ihre Forschung wurde sie u.a. mit dem General Sir John Monash Award ausgezeichnet, der herausragende australische Wissenschaftler innen fördert. Ihr Buch Down Girl wurde von Times Higher Education und der Washington Post zu einem der besten Bücher des Jahres 2017 gekürt.
Rezensionen
"Mannes Buch ist eine kriminologische und geistreiche Analyse, die uns zeigt, wie die vielen Rädchen im Getriebe des Systems patriarchaler Kontrolle laufen - in unseren Gedanken wie auch in unserer Welt."
Times Literary Supplement
Besprechung von 28.05.2019
Das Patriarchat als Allerweltsformel

Kate Manne formuliert eine steile These zu tiefsitzender Misogynie. Und Donna Zuckerberg macht mit Milieus bekannt, die dafür sogar antike Klassiker in Stellung bringen.

Frauenfeindlichkeit im Internet stellt mittlerweile ein eigenes Forschungsfeld dar. Der an der amerikanischen Cornell-Universität lehrenden Philosophin Kate Manne zufolge ist das nur konsequent: Wie sie in ihrem Buch über "Die Logik der Misogynie" meint, sei Frauenhass ein weit verbreitetes Phänomen unserer Gegenwart. Und in der Tat treibt er im virtuellen Raum seltsame Blüten. Einer davon widmet sich Donna Zuckerberg, die Schwester der Facebook-Gründers: Antifeministische Bewegungen entdecken antike Autoren.

Kate Mannes Ziel ist dagegen allgemeiner und hochgesteckt. Sie strebt an, ein Modell zu entwickeln, anhand dessen Misogynie eindeutig zu erkennen sei. Eingelöst wird dieser Anspruch von ihr allerdings nicht. Zwar ist ihre Unterscheidung zwischen Sexismus als Ideologie und Misogynie als Werkzeug, das den Sexismus sicherstellen soll, ein interessanter Ansatz. Doch die Argumentation ist oberflächlich, die in teilweise schwerverständlichen Sätzen präsentierten Herleitungen sind ahistorisch und kontextlos. Als Analyse wird verbrämt, was allein Behauptung ist: Frauen würden zu fürsorglich "Gebenden" sozialisiert, Männer zu "Nehmenden", Misogynie bestrafe fordernde Frauen.

Als Beweisführung für solche Behauptungen dient eine lose, in ihrer monokausalen Einfachheit oft fahrlässig erstellte Indizienkette aus Zeitungsartikeln und Sekundärliteratur zu so unterschiedlichen Themen wie Amoklauf, hässliche Gewalt, Abtreibungsgegner, Säureangriffe auf Frauen in Bangladesch und Hillary Clinton. Eine Fußnote handelt nebenbei den Völkermord von Ruanda als Beispiel für entmenschlichende Propaganda ab. Es hakt grundlegend an der Methode: "Das bestätigt schon ein flüchtiger Blick auf die gesellschaftliche Welt um uns herum: Feindseligkeit gegen Frauen ist lediglich die Spitze eines großen, beunruhigenden Eisbergs." Plausibilität braucht mehr als flüchtige Blicke.

Nachteilig ist auch der in der Übersetzung erhaltene englische Duktus, wobei mäandernde Sätze in keiner Sprache überzeugen: "Nach meinem Verständnis gilt ein gesellschaftliches Milieu insofern als patriarchalisch, als darin bestimmte Arten von Institutionen und gesellschaftlichen Strukturen gedeihen und weithin Unterstützung genießen - zum Beispiel der Staat und allgemeinere kulturelle Quellen wie materielle Ressourcen, gemeinschaftliche Werte, kulturelle Erzählungen, Darstellungen in Medien und Kunst und so weiter." Viel weiter lässt sich Strukturelles nicht abstrahieren, und so bleibt das Patriarchat eine Allerweltsformel.

Methodisch entgegengesetzt zu Kate Mannes weitgespannten Bögen, untersucht die Altphilologin Donna Zuckerberg detailliert sektiererische Sondermilieus. In deren Misogynie erkennt auch sie den Willen zur Kontrolle. So kämpft die Red-Pill-Gemeinde - eine nach der die Wahrheit enthüllenden Tablette aus dem Film "Matrix" benannte Ansammlung von Online-Foren - gegen eine angebliche "frauenzentrierte" ("gynocentric") Welt. Als Lösung des vermeintlichen Problems wird dort eine Mischung aus politischer Ideologie und Ratschlägen zur Selbstoptimierung präsentiert, wozu die antike Philosophie Stichworte liefern darf: Wer etwa mit Mark Aurel aller Dinge Nichtigkeit erkenne, werde unabhängig vom Lauf der Dinge und beweise Überlegenheit. Die digitalen Stoizismus-Adepten wollen in Frauen und schwarzen Männern hohe Emotionalität und grundlose Wut erkennen. Das erlaubt ihnen, sie zu verkindlichen und ihre Unterdrückung zu legitimieren.

Kristallisationspunkt misogyner Tendenzen ist bei beiden Autorinnen Donald Trump, Inbegriff "gekränkter Anspruchshaltung". Aus dieser erwachse, dem in beiden Büchern zitierten Soziologen Michael Kimmel zufolge, der Frauenhass: Weiße Männer sähen sich um ihren Erstzugriff auf Frauen, Arbeit und politische Dominanz gebracht. Überschneidungen zwischen misogynen und rassistischen Gruppen seien die logische Folge, denn letztlich, schreibt Zuckerberg, diene Frauenfeindlichkeit dazu, die Sexualität weißer Frauen zu überwachen.

Die digitale "seduction community" entnimmt antiken Schriften daher vor allem den Rat, auf weibliche Zustimmung zur Erotik am besten zu verzichten. Ovids Gedicht von der Liebeskunst werde zum "Leitfaden zur Vergewaltigung". Damit ist man bei amerikanischen Campus-Kontroversen angelangt: Braucht vormodernes Schrifttum im Unterricht sogenannte Trigger-Warnungen? Schreiben Kanons nur Werke fest oder auch Autoreigenschaften wie weiß, männlich, heterosexuell? Dieses Unbehagen durchzieht Zuckerbergs Text: Die Bewahrung von Literatur bedeute auch ihre am Gegenwartsinteresse orientierte Erneuerung. Die fällt, das ist unbestritten, selektiv und oft dezidiert politisch aus.

Im Gegensatz zu Mannes Weitschweifigkeit bietet Zuckerbergs Buch bündige, informative, wenn auch keine tiefschürfende Lektüre. Die Autorin historisiert Misogynie und reflektiert die Popularität der Antike: "Im stoischen Denken ist, wie im heutigen Amerika, emotionale Kontrolle ein Zeichen moralischer Überlegenheit." Philosophie sei aber eben kein Instrument zur Effizienzsteigerung - ein auch im Silicon Valley oft anzutreffendes Missverständnis. Dennoch: Die Erkenntnis, dass Krudität nicht vor Klassikern haltmacht, dürfte nicht überraschen.

Lesern ohne Twitter-Konto sei bei Begriffen wie "Misogynoir", "Incels" und "doxxing" zu linguistischer Neugier geraten. Und apropos Sprache: Manne und Zuckerberg eint vor allem, dass sie großzügig darauf verzichten, über Genrekonventionen und Worte als Möglichkeit der Ersatzhandlung und Kompensation zu reflektieren. Manne versucht sich zudem in Begriffsprägung: Das unübersetzbare Wort "Himpathy" soll Mitleid für männliche Täter bezeichnen, dürfte sich aber zu manierierten Anglizismen wie "mansplaining" gesellen, die dem Feminismus oft nicht zu Unrecht den Ruf einbringen, zur Nabelschau anglophoner Mittelschichtsakademiker geraten zu sein.

Zwar verweisen beide Autorinnen auf die Grenzen des Terrains, dem ihre Aufmerksamkeit gilt, den amerikanisch-australischen Raum bei Manne und die Tech-Szene bei Zuckerberg. Dennoch ist fraglich, ob hier exemplarische Fälle eines systemischen Frauenhasses beschrieben werden oder ob die Autorinnen Online- mit Realpräsenz verwechseln und die oft extremen Beispiele vor allem zur eigenen politischen Positionierung gewählt sind. So schreibt Manne, die Wut der Trump-Anhänger entstehe aus deren "Sehnsucht, den beschämenden Blick der liberalen Eliten abzuwehren". Und erst dadurch sei die Elite verpflichtet, "eine Position moralischer Überlegenheit einzunehmen". Denn: "Unsere Handlungen sind politische Korrekturakte." Derart ungefilterte Selbstgerechtigkeit ist dann doch verblüffend. Der Wille zur Vorverurteilung setzt sich durch: "Ein weiterer Aspekt meiner Darstellung der Misogynie ist, dass sie gezielt Dispositionen oder Tendenzen aufzeigt. Daher muss ein gesellschaftliches Milieu negative Einstellungen oder Handlungen gegen irgendjemanden zum jeweiligen Zeitpunkt nicht aktiv manifestieren, um es als genuin misogyn einzustufen." Das ist die Herrschaft des Verdachts.

KERSTIN MARIA PAHL

Kate Manne:

"Down Girl". Die Logik

der Misogynie.

Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff. Suhrkamp Verlag, Berlin 2019. 500 S., geb., 32,- [Euro].

Donna Zuckerberg: "Not All Dead White Men". Classics and Misogyny in the Digital Age.

Harvard University Press, Cambridge, London 2018. 288 S., geb., 25,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Dlf Kultur-Rezension

Kate Mannes Stil nennt Jens Balzer "phallisch", also unbeirrt akademisch faselnd. Das passt nicht gut zu einem Buch, dass die fortdauernde, scheinbar sogar wiedererstarkende Diskriminierung der Frau beklagt. Leider gelangt die Autorin über eine reichlich unsystematisch zwischen Quellentexten und Zeiten springende, nicht sehr originelle Erläuterung der Logik der Misogynie kaum hinaus, findet Balzer. Für eine Analyse der Gegenwart mangelt es dem Buch zudem an Stringenz, erklärt der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 19.03.2019
Wer Hassmails bekommt
Die amerikanische Philosophin Kate Manne beschreibt Misogynie als Problem, das sich kaschiert
Die Logik des Journalismus verlangt eigentlich, dass ein Artikel über ein Buch, das von Frauenverachtung handelt, mit einem krassen Beispiel beginnt. Damit gleich klar ist, wie schlimm die Sache ist, um die es geht. Frühere verdienstvolle Bücher zum Thema wie etwa „Misogynie – Die Geschichte des Frauenhasses“ des britischen Journalisten Jack Holland sind voll davon und so notwendige wie erschütternde Dokumente nicht selten tödlicher Misogynie. Es muss dem Reflex jetzt aber unbedingt widerstanden werden.
Mit einem krassen Beispiel für Misogynie zu beginnen, hieße die Besonderheit des neuen Buchs „Down Girl“ der in den USA lehrenden australischen Philosophin, Computerwissenschaftlerin und New-York-Times-Kolumnistin Kate Manne fatal zu verkennen. „Down Girl“ ist ein Buch, in dem es um mehr geht, viel mehr, was es eben nicht bloß zu einer weiteren erschütternden Fallbeispielsammlung macht, sondern zu einer der seltenen, wirklich bedeutenden kritischen Gesellschaftsanalysen der jüngeren Vergangenheit. Zu einem echten intellektuellen Ereignis.
Debatten über soziale Missstände wie Rassismus oder Antisemitismus in – ihrem Selbstbild nach – durch und durch aufgeklärten Gesellschaften des Westens werden leidenschaftlich und engagiert geführt, und haben schließlich meist einen riesigen blinden Fleck: Am Ende werden sie immer von der Plakativität einzelner Beispiele und der damit verbundenen Greifbarkeit einzelner Täter dominiert. Für die Etablierung eines Gesprächs ist dies unter der Bedingung des herrschenden liberal-demokratischen Individualismus nicht nur logisch, sondern ohne Zweifel auch sehr nützlich. Menschen interessieren sich nun einmal vor allem für andere Menschen.
Für die politisch-gesellschaftliche Nachhaltigkeit einer Diskussion und die wirklich präzise Analyse eines Problems ist diese Üblichkeit allerdings eine Katastrophe. Denn die Individualisierung und damit Psychologisierung von Problemen bedeutet im Umkehrschluss eben auch, dass ein Problem vom Hof ist, wenn man einen Täter und seine individuellen Motive identifiziert und ihn – juristisch oder moralisch – bestraft hat.
Sozialphilosophie nach dem Prinzip Verbrechensbekämpfung. Gehört man selbst nicht zu den verhafteten Tätern, ist man fein raus, kann sich zurücklehnen und bequem überzeugt sein, dass man mit dem Problem ja doch nichts zu tun hat. Man sehe sich mit dieser Brille nur einmal jüngste Diskussionen zum deutschen Antisemitismus oder die „Me Too“-Debatte an.
So einfach macht es Kate Manne ihren Lesern nicht. „Down Girl“ ist ein Buch über die „Logik der Misogynie“, über die frauenverachtende Struktur und Mentalität der westlichen Gesellschaft, die den scheinbar unzerstörbaren konkreten Frauenhass im Einzelfall erst ermöglichen, und die nicht nur ein Täter, sondern eine ganze Gesellschaft gemeinsam hervorbringt und ununterbrochen stabilisiert. Und es ist damit zugleich ein Buch darüber, wie irreführend die herrschenden Problemlösungsstrategien sind.
Mannes Ausgangsimpuls war dabei allerdings denkbar unkompliziert: Es war die traurige Tatsache, dass knapp die Hälfte der weißen Frauen, die zur Wahl gegangen waren, nicht für Hillary Clinton, sondern für den seit Jahrzehnten unverhohlen misogynen Donald Trump gestimmt hatten: „Was ging in unseren Köpfen vor? Warum waren so viele von uns bereit, die Misogynie eines Mannes wie Trump zu vergeben und zu vergessen?“
Ihre Antwort lautet: Weil die Misogynie eine „Eigenschaft gesellschaftlicher Verhältnisse“ ist, „in denen Frauen aufgrund der Durchsetzung und Überwachung patriarchalischer Normen und Erwartungen auf Feindseligkeit stoßen“. Letztlich diene sie noch immer zu nichts weniger als dazu, die Unterwerfung der Frauen durchzusetzen und zu überwachen und die männliche Herrschaft aufrechtzuerhalten.
Misogynie ist für Manne ein einengendes, „feindseliges Kraftfeld, das den Hintergrund des Handelns von Frauen bildet“. Von einem eher marginalisierten psychologischen Phänomen wird Frauenhass als strukturelles Prinzip des Machterhalts so zu einem zentralen politischen.
Nicht nur für unverbesserliche Maskulinisten ist das harter, unangenehm unversöhnlicher Stoff. Ob man damit klarkommt, hängt davon ab, wie sehr man sich selbst trotz aller Fortschrittlichkeit, die man erreicht zu haben glaubt, ebenso noch als Teil des Problems begreifen kann und nicht nur als Teil der Lösung.
Bei der Orientierung könnte die Lektüre der Kapitel des Buches helfen, die nüchtern und anschaulich von der „Himpathy“ handeln, der allzu selbstverständlichen Sympathie für den gekränkten Mann, oder davon, wie Frauen – meist mit den besten Absichten, aber auch das ist Teil des Problems – als moralisch Gebende imaginiert werden: als Sachverständige für Zuwendung, Fürsorge, Mitgefühl, Respekt, Hege und Pflege. Etwa wenn Ökonomen erklären, warum es sinnvoll ist, Frauen auf Führungspositionen zu berufen.
Ein eindrucksvoller Beleg der unmittelbaren Wirkung dieses, angesichts seiner Komplexität, erstaunlich leichtfüßig geschriebenen und nur gelegentlich etwas zu redundanten Buches ist im Übrigen auch der Beginn des großen Essays zum Buch in der aktuellen Ausgabe der London Review of Books. Der Autor Adam Philipps reflektiert darin zunächst ausführlich und selbstkritisch über seine Ausbildung als Psychotherapeut für Kinder in den späten Siebzigern und die damalige – nun eindeutig als strukturell misogyn erkennbare – selbstverständliche therapeutische Grundannahme, alle Probleme eines Menschen auf seine Mutter zurückzuführen: „Wie einer meiner Lehrer sagte: ,Niemand kann jemals seiner Mutter vergeben.‘“
Ob man der heftigen Kritik an Kate Mannes „Down Girl“, die hier und da formuliert worden ist, folgen kann, hängt davon ab, ob man bereit ist, die subtile Macht solcher Erfahrungen, die auch noch in eigentlich positiven Zusammenhängen wirkt, einzuräumen. Oder ob man das Ergebnis der Studie, die ermittelte, dass acht von zehn Autoren der Londoner Tageszeitung The Guardian, die die meisten Hassmails erhielten, Frauen sind, nicht für einen Zufall halten will (die beiden anderen sind nicht-weiße Männer).
Tut man all dies nicht, wird man Kate Manne Ungenauigkeit in der Beschreibung der Gegenwart vorwerfen und – wie etwa Svenja Flaßpöhler in der Zeit – behaupten, dass doch das Patriarchat rechtlich längst vorbei sei, die Geschlechter vor dem Gesetz gleich seien und viele Unternehmen die „Vorteile weiblicher Führungskräfte“ längst erkannt hätten.
Anders gesagt: Der systemische Frauenhass – „als Problem, das sich kaschiert“ – wird erst dann überwunden werden können, wenn ein feiner – und im ersten Moment kontraintuitiv erscheinender – Unterschied endlich zum Allgemeinwissen gehört: dass Misogynie nicht vor allem etwas ist, das wir sind, sondern etwas, das wir tun, indem wir Strukturen, unter denen wir leben, nicht hinterfragen.
JENS-CHRISTIAN RABE
Kate Manne: Down Girl – Die Logik der Misogynie. Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff. Suhrkamp Verlag, Berlin 2019. 500 Seiten, 32 Euro.
All das dient der Unterwerfung
der Frauen, der Stabilisierung
männlicher Herrschaft
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»Die Philosophin Kate Manne erklärt den Unterschied zwischen Sexismus und Misogynie – und warum das Hauptproblem der Frauen nicht der Sexismus ist, sondern die Liebe der Männer zueinander.«
Meredith Haaf, Süddeutsche Zeitung 08.03.2019