11,00
versandkostenfrei*

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

1 Kundenbewertung

Rainer Maria Rilke feierte die Liebe, verschrieb sich ihr mit ganzer Seele. Die Frauen standen für ihn im Mittelpunkt. Angefangen bei seiner innig geliebten Mutter Sophia und der gestrengen "Übermutter" Lou Andreas-Salomé über die Bildhauerin Clara Westhoff bis zu der großzügigen Mäzenin Fürstin von Thurn und Taxis. In seiner neuen, meisterlich geschriebenen Biografie erzählt Heimo Schwilk von diesen Frauen und ihren Schicksalen. Ein Buch über die Liebe - und wie sie sich in großer Dichtung vollendet.…mehr

Produktbeschreibung
Rainer Maria Rilke feierte die Liebe, verschrieb sich ihr mit ganzer Seele. Die Frauen standen für ihn im Mittelpunkt. Angefangen bei seiner innig geliebten Mutter Sophia und der gestrengen "Übermutter" Lou Andreas-Salomé über die Bildhauerin Clara Westhoff bis zu der großzügigen Mäzenin Fürstin von Thurn und Taxis. In seiner neuen, meisterlich geschriebenen Biografie erzählt Heimo Schwilk von diesen Frauen und ihren Schicksalen. Ein Buch über die Liebe - und wie sie sich in großer Dichtung vollendet.
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch Bd.30887
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 336
  • Erscheinungstermin: 1. Juni 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 121mm x 27mm
  • Gewicht: 260g
  • ISBN-13: 9783492308878
  • ISBN-10: 3492308872
  • Artikelnr.: 44096373
Autorenporträt
Schwilk, Heimo
Heimo Schwilk, geboren 1952 in Stuttgart, Dr. phil., ist Autor zahlreicher Bücher über Politik und Literatur. Seine großen Biografien über Ernst Jünger und Hermann Hesse wurden im In- und Ausland hoch gelobt. Er war lange Jahre Leitender Redakteur der Welt am Sonntag und lebt in Berlin. 1991 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis für herausragenden Journalismus ausgezeichnet.
Inhaltsangabe
Vorwort Sophia Rilke - Mutter des Erwählten Eine leidenschaftliche Frau: "Der Wert eines Kusses liegt allein in seiner Glut." Lieber wäre er ein Mädchen gewesen: "Wo ein Puppenkleid . . . Glück mir war." Die Schulzeit: "Gemütsbeschaffenheit: still, zaghaft, gutmütig" Valerie von David-Rhonfeld: "Dein Dich unendlich liebender Kater René" Annäherung an die Mutter: "Ich bin völlig einsam, nicht anders als Du . . ." Welt der Sanatorien: ". . . bei vollkommen gesunden Organen doch stark geschwächt" Seelsorge an der Mutter: "Gott kommt zu seiner Zeit." Lou Andreas-Salomé - Geliebte, Lehrerin, Übermutter Füreinander bestimmt: ". . . daß Du aus Einsamkeiten dem großen Glück entgegenschreiten und meine Hände finden wirst." Mit Jelena Woronina am Meer: "Sie Undankbare, das ist das Leben!" Mit Lou nach Russland: "Mir war ein einziges Mal Ostern . . ." Die zweite russische Reise: "Splitter im Fingernagel und in den Nerven" Lou verstößt Rainer: "Damit R. fortginge, ganz fort, wär ich einer Brutalität fähig." Der Körper siegt über den Geist: "Aus der Ferne des Geschlechts kommen alte Forderungen . . ." Clara Westhoff - Ehefrau, Schülerin, Vertraute Zwischen Clara Westhoff und Paula Becker: ". . . die ihr wie Schwestern meiner Seele seid." Werbung um Clara Westhoff: "Lassen Sie die Ferne nicht mächtig werden über uns." Allein zu zweit: ". . . vielmehr ist die gute Ehe die, in welcher jeder den anderen zum Wächter seiner Einsamkeit bestellt." Neuanfang in Paris: ". . . alles, alles an die Kunst zu geben, nicht an das Leben, das uns immer traurig und trübe macht." Requiem auf Paula: "Ich möchte meine Stimme wie ein Tuch hinwerfen über deines Todes Scherben . . ." Flucht vor der Verantwortung: ". . . daß ich oft fast feindselig bin gegen die Nahen, die mich stören und ein Recht haben auf mich." Wahl-Mutter und Gönnerin: Ellen Key: "In Dankbarkeit Ihr Sohn Rainer Maria" Im Schatten des Weltberühmten: ". . . sie ist nicht mit mir und kommt doch über mir zu nichts anderem . . ." Marie von Thurn und Taxis - Bewunderin, Gönnerin, Mahnerin Dottor Serafico: "Sie sind verliebt und immer verliebt . . ." Anna Comtesse Mathieu de Noailles: "Es gibt keine Zeit außer der Zeit der Liebe." Das Schloss über dem Meer: "unendliches Wohlwollen eines großen alten Hundes" Die ersten "Duineser Elegien": "Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang . . ." Marthe Hennebert und Eleonora Duse: "Sie wollen helfen - aber ist da überhaupt zu helfen?" Zu stark, zu selbstständig, zu eigenwillig: Sidonie Nádherny von Borutin Die Geister empfehlen eine Spanienreise: "Spricht Raymondine?" Wiederbegegnung mit Marthe: "Ich bin gar kein Liebender . . ." Magda von Hattingberg: "Musik, Musik: das wär es gewesen." Loulou Albert-Lasard, Regina Ullmann, Elya Maria Nevar - Abenteuer der Seele Loulou Albert-Lasard: "Dass du endlich gekommen bist!" Regina Ullmann: "Wollen wir nicht einiges miteinander lesen?" Hertha Koenig: "Wächter am Picasso" Unter dem Schutz der Fürstin: "Was, Maria hoaßen's? I hoaß doch aa net Mizzi!" Elya Maria Nevar: "Es scheint mir voller Fügung, daß ich den Weg gefunden habe . . ." Nanny Wunderly-Volkart - die große Mutter Nike vom Zürchersee: "Schützen Sie mich." Angela Guttmann: "eine Mignon der russischen Ebene" Mouky entdeckt ein Schloss für Rilke: "Muzot oder Nicht-Muzot" Frieda Baumgartner: "Feierte für sich -, ich legte ihr ein nett gemachtes Bücherpaket hin . . ." Die Vollendung der Elegien: "Genau das, mein unerbittlicher Gott, verlangtest Du von mir . . ." Tod und Auferstehung eines Dichters - "Vereinigung der Mutter mit dem großen mütter
Rezensionen
»Heimo Schwilk zeichnet ein irritierendes Psychogramm des Dichters – und er beschreibt die Frauen, die ihn geliebt, gefördert und inspiriert haben. Eine Seelen-Biografie und ein Stück Zeitgeschichte – glänzend geschrieben und wunderbar zu lesen.«, Bayern 2, 01.12.2015
Besprechung von 27.03.2015
Kalkül und Gefühl
Heimo Schwilks Buch über Rilke und die Frauen

Lou Andreas-Salomé, Clara Westhoff, Marie von Thurn und Taxis - an prominenten Frauen in Rilkes Biographie herrscht kein Mangel. Und sein Bedarf an Frauen war groß: Wunsch- und Ersatzmütter, Mäzeninnen und Zuhörerinnen, Musen und Geliebte reihen sich aneinander, um seinem Leben die Grundlage zu geben, die er für sein Werk glaubte nötig zu haben. Bei aller scheinbaren Weichheit und Nachgiebigkeit Rilkes: Die Regeln der Beziehung bestimmte meistens er und ordnete sie, ganz egomaner Künstler, rigoros seinen Zwecken unter.

Heimo Schwilk lässt in seiner "Biografie eines Liebenden" wenig Platz für Sentimentalitäten. Rilke war in der Realität weder ein großer Liebender und schon gar nicht ein guter Liebhaber, sondern ein "Sänger der Liebe" - als solcher aber von umwerfender Wirkung. Wer von den Gedichten oder den Briefen auf den Menschen zurückschloss, wurde oft bitter enttäuscht. Trotzdem überbetont Schwilk insgesamt nicht das Bild der Frauen als Opfer, denn die meisten wussten, auf was oder wen sie sich einließen. Nur im Falle des verstörend lieblosen Umgangs Rilkes mit seiner Tochter Ruth findet er deutlichere Worte.

Sein Versuch, einen thematischen Zugriff - "Rilke und die Frauen" - mit einem biographischen zu verbinden, ist nicht unproblematisch. Die grobe Abfolge leuchtet natürlich ein: Die Kindheit und Jugendzeit ist der Mutter vorbehalten, die künstlerische Erweckung und Prägung erfolgt durch Lou Andreas-Salomé, Clara Westhoff steht für den gescheiterten Versuch, Künstlertum und bürgerliche Ehe zu verbinden, Marie von Thurn und Taxis ist mit dem Beginn der Duineser Elegien verknüpft, und Nanny Wunderly-Volkart ist die wichtigste Gönnerin der letzten Jahre. Kürzere Beziehungen, wie die zu der schwedischen Reformpädagogin Ellen Key oder der Pianistin Magda von Hattingberg, reihen sich dazwischen ein.

Der so suggerierte Eindruck eines Nacheinanders und einer Abfolge von Beziehungen trifft freilich nur auf die, in welcher Form auch immer, erotisch konnotierten zu. Der Kontakt zu den, zumindest finanziell, noch wichtigeren "mütterlichen" Frauen hielt hingegen oft ein Leben lang, so dass man eher von einem Nebeneinander oder einem Netz an Beziehungen sprechen müsste, was ein chronologischer Zugriff nur schlecht abbilden kann. Immer wieder muss Schwilk deshalb vor- und zurückgreifen und kommt in Lebensabschnitten, die nicht unter dem Signum einer dominanten Frauenfigur stehen, an den Rand seines Konzepts. Die wichtige Beziehung zur Verlegerin Katharina Kippenberg wird bezeichnenderweise in den Epilog ausgelagert. Vielleicht wäre ein essayistischer Zugriff mit der Abgrenzung nach verschiedenen Typen, wie sie Schwilk en passant vorführt, der geschicktere Weg gewesen statt der Durchgang durch Rilkes Biographie. Auch in der Thesenbildung vermisst man manchmal die letzte Konsequenz. Im Kapitel zu Rilkes Mutter etwa gibt es die Tendenz einer gewissen Ehrenrettung und Verteidigung ihres Verhaltens, an anderer Stelle aber werden dann doch die sattsam bekannten Vorwürfe wiederholt, wird die frühe Trennung von der Mutter als einschneidende traumatische Erfahrung Rilkes bestätigt. Wie viel Verstellung und Einbildung stecken hinter der Hypochondrie und den Klagen Rilkes, wie viel Kalkül hinter seinen in jeder Hinsicht oft maßlosen Briefen, wie viel Berechnung hinter Liebesschwüren und Treueversprechen? Heimo Schwilk erlaubt sich nur kleine Spitzen und sarkastische Kommentare, lässt ansonsten aber das reichhaltige, oft skurrile und bizarre Material für sich sprechen.

Richtig ärgerlich ist dies im Falle der Duineser Elegien, deren umraunte Entstehung in einem präsentischen, distanzlosen Stil wiedergegeben wird: "Um Rilke herum breitet sich die große Stille aus, doch in ihm herrscht ein Stimmengewirr, das ihn nicht zur Arbeit finden lässt." Doch wenig später spricht es "in ihm", und er "empfängt" Verse. Wer wörtlicher Inspiration und Hagiographie eher skeptisch gegenübersteht, weiß jetzt wieder, warum er mit gewissen Werken Rilkes und der Rilkeliteratur so seine Probleme hat. Zu Rilkes Dichtungen findet sich in Schwilks Darstellung ansonsten wenig Erhellendes, im Zentrum steht fast ausschließlich seine Biographie. Würde Rilkes Lebensmodell heute noch funktionieren? Betuchte Gönnerinnen, die ihm jeden Wunsch von den Lippen ablesen, junge Künstlerinnen, die ihn anhimmeln, düpierte Ehemänner, die noch großzügig die Unkosten tragen? Schwer vorstellbar, trotz der suggestiven Sprachkraft Rilkes. Sein Lebenskosmos ist wohl unweigerlich mit dem alten Europa untergegangen.

THOMAS MEISSNER

Heimo Schwilk: "Rilke und die Frauen". Biografie eines Liebenden.

Piper Verlag, München 2015. 336 S., geb., 22,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für Thomas Meissner festigt sich mit "Rilke und die Frauen" vor allem der Eindruck, dass zwischen dem Mensch und seinen Worten einiges an Differenz herrschte. Denn, so mache Schwilk deutlich, ein großer Liebhaber sei Rilke nicht gewesen, eher ein "Sänger der Liebe". Ansonsten hat Meissner wenig Positives zu berichten: in seinen Augen misslingt der Versuch, Rilkes Frauenbeziehungen stringent mit dessen Biografie zu verknüpfen, die diversen Ersatzmütter, Musen und Geliebten existierten in Wirklichkeit viel eher parallel als nacheinander. Meissner berichtet enttäuscht, dass es nicht unbedingt ein Vorteil sei, dass sich Schwilk mit Kommentaren und Einschätzungen zurückhalte, denn in der Thesenbildung fehle es dem Rezensenten so an eindeutigen Stellungnahmen.

© Perlentaucher Medien GmbH