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Sigrid Damms Recherche Christiane und Goethe ist die erste authentische Lebensgeschichte Christianes und ihrer Partnerschaft mit Goethe, die über achtundzwanzig Jahre währte - »spannend wie ein Roman und doch in allen Einzelheiten verbürgt« (Andreas Nentwich, Neue Zürcher Zeitung).

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Produktbeschreibung
Sigrid Damms Recherche Christiane und Goethe ist die erste authentische Lebensgeschichte Christianes und ihrer Partnerschaft mit Goethe, die über achtundzwanzig Jahre währte - »spannend wie ein Roman und doch in allen Einzelheiten verbürgt« (Andreas Nentwich, Neue Zürcher Zeitung).

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  • Produktdetails
  • Verlag: Insel Verlag GmbH
  • Seitenzahl: 531
  • Erscheinungstermin: 09.05.2015
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783458740247
  • Artikelnr.: 42645759
Autorenporträt
Sigrid Damm, in Gotha/Thüringen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Mecklenburg. Die Autorin ist Mitglied des P.E.N. und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur. Sie erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Feuchtwanger-, den Mörike- und den Fontane-Preis.

Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.06.2015

NEUE TASCHENBÜCHER
Muse und
Spielverderberin
Eine Charlotte von Stein war sie nicht, die Vulpius. Aber warum musste man sie so hochnäsig abkanzeln, wie dies die Weimarer Gesellschaft mit geradezu sadistischer Verleumdungslust tat? Der vornehmste Titel – und die offizielle Bezeichnung bei Hofe – für die langjährige Geliebte und spätere Ehefrau des Dichters lautete: „die von Goethische Haushälterin“. Mag sein, dass dies in der Sache trifft, aber man wollte damit wohl auch zeigen, dass man sich um die exklusive Gesellschaft Goethes und die mit ihm verbundene exklusive arkadische Aura betrogen sah. Die Vulpius habe alles verdorben, meinte Herzog August. Für Goethe war sie aber mehr als nur Kammerzofe und Bettgenossin; der Schriftsteller hatte sehr wohl auch einen Sinn für das, was man gemeinhin Herzensbildung nennt. Ob man Christiane Vulpius auch als Dichtermuse sehen muss, wie dies Sigrid Damm nahelegt, mag man nach der Lektüre dieser umfänglichen Darstellung zumindest bedenkenswert finden. Die Qualität dieses Buches liegt gleichwohl in der Zurückhaltung der Autorin, die lieber Originalquellen sprechen lässt, als sich selber mit überzogenen Thesen zu profilieren.  HELMUT MAURÓ
    
  
      
Sigrid Damm: Christiane und Goethe. Eine Recherche. Insel Verlag, Berlin 2015. 531 Seiten, 12 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Die Qualität des Buches liegt gleichwohl in der der Zurückhaltung der Autorin, die lieber Originalquellen sprechen lässt, als sich selber mit überzogenen Thesen zu profilieren."
Helmut Mauró, Süddeutsche Zeitung 10.06.2015

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.11.1998

Eine von uns
Sigrid Damm rettet Goethes Christiane · Von Hermann Kurzke

"Insofern gleicht mein Buch einem Puzzle, in dem ein Drittel der Steine bereits verloren ist", erklärt die Autorin in einer Nachbemerkung. Ein Drittel? Neun Zehntel! Obgleich Sigrid Damm auch die entlegensten archivalischen Winkel ausgeleuchtet hat, bleibt das Innerste dieser Leidenschaft unzugänglich, und das mit Grund. Christiane Vulpius war Leben, nicht Literatur. Die Liebe zu ihr war nicht zur Verwertung bestimmt. Goethe hat aus ihr keinen Roman gemacht wie aus der Beziehung zu Charlotte Kestner, keine Gedichte wie aus der zu Friederike Brion oder zu Marianne von Willemer und keine Entsagungstheorie wie aus der zu Ulrike von Levetzow. Sie wurde nicht ausgespäht. Sie kommt in seinem Werk nicht vor, an der Oberfläche jedenfalls nicht. Den Briefwechsel aus immerhin fast achtundzwanzigjähriger Zusammengehörigkeit haben die beiden zum allergrößten Teil vernichtet oder von vornherein nicht aufgehoben. Da war etwas, was die Nachwelt nichts anging.

Im autobiographischen Werk wird sie verschwiegen. Überhaupt hat Goethe nichts Substantielles über sie hinterlassen. Daß diese Diskretion nicht notwendig Geringschätzung bedeutet, sondern eine besondere Qualität, eine Art Auszeichnung, einen Schutz ihrer Intimität und einen Freiraum, das kann man aus Sigrid Damms lebenskluger Schilderung herauslesen. Man könnte Christiane freilich auch, wie heute üblich, mit der Vorurteilsbrille auf der Nase, als Opfer des großen Mannes betrachten. Man näherte sich damit fatal der Optik jener adeligen Damen, die sie schon damals verachteten. Als rundes Nichts titulierte sie Charlotte von Schiller, als Goethes dummes häusliches Verhältnis Charlotte von Stein, als toll gewordene Blutwurst Bettina von Arnim. Ein schönes Stück Fleisch, gründlich ungebildet, wird später Thomas Mann zusammenfassen. Aber das greift alles zu kurz. Sie war viel mehr als Goethes Bettschatz und Haushälterin. Mit ihr zusammen stand er gegen ganz Weimar. Bei ihr erholte er sich von allen übrigen. Herzlich, fest und einfach war beider Liebe, nicht kapriziös und kompliziert. Vor aller Öffentlichkeit in wilder Ehe mit Goethe lebend, wurde Christiane lange Zeit von der sogenannten guten Gesellschaft geschnitten, aber sie wußte das als eine Art Freiheit zu nehmen. Jedenfalls bewegt sie sich ganz ungezwungen, beklagt sich nie, und auch, als sie nach achtzehnjähriger Beziehung endlich Frau Geheimrätin Christiane von Goethe geworden ist, macht sie von ihrer Standeserhöhung gesellschaftlich nur wenig Gebrauch.

Goethe heiratet sie im Oktober 1806, überstürzt und unfeierlich, fast noch im Pulverdampf, unmittelbar nach der Schlacht von Jena, die ihm die Abhängigkeit und Gefährdung seiner ganzen Existenz drastisch klargemacht hatte und ihn zu rechtlichen Absicherungen veranlaßte. Er war sich seiner Verpflichtung Christiane gegenüber völlig bewußt. Immer war er großzügig ihr gegenüber gewesen. Auch in der wilden Zeit hat er sich immer vor sie gestellt, sie und ihr gemeinsames uneheliches Kind August mit fester Hand beschützt und auch Christianes mittellosen Verwandten tatkräftig geholfen. Drei Jahre Verbannung aus dem Haus am Frauenplan ist sie ihm wert gewesen im Frühling ihrer Liebe.

Geheiratet wird erst im Herbst derselben. Die Innigkeit wird durch die Eheschließung nicht vertieft, im Gegenteil. Die rechtliche Gleichstellung bewirkt eine psychologische Entlastung. Vorher war Goethe Christianes einzige Bezugsperson, ohne ihn wäre sie ins Nichts gefallen. Nachher mußte er es der Welt nicht mehr täglich beweisen, daß er zu ihr stand. Es ist paradox: Als er sie heiratet, ist er eine Fessel los. Und er macht Gebrauch von seiner neuen Freiheit, verreist oft für Monate, verbringt ganze Sommer in Karlsbad. Christiane hat währenddessen dem großen Haus am Frauenplan vorzustehen, mit Gästen fast ständig, mit Zwangseinquartierungen während der Franzosenkriege, und hat diese Aufgaben souverän gemeistert. Das zärtliche Schlampampen mit Goethe war das eine, die Bewältigung eines enormen Alltags das andere.

Auch Goethe sehen wir hier von der Alltagsseite - einen Familienvater, gestreßt von tausend Anforderungen, genervt durch die vielen Leute im Haus, gehetzt von Hofpflichten, aufgerieben von Nichtigkeiten, ringend um ein Minimum an guter Zeit für seine Produktion. Nicht auf die schöpferischen Hochphasen richtet Sigrid Damm ihr Augenmerk, sondern auf die Mühen der Ebenen. Auf einigen Seiten ist Goethe wie einer von uns, ganz nahe gerückt. Der tägliche Frust, wenn nichts vorangehen will, die Vorsätze und das quälende Scheitern. Viele Ideen, wenig Verwirklichungskraft. "Mein Roman gleicht einem Strickstrumpf, der bei langsamer Arbeit schmutzig wird. Indessen wird er im Kopf überreif."

Wenn Goethe in die Einsamkeit floh oder zu Schiller, dann floh er um des Werkes willen. Christiane hat Angst, daß sein Schreiben ihn aufreibt, während ihn doch die Abhaltungen aufreiben. Sie verlangt eine Pause, wenn er etwas fertig hat, er aber fängt sogleich etwas Neues an. Eine Zeitlang setzt sie ihn unter Druck, will ihn für sich haben auf Kosten des Werkes. "Wenn du nicht da bist, ist es alles nichts." Für ihn ist das die schlimmste Drohung. Er entzieht sich erst recht, und sie fügt sich schließlich. Es ist unberechenbar, auch für ihn selbst, welche Bedingungen für das Gedeihen des Werks am besten sind. Mal verlangt es Geselligkeit, mal absolute Einsamkeit, mal die Geborgenheit der Ehe, mal den Kitzel des Aufbruchs ins Ungewisse einer Verliebtheit. Die "Äugelchen", die man wirft oder empfängt, spielen in beider Korrespondenz von Anfang an eine Rolle, und sie gönnen sie einander. Auch Christiane reist, mit seiner Billigung, ins Bad, wo sie kurt und tanzt und flirtet. Nur selten mahnt sie ihn leise, halb ängstlich, halb vertrauensvoll: Was willst du mit all den Äugelchen? "Vergiß nur nicht ganz dein ältstes, ich bitte dich, denke doch auch zuweilen an mich. Ich will indes fest auf die vertrauen, man mag sagen, was man will. Denn du bist es doch allein, der meiner gedenkt." Und sie hat recht. Seine Äugelchen enden stets als Gedicht, nie im Bett. Goethe ist treu auf seine Art. Die eine große Liebe seines Lebens ist die zu Christiane. All die anderen von der Literarhistorie so viel beredeten Damen sind blasses Papier. Sie allein ist das wortlos Reelle.

Schändlichkeiten? Daß er sie nicht gebildet habe, glaubt Sigrid Damm einmal kritisieren zu müssen. Aber das ist eine sehr heutige Idee in einem sonst sehr verständigen Buch. Hätte Christiane das überhaupt gewollt? Hätte sie mit Frau von Stein über Herders Humanitätsidee palavern sollen? Bedeutete es nicht mehr Respekt, sie zu lassen, wie sie war, statt ihr als Lehrer gegenüberzutreten?

Anstößiger ist Goethes Verhalten, als sie stirbt, nach einer Woche gräßlicher Qualen. Er kann sein Grauen vor Krankheit, Häßlichkeit und Tod auch dieses Mal nicht überwinden. Während sie am einen Ende des Hauses von furchtbaren Krämpfen gepeinigt wird, legt er sich am anderen Ende krank zu Bett, erstarrt vor Gram, unfähig, ihr Leiden zu teilen. Es verbraucht seine ganze Kraft, angesichts des Todesgrauens die Identität irgendwie zu bewahren. Da ist nichts mehr für sie übrig, um ihre Stirn zu trocknen, ihre Hand zu halten im Todeskampf. Sein Schreiben wird auch die Bedeutung haben, dem Tod Paroli zu bieten. Seiner Gräßlichkeit eine Grenze zu weisen mit dem schönen Wort. Tief im Innersten muß er erfahren, daß vor dem Tod die Worte versagen, wie vor der großen Liebe. Was sich versperrt, ist das Heiligste, damit das eigentlich Inspirierende. Tod und Eros sind stumm, gerade deshalb reizen sie ihn, spornen ihn an. Er will ihnen das Feld nicht überlassen. Es ist wahrlich ein titanischer Wettkampf, den er aufnimmt - der kleine Mensch gegen Mächte, die Demut fordern und normalerweise auch durchsetzen. Die Hilfsangebote der christlichen Religion weist Goethe zurück. Sie erscheinen ihm als Teil des Grauens, vor dem er flieht.

Der Tod hat es ihm nicht leichtgemacht. Er hat den sonst vom Glück verwöhnten Dichter und Staatsminister systematisch zermürbt, vor allem durch Christianes Schwangerschaften. Die beiden hätten fünf Kinder haben können. Der erste, August, überlebt, die anderen vier kommen gesund zur Welt, sterben aber binnen vierzehn Tagen eines rätselhaften Todes. Heute kennen wir das als Wirkung der Rhesus-Unverträglichkeit. Die erste Geburt baut die Antikörper auf, an der die folgenden Babys zugrunde gehen. Durch Blutaustausch könnte man sie heute retten. Damals mußten Goethe und Christiane in ohnmächtiger Resignation zusehen, wie ihnen eines nach dem anderen genommen wurde. Und Goethe wäre, wie sein Verhältnis zu August zeigt, gerne Vater gewesen.

Sigrid Damm hat alles zusammengetragen, was man über die beiden wissen kann. Sie ist der Versuchung aus dem Weg gegangen, das Fehlende romanhaft zu ergänzen, und schreibt doch bei aller Quellentreue voll Anmut und Anteilnahme. Sie geht mit Behutsamkeit zu Werke. Kein Kirchenbuch und keine Champagnerrechnung, kein Zettelchen und kein Dienstbotenklatsch entgehen ihrer Aufmerksamkeit. Aus allem weiß sie Schlüsse zu ziehen. Das Gesamtbild muß unscharf bleiben, doch bilden sich viele kleine Szenen vor unseren Augen. Wie Christiane die Spiele Amors beherrscht in allen zwölf Kategorien. Wie sie mehrere Haushalte leitet, Erbschaftsangelegenheiten erledigt, die boshaften Weimarer Damen erträgt. Sie kann kutschieren, reist allein, trägt zwei Pistolen, trinkt gern Champagner und tanzt ausgezeichnet.

Das Buch nimmt uns auch deshalb gefangen, weil Sigrid Damm nicht fertige Ergebnisse vorlegt, sondern uns an einem Recherche-Prozeß teilnehmen läßt, in dem sich aus wenigen Bleibseln die Umrisse einer bis dahin unterschätzten Beziehung schattenhaft herausbilden. Als beachtliche Persönlichkeit tritt uns Christiane entgegen. Sie mußte eine Rolle spielen, für die ihr niemand den Text vorgab. Das Vorurteil gegen sie wird es nicht leicht haben nach diesem Buch, und auch das Naserümpfen über das Liebesleben unseres Olympiers wird nicht mehr so spontan vonstatten gehen. Wenn uns das kommende Goethe-Jahr noch mehr so gute Bücher beschert, dann wird man sagen können: "Goethe lebt."

Sigrid Damm: "Christiane und Goethe". Eine Recherche. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1998. 541 Seiten, geb., 49,80 DM.

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