Poetische Rheinlandschaften - Kiewitz, Susanne

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Am Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt, gewann die Rheinlandschaft in den folgenden einhundert Jahren eine populäre Form als poetisches Motiv und nationales Statusobjekt der Deutschen. Die Autorin stellt die Lyrik in das Zentrum ihrer Studie, welche die Motivgeschichte des Rheins erstmals in ihrer Gesamtheit darstellt. Sie kreist um die Frage, wie und warum sich der Rhein als politisches Nationalsymbol durchsetzen konnte. Einzelne Ereignisse etwa die Befreiungskriege oder die Rheinkrise von 1840 werden besonders herausgehoben. Intensiv beleuchtet werden die Dichtungen der ersten Rheinromantiker…mehr

Produktbeschreibung
Am Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt, gewann die Rheinlandschaft in den folgenden einhundert Jahren eine populäre Form als poetisches Motiv und nationales Statusobjekt der Deutschen. Die Autorin stellt die Lyrik in das Zentrum ihrer Studie, welche die Motivgeschichte des Rheins erstmals in ihrer Gesamtheit darstellt. Sie kreist um die Frage, wie und warum sich der Rhein als politisches Nationalsymbol durchsetzen konnte. Einzelne Ereignisse etwa die Befreiungskriege oder die Rheinkrise von 1840 werden besonders herausgehoben. Intensiv beleuchtet werden die Dichtungen der ersten Rheinromantiker Clemens Brentano, Friedrich Schlegel und Joseph von Eichendorff. Ernst Moritz Arndts Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze wird ebenso behandelt wie Heinrich Heines bekannte und unbekannte Rheinlieder. Der Blick auf das Kaiserreich steht am Ende der Erfolgsgeschichte des 'deutschen Lieblingsstroms'. Der interdisziplinäre Gang durch die Rheinlandschaft eröffnet neue Einblicke in die Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts und in das Ideenspektrum des sich verändernden deutschen Nationalismus. Das Buch ist damit für Germanisten, Historiker sowie für den kulturgeschichtlich interessierten Leser gleichermaßen aufschlussreich.
  • Produktdetails
  • Literatur und Leben Bd.61
  • Verlag: Böhlau
  • Seitenzahl: 312
  • Erscheinungstermin: September 2003
  • Deutsch
  • Abmessung: 247mm x 177mm x 29mm
  • Gewicht: 758g
  • ISBN-13: 9783412112028
  • ISBN-10: 341211202X
  • Artikelnr.: 11280747
Autorenporträt
Susanne Kiewitz hat an der Universität Regensburg promoviert.
Rezensionen
Besprechung von 26.07.2004
Zum Rhein, zum deutschen Rhein
Im Namen des Flusses: Von der Poesie zum nationalen Symbol

Als Goethe und Herder mit ihren fliegenden Blättern "Von deutscher Art und Kunst" den allgemeinen Wunsch nach einer einigenden Kulturnation entfachten, konzentrierten sie sich auf die Volkspoesie, Baukunst und Geschichte. Das Straßburger Münster, den Antikensaal in Mannheim oder den Kölner Dom hätten sie anhand des stets umkämpften Grenzflusses zwischen Frankreich und den zerstreuten deutschen Kleinstaaten leicht auf eine Linie bringen können. Doch vom "Vater Rhein" ist im Sturm und Drang noch keine Rede. Erst im Zeitalter Napoleons wird diese vom wachsenden Tourismus und der Malerei längst erschlossene Region zur nationalsymbolischen Toposlandschaft.

Susanne Kiewitz durchwandert diese Landschaft nun in alle möglichen Richtungen. Anhand ihres schier unerschöpflichen Materials illustriert sie unterschiedliche Phasen - von der idyllischen Poetisierung über die patriotische oder freiheitliche Politisierung bis hin zum Nationalismus des Kaiserreichs. Ausführlich und geduldig erledigt die Autorin auf diese Weise ein gewaltiges Pensum. Es reicht von den elysischen Hymnen Hölderlins und zahlreichen romantischen Idealisierungen bei Schlegel, Brentano oder Eichendorff zu Arndts und Körners vaterländischen Gesängen auf den Sieg von 1814 und zu den nicht minder kernigen Reaktionen auf die französischen Gebietsforderungen von 1840. Lieder wie "Die Wacht am Rhein" kennt jeder - sei es vom grölenden Franz Biberkopf oder den Nationalsozialisten. Doch der Verfasser Max Schneckenburger ist wie viele der in diesem Buch als bloße ideologische Wortführer behandelten Barden vergessen, und das meist zu Recht.

Die in der Rheinlyrik dominanten vaterländischen Töne werden im Vormärz, etwa bei Ferdinand Freiligrath oder Georg Weerth, politisch umgekehrt, wenn nicht sogar parodiert. Keiner verläßt aber so eigenwillig und geistreich die ausgetretenen Pfade wie Heinrich Heine. Von der "Loreley" über den "Rabbi von Bacherach" bis zum "Wintermärchen" zeigt der Strom bei ihm sein ambivalentes Gesicht: Hier bietet er Ausflucht vor einem Pogrom, dort läßt er Schiffer an Uferklippen scheitern, im Rheingau scheint er sanft und lieblich, im engen Tal hingegen wild und erhaben. Spezifische Differenzen wie diese entwickelt die Studie immer wieder aus den verschiedenen ästhetischen, historischen und politischen Kontexten. Damit bearbeitet Susanne Kiewitz nicht nur ein wichtiges, bei Elisabeth Frenzel aber fehlendes Motiv der deutschen Literatur, sondern weist durch ihre problemgeschichtliche Topologie noch weit über einen bloßen Katalog von Fundstellen hinaus.

ALEXANDER KOSENINA

Susanne Kiewitz: "Poetische Rheinlandschaft". Die Geschichte des Rheins in der Lyrik des 19. Jahrhunderts. Böhlau Verlag, Köln 2003. 313 S., geb., 29,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Alexander Kosenina findet, dass Susanne Kiewitz mit "Poetische Rheinlandschaft" verdienstvoller Weise ein wichtiges Motiv der deutschen Literatur von den unterschiedlichsten Seiten erschließt: nämlich "Vater Rhein" und seine Widerspiegelung in der deutschen Literatur und Geistesgeschichte, von Hölderlin über Schlegel und Körner bis zu Franz Biberkopf, der in "Berlin Alexanderplatz" "Die Wacht am Rhein" grölt. "Schier unerschöpflich" sei das Material, das die Autorin zusammenträgt, "ausführlich und geduldig" erledige sie "ein gewaltiges Pensum". Bei der Fleißarbeit bleibt es jedoch nicht. Denn Kiewitz geht "durch ihre problemgeschichtliche Topologie noch weit über einen bloßen Katalog von Fundstellen hinaus", schreibt Kosenina. Ein Extralob des Rezensenten trägt Heinrich Heine davon. Denn keiner verlasse "so eigenwillig und geistreich die ausgetretenen Pfade" wie dieser. Die Vieldeutigkeit des vaterländischen Hauptstroms, sein Changieren zwischen den Rollen des Retters und Zerstörers, könne man von der "Loreley" bis zum "Wintermärchen" nachvollziehen.

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