Knapp am Herz vorbei, 8 Audio-CDs - Moehringer, J. R.
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"Er war der Gandhi der Gangster." J. R. Moehringer
New York, Weihnachten 1969. Willie Sutton packt seine Bücher ein und räumt seine Zelle. Endlich Freiheit. Nach siebzehn Jahren. Doch die Zeit hat ihre Bedeutung verloren. Mit einem Fotografen und einem Reporter fährt er durch das verschneite New York auf den Spuren seiner legendären Vergangenheit: Die Kindheit im irischen Viertel, der erste Raub, dann 200 Banküberfälle, ohne je einen einzigen Schuss abzufeuern - und immer wieder Bess, die ihm das Herz brach. Mit "Tender Bar" hat J. R. Moehringer ein Millionenpublikum verzaubert. In "Knapp…mehr

Produktbeschreibung
"Er war der Gandhi der Gangster." J. R. Moehringer

New York, Weihnachten 1969. Willie Sutton packt seine Bücher ein und räumt seine Zelle. Endlich Freiheit. Nach siebzehn Jahren. Doch die Zeit hat ihre Bedeutung verloren. Mit einem Fotografen und einem Reporter fährt er durch das verschneite New York auf den Spuren seiner legendären Vergangenheit: Die Kindheit im irischen Viertel, der erste Raub, dann 200 Banküberfälle, ohne je einen einzigen Schuss abzufeuern - und immer wieder Bess, die ihm das Herz brach.
Mit "Tender Bar" hat J. R. Moehringer ein Millionenpublikum verzaubert. In "Knapp am Herz vorbei" erzählt er wieder eine wahre Geschichte - vom Leben des beliebtesten Bankräubers aller Zeiten. Was dabei Wirklichkeit und was Erfindung ist, werden wir nie erfahren. Aber was macht das schon.

Burghart Klaußner, geboren 1949 in Berlin, ist neben diversen Bühnen-Engagements in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen zu sehen. 2009 spielte er in dem für den Oscar nominierten Kinofilm "Das weiße Band", der in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt wurde. In diesem Jahr wurde er für die Lesung von Jo Nesbøs "Leopard" mit dem Corine Buchpreis in der Kategorie "Bestes Hörbuch" geehrt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Argon
  • Originaltitel: Sutton
  • Anzahl: 8 Audio CDs
  • Gesamtlaufzeit: 581 Min.
  • Erscheinungstermin: 21. März 2013
  • ISBN-13: 9783839812280
  • Artikelnr.: 36795297
Autorenporträt

Bis zu seinem Erstling "Tender Bar" war John Joseph ("J. R.") Moehringer, Jahrgang 1964, einer von vielen, wenn auch brillanten und sogar mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Autoren der New York Times. "Tender Bar" macht ihn 2005 über Nacht berühmt; sein autobiografisch gefärbter Roman erstürmt über Nacht die Bestsellerlisten. Kritiker loben seine nadelfeinen Beschreibungen, seinen Humor - fernab der oft üblichen literarischen Peinlichkeiten "handelsüblicher" Bestseller. In "Tender Bar" erzählt Moehringer von seiner Kindheit, die er in der Bar seines Onkels Charly in Manhasset (US-Bundesstaat New York) verbringt, von seinen vielen skurrilen "Vätern", die ihm den abwesenden und so schmerzlich vermissten leiblichen Vater ersetzen, bzw. von der Bar selbst, die ihm auch "Vater" wird. "J. R." berichtet von seiner Jugend, davon, wie er als 13-Jähriger seine Mutter vorm Bankrott rettet, indem er in einer Buchhandlung jobbt, was ihm den Weg zum Studium in Yale ebnen wird...


Nachdem sich der Hype um "Tender Bar" gelegt hatte, wechselte "J. R." von der NYT zur Los Angeles Times, tauchte - abgesehen von einer Ausnahme (mit Andre Agassi schreibt er dessen Biografie, die 2009 erscheint) - im Alltagsgeschäft unter. Jetzt legt er mit "Knapp am Herz vorbei" seinen zweiten Roman vor - und auch der hat das Zeug zum Bestseller. Auch er basiert auf Fakten, diesmal allerdings keinen autobiografischen, sondern biografischen. "J. R." zeichnet das Leben des erfolgreichsten und literarischsten Bankräubers in der US-Geschichte nach: Willie Sutton. Hier schließt sich der Kreis zu "Tender Bar", denn von Sutton hat "J. R." erstmals in Charlies Bar gehört - und war seitdem fasziniert... Die Biografie bleibt fiktiv, muss fiktiv bleiben, denn keiner weiß, wer Sutton wirklich war. Moehringer schreibt: "Leider weilen Sutton, die Reporter und der Fotograf (die Sutton nach seiner letzten Knastentlassung eine Zeitlang begleitet haben; Anm. d. Verf.) nicht mehr unter uns, weshalb das, was sich zwischen ihnen an jenem Weihnachten (1969, Anm. d. Verf.) abgespielt hat, und das, was Sutton in den vorangegangenen achtundsechzig Jahren widerfahren ist, reine Wahrnehmung bleibt. Dieses Buch ist eine Vermutung." "J. R." lebt in Scottsdale (Arizona).

Trackliste
CD 1
1Knapp am Herz vorbei00:00:18
2Knapp am Herz vorbei00:04:51
3Knapp am Herz vorbei00:04:47
4Knapp am Herz vorbei00:05:01
5Knapp am Herz vorbei00:04:51
6Knapp am Herz vorbei00:04:58
7Knapp am Herz vorbei00:04:57
8Knapp am Herz vorbei00:04:51
9Knapp am Herz vorbei00:05:14
10Knapp am Herz vorbei00:05:06
11Knapp am Herz vorbei00:05:09
12Knapp am Herz vorbei00:04:56
13Knapp am Herz vorbei00:05:02
14Knapp am Herz vorbei00:05:00
15Knapp am Herz vorbei00:05:07
16Knapp am Herz vorbei00:03:32
17Knapp am Herz vorbei00:02:52
CD 2
1Knapp am Herz vorbei00:05:01
2Knapp am Herz vorbei00:05:08
3Knapp am Herz vorbei00:05:17
4Knapp am Herz vorbei00:04:57
5Knapp am Herz vorbei00:04:53
6Knapp am Herz vorbei00:05:15
7Knapp am Herz vorbei00:04:54
8Knapp am Herz vorbei00:05:02
9Knapp am Herz vorbei00:05:08
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15Knapp am Herz vorbei00:04:53
16Knapp am Herz vorbei00:01:44
CD 3
1Knapp am Herz vorbei00:04:52
2Knapp am Herz vorbei00:04:56
3Knapp am Herz vorbei00:04:44
4Knapp am Herz vorbei00:05:07
5Knapp am Herz vorbei00:05:00
6Knapp am Herz vorbei00:05:16
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11Knapp am Herz vorbei00:04:55
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13Knapp am Herz vorbei00:05:10
14Knapp am Herz vorbei00:05:50
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.03.2013

Geld ist gut, Glück ist besser

Denk an die Liebe, und vergiss den Tod: Virtuos rekonstruiert J. R. Moehringer das Leben des berühmten Bankräubers Willie Sutton.

Von Jakob Strobel y Serra

Ein Serienbankräuber, der einer Frau rettungslos verfallen ist und nur deswegen auf die schiefe Bahn gerät, der in seiner langen Kriminellenkarriere zweihundertmal zuschlägt und dabei keiner Menschenseele ein Haar krümmt, der sein halbes Leben im Gefängnis verbringt und dort die Weltliteratur von vorne bis hinten liest, ein Mensch wie Willie Sutton also hat alles Recht der Welt, solche Sätze zu sagen, die hart an der Grenze zum Kitsch und doch nur die nackte Wahrheit sind: "Geld oder Liebe, Kleiner. Nichts anderes zählt. Beides lässt uns den Tod vergessen. Zumindest für ein paar Minuten." Am Ende des Buches, wenn man nicht den Tod, doch die Zeit wie im Flug vergessen hat, rechnet man nach, welchen Stand das eigene Glückskonto hat - und kann erleichtert feststellen, dass es ein bisschen besser mit Geld und Liebe gefüllt ist als beim guten, armen Gangster Willie Sutton.

J. R. Moehringer, der vor ein paar Jahren mit "Tender Bar" einen globalen Bestsellererfolg feierte, erzählt in seinem jüngsten Buch die Lebensgeschichte des berühmtesten Bankräubers seiner Zeit, ohne sich zum Sklaven der Fakten zu machen. Er zimmert sich nur ein loses Gerüst aus wahren Begebenheiten, das er mit seiner Fiktion, seiner Phantasie, seinen Vermutungen füllt. Es stimmt, dass Sutton am Weihnachtsabend 1969 nach siebzehn Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird. Er ist ein Volksheld, eine lebende Legende, eine Art ehrenwerter Verbrecher, dessen Taten als eine Form höherer Gerechtigkeit jenseits physischer Gewalt verstanden werden, als Rache des kleinen Mannes an den eigentlichen Großgangstern in den Banken. Richtig ist auch, dass Suttons Anwältin einen Deal mit einer Zeitung aushandelt: Den gesamten Tag nach der Entlassung verbringt Sutton mit einem Journalisten und einem Fotografen, die mit ihm zu den Stationen seines Lebens in New York fahren, um seine Geschichte zu rekonstruieren.

Sie kommen zum Haus seiner Kindheit in Irish Town, einem Slum im Norden Brooklyns, in dem die irischen Einwanderer ihre Träume vom besseren Leben in Gläsern voller Fusel versenken. Sie sehen seine Grundschule, die er als bester Schüler verlässt, ohne sich dafür eine Lebensperspektive kaufen zu können, den Schlachthof, der Suttons Spielplatz war, und die anderen Orte einer wütenden Jugend im Elend. Dann spielt das Schicksal dem Halbwüchsigen besonders übel mit: Er verliebt sich in Bess, die Tochter eines Großindustriellen. Doch der Vater verbietet Bess den Umgang mit Willie, woraufhin das Mädchen den verliebten Jungen anstachelt, den Safe in der Werft des Vaters zu knacken, um gemeinsam zu fliehen. So geschieht es, aber nach einer Woche unschuldigen Bonny-und-Clyde-Daseins werden sie geschnappt. Er wird verurteilt, sie ins Ausland geschickt, und die kriminelle Vita des guten Menschen Willie nimmt ihren Lauf. Es ist ein ständiges Pendeln zwischen dem Luxusleben eines erfolgreichen Gangsters und der Einsamkeit eines Gefängnisinsassen, der in der Zelle zum fanatischen Leser wird, Platon, Dante, Shakespeare, Kerouac verschlingt, selbst Romane schreibt und niemals aufhören kann, Bess zu lieben, sein Glück und sein Unheil.

Das klingt nach einem tränenreichen Ganovenrührstück. Doch Moehringer macht daraus ein Meisterwerk der Lakonik. Seine Erzähltechnik sorgt dafür, dass Willie gar nicht erst in die Versuchung elegischer Sentimentalität kommt: In schnellen Gegenschnitten springt die Geschichte immer wieder von der Gegenwart des Weihnachtsfestes 1969 zu den Erinnerungen des Bankräubers und wird dabei nicht zu einem ermüdenden Pingpongspiel, sondern wirkt wie ein Sog in Suttons düstere Vergangenheit. Auch Moehringers Sprache bewahrt den Gangster vor den Fallgruben des Gefühlsdusels. Sie ist so staubtrocken wie die Sahelzone, sparsam gewürzt mit abgründigem Witz und von allem Überflüssigen radikal entkleidet. Keine Manierismen, keine Schnörkel, keine Floskeln, keine Selbstverliebtheiten gesteht sich Moehringer zu, auch fast keine Metaphern, warum auch, schließlich geht es um nichts anderes als das nackte Leben.

Trotz ihrer Sprödheit ist die Sprache immer eine Attacke auf das Gemüt der Leser, etwa wenn in wenigen Worten erzählt wird, wie die älteren Brüder den jungen Willie grundlos quälen, Sutton bei einer einarmigen Prostituierten seine Unschuld verliert oder Willies Freund Eddie erschossen wird. Seine Freundin wirft sich schützend über ihn, wobei eine Kugel ihre Hand zerschmettert. "Sie schrieb mir jahrelang in den Knast. Es fiel mir schwer, ihre Briefe zu lesen", sagt Sutton dem Journalisten. "Zu emotional?", fragt dieser mitfühlend. Darauf Sutton: "Nein, unleserlich. Sie hatte nur vier Finger."

Mit dem Leben Willie Suttons erzählt Moehringer aber nicht nur die Biographie eines tragischen Helden im amerikanischen Traum, sondern en passant auch die Geschichte Amerikas im zwanzigsten Jahrhundert vom Einwandererelend bis zur Achtundsechziger-Revolte - eine Geschichte der Weltkriege und Friedenstrugschlüsse, der Depressionen und Euphorien. Vieles wird nur gestreift, doch hinterlässt jede Epoche Spuren. Und oft genug zeigt die Geschichte die Fratze ihrer Aktualität - als erschreckender Trost dafür, dass früher auch nichts besser war als heute. Willies Jugendfreund Eddie jedenfalls könnte man mit dieser Diagnose zu jeder Eurokrisen-Talkshow einladen.

Es geht in diesem Buch um viel mehr als nur um Bankraub: Es geht um Geld und Liebe und damit um alles, was die menschliche Existenz antreibt und zerstört, erträglich macht und untragbar sein lässt: um Glück und Tragik, Schmerz und Scheitern, Sehnsucht und Verlangen, Gerechtigkeit und Verbrechen, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit - ein großes Buch, das mitten ins Herz trifft.

J. R. Moehringer: "Knapp am Herz vorbei". Roman.

Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2013. 444 S., geb., 19,99 [Euro].

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ein großes Buch, das mitten ins Herz trifft. Jakob Strobel y Serra Frankfurter Allgemeine Zeitung 20130309